Sonntag, 21. April 2013

Rezension: "Südbalkon" von Isabella Straub

Daten zum Buch:
erschienen am: 6. März 2013
Verlag: Blumenbar
ISBN: 9783351050023
254 Seiten
Preis: 18,99 €

Zum Inhalt:
Ruth Amsel, Anfang/Mitte 30, ist nach einem abgebrochenen Medizinstudium und anschließendem Praktikum in einer Traueranzeigenredaktion arbeitslos. Zusammen mit Langzeitfreund Raoul lebt sie in einer kleinen Wohnung in Wien und spielt für ihn gelegentlich das „siebte Flittchen“. Ansonsten ist Ruths Leben relativ ereignislos. Wenn sie nicht gerade einen Termin bei der „Gesellschaft für Wiedereingliederung“ hat oder sich mit ihrer Freundin Maja in einem Möbelhaus zum Kaffee trifft, beobachtet sie Menschen. Ihre Nachbarn, Patienten der Magenbuchklinik oder wer ihr so über den Weg läuft. Am liebsten wäre Ruth einfach nur weiterhin arbeitslos, um ihre Beobachtungen ungestört fortführen zu können. Doch die Gesellschaft erwartet mehr von ihr. Und auch sonst hat sie es nicht leicht, denn abgesehen von einem noch nicht verarbeiteten Schicksalsschlag, unter dem Ruth leidet, hegt sie den schlimmen Verdacht, Raoul könnte sie betrügen. Und auch ihre Eltern scheinen plötzlich den Verstand verloren zu haben...

Meine Meinung:
„Südbalkon“ ist Isabella Straubs Debütroman. Er ist aus Sicht der Protagonistin Ruth Amsel erzählt, so dass man als Leser auch an ihren Gedanken teilhat. Auch wenn Ruth ein paar eigenartige Ticks hat, fand ich sie von Anfang an sehr sympathisch. Zwar steht sie nicht auf der Sonnenseite, dem Südbalkon des Lebens, aber sie wird nicht als armes, arbeitsloses, betrogenes Opfer dargestellt, sondern als kluge, leicht schräge Person, die aus ihrer Situation das Beste macht.

Die Nebencharaktere wie Ruths Freund Raoul, ihre beste Freundin Maja, Ruths Eltern oder ihr Jobberater Herr Othmar werden aus Ruths Sicht vom Leser wahrgenommen. Nicht jeder dieser Leute war mir sympathisch, aber Ruth selbst redet nicht gehässig oder schlecht über die Anderen und man kann sich so eine eigene Meinung bilden.

Anfangs dachte ich, das Buch sei schwer zu lesen. Ich kann nicht genau sagen, woran das lag, es war eben mein 1. Eindruck anhand der Story und der doch recht gehobenen Sprache. Aber ich bin sehr gut und schnell durchgekommen, und die Sprache war recht locker, aber dennoch niveauvoll. Die Autorin arbeitet viel mit Metaphern und Bildern, von amüsant bis poetisch ist hier alles dabei. Und zu schmunzeln gibt es trotz Ruths ernster Lage genug. Da wären zum einen die nicht wenigen skurrilen Situationen, in die Ruth gerät, und so manch komischer Nebencharakter, zum anderen ihr ironisch, mitunter sarkastischer Blick auf die Welt und die Menschen. Dabei rutscht der Humor jedoch nie ins Triviale ab.

Das ein oder andere Wort musste ich nachschlagen, da auch mal medizinisches Vokabular vorkommt, ein Umstand, der Ruths abgebrochenem Medizinstudium zu verdanken ist. Ruth analysiert die von ihr beobachteten Menschen, versucht ihnen Krankheitsbilder zuzuordnen. Denkt man vielleicht anfangs noch, Ruth sei phlegmatisch und vielleicht nicht gerade sehr gebildet, merkt man so nach und nach, dass Ruth durchaus Köpfchen hat und wohl nur nicht ihr Potential ausschöpft.

Ein kleiner Wermutstropfen: Das Ende kam dann doch etwas zu abrupt und ließ vieles offen. Zwar hat die Autorin immerhin kein Happy End im Hauruckverfahren konstruiert, was vermutlich zu der Geschichte auch nicht gepasst hätte, schon gar nicht, wenn sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hätte. Aber im Endeffekt hört das Buch mittendrin auf, was ich sehr schade fand und mich auch etwas gestört hat. Vielleicht möchte die Autorin, dass man sich selbst den weiteren Verlauf von Ruths Leben ausmalt. Aber ich bin diesbezüglich eher der gemütliche Mensch, der gerne an der Hand genommen und zu einem halbwegs abgeschlossenen Ende geführt werden möchte.

Kleine Schlussbemerkung: Während der Lovelybooks-Leserunde mit Isabella Straub habe ich erfahren, dass das Wien im Buch komplett erfunden ist, von der Autorin liebevoll als „Parallel-Wien“ bezeichnet. Wer also Kenner dieser Stadt ist, sollte hier nicht verzweifeln ob der ihm unbekannten Straßennamen und Gebäude. Und irgendwie passt es ja auch, dass Ruth ihre eigene kleine Welt erhält.

4 von 5 Schreiberpaletten

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