Mittwoch, 2. Oktober 2013

Rezension: "Schattenflügel" von Kathrin Lange

Daten zum Buch:
erschienen im: März 2012
Verlag: Arena
ISBN: 9783401067940
264 Seiten
Preis: 9,99 €

Zum Inhalt:
Die 15jährige Kim gilt in ihrer Schule als Sonderling. Seit ihre geliebte Schwester Nina vor zwei Jahren ermordet aufgefunden und der Täter nie gefasst wurde, leidet sie unter Panikattacken. Als ihr der geheimnisvolle Lukas in der Schule über den Weg läuft und echtes Interesse an ihr zeigt, schafft es Kim seit Ninas Tod zum 1. Mal, sich wieder auf einen Jungen einzulassen. Alles könnte so schön sein, doch irgendetwas an Lukas ist seltsam. Was ist dran an dem Gerücht, er hätte die letzten zwei Jahre im Gefängnis gesessen?

Dann verschwindet auch noch Kims Freundin Marie, die schon öfter von zu Hause ausgerissen ist. Deshalb nimmt auch niemand Kims Befürchtung ernst, Ninas Mörder könne erneut zugeschlagen haben...

Meine Meinung: 
Ein Tipp vorab: Wer sich die Spannung bei diesem Buch bestmöglich erhalten möchte, sollte auf das Lesen des Klappentextes verzichten. Dieser verrät bedauerlicherweise bereits ein paar Details, die der Leser besser selbst im Laufe der Story herausfinden sollte. (In meiner Inhaltsbeschreibung kommen sie nicht vor!)

Die Geschichte wird einerseits dominiert von Kims Trauma, und in Rückblenden erfahren wir nach und nach mehr über die Umstände und Hintergründe von Ninas Tod. Andererseits steht die Liebesgeschichte zwischen Lukas und Kim stark im Vordergrund. 

Die beiden Hauptcharaktere Kim und Lukas sind gut ausgearbeitet. Die Geschichte ist aus Kims Perspektive geschrieben, so dass wir mit ihr die schlimmen Erinnerungen an Ninas Tod miterleben, wie sich ihre Gefühle für Lukas entwickeln und sie langsam anfängt, ihr Trauma aufzuarbeiten. Sie ist ein sympathisches, nettes, vernünftiges Mädchen. Oft ist es so, dass gerade junge Menschen in Büchern oder Filmen aus falscher Scham oder Sorge Dinge verheimlichen und so viele Missverständnisse entstehen, die die Geschichte künstlich in die Länge ziehen können und die mich manchmal verzweifelt wünschen lassen, diese Person an den Schultern zu rütteln und anzuschreien. Deshalb fand ich es sehr gut, dass Kim nicht so war. Sie hatte ein gutes Gespür dafür, wann es angebracht war, etwas besser nicht zu verschweigen und mit der Sprache herauszurücken, da sie verstand, dass die Erwachsenen ihr nur helfen wollten. 

Dennoch gelang es mir nicht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. Ich kann allerdings nicht sagen, woran es lag. Auch Lukas konnte mich nicht begeistern, irgendwie ging mir die Liebesgeschichte zwischen Kim und Lukas zu schnell. In einem Moment treffen sie sich zum 1. Mal in der Schule, und wenige Tage später sagt er schon, dass er sie liebt. Auch Kims Freundschaften konnte ich nicht nachvollziehen, denn Marie und Sabrina werden aus Kims Sicht als nervig, unsensibel und – in Maries Fall – missgünstig porträtiert. Wieso also ist sie noch mit ihnen befreundet? Aber vielleicht ist das ja für Mädels in diesem Alter normal, dass man gerne über seine Freundinnen schimpft.

Die Sprache ist einfach gehalten, auf lange, verschachtelte Sätze wird verzichtet und altersgemäße Umgangssprache verwendet. Das fand ich auch absolut ok, denn das Buch richtet sich in 1. Linie an Teenager ab 12, so dass ich hier keine gehobenen, anspruchsvollen Formulierungen erwartete, die auch nicht angebracht gewesen wären.

Den tatsächlichen Mörder hatte ich bereits in der 1. Szene, in der er auftauchte, im Verdacht. Mein 1. Verdacht war also auch gleich richtig, doch zwischendurch wurde ich dann doch unsicher, und gegen Ende des Buches war ich so paranoid, dass ich so ziemlich jeden Mann in Kims Umfeld verdächtigte. Selbst während des Showdowns zwischen zwei potentiellen Tätern schwankte ich noch. Ich wusste nicht, wer beschützt Kim, wer will sie töten? Und so blieb es bis zum Schluss für mich – und auch für Kim! – recht spannend. 

Das Buch wird für Leser ab 12 Jahren empfohlen, und ich denke doch, dass dies eine gute Einschätzung ist. Zwar handelt es sich hier um einen Thriller, aber in diesem Buch finden sich keine Grausamkeiten oder verstörende Schilderungen, und die Morde geschehen „im Off“, d.h. wir erfahren nur davon und sind nicht live dabei. Auch wenn das Buch als Thriller ausgewiesen ist, ist es doch auch vorrangig eine Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen und schlägt eigentlich die meiste Zeit eher ruhige Töne an, erst gegen Ende gibt es dann den großen Showdown. Wer also auf eklige Details, Folter und Grausamkeiten steht, sollte nicht zu diesem Jugendthriller greifen, sondern zu den üblichen Verdächtigen der Erwachsenenliteratur. Für alle Anderen, die es gerne spannend, aber dennoch nicht zu aufregend und plastisch möchten, ist dieses Buch genau richtig. Für mich als Thriller-Unerfahrene ein sanfter Einstieg in dieses Genre.

4 von 5 Schreiberpaletten

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