Donnerstag, 7. August 2014

Rezension: "Der König von Helsinki. Oder wie ich der berühmteste Deutsche Finnlands wurde" von Roman Schatz

Daten zum Buch:
erschienen am: 29. Mai 2010
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 9783404606351
255 Seiten
Preis: 8,99 €

Zum Inhalt:
Roman Schatz wächst in einem gottverlassenen Kaff in Bayern auf und flüchtet in den 80ern zum Studieren nach Berlin. Dort trifft er auf die finnische Austauschstudentin Sirpa, deren Charme er sofort erliegt. Hals über Kopf folgt er ihr in ihre Heimat, ohne Job und mit der bitteren Erkenntnis, dass die gemeinsame Leidenschaft für Matratzensport keine Garantie für eine glückliche Ehe ist. Außerdem sind die Finnen ein ganz eigenes Völkchen. Anfangs als Putzkraft in einem deutschen Altenheim tätig, lernt er schnell ihre kuriose Sprache, hangelt sich auf der Karriereleiter nach oben und schafft es sogar ins finnische Fernsehen.

Meine Meinung:
Zuerst einmal vorweg: Es handelt sich hier zwar um eine Autobiographie, jedoch mit Vermerk des Autors, dass sie bestimmt nur ein fiktives Werk ist und er sich alles eingebildet hat. Und dass man als Autor ja so herrlich gut lügen kann. Ich hoffe ja sehr für alle im Buch Erwähnten, dass hier der Großteil erlogen ist, da so ziemlich niemand gut wegkommt und einige Begebenheiten doch stark übertrieben sind.

Sei es drum: Ob fiktiv oder real, ich finde den Protagonisten von der 1. Zeile an wirklich furchtbar unsympathisch, und auch bis zum Ende des Buches konnte ich dieses Urteil nicht revidieren. Er äußert sich über jeden, auch z. B. über seine früh verstorbene Mutter, sehr abfällig. Er lebt zumindest in jungen Jahren ein gleichgültiges Leben, in dem er Andere ausnutzt, z. B. indem er nach Finnland flüchtet und monatelang nicht mehr seine Rechnung wie Miete, Strom und Gas bezahlt hat.

Auch Sirpa ist absolut keine Sympathieträgerin. Wie man zwischen den beiden so schnell von Liebe sprechen kann, ist mir schleierhaft. In Berlin, wo Sirpa zu Besuch ist, sind die beiden nur im Bett oder am Saufen (Und mit den letzten Kröten gönnt man sich eine Sexshow, obwohl man nichts zum Essen hat...). Schnell beschließt Roman dann, nach Finnland zu gehen, wo die beiden ebenfalls nichts Anderes tun als Matratzensport und Saufen. Man ist ja sowieso chronisch pleite und möchte die letzten Mäuse nicht für unnötige Dinge wie Essen verschwenden. Ansonsten können die beiden nicht wirklich viel miteinander anfangen, und Gespräche beschränken sich auf: "Hungry? - "Yes." - "Thirsty? - "Yes." - "Horny?"- Yes." (S. 56) Später, als die Sprachbarrieren überwunden sind, beschränkt sich die Kommunikation dann nur noch auf Vorwürfe und Hasstiraden.

Der Autor warnt dann auch, dass die "Liebe" zwischen ihm und Sirpa schnell starke Risse bekam, als er Finnisch lernte. Deshalb auch sein wertvoller Tipp, dass man niemals die Sprache des Partners lernen sollte. Überhaupt äußert sich der Autor dank seiner eigenen Erfahrung sehr abwertend über Partnerschaft und das Konzept der Familie, die er auf eine Stufe mit einem Gefängnis stellt. Was für ein Sonnenschein!

Da der Autor selbst ein negativer Charakter ist, scheint er sich auch nur mit solchen zu umgeben. So schafft er es, jede Person so darzustellen, dass man sie spontan auch nicht mag.

Auch die Finnen und ihr Land sind stark überzeichnet. Dumm, akoholsüchtig, skurril. Nach circa 70 Seiten wird es aber dann erträglicher, und endlich erfahren wir auch etwas mehr über Finnland, ab und an liest man sogar etwas Positives über die Finnen, der Autor integriert sich richtig gut, aber meist hat doch alles einen negativen Touch.

Schon die ersten Zeilen zeigen, in welche Richtung der Schreibstil geht: "Alles Fotzen außer Mama". Ich habe nicht generell ein Problem mit deftiger Ausdrucksweise, aber auf Dauer ging mir die vulgäre und respektlose Sprache doch sehr auf den Zeiger. Da Schatz sehr auf Sex fixiert ist und den Leser ausschweifend an seinem Sexleben teilhaben lässt, werden Worte wie "ficken" oder "Schwanz" geradezu inflationär verwendet. Ich meine, der Autor hat wirklich viel erlebt, das muss man ihm schon eingestehen. Trotzdem hätte ich ich doch gerne auf seine ausführlichen Sexerlebnisse verzichtet, um dafür mehr über Finnland zu erfahren.

Ich habe mich durch die ersten 70 Seiten ganz schön durchgequält und war kurz davor, das Buch abzubrechen. Danach wurde es etwas besser, aber es ist definitiv kein Buch, das ich ans Herz legen kann. Wer etwas über Deutsche in Finnland lesen möchte, findet auch Alternativen, in denen man sich nicht noch durch eine vulgäre Schreibweise und die sexuellen Ausschweifungen des Autors durchquälen muss.

Übrigens Das Buch gibt es auch mit einem Cover, auf dem der Autor nackt abgebildet ist. Sehr passend...

2 von 5 Schreiberpaletten

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