Sonntag, 20. Mai 2018

Rezension: "Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden" von Genki Kawamura

Daten zum Buch:
erschienen am: 23. April 2018
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 9783570103357
190 Seiten
Preis: 18,00 €
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Zum Inhalt:
Irgendwo in Japan: Ein 30jähriger Postbote erfährt, dass er einen Hirntumor im Endstadium hat und nicht mehr lange leben wird. Zuhause erwartet ihn kein Geringerer als der Teufel höchstpersönlich, der ihm einen Handel vorschlägt: Für jeden Tag, den er länger leben möchte, muss er etwas von der Welt verschwinden lassen. Was, das entscheidet der Teufel selbst. Anfänglich fängt es dem Briefträger leicht, auf Dinge wie Telefone oder Uhren zu verzichten, doch dann will der Teufel alle Katzen verschwinden lassen.

Meine Meinung:
Der namenlose Protagonist ist 30 Jahre alt, Postbote und wohnt alleine mit seinem geliebten Kater Weißkohl. Als er erfährt, dass er bald sterben wird, fällt ihm erst auf, was für ein tristes Leben er bislang eigentlich geführt hat. Als dann der Teufel einen Deal anbietet, zögert er nicht lange. Der Roman erschien in Japan übrigens bereits 2012 und wurde dort auch 2016 verfilmt.

Die Grundidee des Buches finde ich sehr spannend, auch wenn sie natürlich recht schräg ist. Für jeden Tag Leben muss die Hauptfigur eine Sache von der Welt verschwinden lassen, die der Teufel aussucht. Jedes Kapitel behandelt einen Tag und somit eine Sache, die von der Welt getilgt wird. Der Postbote macht sich Gedanken über diese Dinge, welche Bedeutung sie für die Menschen und für ihn speziell haben/hatten, und er erinnert sich an sein Leben, an seine große Liebe, an seine Eltern und seine beiden Katzen, von der eine noch bei ihm lebt. Durch diese Analysen und Erinnerungen lernt man ihn nach und nach besser kennen. Ich fand ihn sehr sympathisch und konnte mit ihm fühlen. Seine Gedankengänge fördern viele (oft unangenehme) Wahrheiten zu Tage und stimmen durchaus nachdenklich. Seine Erinnerungen, vor allem die an seine verstorbene Mutter, sind teils sehr emotional und haben mich wirklich berührt. 

Auf der einen Seite hält der Postbote am Leben fest und möchte nicht sterben, auf der anderen Seite fängt er langsam an, sein Schicksal anzunehmen und loszulassen. Er reflektiert sein bisheriges Leben und erkennt, dass es nicht darauf ankommt, wie lange, sondern wie intensiv man gelebt und geliebt hat.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und ich bin durch das mit 190 Seiten sowieso schon nicht allzu dicke Buch regelrecht geflogen. Auch wenn die Thematik ernst ist, finden sich hier etliche humorvolle Stellen.

"Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden" ist eine ruhige, aber emotionale Tragikomödie, die sich mit den schwierigen Themen Verlust, Trauer und Tod beschäftigt. Nachdem ich wegen der etwas schrägen Geschichte anfänglich noch etwas skeptisch war und befürchtete, dass es ins Alberne abdriften könnte, hat es mir dann doch sehr gut gefallen.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!

Freitag, 18. Mai 2018

Rezension: "Ans Meer" von René Freund

Daten zum Buch:
erschienen am: 14. Mai 2018
Verlag: Deuticke
ISBN: 9783552063631
140 Seiten
Preis: 16,00 € (HC)
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Zum Inhalt:
Antons Leben ist klar durchstrukturiert. Tag für Tag fährt der gutmütige Busfahrer seine Strecke und bringt den Schülern bei, wie man richtig grüßt. Doch an diesem Tag leidet er unter Liebeskummer, denn auf dem Balkon seines Schwarms Doris hat er einen Mann husten hören.

