Sonntag, 14. Januar 2018

Neuzugänge

Hoppala, schon wieder zwei Monate lang keine Neuzugänge gepostet. Dann wird's ja mal wieder Zeit!

Rezensionsexemplare


- Ulrike Busch, "Tod am Deich" (von der Autorin erhalten - signiert!)
- Angela Kirchner, "Viel näher als zu nah" (Leserunde auf LovelyBooks - signiert!) 
- Ulrike Busch, "Mordskuss" (von der Autorin erhalten - signiert!)


Gewonnen


- Nicole Beisel, "Schneeflockenwünsche" (Weihnachtsgewinnspiel auf "Miss Lila liest") 


Geschenkt bekommen


- Mila Summers & Ralf Wolfstädter, "Alpakas auf Durchreise" 
- Thorsten Benkel & Matthias Meitzler, "Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe. Ungewöhnliche Grabsteine - Eine Reise über die Friedhöfe von heute"


Ersteigert bei "Aktion Weihnachtsengel 2017"


- Mila Summers, "Vielleicht klappt es ja morgen... Liebe in Würzburg"
- Hermien Stellmacher, "Katzenglück und Dolce Vita" (signiert!)


Gekauft


- Brodi Ashton, "Ewiglich dein" (für 1,00 € im 1-Euro-Shop)
- Beth Revis, "Godspeed 1 + 2" (für je 1,00 € im 1-Euro-Shop)
- Sven Amtsberg, "Die Wahrheit über Deutschland. Städtetouren für Besserwisser" (für 1,00 € im 1-Euro-Shop)
- Bildwörterbuch Arabisch (3,99 €)

- Percy Jackson - komplette Reihe (Sonderausgaben für je 10,00 €)
- Helden des Olymp - komplette Reihe (Sonderausgaben für je 10,00 €)


Ertauscht


- Alina Bronsky, "Baba Dunjas letzte Liebe" (aus dem Tauschregal)
- Hanna Dietz, "Männerkrankheiten" (aus dem Tauschregal)
- J.K. Rowling, "Was wichtig ist" (Tauschticket, 2 Tickets)
- Dr. Vivien Suchert, "Sitzen ist fürn Arsch" (TT, 2 Tickets)

Sonntag, 7. Januar 2018

Rezension: "Nur wenn du allein kommst - Eine Reporterin hinter den Fronten des Dschihad" von Souad Mekhennet

Daten zum Buch:
erschienen am: 25. Oktober 2017
Verlag: C.H. Beck
ISBN: 9783406711671
384 Seiten
Preis: 24,95 € (HC)
Hier geht's zur Verlagsseite!

Zum Inhalt:
Was passiert hinter den Fronten des Dschihad? Wie ticken Warlords und jugendliche Attentäter? Spannend wie in einem Krimi berichtet Souad Mekhennet von ihren teils lebensgefährlichen Recherchen in den No-Go-Areas des Terrors, allein, ohne Handy, bekleidet mit einer schwarzen Abaya. Denn die Dschihadisten werden wir erst dann verstehen, wenn wir ihre Geschichten kennen.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Souad Mekhennet wurde 1978 als Kind türkisch-marokkanischer Eltern in Frankfurt/Main geboren und wuchs in den ersten Jahren bei ihrer Großmutter in Marokko auf, um im Sinne des Islam erzogen zu werden. Mit drei Jahren kehrte sie nach Deutschland zu ihren Eltern und Geschwistern zurück. Sie ist Journalistin und Autorin und beschäftigt sich seit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 intensiv mit dem islamistischen Terror.

