Donnerstag, 7. November 2013

Rezension: "Ich heirate Frau Antje ihre Familie. Meine neue holländische Verwandtschaft" von Ben Bergner



Daten zum Buch:
erschienen am: 19. August 2013
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 9783746629537
200 Seiten
Preis: 8,99 €

Zum Inhalt:
Als die Holländerin Anouk besoffen von einem Partyfloß fällt und der Münchner Gabriel sie rettet, ist es Liebe auf den 1. Blick. Schnell beschließt Gabriel, zu seiner Nuki nach Holland zu ziehen. Plötzlich jedoch ist der überzeugte Misanthrop umzingelt von deren riesiger Familie und muss feststellen, dass ein echter Holländer niemals alleine ist, denn er liebt die Gezelligheid viel zu sehr. Fortan muss sich Gabriel, der kurzerhand in Gab umgetauft wird, nicht nur mit seiner holländischen Bagage herumplagen, sondern auch noch mit einem maroden Hausboot, einer generalstabsmäßigen Sprachlehrerin, dem überwältigenden Angebot an weichen Drogen und einem Heiratsplan, der nur scheitern kann. Ziemlich schnell muss Gab sein Misanthropen-Lebensmodell überdenken und irgendwann einsehen: Es geht doch nichts über die holländische Geselligkeit!

Meine Meinung:
Als ich das Buch zur Hand nahm, war ich bereits vorbelastet, da ich ein Jahr in Holland gelebt habe und diesem Land somit auf ewig verbunden sein werde. Doch da ich es dort selbst nie mit einer echten holländischen Familie zu tun hatte, war auch für mich viel Neues dabei. Ben Bergner gibt uns einen intensiven Einblick in das Leben des typischen Holländers und speziell seiner angeheirateten Sippe. Das Buch ist autobiographisch, der Autor selbst nennt es einen „erfundenen Tatsachenroman“. Manche Details mögen erstunken und erlogen sein, doch ein Großteil der Geschichte ist vom Autor wohl genau so erlebt worden.
  
Der Protagonist war mir auf Anhieb sympathisch. Natürlich, er stellte sich ja auch gleich zu Anfang als waschechter Misanthrop vor. ;-) Dies wird ihm dann im Laufe des Buches ausgetrieben, aber bis dahin ist es ein steiniger Weg, sowohl für Gabriel als auch für seine holländische Sippe, die ihn auch schonmal mit fiesen Tricks dazu bringen will, sich voll und ganz zu integrieren. Egal, ob Gab sich durch einen Kamin abseilen oder eine 200 km lange Strecke auf Schlittschuhen zurücklegen muss, die holländische Familie und der Leser haben dabei mehr Spaß als die arme Hauptfigur. 

Die Nebencharaktere sind allesamt liebevoll ausgearbeitet und bis auf einige Ausnahmen durchwegs sympathisch. Da ist natürlich allen voran Gabs große Liebe Anouk. Auch wenn ich ihren Charakter im Buch nicht immer mochte, da sie mir z. B. oft zu fordernd und uneinsichtig rüberkam, so tut doch Gab alles für sie und demonstriert uns unzählige Male, was er alles für diese Liebe auf sich nimmt. Die verschiedenen Familienmitglieder haben alle ihre Eigenheiten, die für viele lustige Momente sorgen. Die buntgemischte Truppe aus dem Niederländisch-Sprachkurs macht das kuriose Ensemble komplett.

Da Gab selbst kaum Niederländisch beherrscht und dieses erst nach und nach in einem Sprachkurs lernt, parlieren Nuki und ihre Familie hauptsächlich auf Deutsch mit ihm. V. a. Nuki hat einen sehr süßen Dialekt, den Gab bösartigerweise als „Hartz IV“-Dialekt bezeichnet. Das putzige Holland-Deutsch bringt einen immer wieder zum Schmunzeln. Nichtsdestotrotz fließen auch zahlreiche niederländische Vokabeln ein, die jedoch direkt im Anschluss übersetzt bzw. erklärt werden. So erfährt man nicht nur viel über dieses Land, sondern kann noch ganz nebenbei Niederländisch lernen. Im Anhang findet sich noch ein kleines ABC der Niederlande, das aufschlussreich und unterhaltsam ist. Wer nach dieser Lektüre noch kein halber Holland-Experte ist, hat was falsch gemacht! ;-)

Der Schreibstil gefällt mir gut und liest sich sehr flüssig. Ben Bergner schreibt frei von der Leber weg, mit viel wörtlicher Rede, viel Humor, (Selbst-)Ironie und Biss. Der Humor wirkt hierbei aber nie übertrieben oder zu sehr gewollt. Natürlich sind manche Szenen oder Figuren etwas überdreht, aber bei diesem Buch passt es irgendwie und ist einfach nur lustig. 

Das Buch ist mit knapp 200 Seiten und einer relativ großzügigen Schriftgröße nicht sonderlich dick geraten und lässt sich in einem Happs durchlesen. Im August 2013 erschien übrigens bereits die Fortsetzung mit dem Titel „Das Leben ist eine Windmühle. Neues von Frau Antje ihrer Familie“, die ich mir ganz sicher auch zulegen werde.

5 von 5 Schreiberplaetten

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