Mittwoch, 26. November 2014

Rezension: "Gesucht: Traummann mit Ente" von Alice Golding

Daten zum Buch:
erschienen am: 6. September 2014
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 9781500825645
246 Seiten
Preis: 9,90 € 

Zum Inhalt:
Die 33jährige Valerie Müller arbeitet als Rezeptionistin in einem Frankfurter Hotel, träumt aber von einer Karriere als Autorin. Dumm nur, dass sie selbst keine Bücher liest und so gar keinen Dunst davon hat, wie man schreibt und was einen spannenden Plot (für Valerie ein Fremdwort) ausmacht. Doch das hindert sie nicht daran, sich mit Feuereifer auf ihren Liebesroman rund um die perfekte Desiree zu stürzen und sich selbst zu jedem noch so absurden Einfall zu gratulieren. Die zu Hilfe gerufene Autorengruppe, die ihre ersten Schreibversuche in der Luft zerreißt, hat doch keine Ahnung, wovon sie spricht!


Dann trifft Valerie den attraktiven Erik und behauptet spontan, sie sei eine erfolgreiche Bestsellerautorin. Dass Erik prompt einen Verleger kennt, der gerne ihr Skript haben möchte, konnte sie ja wirklich nicht ahnen! Und so wird aus Valeries kleiner Notlüge ein Selbstläufer...  

Meine Meinung:
Der Roman wird aus Valeries Sicht erzählt, und ihre Gedankengänge sind schon sehr erheiternd. Sie ist eine nette, sympathische Frau, die ich auf Anhieb mochte. Ich persönlich fand es erfrischend, dass sie nicht die typischen Klischees erfüllte, die man in einem Frauenroman serviert bekommt. Valerie hat keine Probleme mit ihrem Aussehen bzw. ihrem Gewicht. Ok, dieser Aspekt gefällt mir eigentlich immer ganz gut, da ich die gleichen Probleme habe, aber es ist schon gut so, dass die Autorin hier eine Frau zeigt, die optisch mit sich im Reinen ist. Dann arbeitet Valerie nicht in einem Verlag, in einer PR-Agentur, im Marketing oder wo die Akademiker-Protagonistinnen der Chick Lit-Romane sonst alle immer arbeiten. Nein, Valerie hat noch nichtmal studiert und arbeitet als Rezeptionistin in einem Hotel! Wie herrlich normal! Zudem schöppelt sie nicht von früh bis spät Prosecco und Wein, sondern greift beherzt zu Apfelschorle, Tee und Leitungswasser. Danke, Alice Golding - ich dachte schon, die ganze Chick Lit-Welt besteht nur noch aus Geisteswissenschaftlerinnen, die ohne einen gewissen Alkoholpegel gar nicht erst den Tag beginnen können!

Doch es gab auch Szenen, da hätte ich sie einfach schütteln und ohrfeigen können! Sie macht einerseits oft einen recht vernünftigen Eindruck, dann wiederum verhält sie sich völlig unlogisch, egoistisch und richtiggehend dumm. Vor allem in punkto Schreiberei stellt sie sich so naiv, kritikresistent und teilweise dreist an, dass ich ihr permanent Kopfnüsse geben wollte.

Erik hingegen ist natürlich der absolute Traummann – beruflich erfolgreich, wohlhabend, charmant und extrem gutaussehend. Ich hätte ihm ein paar mehr Ecken und Kanten gegönnt.
Wir haben hier viele Aspekte, die ein unterhaltsames, lockeres Buch für mich ausmachen. Ein sympathisches Pärchen, das lange umeinander schwänzelt, obwohl es sich eigentlich von Anfang an ganz dufte findet. Die solide, beste Freundin, die die Protagonistin erdet, wenn sei zu sehr abhebt. Der schrille schwule Freund, der zwar laut nach Klischee ruft, aber doch irgendwie dazugehört. Die dominante Mutter, die das Kind unterbuttert und zur Weißglut treibt. Und die überirdisch schöne Rivalin, die permanent am Traummann mit Ente zu kleben scheint. Und nebenbei lernt der Leser noch, wie man einen Beststeller (nicht) schreibt. Dazu noch eine Handvoll Missverständnisse und Notlügen.

Dass uns hier ein ordentliches Happy End erwartet, nach dem man als Leserin eines solchen Buches lechzt, ist – denke ich – nicht zu viel verraten. Ein bisschen übertrieben war mir die Auflösung um den Roman, an dem Valerie extrem stümperhaft schrieb. Das Buch ist an sich abgeschlossen, aber es bleiben ein, zwei Dinge offen, die zwar nicht maßgeblich sind für die Handlung, die ich jedoch schon gerne erfahren hätte. Im Nachwort dann der Hinweis der Autorin, dass sich die Auflösung dieser „Mini-Cliffhanger“ in einer Fortsetzung finden wird. Wer also Valerie & Co. lieb gewonnen hat und jetzt schon vermisst, der darf sich auf ein Wiedersehen, äh, Wiederlesen freuen!

Mein Fazit: „Gesucht: Traummann mit Ente“ ist ein solider Frauenroman mit einem hohen Spaß- und Unterhaltungsfaktor. Natürlich, Alice Golding erfindet das Rad nicht neu, und das schreibt sie sich ja auch nicht auf die Fahnen. Die Geschichte bleibt größtenteils oberflächlich, und die meisten Dinge sind einfach vorhersehbar. (Wie nunmal in den meisten Liebesromanen.) Aber als ich zu diesem Buch griff, erwartete ich locker-luftige, leichte, humorvolle Unterhaltung, die ich auch bekommen habe. 

4 von 5 Schreiberpaletten

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