Wie jeden Tag steigen die krebskranke Carla und ihre Tochter Annika zu Anton in den Bus. Doch diesmal wollen sie nicht die nächste Stadt, sondern nach Italien. Carla möchte noch einmal ihre Heimat sehen, bevor sie stirbt. Aber Anton kann doch nicht einfach die Route ändern und mit einem Haufen Schulkinder in den Süden fahren - oder etwa doch?

Meine Meinung:
Das Buch wollte ich nicht nur lesen, weil mich der Klappentext neugierig gemacht hat, sondern auch weil ich René Freund als Autor wirklich schätze. Ich habe bislang von ihm „Mein Vater, der Deserteur“ und „Niemand weiß, wie spät es ist“ gelesen, und v. a. letzteres gefiel mir äußerst gut!

Die Geschichte wird hauptsächlich aus Antons Sicht erzählt, stellenweise aus der Sicht von Doris, seinem Schwarm, die ihm auf seinem Road Trip folgt. Die Handlungsstränge führen dann zusammen und Doris begleitet die Gruppe auf den letzten Kilometern nach/in Italien.

Anton ist ein komischer Kauz, aber auf seine Art auch recht liebenswürdig. Seine Figur macht eine starke Wandlung durch. So bricht er nicht nur aus seinem täglichen Berufstrott aus, macht sich strafbar durch die „Entführung“ des Busses und seiner teils minderjährigen Begleiter, und er lässt sich nicht mehr von seiner herrschsüchtigen Mutter an die kurze (Telefon-)Leine legen. Mit Doris konnte ich weniger anfangen. Die Liebesgeschichte war sicherlich weit entfernt von jeglicher Romantik, auch wenn Antons Schwärmerei sehr putzig war.

Die Mitfahrer bilden eine illustre Gruppe, die anfänglich gar nicht zusammenpassen mag, aber sich zusammenrauft. Schön fand ich, dass irgendwann alle gegenseitig aufeinander aufgepasst haben und sich eine gewisse Gruppendynamik entwickelte.

Herzstück des Romans ist aber nicht Anton, sondern die krebskranke Carla, die den Busfahrer geradezu nötigt, einen „Abstecher“ nach Italien zu machen. Den nahenden Tod vor Augen, ist sie bewundernswert stark. Ebenso wie ihre 11jährige Tochter, die sich während der Fahrt rührend um die Mutter kümmert und die eigenen Sorgen hintenan stellt. Das Ende ist zufriedenstellend und vor allem realistisch. (Nun ja, bis auf die beiden Kiffer, die… nein, ich will nicht spoilern.)

Ich mag Freunds Schreibstil. Er ist eloquent, lebendig, humorvoll und lässt sich angenehm lesen. Die Emotionen werden gut eingefangen. Die Geschichte um Carla hat mir dann auch ein paar Tränchen in die Augen getrieben.

Dennoch muss ich anmerken, dass die Geschichte recht kurz ist und mir im Vergleich zu Freunds anderen Büchern, die ich kenne, der Tiefgang fehlte. Der Roman ist fast schneller vorbei, als ich mich darauf einlassen konnte. Er ist unterhaltsam, hat aber keinen großen Eindruck bei mir hinterlassen. Man hätte vermutlich noch mehr aus der Geschichte herausholen können. Aber ansonsten ist „Ans Meer“ auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung mit liebenswürdigen Charakteren.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an vorablesen.de für dieses Rezensionsexemplar!