Im vorliegenden Buch erzählt sie zuerst ihre eigene Geschichte und die ihrer Eltern, einem schiitisch-sunnitischen Paar, das sich fernab der Heimat in Deutschland als Gastarbeiter kennen- und lieben gelernt hatte. Es folgen Berichte aus Mekhennets journalistischer Tätigkeit im Ausland von 2003 bis heute. Sie fuhr unter Anderem in den Irak und Libanon, nach Algerien, Jordanien, Pakistan, Ägypten, Tunesien und Bahrain, um dort vor Ort zu recherchieren und sich mit Tätern und Opfern des Terrorismus zu treffen. Sie wagt sich viele Male in das Herz von Terrorgruppen wie Al-Quaida, Taliban oder IS(IS), redet mit den selbsternannten "Gotteskriegern", um auch beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. Sie möchte Mittlerin sein zwischen der arabischen und der westlichen Welt.

Ihre Erlebnisse schildert sie eindrücklich und sehr detailliert. Viele der Treffen mit ihren Interviewpartnern sind nur möglich, weil Mekhennet selbst Muslimin ist, weil sie sich auf die arabische Gastfreundschaft und auf die Abstammung ihrer Familie mütterlicherseits vom Propheten Mohammed beruft. Oft hört sie Sätze wie "Wären Sie eine Deutsche/Amerikanerin, würden wir Sie entführen/töten." Als gebildeter Araberin jedoch wird sie meist mit Respekt behandelt, es werden ihr sogar einige Vertraulichkeiten entgegengebracht. So benennt z. B. ein Taliban-Kommandeur seine neugeborene Tochter nach der Journalistin. Doch kommt sie auch in viele bedrohliche Situationen und muss um ihr Leben und das ihrer Kollegen fürchten.

Ich habe viele Wochen für dieses Buch gebraucht, und wenn ich ehrlich bin, wich meine anfängliche Neugier nach einiger Zeit einer gewissen Ermüdung beim Lesen. Zu viele Namen, Daten, Gruppierungen - ich habe ehrlich gesagt oft gar nicht richtig durchgeblickt, wer jetzt wer ist und wo gerade wer gegen wen kämpft, wer welche Rolle wobei spielt. Manchmal hätte ich mir irgendwelche Übersichten in Form von Tabellen oder Karten (bezüglich der erwähnten Gebiete) oder zumindest ein Glossar gewünscht.

Zu den detaillierten Ausführungen kommen noch viele Fußnoten dazu. Ich bin ja ein Fan davon, Fußnoten, die nicht nur Literaturquellen, sondern auch Erläuterungen beinhalten, in der Fußzeile der jeweiligen Seite zu drucken und nicht in einem Anhang am Ende des Buches. Leider ist hier letzteres der Fall, und da die Autorin öfter in ihren Fußnoten Dinge erläutert und erklärt, war es ein nerviges Hin- und Herblättern, das meinen Lesefluss doch sehr beeinträchtigte.

Ich kann gar nicht sagen, ob ich die Autorin sympathisch finde oder nicht. Man erfährt zwar in den ersten Kapiteln vieles aus ihrem Leben, aber ich konnte keine Beziehung zu ihr aufbauen. Dies ist aber nicht nötig, um auf jeden Fall sagen zu können, dass sie eine kluge und mutige Frau ist, die sich ständig in die Höhle des Löwen begibt, um die Welt über den Terrorismus aufzuklären, und allein dafür muss man sie bewundern. Selbst in brenzligen Situationen behält sie einen kühlen Kopf.

Man merkt ganz stark, dass sich die Autorin als Araberin fühlt, dass ihr Herz in der arabischen Welt und im muslimischen Glauben verankert ist. So ist es für sie selbstverständlich, dass ihr zukünftiger Mann von arabischer Herkunft sein muss. Eine andere Möglichkeit zieht sie, die weltoffene und intellektuelle Frau, scheinbar gar nicht erst in Betracht.

