Donnerstag, 30. Mai 2013

Rezension: "Muscheln für Mutti" von Christoph Dörr

Daten zum Buch:
erschienen am: 22. April 2013
Verlag: Blanvalet Verlag
ISBN: 9783764504571
384 Seiten
Preis: 12,99 €

Zum Inhalt:
„Du erreichst mich emotional nicht mehr.“ Mit diesen Worten lässt Kim ihren Freund, den 35jährigen Andi, nach zwei Jahren Beziehung einfach sitzen. Andi bleibt völlig ratlos und in Selbstmitleid zerfließend zurück. Die bald anstehende mehrwöchige Rundreise durch Vietnam und Kambodscha  will er jedoch auf jeden Fall antreten – notfalls eben auch alleine! Doch diesbezüglich muss sich Andi keine Sorgen machen, denn kurzerhand springt Mutti ungefragt als Reisepartnerin ein. Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, klinken sich auch noch Andis Schwestern Antje und Kristin mit ein. Die Ruhe, die Andi auf dieser Reise sucht, wird wohl schwer zu finden sein, denn abgesehen von einer für Andis Geschmack viel zu kommunikativen Reisegruppe, treibt Andis weiblicher Familienanhang ihn nicht nur mit blöden Sprüchen und wenig Verständnis für Intimsphäre in den Wahnsinn, nein, man will ihn auch noch mit der attraktiven Reiseleiterin Jana verkuppeln. Dabei hat Andi so gar kein Interesse an Jana – oder etwa doch...?

Meine Meinung:
„Muscheln für Mutti“ ist der Debütroman von Christoph Dörr, der sonst u. a. als Redakteur und Autor verschiedener RTL-Formate sowie als Comedian seine Brötchen verdient. Die Grundidee dieses Romans hat auch durchaus Potential: Erwachsener, gerade verlassener Mann muss gezwungenermaßen mit Mutti und nervigen Schwestern eine vierwöchige Rundreise durch Asien machen.

Leider hat mir das Buch aber nicht so zugesagt. Die Trennung, die gleich zu Anfang vollzogen wird, ist kurz und schmerzlos, und Andi bleibt dabei völlig unbeteiligt. Statt seine Ex zu kontaktieren und mit ihr zu reden, zerfließt er im Selbstmitleid und hat doch keinerlei Ahnung, wieso er von heute auf morgen verlassen wurde. Auch gegen Mutti und seine Schwestern begehrt er nicht auf, obwohl es ihm total gegen den Strich geht, mit den dreien in Urlaub fahren zu müssen. Dieser Phlegmatismus zieht sich bis ca. zur Hälfte des Buches durch. Andi ist unleidlich und gänzlich uninteressiert an den Ausflügen. Immerhin wird dies nach und nach besser, bis Andi endlich ein ehrliches Interesse an der Landschaft und Kultur Asiens entwickelt. 

Alles in Allem dümpelt die Geschichte aber auf insgesamt 380 Seiten ziemlich dahin. Ich hätte es besser gefunden, wenn die Reise etwas kompakter gewesen wäre. Die meiste Zeit hatte ich das Gefühl, ich komme mit dem Buch überhaupt nicht weiter. Irgendwann waren mir die ganzen Scherze einfach zu viel und ich fand sie eher ermüdend als unterhaltsam. Andis ironische Bemerkungen und Wortspiele, die Frotzeleien zwischen den beiden mitreisenden Ehepaaren Walter/Vera bzw. Kurt/Mechthild, Kristins und Antjes ständige Sprüche auf Andis Kosten... Und v. a. das Hin und Her zwischen Andi und Jana, die umeinander herumscharwenzeln und ständig durch Missverständnisse oder einen der Fettnäpfe, in die Andi stets mit Anlauf reinspringt, wieder bei Null landen. Erst will er nichts von ihr wissen, dann rennt er ihr hinterher, aber nur, um sich für sein unmögliches Verhalten zu entschuldigen, denn er will ja nichts von ihr - und plötzlich ist sie seine absolute Traumfrau. Irgendwie war das alles für mich nicht nachvollziehbar. Ich hatte das Gefühl, dass die Story ziemlich vor sich hinplätscherte und die Figuren sich nicht weiterentwickelten. Auch Muttis Rolle wurde immer mehr in den Hintergrund gedrängt zugunsten der Liebesgeschichte zwischen Andi und Jana, was ich ziemlich schade fand. 

Aber es gab natürlich auch ein paar Sachen, die ich gut fand.  Prinzipiell fand ich eigentlich alle Figuren in dem Buch sympathisch. Mit Andi hatte ich anfangs noch so meine Probleme, aber nach und nach zeigte sich, dass er ein netter, gutmütiger Kerl ist, der seine Mutti wirklich lieb hat. ;-) Und die Anderen haben natürlich auch ihre Macken, aber sind doch alle auf ihre eigene Art und Weise liebenswürdig. 

Zudem erfährt man so einige interessante Sachen über die Orte und Sehenswürdigkeiten, die die Reisegruppe in Vietnam und Kambodscha besucht. Diese Informationen bleiben im richtigen Maß, denn es handelt sich hier um einen Unterhaltungsroman, nicht um einen Reisebericht. Wer sich intensiver mit den beschriebenen Orten beschäftigen will, kann sich dann ja auf Basis der im Buch gemachten Angaben weiter informieren.

Christoph Dörrs Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Sprache ist lebendig, und prinzipiell sind seine Wortspiele und der sehr anschauliche Humor sehr unterhaltsam. Nur war es mir eben ein Tick zu viel des Guten, man wurde mit Krachern geradezu überschüttet, so dass der Humor bei mir ziemlich schnell nicht mehr zündete. Ich bin mir aber sicher, dass der Autor noch von sich reden macht, v. a. wenn er sein Potenzial bei zukünftigen Werken hoffentlich vollständig ausschöpft, ob mit oder ohne Mutti!

3,5 von 5 Schreiberpaletten

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