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Hier geht's zu meinen anderen Rezensionen von René Freunds Büchern:
- Mein Vater, der Deserteur
- Niemand weiß, wie spät es ist

Mittwoch, 16. Mai 2018

Rezension: "'Mama sagt, dass selbst die Vögel nicht mehr singen' - Mein Tagebuch Aleppo 2011-2017" von Myriam Rawick

Daten zum Buch:
erschienen am: 5. März 2018
Verlag: Blessing
ISBN: 9783896676221
175 Seiten
Preis: 15,00 € (HC)
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Zum Inhalt:
Myriam ist knapp sieben Jahre, lebt mit ihren Eltern in Aleppo, liebt das Gewimmel auf dem Basar und die Gerüche des Jabel-Saydé-Viertels, wo sie und andere armenische Christen wohnen. Als im September 2011 die Unruhen ausbrechen, rät die Mutter ihr, ein Tagebuch zu führen, um den Schrecken zu bannen. Erschüttert hält Myriam fest, wie ihre Welt in Terror und Angst zusammenbricht, sie von einem Viertel ins nächste ziehen müssen, Cousins sterben oder entführt werden. Nur selten kann sie dem Terror ringsum ein kurzes kindliches Glück abtrotzen. Doch sie und ihre Familie halten unverbrüchlich zusammen und überleben mit Glück und Geschick das unfassbare Leid.

Am 15. Dezember 2016 kam der französische Journalist Philippe Lobjois nach Aleppo, lernte Myriam und ihre Familie kennen und erfuhr von ihrem Tagebuch. Später half er ihr, es aus dem Arabischen ins Französische zu übertragen.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Myriam lebt zusammen mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester in Aleppo. Die ersten Jahre ihres Lebens sind friedlich. Der Vater hat einen kleinen Kiosk, die Mutter arbeitet bei der christlichen Organisation "Maristes bleues", Myriam geht gerne in die Schule. Doch dann beginnen die Unruhen. Es wird immer gefährlicher, auf die Straße zu gehen, und irgendwann fangen die Bombenangriffe an und die Familie Rawick befindet sich mitten im Krieg.

Myriams Leben in Aleppo war wirklich schön, so wie sie es schildert. So kenne ich es auch aus anderen Biographien syrischer Kinder, die ich gelesen habe ("Nujeen - Flucht in die Freiheit" und "Ich bin das Mädchen aus Aleppo"). Es ist traurig, dass man sich das nicht so richtig vorstellen kann, da die meisten von uns dieses Land nur im Zusammenhang mit Krieg und Zerstörung kennen. Aber es ist wichtig, dass auch von dem Leben davor erzählt wird, damit der Leser ein anderes Syrien kennenlernen kann und versteht, was die Menschen durch den Krieg alles verloren haben.

Die einzelnen Einträge sind meist sehr kurz gehalten und bestehen nur aus wenigen Sätzen. Anfänglich noch fröhlich, werden sie von Seite zu Seite bedrückender. Erst scheint alles ganz weit weg, kommt immer näher und dann ist es Alltag, dass Tag und Nacht die Bomben fallen und man auf dem Weg von der Schule rennen muss, um nicht von einer Kugel getroffen zu werden. Mehrmals muss die Familie umziehen, da ihr Zuhause nicht mehr sicher ist oder zerstört wurde.

Myriam und ihre Familie sind gläubige Christen, die sich auch durch ihre Mitarbeit bei den "Maristes bleus" aktiv einbringen. Doch die meiste Zeit hat ihr Glaube keinen Einfluss auf das Miteinander in Aleppo, sie haben ganz normal Kontakt zu Muslimen, und vor dem Einzug des IS schien die Familie keine Probleme gehabt zu haben mit der muslimischen Bevölkerung. Auch im Krieg spielt die Religion der Familie eher eine untergeordnete Rolle, man hilft sich gegenseitig und leidet zusammen, gleich welcher Religion man angehört.

Die Sprache ist kindgerecht, wenngleich ich denke, dass die Einträge nicht der Ausdrucksfähigkeit eines Kindes im damaligen Alter der Autorin entsprechen. Das Tagebuch beginnt im April 2011, zu diesem Zeitpunkt ist Myriam sieben Jahre alt. Auch wenn die Einträge einfach gehalten sind, erscheinen mir manche Ausdrücke und Beobachtungen zu scharfsinnig für ein Kind solchen Alters. Das stört mich aber nicht, und selbst wenn Myriam hier die Hilfe eines Erwachsenen hatte, sind die Schilderungen dennoch authentisch. 