Befremdlich fand ich auch ihre Schlussfolgerung, als sie erfährt, dass sie durch ihre zahlreichen engen Kontakte zu Terroristen vom US-Geheimdienst beobachtet wird. Sie konstatiert, dass dieser wohl kein Problem damit hätte, wenn sie ins Kreuzfeuer und in Lebensgefahr geriete. Denn ihr amerikanischer Kollege wurde vorher durch eine fingierte Morddrohung genötigt abzureisen, um ihn in Sicherheit zu bringen, während man abwartete, ob die Autorin ein Treffen mit einem hochrangigen Terroristen, an dem der Geheimdienst herankommen will, trotzdem durchführen würde. (Was sie zum Glück nicht tat.) Sie kommt zu dem Schluss, dass dem Westen ein muslimisches Leben (also ihres) weniger bzw. nichts wert sei, wie es ja auch die Terroristen immer propagieren. Jedoch stellt es sich für mich so dar, dass ihr amerikanischer Kollege nichtmal Arabisch spricht und Mekhennet die Interviews selbst organisiert und leitet, während ihr Kollege - auch nicht immer, falls die Interviewpartner nicht für seine Sicherheit garantieren wollen, weil er Amerikaner ist - sie nur unterstützend begleitet und dann später mit ihr die Artikel aufbereitet und veröffentlicht. Dass er da weniger in Verdacht steht als sie, ist eigentlich logisch.

Die Autorin hat viel erlebt und viel zu erzählen, und ihre Berichte sind gleichermaßen spannend und schockierend. Sie versucht, sich eine gewisse Objektivität zu erhalten, was meist, aber nicht immer gelingt. Aber sie ist eben auch nur ein Mensch. Es ist sowieso bewundernswert, dass sie nach all diesen Erlebnissen noch immer mit der gleichen Unterschütterlichkeit ihrer Arbeit nachgeht und sich nicht abbringen lässt, auch weiterhin in Kriegsgebiete zu fahren und dort mit gefährlichen Funktionären zu reden. Denn es ist wahrscheinlich, dass sie sich mit ihrer Arbeit auch einige Feinde macht.

Emotional ist nochmal der Epilog, in dem man erfährt, dass beim Amoklauf in München 2016, als ein junger Deutsch-Iraner im Olympiazentrum gezielt mehrere Menschen mit Migrationshintergrund tötete, auch der 14jährige Cousin der Autorin sowie sein bester Freund starben. Und so schließt das Buch mit den berührenden und weisen Worten: "Wenn ich eins gelernt habe, dann dies: Die Schreie einer Mutter, die ihr getötetes Kind beweint, klingen immer gleich, egal ob sie nun schwarz, braun oder weiß, Muslimin, Jüdin, Christin, Schiitin oder Sunnitin ist. Wir werden alle in derselben Erde begraben."

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den C.H. Beck-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 3. Januar 2018

Rezension: "Viel näher als zu nah" von Angela Kirchner

Daten zum Buch:
erschienen am: 25. September 2017
Verlag: Dressler
ISBN: 9783791500577
256 Seiten
Preis: 16,99 € (HC)
Hier geht's zur Verlagsseite!
Hier geht's zur Autorenseite!

Zum Inhalt:
Lucas ist cool, beliebt, flirtet gerne und lässt keine Party aus. Zusammen mit seinem besten Freund Ben cruist er am liebsten auf seinem Motorrad durch die Stadt.

Auf einer Feier lernt er zufällig Fey mit den pinken Haaren kennen. Obwohl die beiden auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben, finden sie sich auf Anhieb sympathisch. Leider verlieren sie sich direkt wieder aus den Augen.

Und dann hat Lucas eine ganz dumme Idee, die zu einem furchtbaren Unfall führt. Nicht nur er wird schwer verletzt, sondern zwei weitere Personen müssen unter den Folgen leiden. Und eine davon ist Fey.

