Dienstag, 4. Februar 2014

Rezension: "Echt mieses Timing" von Martha Brockenbrough

Daten zum Buch:
erschienen am: 20. Januar 2014
Verlag: Dressler
ISBN: 9783791527048
319 Seiten
Preis: 16,95 €

Zum Inhalt:
Der 17jährige Jerome ist ein Taugenichts, wie er im Buche steht. Mit seinem Cousin und besten Kumpel Mike stellt er nur Unfug an. Eines Tages kommt Mike auf die Idee, mit Jerome die berühmte Wilhelm Tell-Szene nachzustellen...

Heidi, ebenfalls 17, ist anders als ihre Mitschüler. Schon seit ihrer Geburt wird sie von einer Stimme in ihrem Kopf begleitet, die sie tröstet, anstachelt und ungefragt alles kommentiert, was sie erlebt. Hofft sie erst, dass sie an akustischen Halluzinationen leidet, so stellt sich bald heraus: Es handelt sich bei der Stimme um ihren Schutzengel Jerome. Der allerdings seinen Job nicht sonderlich ernst nimmt. Plötzlich hat Heidi einen schlimmen Unfall, und das pure (Seelen-)Chaos bricht aus. Jetzt muss Jerome beweisen, dass er doch noch zum Schutzengel taugt!

Meine Meinung:
Martha Brockenbroughs Schreibstil ist locker, frisch und an die primäre Zielgruppe (Leser ab 14 J.) angepasst. Die Geschichte wird abwechselnd aus Jeromes Sicht (Ich-Form) und Heidis Perspektive (3. Person) erzählt. Nachdem Jerome und Heidi nicht immer zusammen auftreten, da auch von Jeromes Vergangenheit sowie seinen Erlebnissen im Himmel berichtet wird, ist dies ein guter Einfall der Autorin gewesen. Aufgelockert werden die Kapitel durch Auszüge aus dem „Handbuch für Schutzengel“.

An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass die Übersetzung nicht immer geglückt ist. So rätsle ich immer noch, was Jerome mit „Apfelpflücker“ meint, einem Begriff, mit dem er seinen Erzfeind beschimpft. Da Jerome eine „Fluchsperre“ eingebaut hat, benutzt er ähnlich klingende Ersatzwörter für Flüche, z. B. „Scheibe“ statt „Scheiße“, alles recht eindeutig, nur bei Apfelpflücker komme ich einfach nicht weiter...

Auf Grund des Klappentextes hatte ich ein sehr lustiges Buch erwartet, in dem wir Heidi dabei begleiten, wie Jerome sie von einem Schlamassel in den nächsten treibt. Einige Ideen sind auch wirklich nett und amüsant, z. B. die Seelenreha, mit der Verstorbene wie Jerome ihre Sünden ausbügeln können, um nicht direkt in die Hölle zu fahren und noch die Kurve Richtung Himmelstor zu kriegen. Doch die Story hat ganz andere Wendungen genommen, als ich mir vorgestellt habe. Zudem habe ich eigentlich so gut wie gar nicht gelacht, höchstens mal milde gelächelt. Es mag aber auch daran liegen, dass ich mit über 30 Lebensjahren vielleicht humortechnisch anders gepolt bin als Leser im Alter der Protagonisten.

Jedenfalls ist das Buch deutlich ernster als gedacht, was ich prinzipiell auch nicht schlecht fand. Aber es gab einfach zu viele Stellen, die oberflächlich blieben, langatmig oder gar unlogisch waren. So haben mir Jerome und Heidi viel zu lange mit ihrem Problem herumgeeiert, bevor sie endlich mal zu Potte kamen und... nun gut, es ist leider etwas schwierig, darauf näher einzugehen, ohne zu spoilern. Einem recht chaotischen, hastigen Finale geht eine teilweise etwas langatmige „Schnitzeljagd“ voran, aus der man meiner Meinung nach mehr hätte herausholen können.

Dennoch sind die Charaktere sehr liebevoll gezeichnet. Ich mochte Jerome von Anfang an, selbst wenn er als chaotischer Nichtsnutz charakterisiert  wurde. Mit Heidi musste ich erstmal warm werden, aber auch sie wuchs mir irgendwann ans Herz. Ebenfalls klasse fand ich Martha, Heidis beste Freundin, die schön schräg ist, aber wirklich eine tolle Freundin, wie man sie sich nur wünsche kann.

Alles in allem ist „Echt mieses Timing“ nette Unterhaltung und man kann seine Freude an diesem Bch haben, wenn man sich vom Klappentext nicht zu sehr in die Irre führen lässt. Denn das ist kein Buch, bei dem man Tränen lacht, sondern das durchaus auch nachdenklich stimmt und anrührende Szenen hat. Insgesamt fühlte ich mich trotz der genannten Schwächen und nicht erfüllter Erwartungen gut unterhalten, weshalb ich noch 4 von 5 Sternen vergebe.  

4 von 5 Schreiberpaletten

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