Myriam und ihre Familie sind nicht aus Syrien geflohen, sondern leben noch in Aleppo. Ich habe leider nicht viel über sie in Erfahrung bringen können, und auch im Buch erfährt man nicht, wie es ihr heute ergeht. Das fand ich sehr schade. Man kann nur hoffen, dass sie und ihre Familie dort sicher sind.

"Mama sagt, dass selbst die Vögel nicht mehr singen" ist ein erschütternder Tatsachenbericht aus der Sicht eines unschuldigen Kindes, der eindrücklich den Alltag der syrischen Bevölkerung inmitten des Krieges schildert.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!

Dienstag, 15. Mai 2018

Warum dieser Blog (vorerst) offline gesetzt wird

Ihr Lieben,

ich habe lange darüber nachgedacht und mit mir gehadert, aber nun eine Entscheidung getroffen: Ich werde diesen Blog am 23. Mai (vorerst) offline schalten.

Aufgrund des Datums könnt ihr euch vermutlich denken, warum. Am 24. Mai tritt die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. Und nach der Lektüre zahlreicher Artikel und Anleitungen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich die DSGVO nicht so umsetzen kann, dass mein Blog abmahnungssicher ist.

WER NICHT ALLES DURCHLESEN WILL: UNTEN FINDET IHR DIE MÖGLICHKEITEN, "SCHATZ, ICH WILL EIN BUCH VON DIR!" AUCH WEITERHIN ZU FOLGEN!

Ich habe mir nun zahlreiche Beiträge und Meinungen zu dem Thema durchgelesen. Selbst Anwälte wissen nicht, wie man die DSGVO als Blogger 100%ig erfüllt - zumindest nicht, ohne dass dies mit einem enormen Aufwand verbunden wäre. Da ich weder Anwalt noch Informatiker zur Hand habe, müsste ich mich hier entweder mit enormem Zeitaufwand selbst um alles kümmern - und das wird nix, denn ich bin schon mit einfachen Sachen überfordert und verstehe die Anleitungen nicht, selbst wenn sie von anderen Bloggern bereits idiotensicher erklärt werden. Zudem hab ich die Zeit nicht dafür bis zum 24. Mai, ich arbeite ja noch so "nebenher" Vollzeit.^^

Also könnte ich mir alternativ kostenpflichtige Hilfe holen. Und ob das dann erfolgreich ist, ist noch die nächste Frage, denn Blogspot mit Sitz in den USA scheint sowieso nicht alle Funktionen anzubieten, die man benötigt, um DSGVO-konform bloggen zu können. Manche Blogs ziehen nun um, z. B. zu Wordpress, aber das ist eine Heidenarbeit, und dazu bin ich nicht bereit.

Jetzt denken sich bestimmt einige Blogger: "Ach komm schon, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Sei kein Feigling! Ich lass es doch auch einfach auf mich zukommen und mach halt nur das, was ich kann." Aber ich persönlich bin kein Freund von unnötigen Risiken. Die Abmahnanwälte und -vereine stehen bereits in den Startlöchern, und das ist kein Gerücht! Ich arbeite selbst mit Gesetzen, und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Außerdem gibt es genügend verrückte Leute, die aus allem Kapital schlagen. Ich möchte nicht monate- oder gar jahrelang Geld sparen, um eine Strafe zu begleichen für etwas, das ich aus reiner Freude und ohne Vergütung mache. Mag sein, dass die sich nicht für so kleine Seitenbetreiber interessieren, da dort nicht so viel zu holen ist, andererseits macht Kleinvieh auch Mist, und je kleiner der Blog, desto unwahrscheinlicher, dass man sich mit einer Armada von Anwälten wehrt, ne?