Meine Meinung:
Die Geschichte ist aus Lucas‘ und Feys Sicht geschrieben. Der Perspektivenwechsel wird durch zwei verschiedene Schriftarten deutlich gemacht, wodurch Verwechslungen vermieden werden. Lucas‘ Sicht ist hier jedoch eindeutig dominierend. Dies war zwar manchmal etwas schade, aber letztendlich finde ich, dass es gut so ist. Der Fokus liegt hier eben auf Lucas, der eine ganz starke Wandlung erfährt und sich von einem eingebildeten, sich selbst unwiderstehlich findenden Typen zu einem sympathischen, nachdenklichen und feinfühligen jungen Mann entwickelt. Zwar entwickelt sich Fey auch weiter, aber nicht in dem Maße wie Lucas. Während ich Lucas anfänglich sehr unsympathisch fand und erst nach und nach begann, ihn zu mögen, hinterlässt Fey direkt zu Beginn einen positiven Eindruck.
 
Neben den beiden Protagonisten spielt noch Lucas’ bester Freund Ben eine wichtige Rolle, der ebenfalls in den Unfall verwickelt war und mit seinen Schuldgefühlen ganz anders umgeht als Lucas, der im Gegensatz zu Ben auch körperlich stets an sein Fehlverhalten erinnert wird. Die Freundschaft zwischen Lucas und Ben empfand ich als etwas Besonderes. Heutzutage bezeichnet man sowas wohl als echte „Bromance“. Nach außen hin die coolen Typen, die auf keiner Party fehlen dürfen, ist ihre Beziehung zueinander jedoch echt und tiefgehend, was bei Jungs in diesem Alter nicht selbstverständlich ist.

Der flüssige Schreibstil ist angenehm zu lesen, und ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Angela Kirchner schreibt anspruchsvoll, aber dennoch jugendgerecht. Ihre Schreibweise ist gefühlvoll, sie drückt vieles mit Bildern aus. Sehr gut dargestellt werden die Emotionen der Figuren. Die Anziehungskraft zwischen Fey und Lucas, aber auch und vor allem die Schmerzen, die die beiden nach dem Unfall haben. Man schleppt sich förmlich mit den lädierten Protagonisten durch die Welt und fühlt die Beklemmung beim Lesen.

Es ist eigentlich ein eher leises Buch, das sich zum Großteil im Innenleben der Protagonisten abspielt, und so wirkt auch die Liebsgeschichte zwischen Fey und Lucas zart und fast schon unschuldig. Diese leisen Töne transportiert die Autorin sehr gut.

Ein paar Kritikpunkte hätte ich dennoch:

Mir waren es nach dem Unfall zu viele zufällige Begegnungen zwischen Lucas und Fey. Ok, sie wohnen in der gleichen Stadt und sind ungefähr gleich alt. Da kann man sich schon öfter über den Weg laufen. Aber wenn sie sich jetzt erst kennengelernt haben, ist es komisch, dass sie danach plötzlich überall gleichzeitig sind. Auf Veranstaltungen, in der Physiopraxis, auf dem Friedhof. Natürlich muss man Möglichkeiten für Begegnungen schaffen, es war auch nicht total unrealistisch, aber halt ein bisschen zu konstruiert.

Des Weiteren hätte ich gerne mehr über Jennifer, Feys beste Freundin und das Unfallopfer mit den schwersten Verletzungen, erfahren. Sie taucht erst am Ende des Buches kurz auf und hat dann einen Auftritt, als wäre sie eine Heilige ohne irgendwelche Makel. Ich denke aber, sie hätte mehr „leisten“ können für die Geschichte und wäre ein bereichender Charakter gewesen. Andererseits kann ich auch nachvollziehen, dass die Autorin den Fokus ganz bewusst auf Lucas und Fey gelegt hat und nicht alle Figuren gleichermaßen tief gezeichnet wurden. Trotzdem schade.

Der Konflikt, dass Fey Lucas total anziehend findet, aber ihn eigentlich hassen sollte, hätte für meinen Geschmack stärker ausfallen dürfen. Trotz des ewigen Hin und Her zwischen den beiden war das Ende natürlich relativ vorhersehbar, wie bei den meisten Liebesgeschichten. Das letzte Gespräch zwischen den Protagonisten empfand ich als viel zu schmalzig. Aber bei diesem Kritikpunkt darf man natürlich der Autorin zu Gute halten, dass das Buch in erster Linie Jugendliche ansprechen soll und ich mit 36 nicht mehr zur eigentlichen Zielgruppe gehöre.

