Samstag, 22. November 2014

Rezension: "Sie konnten mich nicht töten. Als Afghanin im Einsatz für die Bundeswehr" von Soraya Alekozei

Daten zum Buch:
erschienen am: 30. September 2014
Verlag: Econ
ISBN: 978-3430201742
272 Seiten
Preis: 18,00 €

Zum Inhalt:
Soraya Alekozei liebt ihre Heimat Afghanistan. Wohlbehütet aufgewachsen in einer liebevollen Familie, die gebildet und tolerant ist, entwickelt sie sich zu einer selbstbewussten Frau mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Aus Liebe zu ihrem Mann Walid, der in Deutschland studiert, verlässt sie ihre Heimat. Die Sehnsucht nach Afghanistan und ihrer Familie lastet schwer auf ihr, doch als die Russen einmarschieren und Familienmitglieder verfolgt, inhaftiert und gefoltert werden, entscheidet sich die mittlerweile zweifache Mutter endgültig für ein Leben in Deutschland.

Nach und nach lernt sie, dieses Land zu lieben und als ihre neue Heimat zu betrachten. Doch wirft sie sich selbst immer vor, ihre Landsleute im Stich gelassen zu haben. Und so beschließt sie, als Sprachmittlerin für die Bundeswehr zu arbeiten. Als Soldatin im Flecktarn nimmt sie sich an mehreren Afghanistan-Einsätzen teil, wird als „Stimme der Freiheit“ Mittlerin zwischen Deutschen und Afghanen. Die Unterstützung sozialer Projekte wird ihr eine Herzensangelegenheit.

Doch die Taliban werden immer aggressiver, die deutschen Soldaten werden zu Zielscheiben. Soraya verliert zahlreiche Kameraden. Und doch beschließt sie trotz der Gefahr und der Bedenken ihrer Familie, auch 2011 wieder nach Afghanistan zu fliegen. Doch in diesem Jahr wird sie selbst Opfer eines feigen Anschlages...

Meine Meinung:
In „Sie konnten mich nicht töten“ beschreibt die Autorin nicht nur ihre Einsätze in Afghanistan bis hin zum verhängnisvollen Attentat im Mai 2011, bei dem mehrere Menschen getötet und Soraya Alekozei selbst schwer verletzt wurde. Sie erzählt auch viel aus ihrer Kindheit und Jugend in Afghanistan, als das Land noch in Frieden lebte. Dank Soraya Alekozei begegnet dem Leser ein Afghanistan, das den meisten von uns völlig neu sein wird. Afghanistan kennen viele nur noch als Kriegsschauplatz und Ort der Zerstörung. Doch dies war nicht immer so, und die Autorin zeichnet ein lebhaftes Bild von einem wunderschönen Land voller gastfreundlicher, fröhlicher Menschen.

Umso schlimmer wirkt die Veränderung Afghanistans seit Einzug der roten Armee und anschließend der Schreckensherrschaft der Taliban auf den Leser. Zwar lebt die Autorin dann schon in Deutschland, konstruiert aber die Veränderungen auf Grund von Erzählungen von Verwandten und Freunden sowie aus Erlebnissen bei kurzen Besuchen in ihrer Heimat. Wer sich noch nicht so intensiv mit Afghanistan und den politischen Entwicklungen in diesem Land auseinander gesetzt hat, lernt in diesem Buch viel Neues.

Soraya Alekozei ist eine warmherzige, emotionale, sehr starke Frau. Auch nach dem Anschlag kämpft sie sich ins Leben zurück. Die Autorin bringt ihre Liebe zu ihrer Heimat Afghanistan, aber auch zu ihrer Wahlheimat Deutschland stets deutlich zum Ausdruck. Sie zeigt auf, dass die Afghanen eigentlich ein sehr gastfreundliches, offenes Volk sind, sich dies jedoch mit dem Einzug der Russen und später der Schreckensherrschaft der Taliban geändert hat. Auch sie muss von ihrem geliebten Afghanistan, wie sie es kannte, langsam Abschied nehmen. Und der Leser begleitet sie hierbei.

Diese Biographie ist vieles auf einmal: Bedrückend, informativ, emotional, traurig und zugleich hoffnungsvoll. Trotz ihres Traumas, ihrer schweren Verletzungen, die sie ein Leben lang zeichnen werden, ist Soraya Alekozei zu keiner Zeit verbittert. Für ihren unermüdlichen Einsatz kann man diese Frau nur bewundern.

Die Sprache ist eloquent und dennoch leicht verständlich, das Buch liest sich sehr flüssig und schnell. Ich habe es ungern weggelegt, da mich Soraya Alekozeis Erzählungen sehr gefesselt haben.

Im Innenteil finden sich zahlreiche Farbabbildungen, die das Buch zusätzlich aufwerten. Ich persönlich finde Fotos in einer Biographie wichtig, da sie dem Autor, erwähnten Personen und Orten ein Gesicht geben.

„Sie konnten mich nicht töten“ ist ein aufrüttelnder Bericht einer starken Frau, die sowohl Afghanistan als auch Deutschland als ihre Heimat betrachtet, dem Leser dieses uns nur als Kriegsschauplatz bekannte Land näher bringen, eine Brücke zwischen den Nationen schlagen will. Nicht nur für Leser, die sich für Afghanistan interessieren oder Biographien starker Persönlichkeiten mögen, eine absolute Leseempfehlung!

5 von 5 Schreiberpaletten

1 Kommentar:

  1. Danke für diese Rezi, das hört sich sehr gut an. Seit den Romanen von Khaled Hosseini bin ich an Afghanistan sowieso etwas interessierter, in Verbindung mit einer Biographie rundet sich vielleicht eher ein Gesamtbild ab.

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