Ja, ich liebe meinen Blog. Vor über 6 Jahren habe ich ihn begonnen. Und es fällt mir sehr schwer, ihn offline zu schalten. Aber es ist, wie es ist. Mein Blog ist ein Hobby. Als ich ihn anfing, steckte ich in einer Krise und das Bloggen half mir, intellektuell nicht komplett abzustürzen. Und ich hatte Zeit, viel Zeit zum Lesen und Rezensieren.

Mittlerweile arbeite ich seit einigen Jahren Vollzeit, und natürlich muss ich mir die Zeit für den Blog irgendwie aus den Rippen schneiden. Phasenweise hatte ich schon gemerkt, dass ich mich mit Rezensionsverpflichtungen übernahm und stellenweise die Lust am Lesen auf der Strecke blieb. Vielleicht ist es ja sogar nicht ganz verkehrt, dass ich mich zurücknehmen muss.

Es ist und bleibt ein unbezahltes Hobby. Und es gibt ein Maximum an Aufwand, das ich bereit bin zu geben. Und dieses Maximum wird mit den Anforderungen, die die DSGVO derzeit noch an Blogger stellt, definitiv überschritten. Zumal die Besucherzahlen schon lange stagnieren und hier selten bis gar nicht kommentiert wird.

Zudem werde ich mich nicht vollständig verabschieden. Ich bin zwar offiziell keine Bloggerin mehr, denn dafür braucht man nunmal einen Blog. Aber ich werde auch weiterhin meine Seite auf Facebook mit Beiträgen füttern und Rezensionen veröffentlichen. Wer mir ohnehin über Facebook folgt, für den ändert sich nichts. Ich verlinke halt nicht mehr die Beiträge, sondern werde den Text direkt dort posten (Optisch leider nicht so der Brüller, aber es kommt ja auf den Inhalt an.). Wer kein Facebook-Profil hat - die Seite ist öffentlich und somit sollten die Beiträge auch ohne Anmeldung lesbar sein. Ihr könnt halt nur nicht kommentieren.

Ansonsten könnt ihr zumindest meine Rezensionen auf folgenden Kanälen lesen (Nutzername überall: "Anchesenamun"):

LovelyBooks
Was liest du?
Lesejury
Vorablesen

Wer weiß, vielleicht gibt es ja doch noch irgendwann erleichternde Regelungen für private Blogger und ich schalte den Blog wieder online. Aber das ist derzeit leider nicht absehbar. Doch da ich euch über andere Kanäle erhalten bleibe, verabschiede ich mich jetzt nicht theatralisch, sondern sage einfach: "Dankeschön für eure bisherige Treue & auf Wiedersehen!" :-)

Mittwoch, 9. Mai 2018

Buch-Zitat des Tages

https://www.randomhouse.de/Buch/Mama-sagt,-dass-selbst-die-Voegel-nicht-mehr-singen/Myriam-Rawick/Blessing/e535302.rhd
aus: "Mama sagt, dass selbst die Vögel nicht mehr singen" von Myriam Rawick (S. 134)

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Aleppo, 2. Juni 2014
Heute haben wir den Tag im Eingangsbereich des Hauses verbracht. Wir wurden in einem fort bombardiert.
Papa sagt, dass das an den Präsidentschaftswahlen liegt. Die Rebellen wollen die Menschen daran hindern, wählen zu gehen, sagt er, deswegen schießen sie überall auf den Straßen.
Wir haben bei Jedo und Teta zu Abend gegessen. Danach wollten wir in unsere Wohnung zurückkehren. Aber als wir unterwegs waren, fingen die Bombenangriffe wieder an. So heftig, dass wir Schutz suchen und abwarten mussten, bis es vorbei war. Mama hat nach jedem Schuss gezählt, als wäre es ein Gewitter. Nach zehn Sekunden gab es immer eine Explosion. Es war also nicht weit weg.
Papa meinte, wir müssten nach Hause rennen. Er hat Joelle an der Hand genommen, Mama nahm sie an die andere Hand, und ich nahm Mamas Hand. Und dann sind wir, an die Häuserwände gedrückt, losgerannt.
Aber es waren wirklich zu viele Bomben, und sie waren zu nah. Also haben wir unter der Vorhalle eines Hauses gewartet. Papa sagte zu Mama, dass wir umkehren müssen. Deswegen hat Mama Joelle auf den Arm genommen und wir sind wieder in die andere Richtung gerannt. Zurück zu Jedo und Teta, die schon unten im Haus auf uns warteten, sie waren außer sich vor Sorge.
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Sonntag, 6. Mai 2018

