Sonntag, 22. Januar 2017

Rezension: "Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind. Mit dem Fernbus unterwegs" von Sina Pousset

Daten zum Buch:
erschienen am: 17. Oktober 2016
Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442159079
256 Seiten
Preis: 12,99 € (SC)
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Zum Inhalt:
Ein bisschen ist das mit dem Fernbus wie mit einer durchzechten Nacht. Man kommt dehydriert und zerknautscht zu Hause an und schwört sich: nie wieder. Bis zum nächsten Mal. Denn wer billig und flexibel verreisen will, muss in den Bus. In seinem Inneren herrscht fröhliche Anarchie: Es gibt keine Sitzplatzreservierung, keine Businessclass, keine Gepäckaufgabe. Beziehungen werden kurz vor der Abfahrt in Hamburg beendet und auf dem langen Weg nach München beweint, der Fahrer steht auf Helene Fischer, und der Typ hinten links lässt garantiert seinen Geldbeutel an der Tankstelle liegen. Dennoch schwören Millionen auf den Bus. Auch Sina Pousset steigt leidenschaftlich gerne ein und erzählt in ihrem Buch hautnah vom letzten großen Abenteuer unserer Zeit – dem Fernbusfahren!
(Klappentext)

Meine Meinung:
Ich bin selbst schon mehrere Male mit dem Fernbus gefahren, und mir gefällt diese meist kostengünstigere Art des Reisens, wenngleich man es auch hier immer mal wieder mit Unannehmlichkeiten wie nervigen Mitfahrern, zu wenig Platz, Verspätungen oder Kamikaze-Busfahrern zu tun hat. Mir persönlich ist bei meinen Fahrten jedoch noch nichts Irrwitziges passiert, und deshalb war ich umso gespannter auf Sina Poussets Erzählungen.

Eines muss man der Autorin lassen: Sie scheint ihr halbes Leben im Bus zu verbringen, reist kreuz und quer durch Deutschland und hat somit natürlich schon vieles erlebt. Sie kennt sich aus und hat Routine - sollte man zumindest meinen. Allerdings ist auch Pousset nach so vielen Fahrten nicht vor den Tücken des Busfahrens gefeit. Auf den letzten Drücker am Abfahrtsort ankommen, den Bussteig nicht finden, die wichtigsten Dinge unerreichbar nach unten packen, viel zu viel Gepäck mitnehmen und Wesentliches vergessen: Die Autorin ist herrlich unperfekt und steht auch dazu. Das machte sie mir schnell sympathisch.

Auch sprachlich wird hier einiges geboten. Poussets Schreibstil ist eloquent und pfiffig, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Humor und Selbstironie. Der Humor der Autorin gefällt mir.

Mir persönlich hat das Buch jedoch inhaltlich nicht so zugesagt. Ich hatte mir auf Grund des Klappentextes heitere Anekdoten aus dem Fernbus erhofft. Diese findet man hier jedoch nur selten und dann auch nur wenige Zeilen lang. Ansonsten ist das Buch eher eine Art nicht ganz ernst gemeinter Ratgeber rund um das Thema "Reisen mit dem Fernbus". Was ja auch nicht ganz verkehrt ist, aber wie gesagt, ich hatte etwas Anderes erwartet und mir haben die Geschichten gefehlt. So fand ich es nach einiger Zeit dann doch etwas langweilig und trocken, zwischendurch verließ mich auch mal die Leselust und ich legte das Buch ein paar Tage weg. Ich muss nicht x-mal mit der vollbepackten Autorin auf den letzten Drücker zum Bahnsteig hechten, um dann ihren pseudo-philosophischen Gedankengängen zu verschiedenen Themen zu folgen. Statt stereotype Beispiele aufzuzählen, hätte ich mir mehr konkrete Erlebnisse gewünscht. Dazu dann noch die Kästen, in denen selbst erfundene Begriffe wie "Der WLAN-Infarkt" oder "Die Ruckschuld" erklärt werden, welche ich persönlich nicht witzig fand und die den Lesefluss deutlich hemmten.

