Dienstag, 2. April 2013

Rezension: "Log Out!" von Oliver Uschmann & Sylvia Witt

Daten zum Buch:
erschienen am: 10. September 2012
Verlag: Script5
ISBN: 9783839001295
343 Seiten
Preis: 12,95 €


Zum Inhalt:
Paul Planbaum, 19 Jahre jung, hat gerade sein Abitur geschafft und langweilt sich jetzt. Sein Vater ist mitsamt Lebensgefährtin zu einer mehrmonatigen Weltreise aufgebrochen, den besten Freund Benny hat es zum Studium ins weit entfernte Bamberg verschlagen, und um eine Ausbildungsstelle hat sich Paul auch viel zu spät gekümmert.  Paul plant eben nicht gerne im Voraus. Durch einen Zufall kommt er auf die Idee, einen Survivalblog zu schreiben. 26 Einträge soll er haben – von A bis Z. Der Blog wird ein voller Erfolg, Paul ist der neue Star am Bloghimmel, und selbst „Die Zeit“ berichtet über ihn. Aber wo Erfolg ist, da sind auch Neider und Kritiker, und so läuft Pauls Projekt irgendwie aus dem Ruder und der Hype um ihn und seinen Blog nimmt ungeahnte Ausmaße an. Paul verspricht seinen Lesern, 100 Tage ohne Geld durch Deutschland zu wandern. Jetzt kann sich Paul nur noch auf seine neue Mailfreundin Sonja und den „Pfandpunk“ Mirko verlassen.

Pauls Experiment scheint zum Scheitern verurteilt, doch nicht etwa, weil er nicht fähig ist, sich mittellos durch die Zivilisation zu schlagen, sondern weil Fans und Neider ihm – gewollt oder ungewollt - das Leben schwer machen. Dazu noch ständig die Medien, die ihm auflauern und über ihn berichten wollen. Darüber hinaus kämpft Paul nicht nur mit seinen aufkeimenden Gefühlen für Sonja, die ein Geheimnis hütet, sondern auch mit einem 7 Jahre zurückliegenden Trauma. 

Meine Meinung:
Obwohl Paul ein „Wohlstandskind“ und für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr auf Sport fixiert ist, war er mir von Anfang an sympathisch. Er ist höflich, sensibel, humorvoll, rücksichtsvoll und hat moralische Werte, die mir persönlich sehr sympathisch sind. Er vermisst seinen besten Freund, der sich einfach nicht mehr meldet, und verbringt vor Erstellung seines Blogs die meiste Zeit damit, sich zum 100. Mal seine „Navy CIS“-Staffeln anzuschauen, die er auswendig mitsprechen kann. Die ganzen Vergleiche mit den Charakteren von „Navy CIS“ und Pauls Umsetzung von Gibbs Regeln fand ich dann auch wirklich amüsant, auch wenn ich die Serie nur sehr oberflächlich kenne. Echte „Navy CIS“-Fans könnten also vermutlich ihre wahre Freude daran haben.

Die Geschichte gibt nicht nur gute Tipps, wie man sich ohne Geld und andere Annehmlichkeiten durchschlagen kann, sondern regt auch an zum Nachdenken. Über die Qualität des eigenen Lebens, was man wirklich zum Leben braucht und was nicht, wie man mit mittellosen Menschen umgeht, wie schnell man Andere verurteilt, wie locker einem Kritik von der Hand geht, wenn man sie anonym im Internet posten kann und v. a. über die Macht, die die neuen Medien haben können, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Es ist erstaunlich, welche Ausmaße die Reaktionen auf einen privaten Blog, der eigentlich nicht mehr als unterhalten sollte, annehmen können. 

Das Buch ist aus Pauls Sicht in Ich-Form geschrieben, immer wieder unterbrochen von Pauls Texten und seinem Mailverkehr mit Sonja. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, locker-luftig, ironisch, aber auch niveauvoll und nicht ins Seichte abdriftend. Man rutscht förmlich durch das Buch und ich konnte es kaum aus der Hand legen.

Mit dem Roman „Log Out!“ hat das Autoren-Ehepaar Oliver Uschmann und Sylvia Witt einen interessanten und amüsanten Roman mit sympathischen Figuren geschrieben, der uns die Macht der modernen Medien auf erschreckende Weise vor Augen führt. 

5 von 5 Schreiberpaletten

 


Kommentare:

  1. Oh wie schön, dass dieses Buch anscheinend wirklich so toll ist, wie ich gedacht und gehofft habe! Ich werde es auf jeden Fall mal lesen. :)

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  2. Das Buch klingt ja wirklich interessant :)

    LG
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