Mittwoch, 23. Oktober 2013

Rezension: "Profiler. Auf der Spur von Serientätern und Terroristen" von Joachim Käppner


Die Blogbetreiberin garantiert allen Lesern, dass diese Szene
nur gestellt ist. Während der Lektüre kam kein Buch zu Schaden!
Daten zum Buch:
erschienen am: 26. August 2013
Verlag: Hanser Berlin 
ISBN: 9783446243682
352 Seiten
Preis: 21,90 €

Zum Inhalt: 
In 11 Kapiteln wird anhand ausgewählter Kriminalfälle ein umfassender Überblick über die Entwicklung der Operativen Fallanalyse (OFA) - dem korrekten Begriff für das Profiling - gegeben. Hierbei wird selbstverständlich der Schwerpunkt auf das Profiling in Deutschland gelegt, aber auch den Kollegen in den USA (wo das Profiling seinen Anfang nahm) oder Österreich wird kurz über die Schulter geguckt. Joachim Käppner zeigt nicht nur den Alltag der Fallanalytiker auf und die Probleme, mit denen diese zu kämpfen haben, sondern er räumt auch mit den durch einschlägige amerikanische Krimiserien verursachten Mythen über die Arbeit des Profilers auf. 

Meine Meinung:
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, anspruchsvoll, aber mit jeglichem Verzicht auf komplizierten Fachjargon. So kommt man durch das Buch generell recht schnell durch, andererseits habe ich persönlich nie mehr als ca. 40 Seiten am Stück geschafft. "Profiler" steckt voller Informationen, von denen ich mich phasenweise regelrecht erschlagen fühlte. V. a. bei den vielen Namen der Beteiligten schwirrte mir öfter mal der Kopf. Die meisten der Fälle waren mir unbekannt, von ein paar davon hatte ich jedoch in den Nachrichten gehört. Der berühmteste Fall, der hier näher analysiert wird, ist wohl der NSU-Prozess, bei dem der Autor sehr detailliert aufzeigt, welche Schlampigkeiten dazu führten, dass die mit dem Unwort "Dönermorde" betitelte Mordserie erst Jahre später aufgeklärt werden konnte.

Das Buch ist wirklich hochinteressant, doch manchmal fand ich die Schilderungen, wie sich das Profiling in den verschiedenen Ländern entwickelte, langatmig und auch verwirrend. Viele Namen fallen, mal sind wir in den USA, mal in Deutschland, mal in Österreich, mal besucht jener Profiler diesen Profiler und umgekehrt. Ich verlor hier irgendwann den Überblick. Ungefähr ab dem 3. Kapitel hatte ich zudem das Gefühl, dass sich vieles wiederholte, z. B. gewisse Entwicklungen in der OFA, das Misstrauen der „gestandenen“ Polizisten gegenüber ihren Kollegen der OFA, was die Arbeit eines Profilers ausmacht usw. Hier fehlt mir definitiv ein roter Faden, der – falls doch vorhanden – für mich nicht ersichtlich war. Vermutlich kam es gerade deshalb auch zu den vielen Wiederholungen, da der Autor wohl Kapitel für Kapitel geschrieben hat, ohne dass diese aufeinander richtig aufbauen. Im Endeffekt hätte man so meiner Meinung nach das Buch etwas abspecken können.
Faszinierend und auch schlimm finde ich die Schilderungen der Mordfälle. Dieses Buch ist ein Manifest darüber, was es für kranke Menschen gibt! Aber das wusste man ja auch schon vorher... Dennoch ist es wohl nichts für sanfte Gemüter – der Autor verzichtet zwar auf blutrünstige Einzelheiten, kann jedoch nicht völlig auf Mordschilderungen verzichten. Dass hier auch viele Opfer Kinder sind, ist besonders tragisch. Es ist tatsächlich die Faszination des Grauens, die einen fesselt, wenn man dieses Buch liest.
Interessant fand ich, dass in einem Kapitel, in dem es um den sehr gewaltsamen Tod einer Dreijährigen geht, auch die Psyche angesprochen wurde, d.h. wie ein Profiler eigentlich all die Gräuel verarbeitet, die er im Laufe seiner Arbeit mitbekommt. Für meinen Geschmack wurde dieser sehr interessante Aspekt jedoch zu wenig behandelt. Vielleicht erhielt der Autor hierüber auch zu wenig Auskunft von den Betroffenen, die vermutlich lieber über ihre Fälle als über ihr psychisches Befinden erzählen wollten. Dennoch bedauerlich.

In der Mitte des Buches findet sich ein 8 Seiten langer Bildteil, auf dem einige der erwähnten Fallanalytiker und Täter ein Gesicht erhalten. Das fand ich zwar nett, aber generell hätte ich mir noch mehr Bildmaterial gewünscht.

Das Buch vermittelt den Eindruck, dass der Autor fundierte Recherchearbeiten betrieben hat. Im Anhang bietet er weitergehende Informationen für diejengen, die es ganz genau wissen wollen. Neben einem praktischen Abkürzungsverzeichnis und Quellenangaben findet sich noch ein vierseitiges Literaturverzeichnis. Zuletzt folgen die Anmerkungen zu wortgetreuen Zitaten. Dieses Verzeichnis habe ich allerdings nicht genutzt, da ich es sehr unpraktisch fand. Im Text finden sich keinerlei Fußnoten an den entsprechenden Stellen, so dass ich erstmal gar nicht wusste, dass es Erläuterungen dazu gibt. Als ich dann die Anmerkungen hinten entdeckte, war es mir zu mühselig, immer erst die zitierte Stelle im Text herauszusuchen. Sowieso ist dieser Anhang nur für Leute, die ganz genau wissen wollen, woher der Autor seine Zitate nimmt. Spätestens seit dem Fall Guttenberg wissen wir alle, dass dies auch so sein muss, wenn man Ärger vermeiden will. Für mich als "normaler" Leser allerdings nicht weiter von Interesse.

Anstrengend könnte für ältere Leser bzw. Leser mit Sehschwäche vielleicht die kleine Schrift sein.

Demjenigen, der zu diesem Buch greift, muss klar sein, dass es sich hier nicht um einen Krimi oder Thriller handelt, sondern um ein Sachbuch. Zuweilen kommt der Schreibstil trocken und sachlich rüber, dennoch ist "Profiler" eine spannende Lektüre, nicht nur für Krimifans!

3,5 von 5 Schreiberpaletten

Kommentare:

  1. Messer im Buch? Du Psycho! Habe mich ja fast nicht getraut, deine Rezension zu lesen. ;)

    Mich hätte wohl auch am meisten interessiert, wie die Profiler das Ganze verarbeiten. Schade, dass dazu nicht mehr steht.

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  2. Ich hab doch noch extra dazugeschrieben, dass die Szene nur gestellt ist. Brauchst also keine Angst zu haben, dem Buch geht es total gut! Es hat den Spaß gerne mitgemacht und die ganze Zeit gekichert. ;-)

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