Sonntag, 26. Mai 2013

Autorenstreicheln

Tut mir leid, ein besseres Wort fiel mir gerade nicht ein für dieses Thema. ;-) Ich wollte mal kurz darüber sinnieren, wie das so mit Leserunden abläuft, an denen die Autoren persönlich teilnehmen.

In letzter Zeit war ich auf LovelyBooks fast ausschließlich bei solchen Leserunden dabei. Ich finde es auch immer wahnsinnig interessant, die Autoren dabei zu haben, da sie manchmal Hintergründe erörtern, die man so vom Lesen her nicht kennen würde, und weil es einfach die Diskussion lebendiger macht.

Leider haben mir aber just bei solchen Leserunden einige Bücher nicht so sonderlich zugesagt und ich konnte nur 3 Sterne vergeben. Tat mir auch immer sehr leid, aber ich kann das einfach nicht, dass ich dann schreibe, ich fand das Buch super, toll, wahnsinnig lustig, wenn dem nicht so ist. Meine Kritiken sind - denke ich doch - dennoch immer respektvoll, und ich versuche, meine Kritikpunkte auch nachvollziehbar darzulegen.

Aber mittlerweile finde ich diese Autoren-Leserunden auch irgendwie anstrengend. Ich habe - gerade bei heiteren Romanen - das Gefühl, dass sich der absolute Großteil der LR-Teilnehmer mit Superlativen überschlägt. Schon nach dem 1. Leseabschnitt ist das Buch wahnsinnig toll, man lacht sich schier tot über den Humor, die Figuren sind alle klasse usw.

Und ich denk mir dann, oh je, ist was falsch an mir? Bin ich humorlos oder wieso kann ich diese Meinung nicht teilen, wenn doch so ziemlich jeder anders denkt als ich? Wieso klopf ich mir nicht alle 2 Seiten schallend lachend auf die Oberschenkel, sondern kriege höchstens mal alle 20 Seiten einen kleinen Schmunzler zustande?

Zum Glück war es dann meist so, dass sich nach mehreren Leseabschnitten dann doch manchmal ein paar andere Leser kritisch zu Wort meldeten und ich letzten Endes doch nicht alleine mit meiner Meinung war. Aber ich frage mich schon, ob es Leute gibt, die generell bei LRs mit Autoren der Meinung sind, sie müssten ihnen Honig ums Maul schmieren und sie über den Klee loben. Natürlich ist das ja auch völlig ok, wenn sie das Buch tatsächlich so grandios finden. Aber ich habe oft das Gefühl, dass das bei manchen aufgesetzt ist.

Übrigens meine ich hiermit keine konkreten Leute, sondern das ist nur mein allgemeiner Eindruck, den ich schon bei mehreren Leserunden (mit verschiedenen Autoren und auch verschiedenen Teilnehmern) hatte.

Ging es euch auch schon so?

Kommentare:

  1. Ich nehme an diesen Leserunden bei lovelybooks nicht teil - genau aus diesem Grund. :D

    Vielleicht haben manche Leser Angst davor die Gefühle der Autoren zu verletzen, wobei das natürlich quatsch ist. Konstruktive Kritik hilft ja auch dem Autoren. ;)

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    1. Schade, dass du gar nicht dran teilnimmst. Ich finde es ja schon prinzipiell interessant, wenn der Autor Rede und Antwort steht. Aber ich verstehe dich irgendwie...

      Ich habe trotzdem immer angemessen bewertet, und bislang haben die Autoren auch ganz nett reagiert. Bis auf Eine, da musste ich - allerdings wie so ziemlich alle anderen - einen Stern geben, weil das Buch eine Katastrophe war. Die blieb zwar freundlich in ihrem Kommentar, hat aber so durch die Blume etwas gezickt.

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  2. In der selben Situation habe ich mich gerade erst befunden. Ich habe das Buch "Schatten des Baumes" gewonnen und durfte an der Leserunde teilnehmen. Der Autor war zwar nicht dabei, aber jemand der Kontakt zu ihm hat. Na ja und die Leserunde sah dann so aus, dass einige das Buch so gut gefunden haben, dass ich mich gewundert habe. Denn ich konnte nur einen Punkt vergeben - die Anderen waren mit überwiegend 3 aber auch bis zu 5 Punkten dabei (hat auch etwas mit Geschmack zu tun).
    Deshalb schaue ich mir die Rezensionen von Büchern auch nicht mehr an, wenn gerade dazu eine Leserunde läuft - so schade das auch ist =(

    Liebe Grüße
    Silke

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    1. Ja, ich finde es irgendwie seltsam, wenn man nach 40 Seiten schon schreibt, dass das Buch der totale Burner ist. Oft sind die Leute auch schon bei so Unterhaltungsliteratur, die man schnell durchlesen kann, nach 1-2 Tagen komplett mit der Leserunde durch, da warten manche sogar noch auf ihr Buch. Das ist ja auch doof. Vielleicht kann man die einzelnen Leseabschnitte einfach schneller durchackern, wenn einfach immer wieder schreibt, dass das Buch megalustig ist, dann muss man sich nicht wirklich Gedanken machen, was man jetzt dazu schreibt. Der Autor, bei dem ich jetzt lese, ist auch sehr nett, aber kriegt in der Leserunde nur Honig um den Maul geschmiert. Es gab aber - nicht aus dieser Leserunde - eine 3-Sterne-Bewertung, und da hat der Autor sich auch bedankt und gemeint, dass man aus solchen Rezensionen auch viel mitnehmen kann. So lange alles respektvoll und nachvollziehbar bleibt, ist das ja auch total ok, wenn jeder eine andere Meinung hat.

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  3. Oh ja, das kenne ich. Ich hatte schon diverse Leserunden, bei denen ich mich nicht in die allgemeine Lobhudelei anschließen konnte. Ein Buch ist sogar im Büchertreff Buch des Jahres geworden - ich fand es nur durchschnittlich (weil viele Logikfehler, Erzählstränge hörten einfach auf).
    Aber ich rezensiere trotzdem frei nach meinem Empfinden, denn ich rezensiere nicht für die Autoren, sondern für andere Leser.
    Und Geschmäcker sind ja auch verschieden - und das ist auch gut so!

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    1. Und abgesehen davon, können Autoren auch etwas von schlechten Rezensionen mitnehmen, denke ich. Das hat erst neulich ein Debütautor geschrieben, als er eine weniger begeisterte Rezension kommentierte. Das ist die richtig Einstellung!

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