Mittwoch, 30. April 2014

Rezension: "Expedition Krebs" von Samuel Horn & Robert Panthera Krause


Daten zum Buch:
erschienen am: Februar 2014
Verlag: atp Verlag
ISBN: 9783943064063
104 Seiten
Preis: 19,80 €

Zum Inhalt:
Als Finja, Ginny, Luke und Jo nach den Sommerferien in die Schule zurückkehren, erfahren sie von ihrem Mitschüler Simon, dass ihr gemeinsamer Freund Felix schwer erkrankt ist. Die Diagnose lautet „Krebs“. Sofort machen sich die Freunde auf ins Krankenhaus, um Felix zu besuchen. Dort passiert etwas Unglaubliches: Aus Versehen werden die vier Freunde auf Zellgröße geschrumpft und landen in Felix‘ Körper. Zum Glück können sie über Lukes Handy mit Simon und dem Oberarzt in Kontakt bleiben. Sie machen sich auf die Suche nach dem Tumor und lernen nicht nur viel Interessantes über den Krebs, sondern versuchen auch, ihrem Freund zu helfen. 

Meine Meinung:
Dieses Buchprojekt entstand im Rahmen der Kölner Kinder-Uni. Zusammen mit einer Gruppe Kinder und mit fachlicher Unterstützung durch Prof. Dr. Stefan Herzig, Arzt für Pharmakologie und Toxikologie, hat Samuel Horn ein kindgerechtes Fachbuch über das Thema „Krebs“ geschrieben. Begleitet wird die Geschichte von farbenfrohen Bildern des Künstlers Robert Panthera Krause.

Zuerst lernen wir die 6 Kinder kennen mit ihren verschiedenen Charakteren. Die stille Ginny, die vorlaute Finja, den coolen Luke, den pessimistischen Jo, den als Streber verrufenen Simon sowie den sportlichen Felix, der nun im Krankenhaus liegt. Dass die Kinder so unterschiedlich sind, ist von Vorteil für die Geschichte, denn so erleben wir unterschiedliche Sichtweisen.  Die Geschichte um Felix und seine Freunde ist recht einfühlsam geschrieben und die verschiedenen Reaktionen der Kinder auf Felix‘ Erkrankung realistisch wiedergegeben.

Der Trip durch Felix' Körper wird nicht zur trockenen Lehrstunde, sondern zu einem aufregenden Abenteuer, in dem die Kinder sich einiges einfallen lassen müssen, um die Reise unbehelligt durchzustehen. Die Zellen „menschlich“ darzustellen mit ihren verschiedenen Funktionen – z. B. als Kommissare, Polizisten etc. – ist eine nette Idee und macht die Reise durch Felix' Körper lebendiger. Dass die geschrumpften Kinder noch mit Lukes Handy telefonieren können, ist dann zwar doch ziemlich bizarr, allerdings ist ja die ganze Reise auch schon ungewöhnlich, und so kann man wenigstens noch die kompetenten Erklärungen des Professors einfließen lassen, da die Kinder ja nicht von sich aus wissen können, wo sie sich nun genau befinden und welche Aufgaben die verschiedenen Organe und Zellen haben. 

Etwas schade fand ich, dass man nicht erfährt, wie die Kinder wieder aus Felix herauskommen. Andererseits ist es für die Geschichte nicht wirklich wichtig. 

Die Sprache ist kindgerecht, aber durchaus niveauvoll. Nicht nur Kinder erfahren hier auf eine anschauliche Art viel Wissenswertes und Interessantes über dieses wichtige und ernste Thema. Auch ich als Erwachsene, die in den Bereichen Medizin und Biologie nicht sonderlich bewandert ist, habe viel Neues gelernt. Begriffe, die einer weiteren Erklärung bedürfen, werden farbig markiert und in Randspalten ausführlicher behandelt. So stören die Erläuterungen den Lesefluss nicht.