Neuzugänge

Heute gibt's mal wieder meine Neuzugänge zu bewundern. :-)

Rezensionsexemplare


- René Freund, "Ans Meer" (über das Bloggerportal von Randomhouse angefordert)
- Jen Malone, "Acht Städte, sechs Senioren, ein falscher Name und der Sommer meines Lebens" (vom Verlag erhalten)
- Vicky Grant, "36 Fragen an dich" (über das Bloggerportal von Randomhouse angefordert)
- Genki Kawamura, "Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden" (über das Bloggerportal von Randomhouse angefordert)


Gewonnen


- Lorraine Fouchet, "Die Farben des Lebens" (bei einem Facebook-Gewinnspiel von Buchszene.de gewonnen)


Gekauft


- Monika Baumüller & Andreas Odenwald, "Amsterdam - Eine Stadt in Biographien" (gekauft bei Hugendubel für 4,00 €)
- Stefania & Dominic Perring, "Gestern & heute - Ein Streifzug durch historische Stätten" (gekauft beim BRK-Flohmarkt für 1,50 €)
- Norbert Schreiber, "Prag - Eine Stadt in Biographien" (gekauft bei Hugendubel für 4,00 €)
- Olaf E. Kaper (Hrsg.), "Koninginnen van de Nijl" (gekauft im Rijksmuseum van Oudheden Leiden für 9,95 €)
- Kurt Schlier, "Die ersten 21 Jahre meines Lebens" (gekauft beim BRK-Flohmarkt für 1,50 €)
- Christiane Thiel, "Mein Gott und ich" (gekauft im 1-Euro-Shop)
- Dunja Hayali, "Is' was, Dog? Mein Leben mit Hund und Haaren" (hab ich ehrlich gesagt vergessen...)


Ertauscht


- Sven Bramert, "Ich habe den Führer rasiert" (aus dem Tauschregal)
- Jesper Wung-Sung, "Weg mit Knut" (Tauschticket, 2 Tickets)
- Katharina Kunzmann, "Ab ins Bett! Eine traumhafte Reise in die Welt des Schlafes" (TT, 2 Tickets)
- Nicola Yoon, "The Sun is also a Star" (TT, 3 Tickets)
- Katrin Zipse, "Antonia rettet die Welt - Schildkrötenküsse" (TT, 3 Tickets)
- Ildikó von Kürthy, "Hilde - Mein neues Leben als Frauchen" (TT, 3 Tickets)

Donnerstag, 3. Mai 2018

Rezension: "Acht Städte, sechs Senioren, ein falscher Name und der Sommer meines Lebens" von Jen Malone

Daten zum Buch:
erschienen am: 18. Januar 2018
Verlag: Magellan
ISBN: 9783734850349
318 Seiten
Preis: 17,00 € (HC)
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Zum Inhalt:
Aubree hat gerade die High School beendet und lässt sich treiben. Die kommenden Sommerferien wird sie mit ihren Freundinnen ganz gechillt am Pool verbringen, so der Plan. Sie ist eben ganz anders als ihre ehrgeizige große Schwester Elizabeth, die gerade ihr Studium erfolgreich beendet hat und nun eine Karriere in der Politik anstrebt.

