Dienstag, 18. November 2014

Rezension: "Einmal sterben und zurück. Wie man seinen eigenen Tod überlebt und das Herz neue Adern wachsen lässt" von Peter Riese

Daten zum Buch:
erschienen im: September 2014
Verlag: Goldegg
ISBN: 9783902991065
248 Seiten
Preis: 19,95 €

Zum Inhalt:
Der 56jährige Peter Riese ist gerade dabei, ein neues Geschäft aufzubauen und erwartet die Geburt seines zweiten Kindes, als er mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wird. Noch vor der notwendigen OP hat er einen Herzstillstand und ist 20 Minuten lang klinisch tot, bevor ihn die Ärzte wieder zurück ins Leben holen können. Es folgt eine Odyssee durch Krankenhäuser und Arztpraxen, mehrere Versuche, einen Bypass zu legen, scheitern.

Doch ein kleines medizinisches Wunder rettet ihn: Um die in einer Länge von 5 cm vollständig verstopfte Hauptarterie entstanden auf ganz natürliche Weise im Laufe der Jahre kleinere Arterien, die eine Art natürliche Bypässe bilden – eine sogenannte Arteriogenese. Fortan setzt sich Peter Riese zum Ziel, mit einem speziellen Lauftraining eine biophysikalische Reaktionskette auszulösen und weitere Arterien in seinem Herzen aufzubauen. 

Meine Meinung: 
Mit dem Schreibstil kam ich gut zurecht, er ist auf der einen Seite eloquent, aber auch nicht so hochgestochen, dass man es nicht flüssig lesen könnte. Genau das gesunde Mittelmaß. Ich fand den Autor sehr sympathisch. Er versinkt nicht im Selbstmitleid, sondern betrachtet sich, sein Verhalten und die Geschehnisse um sich herum nüchtern, kritisch und stellenweise mit viel Humor und Selbstironie. Ich mochte es sehr, dass diese doch eigentlich recht schwere und ernste Thematik in einer gewissen Leichtigkeit hier verarbeitet wurde. V. a. die Situationen im Krankenhaus fand ich amüsant. So durfte man auch einfach mal lachen und musste sich nicht beklemmt und traurig durch die Geschichte schleppen.

Dennoch gab es auch einige Kapitel, die für mich nicht so einfach zu lesen waren. Einerseits waren das die hin und wieder eingestreuten medizinischen Exkurse, die der Autor für wichtig befindet und die teilweise wohl auch einfach dazu gehören. Ich kenne mich aber mit Medizin gar nicht aus und hatte auch keine Lust, mich da groß reinzudenken oder gar Begriffe nachzulesen. Peter Riese versucht, die medizinischen Aspekte so einfach wie möglich zu erklären, so dass auch Laien alles verstehen, was aber gemäß der komplexen Natur der Sache nicht immer möglich ist. Wer sich aber so wie ich schwer tut damit, kann diese Stellen meiner Meinung nach getrost querlesen und so für sich stehen lassen. Für das Verständnis des Buches sind die medizinischen Zusammenhänge nicht unbedingt wichtig, wenn man sich nicht intensiv mit der Arteriogenese beschäftigen möchte.

Auch die Erlebnisse des Autors während seines 20minütigen Todes blieben für mich weitestgehend abstrakt. Die vielen Überlegungen, die unterschiedlichen Ansatzpunkte (wissenschaftlich, philosophisch, Halluzination etc.?) fand ich interessant, aber ich verstand nicht wirklich viel von dem, was er da schildert, was er gefühlt und erlebt und erkannt hat. Und das ist auch ok, denn ich glaube, so ein Zustand ist furchtbar schwer in Worte zu fassen, geschweige denn so in Worte zu fassen, dass es für Außenstehende greifbar wird. Ich hatte noch nichtmal ansatzweise ein Erlebnis, das diesem gleichkommen könnte, und deshalb liegt es jenseits meiner Vorstellungskraft. Auch hier habe ich die Dinge für sich so stehen lassen, ohne sie mit aller Macht verstehen zu wollen. In erster Linie ging es mir bei der Lektüre des Buches darum zu lesen, was dieser Mensch erlebt und wie er es verarbeitet hat. Und diese Erwartung wurde auch erfüllt.

Für Freunde der Esoterik spreche ich keine Kaufempfehlung aus, denn dies ist kein Sachbuch, das auf esoterische, religiöse oder was-auch-immer Weise eine Nahtoderfahrung seziert. Hier stehen der Autor und seine Erlebnisse im Vordergrund, das vorübergehende Tot-Sein spielt natürlich eine essentielle Rolle und wird öfter aufgegriffen, wirkt aber eher wie ein Kern, um den sich die Geschichten spinnen – das Leben vor, während und nach dem Herzinfarkt. „Einmal sterben und zurück“ ist eher eine Autobiographie mit vielen Hintergrundinformationen über Herzinfarkte und die Arteriogenese, wobei hier immer die persönlichen Erlebnisse des Autors dominieren.

Übrigens kann man auch noch nach Lektüre des Buches weiterhin dem Autor auf seinem Blog www.peter-riese.com bei seinem ehrgeizigen Projekt, den Wien-Marathon 2016 mitzulaufen und noch mehr Arterien wachsen zu lassen, folgen. 

4 von 5 Schreiberpaletten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Von der Wiege bis zur Bahre - Kommentare, Kommentare! Und ich freue mich über jeden Einzelnen davon. :-)