Doch trotz dieser Kritikpunkte hat mir die Lektüre dieses Romans viel Freude bereitet, und so ist Angela Kirchners Debütroman „Über den Dächern wir zwei“ schonmal direkt auf meine Leseliste gewandert. 

„Viel näher als zu nah“ ist ein empfehlenswerter Roman, nicht nur für junge Leser – und nicht nur für weibliche, wohlgemerkt, auch wenn das feminin wirkende Cover dies vielleicht vermuten lässt.  In diesem Buch steckt viel mehr drin als eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Menschen. Ich kann mir den Roman auch wunderbar als Schullektüre vorstellen, da hier ernste und wichtige Themen einfühlsam aufgearbeitet werden. Die Gefühle zwischen Lucas und Fey spielen zwar eine große Rolle, aber es gibt noch so viele andere Themen und Emotionen, die aufgearbeitet werden: Schuld, Verantwortung, Verzeihen, Freundschaft, Neuanfang. 

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Dressler-Verlag für dieses Rezensionsexemplar und an Angela Kirchner für die intensive Betreuung der Leserunde auf LovelyBooks!

Montag, 18. Dezember 2017

Buch-Zitat des Tages

aus: "Viel näher als zu  nah" von Angela Kirchner (S. 180f.)

>>> 

Ich zähle die Sekunden, bis Fey sich zu mir herumdreht. Dreizehn.

"Wow", sagt sie. Nichts weiter, nur "Wow", ehe sie zwei Schritte zurückweicht und eine Mauer um sich herum errichtet, die ich niemals werde einreißen können. Ich bin mir wirklich nicht sicher, was hier in den vergangenen zehn Minuten passiert ist, aber es fühlt sich an, als hätten wir irgendwann zwischen "Hi" und "Wow" nicht nur die Regeln, sondern das ganze Spiel gewechselt. Und ich habe es nicht mitbekommen und sitze vor meinen Würfeln wie ein Idiot.

"Ich... ich..." ... weiß nicht, was ich sagen soll.

Fey antwortet nicht und ihr Schweigen drückt mich zusammen.

Verdammter Dreck, wieso muss das ausgerechnet mit ihr alles so kompliziert sein? Das war es doch sonst nicht. Ich hatte bisher nie Probleme mit solchen Situationen - und vor allem nie das Gefühl, dass es in irgendeiner Weise wichtig wäre, wie ich mich verhalte. Es ist immer alles einfach gelaufen, ich konnte sein, wie ich will. Doch wenn Felicitas Lippkes schweigt, bekommt die Welt einen Kratzer, und ich will nicht mehr ich sein.

Ich presse die Lippen aufeinander und lasse den Kopf hängen.

"Fey", murmle ich und packe all die Worte, die in meiner Kehle feststecken, mit in ihren Namen. Aber sie hört keins davon.

"Nein, lass gut sein", erwidert sie. Das Eis in ihrer Stimme vertreibt die letzte Erinnerung an die Wärme ihrer Hände. Inzwischen sind die Kristalle in mir zu scharfen Splittern angewachsen.

                                                                                                                                                           <<<

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Geburtstagsgewinnspiel - Auslosung!

Oh mann, erstmal ein dickes SORRY, dass ich nicht schon am 10.12. ausgelost habe. Ich hab es einfach ums Verrecken nicht hingekriegt, bis jetzt mal die Namen der Teilnehmer zusammenzufassen und auszulosen. Ich hoffe nicht, dass die ein oder andere von euch (Jaaaa, es waren mal wieder ausnahmsweise Damen dabei.) hier jetzt sehnsüchtig seit Sonntag reinschaut und jedes Mal ganz ungeduldig und enttäuscht ist.

