Sonntag, 16. November 2014

Rezension: "Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich!" - Die wahre Macht der Datensammler

Daten zum Buch:
erschienen am: 21. August 2014
Verlag: Droemer
ISBN: 9783426276464
272 Seiten
Preis: 19,99 €

Zum Inhalt:
„Stellen Sie sich vor, Sie unternehmen einen Stadtbummel. Doch Sie sind nicht allein, ein Unbekannter ist Ihnen dicht auf den Fersen. Bei jedem Schritt spüren Sie seinen Atem in Ihrem Nacken. Das ist eine unheimliche Vorstellung? Dieses Bild sollten Sie beim Surfen im Netz stets im Kopf haben.“

In seinem Buch „Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich!“ klärt uns Markus Morgenroth darüber auf, wie sehr das Internet mittlerweile unser Leben dominiert, uns ausspioniert, ohne dass wir es wissen und wollen, und welche perfiden Mittel heutzutage Datensammlern zur Verfügung stehen. Seine Ausführungen belegt er nicht nur mit Fakten und Zahlen, sondern er schöpft aus seinem reichen Erfahrungsschatz, denn er hat selbst jahrelang als Software-Ingenieur für eines der international führenden Unternehmen im Bereich der verhaltensbasierten Datenanalyse gearbeitet. Mittlerweile berät der Autor Unternehmen zu Fragen rund um das Thema Datenschutz. 

Meine Meinung:
So locker-flockig und flott wie einen Roman liest man das Buch nicht durch, zumindest ich nicht, aber das hatte ich bei einem Sachbuch wie diesem auch erwartet. Ich habe es auch deshalb immer wieder weggelegt und zwischendurch amüsantere Geschichten gelesen, denn die Informationen, die auf mich einprasselten, waren mir manchmal zu viel, und ich musste sie erst einmal sacken lassen.

Der Schreibstil ist angenehm und auch für Leser, die sich mit der Materie nicht oder nur wenig auskennen, gut verständlich. Dennoch gab es viele Zahlen und Fakten, die mein IT-resistentes Hirn nicht immer verstehen oder verarbeiten konnte. Es prasseln stellenweise nicht nur viele Zahlen auf den Leser ein, man erfährt auch so ungeheuerliche Dinge, dass man sich manchmal fragt, ob das ein schlechter Scherz sein soll oder ob man bereits in einem schlechten Science Fiction-Film lebt, ohne es mitzukriegen.

Da die meisten von uns ja eine grobe Ahnung haben, was Hacker, Internetkriminelle etc. mittlerweile alles anstellen können, hatte ich mich schon auf viele Schocker eingestellt. Aber was man hier auf knapp 270 Seiten erfährt, ist beängstigend.

Die Methoden, um an Adressen und Daten heranzukommen und damit ein Verhaltensmuster zu erstellen, fand ich schockierend - was da für hochtechnische Methoden benutzt werden, die die Firmen ein Heidengeld kosten, nur um Adressen und Konsumentenverhalten auszuspionieren, ist schon der Wahnsinn! Ich frage mich auch, ob sich diese horrenden Kosten und der ganze Aufwand wirklich lohnen, um dann doch teilweise sehr ungenaue Profile zu erhalten. Aber scheinbar tun sie das, sonst würden nicht so viele Unternehmen diese Methoden nutzen.

Wer jetzt denkt: „Macht nichts, ich meide das Internet, ich nutze keine Kundenkarten, ich halte mich aus dem ganzen Zeug sowieso heraus!“, der wird enttäuscht werden. Big Brother ist auch im „Offline-Alltag“ überall. Vielleicht besitzen Sie ja einen Fernseher, in dem eine Kamera eingebaut ist, die heimlich Informationen über Sie sammelt? Oder ein hochmoderner Mülleimer sammelt über Ihr Smartphone Daten über Sie, während Sie an ihm nichtsahnend vorbeigehen? Ein Idiot hackt sich in Ihr Babyphone ein und schreit Ihr Kind nachts an? Das ist alles längst keine Zukunftsmusik mehr!

Zudem haben Sie dann auch schlechte Karten bei der Jobsuche, denn wer gar keine Spuren im Internet hinterlässt, der kann ja nicht ganz koscher sein. Viele Arbeitgeber vertrauen nicht mehr auf den gesunden Menschenverstand, sondern auf teilweise falsch zusammengestückelte Profile, die von Analyseunternehmen für viel Geld verkauft werden. Das Fazit? Wie man's macht, macht man's falsch, und sobald man atmet, wird man ausgewertet.

Manche Zahlen lassen einem die Ohren schlackern. Z. B. dass in 2013 in 10 Minuten das gleiche Datenvolumen verbraucht wurde wie bis 2006 insgesamt. Stellenweise wird man mit sehr vielen Zahlen und Statistiken konfrontiert. Ich gebe zu, ich habe manche Fakten einfach nicht verstanden bzw. meine Vorstellungskraft ließ mich hier einfach im Stich. Deshalb fand ich es zeitweise auch anstrengend, das Buch zu lesen. Manche Dinge wiederholten sich meines Erachtens auch öfter mal.

Im letzten Kapitel erhält man Tipps, wie man sich wenigstens etwas vor den ganzen Internetspionen schützen kann, wenngleich ein solcher Schutz leider nie vollständig gewährt ist, da die Methoden immer ausgereifter und perfider werden. Einige der Tipps waren mir bereits bekannt (z. B. dass man jährlich kostenlos eine Auskunft über seine Schufa-Einträge einholen kann.), andere wiederum waren auch für mich neu. Abgerundet wird das Ganze mit einem ausführlichen Quellenverzeichnis zur Erläuterung der zahlreichen Fußnoten sowie einer Liste von nützlichen Links, die auf der Verlagsseite auch zukünftig aktuell gehalten werden soll.

„Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich!“ ist ein schockierendes und wachrüttelndes Buch, das jeder mal gelesen haben sollte, der sich auch nur annähernd dafür interessiert, was mit seinen Daten geschieht und wie stark die Technik mittlerweile unser Leben steuert. Denn: „Es gibt in Deutschland nur zwei Arten von Menschen, die, deren Leben das Internet verändert hat, und die, die nicht wissen, dass das Internet ihr Leben verändert hat.“ 

4 von 5 Schreiberpaletten

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