Donnerstag, 19. September 2013

Rezension: "Frei und inspiriert. Sehnsuchtsorte der Dichter, Denker, Künstler und Aussteiger" von Thomas Blubacher

Daten zum Buch:
erschienen am: 20. August 2013
Verlag: Elisabeth Sandmann Verlag GmbH
ISBN: 978-3938045800
160 Seiten
Preis: 22,95 €

Zum Inhalt:
In seinem Buch „Frei und inspiriert. Sehnsuchtsorte der Dichter, Denker, Künstler und Aussteiger“ erzählt Thomas Blubacher von Leben und Wirken zahlreicher kreativer Köpfe an den sechs bekannten Urlaubsorten Ascona, Attersee, Capri, Bali, St. Moritz und Hiddensee.

Meine Meinung:
In diesem Buch findet sich von allem etwas: Ein bisschen Geschichte, ein bisschen Reiseführer, ein bisschen Biographie. Man merkt, dass der Autor gründlich recherchiert hat, und tatsächlich handelt es sich hier eindeutig um ein wissenschaftlich fundiertes Sachbuch mit zahlreichen Fußnoten, weiterführender Literatur und einem Personenregister. Die Sprache ist gehoben und anspruchsvoll und ringt dem Leser große Aufmerksamkeit ab. 

Ein paar nette Anekdoten sind durchaus in diesem Buch zu finden, aber meistens handelt es sich um langatmige Aufzählungen, wer wann wie lange (und eventuell weshalb) an einem Ort war. Nur ein Beispiel aus dem Teil über Ascona:

„Der Maler Richard Seewald hielt sich bereits seit 1910 regelmäßig dort auf, 1925 kaufte er ein Haus im nahen Ronco sopra Ascona und wurde dort 1931 dauerhaft ansässig. Der Rumäne Arthur Segal lebte von 1914 bis 1920 in Ascona, mietete die geräumige Casa all’Angolo unterhalb der Monte und eröffnete eine Malschule. Auch der Dadaist Hans Arp tauchte, wie seine Mitstreiter Hugo Ball und Han Richter, immer wieder am Lago auf. Von 1918 bis 1921 lebte die Malerin Marianne von Werefkin mit ihrem Kollegen und Geliebten Alexej von Jawlensky und ihrem Dienstmädchen Helene sowie dem 1902 geborenen Sohn dieser beiden in Ascona. Dort besuchte sie das Tänzerehepaar Clotilde von Derp und Alexander Sacharoff, dessen einzigartiges Porträt Jawlensky 1909 gemalt hatte, ebenso wie der Maler Paul Klee mit seiner Frau.“ 

So viele Namen und Daten kann ich mir persönlich nicht merken, sie haben mich schnell ermüdet. Für mich war es inbesondere deshalb langweilig, weil ich viele Personen nicht kenne. Zwar wird auch von bekannten Persönlichkeiten wie Hermann Hesse oder Charlie Chaplin erzählt, doch dies meist nur knapp, und der Großteil der Erwähnten war mir gänzlich unbekannt. Wem allerdings Menschen wie Ida Hofmann, Marianne von Werefkin, Theo Meier oder Isadora Duncan etwas sagen, der findet das alles ja vielleicht etwas spannender als ich.

Diese vielen Aufzählungen und Aneinanderreihungen von Fakten hemmen den Lesefluss und sind ziemlich langatmig. Dazu kommen noch viele Zitate, teilweise nur ein paar in einen Satz einfließende Wörter, die stellenweise in solch einem Ausmaß vorkommen, dass der Text, gespickt von zahlreichen Anführungszeichen, unübersichtlich wird. Zwar hat der Autor gründlich recherchiert und wartet hier mit vielen Fakten und Anekdoten auf, aber alles bleibt oberflächlich, verkümmert zu nüchternen Aufzählungen. Hätte er sich auf weniger Personen konzentriert und deren Geschichten etwas detailreicher und lebendiger erzählt, hätte mir das Buch um einiges besser gefallen. Außerdem hätte ich gerne etwas mehr über die verschiedenen Sehnsuchtsorte erfahren, als wer wann dort Urlaub machte. 

Immerhin: Das Buch ist sehr hübsch aufgemacht, in festem Hardcover, aufgewertet durch zahlreiche farbige Abbildungen.

Wer schon immer mal Hermann Hesses nackten Hintern bewundern wollte, wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen. Ich bedauere, dass ich dieses Buch nicht recht zu würdigen wusste, aber mir hat es leider gar nicht gefallen und ich musste mich regelrecht durchquälen.

2,5 von 5 Schreiberpaletten

1 Kommentar:

Von der Wiege bis zur Bahre - Kommentare, Kommentare! Und ich freue mich über jeden Einzelnen davon. :-)