Aber jetzt isses ja so weit! Teilgenommen haben insgesamt 13 Bücherfreundinnen hier auf dem Blog und auf Facebook: Vier für Gewinn Nr. 1, zwei für Gewinn Nr. 2, sechs für Gewinn Nr. 3 und leider nur eine einzige Dame für Gewinn Nr. 4. Vielen Dank an alle für die Teilnahme!

Also, ohne langes Herumgerede - hier sind die Gewinnerinnen:

 


Herzlichen Glückwunsch an die vier Gewinnerinnen! Ich habe von euch allen Kontaktdaten und werde euch demnächst anschreiben. :-) Dann werden auch hoffentlich die Päckchen ganz schnell rausgehen, damit sie nicht in den großen Weihnachtspäckchentrubel kommen (Ok, wie unrealistisch, das werden sie wohl, also hoffen wir das Beste. *seufz*).

An alle Anderen: Tut mir leid, dass ich nicht für alle etwas habe. Aber bestimmt kommt das nächste Gewinnspiel bald und ihr könnt euer Glück erneut probieren.

Sonntag, 10. Dezember 2017

Rezension: "Papa ruft an - Standleitung zum Lehrerkind" von Bastian Bielendorfer

Daten zum Buch:
erschienen am: 2. Oktober 2017
Verlag: Piper
ISBN: 9783492309783
272 Seiten
Preis: 10,00 € (TB)
Hier geht's zur Verlagsseite!
Hier geht's zur Autorenseite!

Zum Inhalt:
Auch jenseits der Dreißig gelingt es Lehrerkind Bastian Bielendorfer kaum, die Familienbande zu entwaffnen. Immer wenn das Telefon klingelt, ist daher mit allem zu rechnen: ob Papa nun im Waschkeller unfreiwillig eine Schaumparty gibt, die Mikrowelle zum Explodieren bringt, sich mit Horrorneffe Ludger beim Basti-Ärgern abwechselt oder die Facebook-Einträge seines Sohnes korrigiert - lustig wird es garantiert... nur nicht für das Lehrerkind!
(Klappentext)

Meine Meinung:
Bastian Bielendorfer hat sich in Deutschland als Autor und Comedian einen Namen gemacht und ist vielen als "Lehrerkind" bekannt. Nach den Bestsellern "Lehrerkind", "Lebenslänglich Klassenfahrt" und "Mutter ruft an" hat er nun sein viertes Buch veröffentlicht, das sich vor allem, aber nicht nur, seinem Vater widmet.

Ich selbst kannte bislang von ihm nur das Buch "Mutter ruft an" und habe ihn einmal im Rahmen der "Komischen Nacht" erlebt, wo ich ihn sehr lustig und sympathisch fand. Und wenn man schonmal die Mutter-Variante kennt, muss der Vollständigkeit halber natürlich auch das Vater-Buch gelesen werden! Wobei auch hier selbstverständlich Mutter Ingrid gerne im Hintergrund wütet, während Vater Robert seinen Stammhalter in den Wahnsinn treibt.

Vater Robert ist - ebenso wie Mutter Ingrid - pensionierter Lehrer und stets mit dem Rotstift bewaffnet. Seine dezent besserwisserische Art, sein als am Existenzminimum knapsender Lehrer angebrachter Geiz und seine Unfähigkeit, alleine im Haushalt zu überleben, sorgen für viele komische und skurrile Momente. Man darf davon ausgehen, dass so manche Situation vom Autor überspitzt dargestellt und etwas ausgeschmückt wurde. Knallharte Recherchen meinerseits haben zum Beispiel ergeben, dass allein schon die elterlichen Vornamen verfälscht wurden. Aber ein gewisser Grundwahnsinn ist bei der Familie Bielendorfer sicherlich vorhanden.

Das Buch liefert  zahlreiche Gesprächsprotokolle zwischen Eltern und Sohn. Dazu kommen noch ein paar Kindheitserinnerungen an missglückte Familienurlaube, kurze Streitgespräche zwischen Bastian und Gattin Nadja sowie Erlebnisse mit Neffe Ludger. Und natürlich dürfen Mops Otto sowie die rattenfressende Mischlingshündin Maja nicht fehlen.