Von daher ist es vielleicht ein lustiges Geschenk für jemanden, der seine erste Fahrt mit dem Fernbus noch vor sich hat. Die Autorin hat schon auch interessante Gedankengänge und ich musste ab und zu schmunzeln. Schreibstil und Humor der Autorin sind klasse. Aber ich hätte mir hier statt eines Pseudo-Ratgebers eine Sammlung erfrischender Reiseanekdoten gewünscht und wurde mit diesem Buch leider nicht warm.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Literaturtest.de für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 15. Januar 2017

Rezension: "Nujeen - Flucht in die Freiheit. Im Rollstuhl von Aleppo nach Deutschland" von Nujeen Mustafa

Daten zum Buch:
erschienen am: 10. Oktober 2016
Verlag: HarperCollins
ISBN: 9783959670753
299 Seiten
Preis: 18,00 € (SC)
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Zum Inhalt:
Was bedeutet es wirklich, ein Flüchtling zu sein, durch den Krieg frühzeitig erwachsen werden zu müssen, die geliebte Heimat hinter sich zu lassen und vom Wohlwollen anderer abhängig zu sein?

Die sechzehnjährige Nujeen erzählt, wie der syrische Krieg eine stolze Nation zerstört, Familien auseinander reißt und Menschen zur Flucht zwingt. In Nujeens Fall zu einer Reise durch neun Länder, in einem Rollstuhl. Doch es ist auch die Geschichte einer willensstarken jungen Frau, die in Aleppo durch eine Krankheit ans Haus gefesselt ist und sich mit amerikanischen Seifenopern Englisch beibringt, weil sie die starke Hoffnung auf ein besseres Leben hat. Eine Hoffnung, die sich nun vielleicht fern der Heimat in Deutschland erfüllen kann.

Es ist die Geschichte von Flucht, dem Verlust der Heimat, die Geschichte unserer Zeit – erzählt von einer bemerkenswert tapferen Syrerin, die nie aufgehört hat, zu lächeln.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Als im Jahr 2015 der Flüchtlingsstrom seinen (vorläufigen?) Höhepunkt erreichte, war auch die 16jährige Nujeen mit ihrer Familie unter den Flüchtenden. Das Besondere und auch Beschwerliche an Nujeens Flucht ist, dass sie seit ihrer Geburt an Kinderlähmung leidet und die beschwerliche Flucht nach Europa im Rollstuhl mit Hilfe von Familie und hilfsbereiten Menschen schaffte. Wichtigste Bezugsperson ist stets Nujeens ältere Schwester Nasrine, die ihre behinderte Schwester niemals alleine lässt und sie auch durch die unwegsamstem Gelände schiebt. Ich persönlich finde, dass dieser Frau ganz besonders viel Respekt gezollt werden muss, auch wenn stets ihre kleine Schwester Nujeen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.

Nujeens Geschichte beginnt 1999 in Syrien, als die Konflikte beginnen, die die Familie zu einem Umzug von Aleppo nach Manbidsch zwingen. Dann 2015 die Flucht in die Türkei und anschließend der lange Weg nach und durch Europa. Seit September 2015 lebt Nujeen mit ihren Geschwistern in Deutschland und versucht, ein ganz normales Leben in einem Land zu führen, in dem sie sich manchmal wie ein Alien vorkommt. 

Das Buch ist in drei große Abschnitte eingeteilt: "Syrien 1999-2014", "Europa August - September 2015" und "Deutschland 2015". Nujeens Leben in Syrien und alle Etappen ihrer Flucht werden detailreich, lebendig und anschaulich erzählt, so dass man das Gefühl hat, man wäre selbst dabei.

Die junge Frau hat Sinn für Humor und ein positives Naturell. Stets versucht sie, das Gute in allem zu sehen. Auch während der Flucht empfindet sie vieles anders als ihre Weggefährten. Sie betrachtet die lebensgefährliche Überfahrt nach Griechenland in einem Schlauchboot sogar als Abenteuer, und sie genießt es anfänglich, so viel Neues zu erleben, da sie in ihrer Heimat aufgrund ihrer Behinderung bislang nur im Haus bleiben musste. Nur wenige Male ist auch sie kurz vor der Verzweiflung.