Das Hardcover-Buch macht auf mich insgesamt einen hochwertigen Eindruck. Die bunten Illustrationen lockern das Buch auf, wenngleich ich zugeben muss, dass mir persönlich der Zeichenstil nicht so gefiel. Die Kinder sind doch sehr grobschlächtig und einfach gezeichnet, was ich etwas schade finde, nachdem die Zeichnungen nicht von den am Buchprojekt beteiligten Kindern stammen, sondern von einem erwachsenen Künstler. Aber das ist natürlich Geschmackssache. 

Alles in Allem ein schönes Buchprojekt, das dem Leser – egal ob jung oder alt – das schwierige Thema „Krebs“ auf anschauliche und lebendige Art und Weise näher bringt und auch ein bisschen den Schrecken vor dieser schlimmen Krankheit nimmt.

4 von 5 Schreiberpaletten

Montag, 28. April 2014

Rezension: "Winston - Agent auf leisen Pfoten" von Frauke Scheunemann

Daten zum Buch:
erschienen am: 10. März 2014
Verlag: Loewe
ISBN: 9783785577813
272 Seiten
Preis: 12,95 €

Zum Inhalt:
Ein neues Abenteuer wartet auf Kater Winston und seine menschliche Freundin Kira!

Nachdem die beiden im ersten Band "Winston - Ein Kater in geheimer Mission" zeitweise im Körper des Anderen steckten, besteht zwischen ihnen eine besondere Verbindung. Nun hat sie der Alltag wieder - während Kira in die Schule geht, faulenzt Winston den ganzen Tag auf der Couch und schmachtet der hübschen Streunerkatze Odette hinterher.

Doch dann kommt Leben in die Bude in Form von Kiras Großmutter Babuschka, die auf Besuch aus Russland kommt. Die resolute Dame ist nämlich schockiert von Winstons schlechter Erziehung und beschließt spontan, dem verwöhnten British Kurzhaar Manieren beizubringen.

Währenddessen schnappt die ätzende Emilia Kira die Hauptrolle im Schulmusical "Der gestiefelte Kater" weg. Doch plötzlich ist Emilia spurlos verschwunden. Als Kira und ihre Freunde Tom und Pauli herausfinden, dass ihre Klassenkameradin entführt wurde und die Polizei noch keine Spur hat, ermitteln sie auf eigene Faust. Und natürlich ist auch Winston mit von der Partie - diesmal mit Verstärkung von der Hofkatzen-Gang. 

Meine Meinung:
Endlich ist der langersehnte zweite Band der Winston-Reihe da! Im ersten Band wurde ja noch offen gelassen, ob es einen Nachfolger gibt, die Geschichte war zwar abgeschlossen, ließ aber Luft für eine Fortsetzung. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass meine Hoffnungen erfüllt wurden und es ein Wiedersehen mit dem eigensinnigen, aber liebenswerten Kater Winston und seiner Freundin Kira gibt.

Frauke Scheunemanns Schreibstil ist gewohnt locker-flockig und humorvoll. Sie hat ja nun langjährige Erfahrungen darin, ein Buch aus der Sicht eines Haustieres zu schreiben, und es gelingt ihr immer wieder sehr gut. Winstons Gedankengänge sind wieder herrlich komisch. In diesem Band nähert sich Winston nun auch seinem Schwarm Odette an und freundet sich sogar mit den beiden Hofkatern Spike und Karamell an, die ihm im ersten Band noch sehr kritisch, um nicht zu sagen feindlich gegenüberstanden. Auch zwischen Werner und Anna geht es weiter, aber leider bleibt dieser Handlungsstrang auch hier wieder offen.

Wie auch im Vorgänger sind die meisten Personen sehr sympathisch, aber wir treffen auch wieder auf die arrogante Leonie und die zickige Emilia, die ziemlich fies zu Kira und ihren Freunden sind. Als gelungenen Neuzugang werte ich Großmutter Babuschka, die ich anfänglich sehr unsympathisch find, die sich aber als herrlich skurriler Charakter herausstellt, der frischen Wind in die "Stammbesetzung" bringt.