Doch dann läuft eine von Bree organisierte Party aus dem Ruder, und Elizabeth, die für ihre kleine Schwester den Kopf hinhält, steht plötzlich eine Gerichtsverhandlung bevor. Bis dahin darf sie den Wohnort nicht verlassen. Ein großes Problem, denn sie hatte sich als Reisebegleitung für eine Europareise amerikanischer Senioren verpflichtet. Eine Absage würde ihre Karrierepläne gefährden.

Kurzerhand spannt Elizabeth Bree für diese Aufgabe ein. Ausgerechnet Bree, die noch nie das Land verlassen hat! Und so wird aus der Couchpotatoe Bree die Reiseleiterin "Lizzy", die mit ihren sechs agilen Senioren alle Hände voll zu tun hat.

Meine Meinung:
Jen Malone hat bereits mehrere Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht. Ich kannte bislang jedoch noch nichts von dieser Autorin. Doch der Klappentext von "Acht Städte, sechs Senioren, ein falscher Name und der Sommer meines Lebens" hat mich sofort neugierig gemacht. 

In dieser Geschichte treffen lauter sympathische Charaktere aufeinander.

Die 17-jährige Bree ist eine richtige Couch-Potato mit quasi null Antrieb, die sich noch gerne von der überfürsorglichen Mutter alles hinterhertragen lässt. Sie erfüllt auf der Europareise echt alle Klischees des tumben Amerikaners. So ernährt sie sich in Europa aus Angst vor Neuem nur von Burger, Pizza und Energieriegeln, hat keine Ahnung von Geschichte und Kultur und spricht keine Fremdsprachen. Trotz dieser Makel mochte ich sie sehr. Da die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird, hat man Anteil an ihren Gefühlen und Gedanken, und diese sind meist doch äußerst amüsant. Sie macht erwartungsgemäß die größte Veränderung durch.

Sam ist der absolute Dreamboy, und obwohl ich ihn sehr mochte, war er mir zu perfekt. Er hatte wirklich keinerlei Schwächen oder Makel. Hier hat die Autorin meiner Meinung nach etwas zu dick aufgetragen. Manche Szenen zwischen Bree und Sam sind dann auch enorm kitschig, aber für junge Leser ist das sicherlich noch ok.

Die Seniorengruppe besteht aus dem texanischen Ehepaar Hank und Maisy, das für diverse Lacher sorgt, da es auch im hohen Alter nicht die Finger voneinander lassen kann, den lebenslustigen Freundinnen Emma und Mary, dem gebildeten und liebenswürdigen Mr. Fenton sowie der introvertierten Dolores, die wie Bree mehr oder weniger zu dieser Reise genötigt wurde. Hinzu kommen noch diverse Nebencharaktere wie Elizabeth, Brees Eltern, der Busfahrer Bento und Brees beste Freundin, die allesamt ebenfalls sympathisch sind.

Die Story ist gerade im Mittelteil etwas unspektakulär. Die Reiseerlebnisse an sich sind ganz nett beschrieben, aber zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass die Handlung nicht wirklich voranschreitet. Im letzten Viertel aber wurde es dann wirklich mitreißend und emotional, auch stellenweise richtig traurig aufgrund eines unvorhergesehenen Ereignisses. Das Ende ist nicht sonderlich überraschend, aber dennoch hat es mir gefallen, denn man gönnt den Figuren ihr Happy End von Herzen.

Der Schreibstil ist locker und humorvoll und lässt sich sehr angenehm lesen, so dass ich richtig durch die Seiten geflogen bin.

"Acht Städte..." ist ein unterhaltsamer Jugendroman über das Erwachsenwerden, Selbstfindung, Freundschaft, die erste Liebe und das Hinausschauen über den eigenen Tellerrand. Ich kann ihn v. a. jungen Menschen empfehlen, die vielleicht Angst davor haben, sich aus ihrer Komfortzone zu begeben. Dieser Roman macht wirklich Lust darauf, sofort den Koffer zu packen und die Welt zu erkunden.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Magellan-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!