Sonntag, 4. Mai 2014

Rezension: "Dancing Queens - Alle Wege führen nach Waterloo" von Jana Fuchs

Daten zum Buch:
erschienen am: 1. April 2014
Verlag: Knaur TB
ISBN: 9783426514917
320 Seiten
Preis: 8,99 €

Zum Inhalt:
Die 44jährige Helen und die 32jährige Linda wollen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands zu einem gemeinsamen Trip nach Schweden aufbrechen. Immerhin sind sie die größten ABBA-Fans, die man sich vorstellen kann, und in Stockholm findet ein großes ABBA-Festival statt, für das Linda noch zwei der heißbegehrten Tickets ergattern konnte. Zwar könnten beide Frauen nicht unterschiedlicher sein und kennen sich bislang nur online, aber das soll ja nun wirklich kein Hindernis sein.

Während Helen ihrem Mann, einem bekennenden ABBA-Hasser, ihren Kurztrip in den Norden kurzerhand verschweigt und sich mit dem Flugzeug nach Stockholm aufmacht, steht Single Linda eine abenteuerliche Fahrt mit Bus und LKW bevor.

Fortan werden die beiden begleitet von Pleiten, Pech und Pannen, erleben aber auch großartige Abenteuer, werden mehrmals Opfer genialer Zufälle und sehen mehr von Schweden, als ursprünglich geplant. Und stets dreht sich alles nur um Helens und Lindas große Liebe: ABBA!

Meine Meinung:
Hinter Jana Fuchs verbergen sich die beiden bekannten Autorinnen Heike Abidi („Zimtzuckerherz“, „Tatsächlich 13“ u.A.) und Tanja Janz („Der ist ja nicht doof, nur irgendwie hochbegabt“ u.A.). Die Story ist abwechselnd aus Helens (Abidi) und Lindas (Janz) Sicht geschrieben, so dass der Leser jede Situation aus beiden Blickwinkeln betrachten kann.

Helen und Linda haben auf den 1. Blick außer ihrer Liebe zu ABBA nicht viel gemeinsam. Helen ist bieder, ja fast spießig, Safeplayerin, und lebt als Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und Lehrergattin ein behütetes, finanziell sorgenfreies Leben. Die über 10 Jahre jüngere Linda hingegen ist Single, verliebt sich schnell, nimmt alles, wie es kommt, und ist risikofreudig. Während Helen leidenschaftlicher Frida-Fan ist, vergöttert Linda Agnetha. Als sich die beiden endlich gegenüberstehen, sind da tatsächlich gewisse Zweifel, dass man miteinander problemlos klarkommt, doch schnell raufen sich die beiden zusammen, und nun entsteht auch im echten Leben eine unerschütterliche Freundschaft, um die man die beiden beneiden möchte.

Beide Charaktere, v. a. Helen, machen eine starke Entwicklung im Laufe der Reise durch. Prinzipiell mochte ich die beiden Protagonistinnen sehr, aber gerade Linda hat mich mit ihrer carefree-Haltung manchmal etwas genervt. Nicht nur, dass sie sich in so ziemlich jeden Mann verliebt, der nett zu ihr ist und gut aussieht. Sie ist manchmal leicht unverschämt (z. B. als sie ohne Geld dastand und großzügig mit Helens Geld ungefragt den Zimmerservice bestellte), und ihr ungebremster Optimismus war zuweilen recht anstrengend. Alles in Allem bewunderte ich aber gerade das an ihr – hier kam zugegebenermaßen auch ein bisschen Neid zum Vorschein, denn ich gehöre wohl eher zur Helen-Fraktion.

Neben den Hauptfiguren gibt es natürlich noch weiteres Personal, das hier auftritt. Die verschiedenen Männer, mit denen Linda flirtet, Helens ahnungsloser Mann, der seine Frau in einem Wellness-Hotel im Schwarzwald wähnt, Helens Söhne, die sich nur ab und an aus Neuseeland per Handy melden, oder Lindas Mutter, die mit ihrer übervorsichtigen Art für mich persönlich die erfrischendste Nebenfigur war.

Hier dreht sich wirklich alles um ABBA, und der Leser ist nach der Lektüre von „Dancing Queens“ ein ABBA-Kenner durch und durch, ob er will oder nicht! Wer bereits ABBA-Fan ist, der hat sicherlich nochmal zusätzlich seinen Spaß an den vielen Fragen rund um die schwedische Band, die sich Helen und Linda in ihrem ganz persönlichen Quizduell stellen. Wer noch kein Fan war, wird es entweder nach diesem Buch sein – oder wird alternativ das Wort „ABBA“ nicht mehr hören können, ohne einen Schreikrampf zu bekommen. Ausgewachsenen ABBA-Hassern würde ich das Buch deshalb also nicht unbedingt empfehlen. Ich persönlich mag die Musik der Band sehr und trällere gerne mit, kannte mich aber ansonsten eher weniger mit ABBA aus und kenne auch nicht alle Lieder. Die meiste Zeit hatte ich die im Buch erwähnten Songs beim Lesen im Ohr (soweit ich diese kannte) und bin oft singend durch die Wohnung gelaufen.

Der Schreibstil ist locker-flockig und humorvoll, und ich bin sehr flott durch das Buch gekommen. Die Story wird von Seite zu Seite immer aberwitziger. Anfänglich hat mich das ein bisschen gestört, da mir die vielen Zufälle etwas zu aufgesetzt und übertrieben wirkten. Dann aber gewöhnte ich mich daran, denn dieses Buch möchte auch absichtlich überdreht sein. Wer dies akzeptiert, hat dann auch wirklich viel Spaß mit den Irrungen und Wirrungen, auf die Helen und Linda bei ihrem Schweden-Trip stoßen.

Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass es ein würdiges Happy End mit Pauken und Trompeten gibt. Genau, was man sich von so einem Buch erwartet.

Alles in Allem liefert "Dancing Queens" amüsante Unterhaltung mit Guter Laune-Garantie! Ein witziges Buch über Liebe, Leidenschaft, Freundschaft und Neuanfänge – ganz besonders empfehlenswert für Schweden- und ABBA-Fans, aber auch für alle Anderen!

4 von 5 Schreiberpaletten

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