In dieser Biographie erfährt der Leser viel Neues, nicht nur über Syrien oder die Flüchtlingspolitik in Europa. Nujeen lässt den Leser auch an ihrem umfangreichen Wissen aus allen möglichen Bereichen teilhaben. Denn sie ist trotz fehlender Schulbildung sehr intelligent und gebildet. Sie eignete sich ihr Wissen aus Büchern und dem Fernsehen an, entdeckte ihr Sprachtalent beim Schauen von Seifenopfern und kann sich äußerst gut Details wie Namen und Jahreszahlen merken.

Nujeens Geschichte steht stellvertretend für so viele Schicksale von Flüchtlingen, die sich nur eines mit ihrer meist lebensgefährlichen Reise nach Europa erhoffen: Endlich in Frieden leben zu können. Für alle Hetzer sollte diese Biographie Pflichtlektüre sein.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den HarperCollins-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!
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Hier noch das Interview bei Markus Lanz (ab 1:00:00):

Sonntag, 8. Januar 2017

Meine verschenkten Bücher

Heute zeige ich euch keine Neuzugänge, sondern welche Bücher ich dieses Weihnachten verschenkt habe. Ist doch eigentlich auch mal interessant zu wissen, was ich so für andere Leute in den Buchhandlungen kaufe, oder? :-)

Generell verschenke ich eher selten Bücher. Viele in meiner Familie oder in meinem Freundeskreis lesen nicht gerne/viel. Meist halte ich mich an konkrete Vorgaben. Dieses Jahr habe ich aber auch ein paar Bücher verschenkt, bei denen ich mir nicht 100%ig sicher sein konnte, ob sie dem Empfänger auch gefallen. Das mache ich aber nur, wenn ich schon eine konkrete Ahnung davon habe, was derjenige generell sehr gerne liest. Und wenn ich sie umtauschen kann. ;-)

Aber anhand der Reaktionen der Beschenkten glaube ich, dass ich zum Glück (fast) immer richtig lag.

R.J. Palacio, "Wunder": 
Dieses wunderschöne Jugendbuch hat mich damals total begeistern können. (Hier geht's zu meiner Rezension.) Meine Nichte ist jetzt (bald) 10, genauso wie der Protagonist August. Auch wenn sie total auf dem Pferdetrip ist, dachte ich mir, ich versuche es mal mit einem Buch,  in dem es keine Pferde gibt. Mal sehen, ob sie es liest und wie sie es dann findet. Es wird vermutlich nicht oben auf ihrem Lesestapel landen, da die Pferde fehlen. ;-) Aber ich hoffe,, dass es ihr genauso viel gibt wie mir.


Alex S. Judge, "Tödliche Abgründe":
Meine Fast-Schwiegermama liebt Krimis und Thriller. Eigentlich ist sie als Finnin eher Fan von skandinavischen Büchern, aber diesen Roman habe ich ihr gekauft, da die Autorin in der gleichen Ecke lebt wie sie (also in Deutschland, nicht in Finnland) und das Buch auch dort in der Region spielt.
Yael Adler, "Haut nah":
Mein Fast-Schwiegerpapa hingegen ist kein großer Roman-Leser, sondern bevorzugt Sachbücher. Gerne über Ernährung oder Gesundheit. Da er schon "Darme mit Charme" mochte, dachte ich mir, dass ein weiteres Buch von einer jungen, frischen Wissenschaftlerin genau das Richtig wäre.




Andreas Brandhorst, "Omni" & Karsten Kruschel, "Das Universum nach Landau":
Diese beiden Sciecne Fiction-Bücher hat mein Schwager bekommen. Er liest viel und vor allem Science Fiction. Seine Wunschliste habe ich dieses Jahr einfach mal frech ignoriert und mir gedacht, ich guck mal selbst, was in dem Bereich so empfohlen wird. Ich selbst kenne mich mit dem Genre ja gar nicht aus, aber diese beiden Bücher wurden gut bewertet, und so habe ich es mal drauf ankommen lassen. Vom Klappentext her war er jedenfalls schonmal begeistert.