Nadja ist mir sehr sympathisch. Sie erträgt die angeheiratete Sippe mit stoischer Gutmütigkeit sowie geduldiger Grazie und kommt mit den Eigenheiten der Schwiegereltern viel souveräner zurecht als ihr Mann. Neffe Ludger ist der Sohn von Bastians Cousine und das Produkt zweier Waldorflehrer. Ich weiß nicht, ob es Ludger wirklich in dieser Form gibt, aber er ist der Grund, weshalb ich für nächste Woche einen Termin für eine Sterilisation beim Krankenhaus um die Ecke vereinbart habe.

Der Autor versteht es wirklich, die Situationen und Gespräche mit seiner Familie plastisch wiederzugeben, so dass sofort das Kopfkino losgeht. Ich liebe Bielendorfers Humor. Er haut eigentlich permanent und eloquent einen Kracher nach dem nächsten raus, und schon allein sprachlich war das Buch für mich ein Genuss. Manche Begebenheiten waren gar nicht mal so wahnsinnig komisch, konnten mich aber allein schon durch den witzigen Schreibstil zum Lachen bringen.

Es ist eigentlich erstaunlich, dass der Autor nicht schon längst eine Selfmade-Vollwaise ist. Aber trotz all der Macken bzw. Special Effects seiner Eltern, die es kaum überwunden haben, dass der Sohn nur Bestsellerautor (Trivialliteratur!!!) und nicht Chefarzt ist, schwingt doch auch immer unterschwellig eine kleine Liebeserklärung an die Erzeuger mit.

Natürlich muss man noch als Kritikpunkt anmerken, dass die Grundidee nach "Mutter ruft an" nicht neu ist. Als Kenner von Bielendorfers bisherigen Büchern sollte man also nicht erwarten, dass Bastian Bielendorfer das Rad neu erfindet. Aber es ist eine nette Fortsetzung des alltäglichen Bielendorferschen Wahnsinns.

Alles in Allem liefert "Papa ruft an" lockere und lustige Unterhaltung mit skurrilen Charakteren, die die eigene Familie plötzlich nicht mehr ganz so wahnsinnig erscheinen lässt.

P.S.:  Bevor ich diesen Text online stelle, muss ich nochmal ganz genau Korrektur lesen, denn ich möchte nicht, dass Herr Bielendorfer senior mir irgendwann eine ausgedruckte und mit Rotstift korrigierte Version dieser Rezension zukommen lässt...

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Piper-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 3. Dezember 2017

Rezension: "Nur ein Wort - Seulement une parole" von Christina Talberg

Daten zum Buch:
erschienen am: 10. Oktober 2017
Verlag: ProTalk
ISBN: 9783939990420
241 Seiten
Preis: 14,90 € (SC)
Hier geht's zur Verlagsseite!
Hier geht's zur Autorenseite!

Zum Inhalt:
Anna lebt als Deutsche in Paris und schreibt eine wissenschaftliche Arbeit über Priester und Nonnen, die sich dem Zölibat widersetzen. Über ihren Schwager, einen politischen Aktivisten, lernt sie Pedro kennen. Die beiden sind schnell voneinander fasziniert und landen schließlich miteinander im Bett.

Pedro hat sich in Anna verliebt, doch Anna wiederum hat es bis jetzt noch nicht geschafft, sich ernsthaft an einen Mann zu binden. Und dann gibt es da noch ein Problem: Pedro ist nicht nur ein politischer Flüchtling aus Kolumbien, sondern auch katholischer Pfarrer...

