Montag, 25. November 2013

Rezension: "Mut für zwei. Mit der Transsibirischen Eisenbahn in unsere neue Welt" von Julia Malchow


Daten zum Buch:
erschienen am: 14. Mai 2013
Verlag: Malik
ISBN: 9783890294261
320 Seiten
Preis: 19,99 €

Zum Inhalt:
Julia Malchow hat schon viel von der Welt gesehen. Die passionierte Globetrotterin liebt das Reisen unter extremen Umständen und führt als erfolgreiche Geschäftsfrau u. a. ein eigenes Reisebüro. Als sie Mutter wird, stellt sie ihr eigenes Lebenskonzept und das gängige Familienmodell in Deutschland in Frage. Sie beschließt, das zu tun, was sie immer tut, wenn sie Antworten auf ihre Fragen sucht: Reisen! Allen Warnungen zum Trotz macht sie sich mit ihrem 11 Monate alten Sohn Levi auf eine mehrmonatige Abenteuerreise mit der Transsibirischen Eisenbahn, die sie von Russland über die Mongolei bis nach China und letzten Endes zu sich selbst führt.

Meine Meinung:
Leider hat es bei mir mehrere Monate gedauert, bis ich das Buch häppchenweise fertig gelesen hatte. Ich kann wirklich nicht sagen, woran es letzten Endes lag, doch ich habe lange Zeit keinen richtigen Bezug zu dem Buch herstellen können und legte es immer wieder zu Gunsten anderer Bücher zur Seite. Als ich mich dann endlich auf das Buch einlassen konnte, bin ich ziemlich schnell durchgekommen, da mir der Schreibstil der Autorin sehr gut gefiel, v. a. ihre eindrücklichen Beschreibungen von Landschaften und Menschen.

Jedoch fand ich auch bis zum Schluss leider keinen Zugang zu ihren abschweifenden Gedanken und ihrem Selbstfindungstrip. Ich schätze, dies liegt daran, dass ich weder Mutter noch abenteuerliebende Extremreisende bin. Diese pseudophilosophischen Abschweifungen haben mich deshalb auch meist gelangweilt. 

Julia Malchows Anlass für die Reise fand ich zum Teil nachvollziehbar, jedoch nicht, wieso sie so unbedingt trotz aller widrigen Umstände genau diese Reise zu genau diesem Zeitpunkt machen wollte. Die Reise schien ja im Vornherein zum Scheitern verurteilt, da sich die Organisation als sehr schwierig gestaltete, doch die Autorin blieb so verbissen an der Sache, dass ich das schon übertrieben fand. Hier hatte ich eher das Gefühl, dass sie diese Reise einfach nur aus purem Trotz und „Euch zeig ich’s!“-Gehabe durchdrücken wollte. Auch wenn ich ansonsten den Eindruck hatte, dass sie das Wohl ihres Kindes während der Reise dann auf jeden Fall in den Vordergrund stellte. Nur während der Vorbereitung fand ich ihre Einstellung etwas egoistisch und zu verbissen.

Die Schilderung der Reise mit ihren verschiedenen Stationen in Russland, der Mongolei und China fand ich sehr interessant und faszinierend. Julia Malchow ist eine beeindruckende Frau: Sie steht mitten im Leben, ist erfolgreiche Geschäftsfrau und entgegen all ihrer Bedenken (soweit ich das beurteilen kann anhand dieses Buches) eine hervorragende Mutter. Wo andere gemütlich am Hotelpool urlauben, besteigt sie Gebirge und dringt in die unwirtlichsten Ecken der Welt vor, als würde sie einen Spaziergang machen. 

Ich habe mich gefreut, als endlich ab der Mongolei auch der Kindsvater eine Rolle spielen durfte und Frau und Kind auf der weiteren Reise begleitete. Natürlich musste er arbeiten und konnte nicht die mehrmonatige Reise komplett mitmachen, aber zuvor spielte er kaum eine Rolle, was ich schade fand. 

Anschaulich sind die Farbfotos in der Mitte des Buches. So hatte man bei den Erzählungen Julia und Levi vor Augen und konnte auch ein paar Orte selbst sehen. Gerade bei einem Reisebericht finde ich Fotos sehr wichtig.

Alles in allem ein interessanter Reisebericht über den Fernen Osten. Die Autorin macht Mut, dem gängigen Klischee der Familie zu entfliehen und sich trotz aller Unkenrufe mit Kleinkind auf Reisen zu begeben. Sicherlich nicht nur für Fans von Reiseberichten interessant, sondern auch für Eltern, die bisher davor zurückscheuten, mit Kleinkindern zu verreisen.

3,5 von 5 Schreiberpaletten

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