"Bob's Burgers Cook Book":
Ich schätze mal, hier wird niemand die geniale Serie "Bob's Burgers" kennen. Ähnlich wie z. B. die Simpsons, ist es eine Zeichentrickserie für Erwachsene, nur dass sie nicht so brutal und versaut ist, sondern zwar durchaus sehr schräg, aber auch total putzig. Es geht um eine Familie, die ein schlecht laufendes Burgerrestaurant betreibt und irgendwie das Pech immer magisch anzieht, ohne dabei den Lebensmut zu verlieren. Die Spezialität des Vaters, Bob Belcher, sind "Joke-Burger", die immer einen komischen Namen haben. (z. B. If looks could kale-Burger). Und da mein Freund und ich diese Serie total lieben, musste ich unbedingt dieses Burger-Kochbuch kaufen. Dort werden zahlreiche Joke-Burger aus der Serie vorgestellt, und das Beste daran ist, dass die auch noch richtig gut schmecken. (Steht so in den über 400 Rezensionen, wir haben noch keinen ausprobiert, aber die Rezepte sind jedenfalls echt.) Dazu ist das Buch noch total schön illustriert und ein echter Hingucker.

Gartenfräulein, "Indoor Gardening":
Dieses Buch hat sich mein Freund gewünscht. Er verfolgt den Blog des Gartenfräuleins, das lustigerweise gerade mal 500 Meter von uns entfernt wohnt, schon länger und hat schon ein paar Tricks ausprobiert (die meistens nicht klappten ;-)). Ich fürchte ja, dass er jetzt noch mehr Pflanzen in unsere kleine Wohnung schleppt, aber man muss ja fair bleiben - ich hab hier auch viel zu viele Bücher und kann da schlecht meckern.


Mindy Kaling, "Is everyone hanging out without me?":
Für meinen besten Freund gab es ein autobiographisches Buch der US-Schauspielerin Mindy Kalen ("The Mindy Project"). Ich selbst kenne sie nicht und es war ein expliziter Wunsch von ihm. Deshalb kann ich zu dem Buch eigentlich gar nichts weiter sagen. 







Kennt ihr was davon oder wäre da was für euch dabei?

Sonntag, 1. Januar 2017

Rezension: "Soja-Steak an Vollmondwasser. Das Handbuch der überschätzten Lebensmittel" von Markus Barth

Daten zum Buch:
erschienen am: 29. September 2016
Verlag: Lappan
ISBN: 9783830334415
124 Seiten
Preis: 9,99 € (HC)
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Zum Inhalt:
Was ist nochmal der Unterschied zwischen Chia-Samen und Chai Latte? Kann man Granatäpfel pulen, ohne danach die Küche renovieren zu müssen? Gibt es Menschen, die Eisbergsalat am Geschmack erkennen? Und ist Drachenfrucht im Grunde nicht einfach Kiwi im Fummel?

Markus Barth knöpft sich mal die Trend-Lebensmittel vor, um die in letzter Zeit ein ungeheures Bohei gemacht wird: Ein köstliches Vergnügen für alle - vom Schnitzelfreund bis zur strengen Frutarierin.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Markus Barth ist Autor und Headwriter für Fernsehshows wie "Ladykracher" oder "Die Wochenshow" und tritt selbst als Stand Up-Comedian auf. In seinem neuen Buch macht er sich über den total übertriebenen Hype um diverse Lebensmittel lustig.

Das Buch ist in vier Kapitel unterteilt: "Gesund! Vegan! Geschmacksneutral! Trendfood", "Besonders schlechte Ideen der Lebensmittelindustrie", "Auch Mutter Natur hat mal 'nen schlechten Tag" und "Leck mich am Arsch, sind wir kultiviert!". Seine Auswahl der Nahrungsmittel scheint dennoch recht willkürlich zu sein, und die jeweiligen Kapitelüberschriften sind im Endeffekt austauschbar. Von daher ist es eher ein Sammelsurium ohne wirklichen Sinn, dem ein roter Faden oder eine bestimmte Richtung fehlt.

