Samstag, 13. September 2014

Rezension: "Geschlossene Gesellschaft. Ein Reichtumsbericht" von Dennis Gastmann

Daten zum Buch:
erschienen am: 15. August 2014
Verlag: Rowohlt Berlin
ISBN: 9783871347733
304 Seiten
Preis: 19,95 €

Zum Inhalt:
Wie leben sie eigentlich, die Superreichen dieser Welt? Verdirbt Geld wirklich den Charakter? Welche Wünsche hat der Mensch noch, wenn er sich alles leisten kann? Dennis Gastmann will diesen und noch vielen anderen Fragen auf den Grund gehen und schleicht sich deshalb in die Hautevolee ein. Er treibt sich unter Anderem auf Yachtmessen herum, tanzt auf einer Gala im legendären Marbella-Club, hört sich in Monte Carlo geduldig die Lebensgeschichte von Baronin von Brandstetter an und flaniert mit Wolfgang Grupp durch die heile Welt von Trigema. Entstanden ist ein irrwitziger Querschnitt durch die Welt der Reichen und Schönen, Dennis Gastmanns ganz persönlicher „Reichtumsbericht“.

Meine Meinung:
Dennis Gastmann hat mit seinem neuesten Werk echtes Durchhalte- und Anpassungsvermögen bewiesen. Er hat nicht nur unzählige Absagen kassiert, sondern musste auch auf viele Treffen monatelang warten und hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um den Mitgliedern der High Society ganz nah sein zu können.

Der Schreibstil gefiel mir auf Anhieb. Der Autor ist sympathisch und witzig, und er formuliert eloquent, spritzig und sehr humorvoll. Man merkt beim Lesen, mit welchem Gesprächspartner sich der Autor wohlfühlte und wen er weniger mochte. Je nachdem schreibt er entweder etwas respektvoller von dieser Person, oder aber es wird die spitze Feder gezückt, wobei er seine Beleidigungen so gekonnt mit Humor versieht, dass es nie wirklich bösartig wirkt.

Gastmann hat auch Reiche aufgesucht, die nicht so stark in der Öffentlichkeit stehen. Teilweise ist dies dem Umstand geschuldet, dass die superreichen Promis dieser Welt wie Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Barack Obama keine Zeit bzw. Lust hatten. Andererseits wurden manche interessante Persönlichkeiten bewusst gewählt, z. B. Unternehmer Jochen Schweizer, Playboy Rolf Eden oder der Leiter einer Butlerschule. Die meisten der vorgestellten Personen (z. B. Kamaliya, Thomas Kramer oder Paxino) kannte ich ehrlich gesagt nicht. Zugegebenermaßen fand ich nicht jeden spannend, aber das ist reine Geschmackssache. Manche Menschen sind furchtbar interessant und faszinierend, andere wiederum oberflächlich und arrogant. Die Auswahl der Personen ist natürlich in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass sich nicht jeder von Dennis Gastmann porträtieren lassen wollte und man quasi nehmen musste, was man kriegen konnte, aber die Mischung ist dennoch gelungen.

Wir lernen viele verschiedene Charaktere kennen. Adelige, Reiche von Geburt an, Menschen, die sich ihren Wohlstand selbst erarbeitet haben, und auch Menschen, die unter etwas nebulösen Umständen zu Reichtum gelangten. Man lernt, dass es nicht nur gewisse Verhaltensregeln gibt, sondern auch innerhalb der Hautevolee nicht alle gleich sind, z. B. wird ein Unterschied zwischen dem Geld- und dem Geburtsadel gemacht. Nicht jedem wird der Zutritt zur High Society gewährt, und Dennis Gastmann weiß sein Privileg zu nutzen. Er lässt sich auf die ihm unbekannten Welten und Persönlichkeiten ein, spielt ihre Spielchen geduldig mit. Dabei bleibt sich der Autor jedoch selbst treu, hinterfragt vieles und stellt auch mal unbequemere Fragen.

Nett finde ich auch, dass es in dem ein oder anderen Kapitel nochmal Rückbezüge auf bereits vorgestellte Personen gibt. Auch die zahlreichen Absagen, die der Autor auf seine Anfragen an die Reichsten der Welt erhielt, ziehen sich durch das Buch und sorgen immer wieder für Schmunzler oder Kopfschütteln.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch: Zu diesem Buch hätte ein Bildteil super gepasst, und ich habe es wirklich vermisst, dass man kein einziges Foto findet. Auch wenn der Autor seine teilweise intimen Interviews nicht mit einer Kamera stören wollte – man muss ja nicht stolz posierende Bonzen abbilden, aber z. B. hätte ich gerne ein Bild von Werner Kiesers sagenhaft hässlichem Wohnhaus gesehen, oder von der Leguantasche, die bei einer Gala verlost wird und die die Gewinnerin wohl ihrer Haushälterin schenken wird, weil sie mit dem billigen 1.600-Euro-Teil nichts anfangen kann. Das wären nette kleine Auflockerungen gewesen, die das Buch noch mehr bereichert hätten.

„Geschlossene Gesellschaft“ ist ein interessanter, spannender und teils intimer Einblick in die Welt der Reichen, der durch den eloquenten und äußerst humorvollen Schreibstil des Autors weiter aufgewertet wird. Die Lektüre ist nicht nur unterhaltsam, sondern lässt den ein oder anderen Leser sicherlich auch darüber nachdenken, wie er selbst zu dem Thema „Reichtum“ steht.  
 
4,5 von 5 Schreiberpaletten

Kommentare:

  1. :-) Meine Kollegin will das unbedingt lesen. Werde ihr noch mal sagen sie soll es tun
    Lieben Dank
    HANNE

    AntwortenLöschen
  2. Klingt interessant :)
    Ich fürchte fast, das wird auf meine WL wandern (als wäre die nicht schon lange genug...).
    LG,
    Sabrina

    AntwortenLöschen

Von der Wiege bis zur Bahre - Kommentare, Kommentare! Und ich freue mich über jeden Einzelnen davon. :-)