Mittwoch, 19. März 2014

Rezension: "Das Leben ist eine Windmühle. Neues von Frau Antje ihrer Familie" von Ben Bergner

Auch mein Delfter Käsehobel darf wieder mit aufs Bild!
Daten zum Buch:
erschienen am: 7. August 2013
Verlag: LangenMüller
ISBN: 9783784433387
192 Seiten
Preis: 12,99 €

Zum Inhalt:
Wiedersehen mit Gab und Nuki!

Mittlerweile sind Gabriel und Anouk mit ihrem 1. Kind schwanger und haben ihr marodes Hausboot gegen ein Schuhkartonhaus in einem Dorf in der Provinz Limburg eingetauscht. Nachdem Nuki den kleinen Remco ganz gezellig im Kreise von Familie und Freunden im Wohnzimmer der Schwiegereltern zur Welt gebracht hat, liegt das Sexleben der beiden total brach.

Außerdem hat Gab noch immer keine Arbeit, aber dafür haufenweise Ideen, wie er Geld scheffeln kann. Allein, an der Umsetzung scheitert’s... So ist Anouk immer noch Alleinverdienerin und viel zu beschäftigt, um Gabs Frau Antje-Sexträume zu erfüllen.

Und als ob die verdorrte Libido unseres Helden nicht schon tragisch genug wäre, nervt natürlich nicht nur wieder die holländische Verwandtschaft mit ihrer Geselligkeit, auch die Nachbarn halten Gab ganz schön auf Trab. Und zu allem Überfluss stellt Nuki auch noch ein knallhartes Programm auf, um aus Gab einen waschechten Holländer zu machen! Ob es für den Teilzeit-Misanthropen doch noch ein Happy End in punkto Karriere, Sex und Geselligkeit geben wird? 

Meine Meinung: 
Bereits der 1. Band „Ich heirate Frau Antje ihre Familie“ konnte mich begeistern. Dennoch können Leser, die den Vorgänger nicht kennen, problemlos in diesen Band einsteigen.

Das Buch ist ein ausgewiesener erfundener Tatsachenroman, und was von dieser Geschichte nun wirklich dem Autor und seiner echten Nuki passiert ist, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Auf jeden Fall bleibt dem Protagonisten auch hier wirklich nichts erspart! Gab und Nuki machen dort weiter, wo sie im 1. Band aufgehört haben. Mittlerweile verheiratet, haben die beiden ihr Hausboot verlassen und eine Familie gegründet. Nuki muss immer noch die Finanzen der Familie stemmen, während Gab von einer Schnapsidee zur nächsten stolpert. Wir treffen wieder die alte Riege der holländischen Verwandtschaft, neu hinzugekommen ist nun die schräge Nachbarschaft, die in Gabs Schuhkartonhaus ein- und ausgeht und ungeniert das Sexleben von Gab und Nuki kommentiert. Und auch Baby Remco sorgt für viel Trubel, da sich seine Eltern immer wieder um die Erziehung streiten, denn beide halten natürlich die Stange für ihr eigenes Land hoch. Gab und Nuki sind so liebenswert wie im 1. Band, aber nicht alle Figuren in diesem Buch fand ich sympathisch, so gingen mir z. B. Arjen und Leenert total auf die Nerven.

Ben Bergners Schreibstil ist gewohnt locker, spritzig und humorvoll. Die Geschichte ist aus Gabs Sicht erzählt, und seine Ansichten und Gedankengänge sind die meiste Zeit sehr amüsant zu lesen. Er besitzt immer den nötigen Galgenhumor, um seine Situation zu ertragen, und ich habe mich oft gefragt, ob ein real existierender Mensch tatsächlich so viel aushalten kann. ;-) Humor ist immer relativ, deshalb fand ich nicht jede Szene lustig, denn vieles ist überzogen, und manchmal wurde es mir auch zu viel des Guten. An etlichen Stellen habe ich für Ben Bergner und seine Frau gehofft, dass diese Begebenheit nun hinzugedichtet wurde und nicht so passiert ist...

Die Story prescht dann auch im Schweinsgalopp voran und Gab bzw. der Leser kommt kaum zum Verschnaufen. Man muss sich stets vor Augen halten, dass die Charaktere in diesem Buch teilweise arg überzeichnet werden. Man erfährt zwar viel über die Niederlande und ihre Bewohner, lernt nebenbei sogar ein bisschen Niederländisch. Aber man sollte nicht den Schluss ziehen, dass alle Holländer so schräg und gezellig sind wie ihre Landesgenossen in diesem Buch. Hier wurden vermutlich alle Stereotypen verwurschtelt, die in diesem kleinen Land zu finden sind: Die nichtsnutzigen Kiffer, der Familienvater, der sich heimlich in Frauenklamotten schwingt oder die Swingerclub-Bonuskarteninhaber. Wer dieses Buch ernst nimmt, hat danach ein völlig überzeichnetes Bild der Holländer, deshalb muss man hier wirklich locker und mit dem nötigen Sinn für Humor an die Lektüre herangehen, sonst hat man mit diesem Buch eher weniger Spaß.

Die kleine holländische Namenskunde im Anhang, analog zum kleinen Hollandlexikon im 1. Band, war ganz nett, aber meiner Meinung nach nicht unbedingt notwendig.

Auch wenn vieles überzogen wird, musste ich die meiste Zeit doch herzhaft lachen, was ich selten tue, und alles in Allem fühlte ich mich jederzeit gut unterhalten. Das Buch liest sich so flüssig, dass ich es in wenigen Stunden regelrecht weginhaliert habe. Sollte es eine Fortsetzung geben, bin ich sicher wieder dabei! 

4 von 5 Schreiberpaletten

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