Der Untertitel ist sowieso etwas irreführend. Es geht nicht nur um überschätztes Trend- oder Superfood. Hier wird einfach alles querbeet beschimpft und schlecht gemacht. Ich dachte erst, man könnte es z. B. diesen ewigen Öko-Bio-Faschisten in die Hand drücken und sagen: "Da, schau hin, dein Chia-Samen-Grünkohl-Smoothie ist für die Tonne." Aber es werden auch Sachen beschimpft, die wirklich ganz offensichtlich ungesund sind (z. B. Mars-Riegel, Maggi Fix, Schokopudding). Manche Lebensmittel wiederum werden zu Unrecht verunglimpft. Ich denke bzw. weiß, dass manche Sachen durchaus besser schmecken oder gesünder sind, als hier behauptet wird. Selbst das Grundnahrungsmittel Wasser wird gemobbt. Hier ist wirklich nichts Ess- oder Trinkbares vor Barth sicher!

Man lernt immerhin auch so manches über diverse Lebensmittel. So wusste ich z. B. nicht, dass die teuer verkauften Goji-Beeren auch in Deutschland wild wachsen. Aber es war schade, dass die meisten interessanten Fakten nicht weiter ausgeführt wurden.

Die wenigen s/w-Fotos im Buch waren nicht unbedingt nötig, da (fast) nur Lebensmittel gezeigt wurden, deren Aussehen den meisten Leuten eher geläufig sein dürfte. Ich weiß, wie Reiswaffeln, Physalis oder Ingwer aussehen. Mich hätte da eher interessant, wie man sich Tempeh oder Surimi vorstellen muss.

Bei aller Kritik: Der Humor an sich ist schon klasse. Das ist ein Feuerwerk an Wortwitzen, und die Beleidigungen sind sehr kreativ und einfallsreich. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Nahrungsmittel direkt angesprochen werden, was doch etwas kurios wirkt. Lustig zu lesen, aber leider so überspitzt, dass es mit der Zeit nichts Neues mehr ist und zu gewollt wirkt.

Ich glaube, das Buch würde zumindest bei mir als Hörbuch besser rüberkommen. Ich habe mir immer vorgestellt, wie sich jemand immer mehr in Rage brüllt. Richtig vorgetragen ist es bestimmt amüsant, aber wenn man es selbst liest, wird es irgendwann anstrengend.

Alles in allem hatte ich mir bei Titel und Klappentext etwas Anderes vorgestellt. Das Buch ist durchaus unterhaltsam, aber wirkt etwas kopf- und zusammenhanglos geschrieben. Nette Unterhaltung für zwischendurch, nicht mehr und nicht weniger.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Lappan-Verlag für dieses Rezensionsexemplar und Markus Barth für die intensive Betreuung der Leserunde!

Samstag, 31. Dezember 2016

Neuzugänge

Hier kommen noch weitere Neuzugänge, von denen ich den ersten Teil schon am 4. Dezember gepostet habe. Ehrlich gesagt habe ich den zweiten Teil schlicht und ergreifend vergessen. *hust* Vorweihnachtsstress und Feiertagsdemenz. Ihr kennt das ja bestimmt...


Rezensionsexemplar


- Markus Barth, "Soja-Steak an Vollmondwasser": Ernährungshypes geben sich ja momentan die Klinke in die Hand. Und ich kenne auch so ein paar Leute, die manchmal beim Thema Lebensmittel übers Ziel hinausschießen. Dieses "Handbuch der überschätzten Lebensmittel" hat mich deshalb prompt angelacht, so dass ich mich erfolgreich auf die Leserunde auf LovelyBooks beworben habe. Meine Rezi folgt diese Woche noch.