Meine Meinung:
Die Geschichte ist aus Annas Sicht erzählt, und ich fand leider keinen Zugang zu ihr. Sie war mir zwar nicht komplett unsympathisch, aber ich fand sie spröde, introvertriert - einfach anstrengend. Sie scheint regelrecht mit ihren melancholischen Gedanken in ihrem eigenen Kopf, in ihrer kalten winzigen Wohnung eingesperrt zu sein. Dadurch wirkte die Geschichte für mich lange Zeit sehr bedrückend und trist. Der vielgepriesene Pariser Charme half hier leider auch nichts. In diesem Buch kam mir die Stadt wie ein schmuddeliger Moloch kaputter Gestalten vor.

Pedro blieb mir bis zum Schluss fremd. Er ist ein guter Kerl, aber ein extremer Mensch mit viel (übertriebener) Leidenschaft. Männer, die schon nach einer Nacht eine Frau heiraten und mit ihr Kinder haben wollen, sind mir etwas suspekt. Zusammen wirken Anna und Pedro einfach nicht. Man fragt sich, worin die gegenseitige Anziehungskraft liegt. Kein Knistern, kein Beben - bei mir kamen null Emotionen an. Dann auch noch Szenen, in denen Anna sich bei Pedro wie ein Schaf verhält, das zu allem Ja und Amen sagt, während es "Hilfe, nein!" denkt.  

Bei den anderen Charakteren fehlte mir ebenfalls die Tiefe, auch wenn sie alle sehr interessante Figuren sind. Gefallen hat mir aber Annas gutes Verhältnis zu ihrer Schwester Nat und ihrer kleinen Nichte. Interessant auch die Familiengeschichte: Der Vater kam bei einem Unglück ums Leben, die Mutter unterhält seitdem eine bereits lang anhaltende Beziehung zu einem katholischen Pfarrer. Diese Thematik wird oft in Rückblenden aufgegriffen. Später lernt der Leser dann auch die vielzitierte Mutter samt Priester-Freund kennen, was nochmal für Dynamik in der Geschichte sorgt.

Die ersten zwei Drittel des Buches bin ich etwas lustlos durch die Seiten geschlichten. Erst im letzten Drittel hat es die Autorin meines Erachtens herausgerissen. Die Geschichte dümpelt nicht mehr so vor sich hin, und zum Schluss habe ich die Gefühle zwischen Anna und Pedro sogar einigermaßen abgekauft. Nichtsdestotrotz muss ich wiederum kritisieren, dass sich die ganzen Probleme und Missstände, die sich vorher langwierig durch das Buch zogen, nun fast alle nach und nach in Gefälligkeit auflösten. Dies hat mich einerseits für die Figuren gefreut, die sich diese Wendungen zum Positiven hin auch verdient hatten. Andererseits war es zu konstruiert und zu gewollt.

Der Schreibstil ist einerseits relativ einfach gehalten. Allerdings unterhalten sich die Figuren öfter über sehr anspruchsvolle Themen aus den Bereichen Politik oder Philosophie, was auch dem Leser stellenweise Konzentration abringt. Es werden Stilmittel wie eingeschobene Liedtexte, Schlagzeilen aus Zeitungen oder Geräusche ("dopp, tschick, klack") verwendet, was ich persönlich eher störend fand, was aber vielleicht Annas teils wirre Gedankengänge ganz gut wiedergibt. Generell lässt sich der Schreibstil aber schnell und angenehm lesen.

Zu guter Letzt muss ich noch anmerken, dass das Layout mehrmals meinen Lesefluss gestört hat. Oft gab es abrupte Wechsel von Block- in Flattersatz, mitten in den Zeilen gab es Worttrennungen. Da dies auffallend häufig vorkam, würde ich hier dem Verlag empfehlen, das Layout nochmal zu überprüfen.

"Nur ein Wort" ist eine etwas schwere Liebesgeschichte mit einer grauen Protagonistin, die mich nicht so ganz überzeugen konnte, die aber im letzten Drittel nochmal das Ruder herumreißt und sich immerhin schnell weglesen lässt. Ich persönlich fand leider keinen Zugang zu den Figuren und hatte beim Lesen wohl nicht den nötigen Hang zur Melancholie.

2,5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an "Spread & Read" und den ProTalk-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!