Einige der Charaktere im Menschen- und Katzenpersonal entwickeln sich im Laufe des Buches weiter und es entstehen Freundschaften, die man nicht erwartet hätte. Überhaupt dreht sich dieser Band wieder stark um das Thema Freundschaft, aber auch darum, über den eigenen Schatten zu springen, über Mut und darüber, dass man auch jemandem hilft, den man eigentlich doof findet. Ich finde es schön, wie diese wichtigen Themen auf eine humorvolle und spannende Weise behandelt werden.

Ich wusste bis zum Schluss nicht so recht, wer der Entführer sein könnte, ich hatte mehrere Personen im Verdacht und kam erst recht spät auf die Lösung. Kira, Winston & Co. hatten auch hier wieder mehr Glück als Verstand und ein Händchen bzw. Pfötchen dafür, sich in Gefahr zu begeben. Ihnen spielt der Zufall wieder sehr oft in die Hände, aber bei einem Kinderbuch finde ich das noch okay.  Manchmal war ich jedoch erstaunt, wie begriffsstutzig Kira war bei Winstons Versuchen, mit ihr zu kommunizieren, denn immerhin besteht nun seit dem Körpertausch ein spezielles Band zwischen den beiden. Auch überraschte mich das Verhalten von Kiras Mutter Anna, die an und für sich eine nette, sanftmütige Person ist, doch aber einige Male Winston recht hart angefasst hat.

Alles in Allem bietet "Winston - Agent auf leisen Pfoten" wieder spritzige, spannende Unterhaltung für Groß und Klein mit einer schönen Botschaft über Freundschaft und Hilfsbereitschaft. Es bleibt zu hoffen, dass Frau Scheunemann hier eine Reihe geplant hat und schon am nächsten Band bastelt.

4 von 5 Schreiberpaletten

Sonntag, 27. April 2014

Neuzugänge

Als ich gerade meine neuen Bücher in Szene setzte, um sie zu fotografieren, starrte mein Freund ungläubig auf die Stäpelchen und meinte entsetzt: "Sind das deine Neuzugänge der letzten Woche???" Ich konnte ihn beruhigen: Mitnichten! Das sind die Neuzugänge der letzten ZWEI Wochen. Also kein Grund zur Panik! *in hysterisches Lachen ausbrech*

Rezensionsexemplare


- Natasha Farrant, "Die Geschwister Gadsby": Hatte mit dem Buch schon länger geliebäugelt, umso mehr freut es mich, dass ich es auf LovelyBooks in einer von der Autorin begleiteten Leserunde lesen darf.

- Jana Fuchs, "Dancing Queens. Alle Wege führen nach Waterloo": Meine aktuelle Lektüre für eine Leserunde auf LB, die von Heike Abidi (Eine der beiden Autorinnen, die hinter Jana Fuchs stecken.) moderiert wird. Hab mich nur geärgert, weil ich das Buch neulich in meinem Rucksack hatte und es geschafft habe, dem Schnitt einen Fleck zu verpassen und mein Getränk über die rechte obere Ecke zu schütten... Normalerweise bin ich bei meinen Büchern übelst pingelig.


Gewonnen


- Sabine Heinrich, "Sehnsucht ist ein Notfall": Die liebe Petra von "Papier und Tintenwelten" durfte auf ihrem Blog gleich drei Exemplare dieses allein schon optisch sehr ansprechenden Buches verlosen, und ich war eine der glücklichen Gewinnerinnen. :-) Ich freue mich schon auf den Road Trip quer durch Italien.

- Postkartenset zu "Wildwood": Das Kinderbuch kenne ich zwar leider nicht, aber als die Buchhexe auf ihrer Facebook-Seite das dazugehörige Postkartenset mit wirklich schönen Motiven verlost hat, musste ich mein Glück versuchen. Ich bin doch so ein Postkartenjunkie. :-) Dazu gab es noch ein paar weitere Postkarten von Verlagen und Buchhexe-Lesezeichen.