Gewonnen


- Ulrike Sosnitza, "Novemberschokolade": Dieses hübsche Buch spielt in meiner Stadt Würzburg und handelt von einer Chocolaterie. Logisch, dass ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich es signiert im Adventskalender der Agentur Booktraveler gewonnen habe. :-) 


Gekauft


- Heike Abidi, "Marrakesh Nights": Das Buch klingt so süß, und das Cover ist so hübsch. Da habe ich ohne überlegen zugeschlagen im Ein-Euro-Shop. 

- Louise Jacobs, "Fräulein Jacobs funktioniert nicht": Ein autobiographisches Buch über einen Burn Out, klingt auch interessant. Für 2,00 € im DAHW-Flohmarkt gekauft, da kann man ja nicht viel falsch machen, wenn es für einen guten Zweck ist.

- Sandro Monetti, "Colin Firth. Die Biographie": Also eigentlich interessieren mich Biographien über Promis gar nicht, aber Colin Firth - hach, Colin Firth! Mr. Darcy bei "Stolz und Vorurteil" und "Bridget Jones", ich liebe ihn einfach. Und für einen läppischen Euro (beim Tedi) kann man sich das ja mal mitnehmen.

- Div. Autoren, "Die Schüler von Winnenden. Unser Leben nach dem Amoklauf": Dieses Buch habe ich ebenfalls beim DAHW-Flohmarkt entdeckt und für, ich glaube, 1,50 € gekauft. Es interessiert mich schon sehr, wie die Schüler den schlimmen Amoklauf damals verarbeitet haben. 

- Melania Mazzucco, "Der Dackel und die Königin": Dieses kleine Büchlein vom Atlantik-Verlag habe ich zufällig auf dem DAHW-FLohmarkt entdeckt und für einen Euro spontan mitgenommen.


Ertauscht


- Rod Nordland, "The Lovers. Wie zwei junge Liebende in Afghanistan zu Gejagten wurden": Ich mag ja Biographien aus fernen Ländern sehr, und diese Geschichte klang doch recht interessant. Ertauscht bei Tauschticket für 2 Tickets.

- Horst Lichter, "Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott": Horst Lichter mag ich als Moderator total gerne, und auf der Buchmesse dieses Jahr habe ich ihn bei der Präsentation seines neuen Buches "Keine Zeit für Arschlöcher" gesehen und war begeistert, wie lustig, offen und authentisch er ist. Deshalb habe ich da spontan zugeschlagen, als ich sein erstes Buch für 2 Tickets entdeckte.

- Franziska Schönenberger, "Tausche Dirndl gegen Sari": Über das Buch bin ich schon länger gestolpert, und die Geschichte einer Münchnerin, die sich in Indien verliebt, hat mich gleich fasziniert. Deshalb hat es mich gefreut, es für ein Ticket zu erhaschen. 

- Amila mit Katharina Finke, "Mit dem Herzen einer Tigerin": Die Autorin wurde als Kind von ihren Eltern nach Neu-Delhi geschickt und dort als Arbeitssklavin gehalten. Solche Themen interessieren mich natürlich immer sehr. (1 Ticket)

- Franziska Weidinger, "Keine Sau hat mich lieb": Titel und Klappentext klingen ganz witzig, deshalb habe ich es spontan im Tauschregal um die Ecke mitgenommen. 


So, das war's jetzt wieder. Wobei schon die nächsten Neuzugänge in den Startlöchern stehen. *hust*hust* 

Freitag, 30. Dezember 2016

Rezension: "Pfote fürs Leben" von Caroline Messingfeld

Daten zum Buch:
erschienen am: 19. Januar 2016
Verlag: Mondschein Corona
ISBN: 9783960680055
172 Seiten
Preis: 9,99 € (TB)
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Zum Inhalt:
Nelly hat von Männern die Schnauze voll. Der einzige Mann, der ihr noch ins Haus kommt, ist ihr neues Kätzchen Snowbell. Schnell erobert der weiße Perserkater nicht nur Nellys Herz, sondern auch das ihrer Freundinnen. Frech und neugierig erkundet Snowbell sein neues Reich, die schöne Altbauvilla, die er ganz allein mit Nelly bewohnt.

