Dienstag, 14. Mai 2013

Rezension: "Frettnapf" von Murmel Clausen

Daten zum Buch:
erschienen am: 9. April 2013
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453410176
256 Seiten
Preis: 8,99 €

Zum Inhalt:
Hier kommt die Fortsetzung von Murmel Clausens Roman „Frettsack“. Im 2. Band ist Jens mit Jessi zusammen. Sie wollen bald heiraten und erwarten ihr 1. Kind, das eigentlich von Jens‘ bestem Freund Sven ist, aber das war ein Ausrutscher und zählt nicht...

Jens hat Angst, dass Jessi ihn als zukünftigen Ehemann und Familienvater für untauglich befindet, immerhin hat er mit Ende 30 immer noch keine geregelte Einkommensquelle und auch sonst keinen Plan, was er mit seinem Leben anstellen soll.

Als Jessi dann auch noch eine räumliche Trennung auf Zeit vorschlägt, schrillen bei Jens alle Alarmglocken. Er beschließt, endlich sein Leben in die Hand zu nehmen. Aber wie soll das gelingen, wenn man - abgesehen von einer hormonell bedingt launischen Freundin - auch noch mit einem fremdflirtenden Vater und zwei chaotischen Freunden geschlagen ist?

Meine Meinung:
Zuerst einmal muss ich dazu sagen, dass ich den 1. Teil leider vorher noch nicht gelesen habe. Das empfinde ich aber prinzipiell nicht als Problem, denn die wichtigsten Sachverhalte aus dem 1. Buch werden immer mal wieder an den geeigneten Stellen in Nebensätzen zusammengefasst, so dass man gut einsteigen kann. Allerdings kann ich nicht beurteilen, inwieweit sich die Charaktere im Vergleich zum 1. Roman weiterentwickelt haben.

Mir waren leider alle Protagonisten durchgehend unsympathisch. Anfangs fand ich Jens‘ Selbstzweifel und Makel noch liebenswürdig. Aber so nach und nach fand ich ihn für einen Mann in seinem Alter einfach nur furchtbar unreif, chaotisch, planlos und im Selbstmitleid zerfließend. Er versaut sich seine Chancen bei einem Radiosender und setzt stets alles daran, seine Freundin generell falsch zu verstehen. Mit emotionaler Intelligenz hat er’s leider nicht so, und mir fiel es im Verlauf der Geschichte immer  schwerer, ihn zu mögen.

Seine beiden Kumpels, Hondo und Sven, fand ich richtig unsympathisch. Hondo ist ein gewaltbereiter Tunichtgut, der seiner Freundin zuliebe zum jüdischen Glauben konvertieren will. Obwohl er kaum Ahnung vom Judentum hat, tut er so, als sei er DER Jude schlechthin, und das mit solch einer Vehemenz und Überheblichkeit, dass er mich damit tierisch genervt hat. Sven ist ... na ja, eben Sven. Er interessiert sich nicht für seine Tochter und ist ziemlich egozentrisch. Zu den anderen wichtigen Figuren wie Jessi oder Jens‘ Vater habe ich irgendwie keine richtige Meinung entwickeln können. Wirklich sympathisch war mir aber niemand.

Die Handlung an sich ist gut durchdacht, mit vielen Wendungen und einem – zumindest für mich – unerwarteten Ende, das reichlich Platz lässt für eine Fortsetzung. Der Schreibstil des Autors ist locker und witzig mit viel Biss und Ironie und lässt sich gut lesen. Jedes Kapitel hat als Überschrift eine Messe (z. B. Fahrradmesse, Erotikmesse, Familienmesse,...), was ein ganz netter Einfall ist.

Das Buch ist ein kurzweiliger Spaß für zwischendurch, nur leider hat es nicht meinen Humor getroffen.

3,5 von 5 Schreiberpaletten

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