Doch der Kater hat es nicht leicht mit seinen Nachbarn, denn Machokater Anton will ihm ans Fell, und die verwöhnte Bluebell nimmt ihn nicht ernst.

Dann zieht in der gehobenen Nachbarschaft der coole Biker Ben ein, den der Kater gleich ins Herz schließt. Ben ist von Snowbells Frauchen ziemlich angetan, was aber nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Ob es Snowbell gelingt, Nelly davon zu überzeugen, dass der neue Nachbar eigentlich gar nicht so übel ist, wie sie denkt?

Meine Meinung:
Wie es oft bei Büchern aus Tiersicht der Fall ist, wird Snowbell sehr menschlich dargestellt. Er ist, v. a. hinsichtlich seines jungen Alters, sehr gebildet und kann sogar lesen. Das meiste hat er von seiner Mutter oder Nelly gelernt oder anderweitig aufgeschnappt. Seine Sicht der Dinge ist aber natürlich auch recht naiv, und (menschliche) Ironie oder Ähnliches ist ihm völlig fremd. Dies sorgt öfter für lustige Missverständnisse. Auch an Selbstbewusstsein mangelt es dem Rassekater nicht, der sich auf seine Herkunft so einiges einbildet.

Frauchen Joline (Spitzname: Nelly) war mir leider nicht sonderlich sympathisch. Als Alleinerbin ihrer Patentante wohnt sie in einem großen Haus in einer noblen Gegend und ist ziemlich arrogant gegenüber Ben, den sie anfänglich völlig grundlos angiftet. Mit der Zeit wurde sie mir immerhin sympathischer. Ben hingegen ist von Anfang an recht liebenswürdig. 

Die Liebesgeschichte zwischen Ben und Nelly ist etwas oberflächlich und vorhersehbar. Man muss immerhin zu Gute halten, dass es nicht allzu schnell geht, bis sich die beiden kriegen. Und erstaunlicherweise liegt das Problem eher bei Ben als bei Nelly, was man nach dem ersten Kennenlernen nicht vermuten würde.

Lustiger wird es da schon, wenn die Katzen aufeinander treffen. Snowbell und Bluebell sind beide verwöhnte Stubentiger, die sich erstmal zusammenraufen müssen. Dies sorgt für viele komische Momente. 

Neben der Liebesgeschichte gibt es auch noch einen kleinen "Kriminalfall", der aber so schnell und unausgereift abgehandelt wird, dass man ihn für meinen Geschmack gleich hätte weglassen können, da er für die Geschichte keinen Mehrwert hat. Die Todesfälle hätten auch ohne Verbrechen funktioniert.

Der Schreibstil ist einfach gehalten, die Kapitel kurz, meist nur zwei bis drei Seiten lang. Teilweise wirkt die Geschichte episodenhaft erzählt. Dadurch liest sich das ohnehin recht dünne Buch sehr schnell und locker.

"Pfote fürs Leben" ist ein Roman, den man schön zum Abschalten schmökern kann und der nicht viel vom Leser abverlangt. Ich habe leichte Unterhaltung erwartet und diese auch bekommen. Ich denke aber, dass hier noch viel Luft nach oben ist. Die im November erschienene Fortsetzung "Verliebt, verlobt, verkatert" ist deshalb bereits auf meiner Leseliste, da ich gerne wissen möchte, wie es mit Snowbell & Co. weitergeht und wie sich die Autorin weiterentwickelt.

3,5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Caroline Messingfeld für dieses Rezensionsexemplar!

Freitag, 16. Dezember 2016

Rezension: "Ich dreh gleich durch! Tagebuch eines ADHS-Kindes und seiner genervten Leidensgenossen" von Anna Maria Sanders

Daten zum Buch:
erschienen am: 25. April 2016
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
ISBN: 9783579086330
304 Seiten
Preis: 18,99 € (HC)
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Zum Inhalt:
Max tickt anders. Das macht sein Leben kompliziert. Und das seiner Mitmenschen entsetzlich anstrengend. Max hat ADHS: Er ist unüberlegt, impulsiv, unkonzentriert, hibbelig, aufgekratzt, planlos, hört nie zu, verliert und vergisst alles, bringt sich und andere ständig in Gefahr.

In diesem Tagebuch lässt Max sich auf unterhaltsame Weise über all die kleinen und großen Katastrophen aus, die er tagtäglich verursacht. Aber auch seine Mitmenschen schreiben sich ihre liebe Not mit dem Energiebündel von der Seele. So erleben die Leser eine Situation aus zwei Blickwinkeln – und das ist mitunter brüllend komisch.

Anna Maria Sanders Buch erlaubt einen tiefen, aber dennoch humorvollen Einblick in die Seelenwelt von Betroffenen und »Mitleidenden«, der beide Seiten besser verstehen lässt.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Ich wollte das Buch gerne lesen, um mehr über ADHS zu erfahren, da diese "Störung" ja mittlerweile doch recht viele Kinder betrifft. Ich wollte mich jedoch nicht durch trockene Sachbücher quälen, und genau das soll dieses Buch eben nicht sein. Stattdessen hat die Autorin, die selbst Mutter eines ADHS-Kindes ist, dieses fiktive Tagebuch über den elfjährigen Max verfasst, um dem Leser die Thematik näher zu bringen.

Neben Max kommen jedoch noch andere Menschen in seinem Umfeld zu Wort, und so finden sich neben seinen Einträgen auch Erzählungen seiner Eltern, seines Bruders sowie von Lehrern und Verwandten. So erhält man ein gutes Bild davon, wie ADHS-Kinder von ihrer Umwelt wahrgenommen werden. Meist ist diese Wahrnehmung äußerst negativ: ADHS-Kinder sind laut, wild, tollpatschig und nerven. Hier wird nun versucht, aus Max' Sicht zu zeigen, wieso diese Kinder sich so verhalten und dass sie oft leider einfach nicht anders können. Dass hinter ihrem Fehlverhalten keine Absicht oder gar Boshaftigkeit steht. 

Vorbild für den fiktiven Max ist der mittlerweile 14jährige Sohn der Autorin, mit dem sie zusammen das Tagebuch erarbeitet hat, weshalb die Einträge als authentisch angesehen werden können. Die Sprache ist nicht sehr passend für einen Elfjährigen, aber dies wird bereits im Vorwort erwähnt und erklärt: Das Buch soll vorwiegend Jugendliche und Erwachsene ansprechen, dementsprechend sollte die Sprache nicht zu kindlich sein.

Durch die vielen Perspektivenwechsel werden die meisten Begebenheiten mindestens ein- bis zweimal wiederholt, was anfänglich interessant war, nach einiger Zeit dann aber etwas anstrengend, da die Erlebnisse nun nicht sonderlich aufregend sind, sondern eben das Verhalten eines ADHS-Kindes schildern. Deshalb habe ich das Buch öfter weggelegt, da sich die Lektüre etwas gezogen hat. Andererseits ist es halt eben auch kein Roman, den man in einem Rutsch runterliest.  

Das Tagebuch umfasst einen Zeitraum von einem halben Jahr. In dieser Zeit fängt Max' Mutter erstmals an, sich genauer mit dem Thema ADHS zu befassen und die Symptome mit seinem Verhalten zu vereinbaren. Hier fließen dann auch öfter Zitate aus Fachbüchern ein. Ansonsten ist das Buch jedoch so geschrieben, dass es Laien auch gut verstehen. Schade finde ich, dass das Buch endet, bevor Max sich mit der Diagnose auseinander setzen kann.

"Ich dreh gleich durch!" ersetzt sicherlich keine Fachliteratur. Das möchte es auch nicht. Für eine Vertiefung bietet die Autorin ein sieben Seiten starkes Literaturverzeichnis und versieht zudem die Zitate aus Fachbüchern mit zahlreichen Anmerkungen in Fußnoten. So bleibt es jedem selbst überlassen, wie intensiv er sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte. Das Buch ist meines Erachtens aber ein sehr guter Einstieg für Interessierte und (vielleicht) Betroffene.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!