Gekauft

 
- Horst Evers, "Für Eile fehlt mir die Zeit": Das Buch habe ich selbst mal vor einiger Zeit einer Freundin geschenkt, die sehr viel Stress hatte. Ihr gefiel es sehr gut, da hab ich am Wühltisch für 2 € doch einfach mal selbst zugegriffen.

- Susanne Fröhlich, "Der Hund, die Krähe, das Om... und ich": Da ich ja nun auch einen Yoga-Kurs angefangen habe und noch nicht so recht weiß, ob das was für mich ist, muss ich mich diesem Thema mal von der lustigen Seite nähern. Mit dem Buch liebäugle ich schon lange, fand es aber immer zu teuer. Jetzt für 2 € auf dem Wühltisch bei Hugendubel entdeckt.

- Ellen Berg, "Du mich auch": Ich mag diese Bücher einfach, die lustigen mit den gemalten Covern. Na ihr wisst schon, welche ich meine, ne?


Geschenkt bekommen

 

- Dumont Bildatlas, "Kalifornien": Überraschungspost von einer lieben Freundin als Vorgeschmack auf meinen Sommerurlaub. :-) 



Welttag-Bücher

Schon vor 2 Jahren durfte ich ja Bücher verschenken, und da wollte ich dieses Jahr auch wieder gerne mitmachen. Ich hab mich echt gefreut, dass nicht nur ich, sondern auch meine Mama und meine Schwester ausgelost wurden. Ein paar Bücher habe ich im Freundeskreis verteilt, den Rest werde ich meinen Kollegen als Überraschung im Pausenraum präsentieren und hoffe, dass sie sich freuen.


- Jonathan Franzen, "Die Korrekturen": Durfte meine Mama verschenken. 

- Amelie Fried, "Der Mann von nebenan": Das ausgewählte Buch von meiner Schwester.

- James Patterson, "Alex Cross. Ave Maria": Von meiner Freundin Eva.

- Yann Mattel, "Schiffbruch mit Tiger": Durfte ich verschenken. Den Film dazu kenne ich bereits.
 

Ertauscht/aus dem Tauschregal mitgenommen


- Sophie Kinsella, "Das Hochzeitsversprechen": Ich mag ja Kinsellas Bücher, auch wenn ich finde, dass ihre Protagonistinnen von Mal zu Mal hohler werden. Für 3 Tickets im Neuzustand auf Tauschticket gefunden.

- Stevani Fuhlrott & Christiane Hagn, "Wenn mich jemand sucht, ich bin im Kühlschrank!": Mal gucken, ob mich dieses Buch zum Abnehmen animieren kann. ;-) Für 1 Ticket bei TT.

- Aude Le Corff, "Bäume reisen nachts": Das Buch klingt so schön, bei der Leserunde hatte ich leider kein Glück, also habe ich es mir für 3 Tickets bei TT geholt. 

- Elfriede Vavrik, "Nacktbadestrand": Das klang irgendwie ganz witzig. Im Umsonstladen mitgenommen.

- Karin Kaiser, "Fettnäpfchenführer Indien": Abgesehen davon, dass ich Elefanten liebe und das Cover schon toll finde, lese ich wahnsinnig gerne Bücher über fremde Länder. Indien würde mich ja echt mal reizen, andererseits nicht gerade mein 1. Wunschreiseziel momentan. Aber die Kultur finde ich schon echt faszinierend. Mitgenommen im Tauschregal um die Ecke. (Ich hab auch wieder mal was reingestellt, möchte ich nur erwähnen. ;-))


Soooo viele sind das doch gar nicht. *hust hust* Weiß wirklich nicht, was mein Freund von mir will! Kennt ihr was davon bzw. habt es sogar schon gelesen?

Montag, 21. April 2014

[Blogg dein Buch] Rezension: "Das Geheimnis des Spiegelmachers" von Antoinette Lühmann

Daten zum Buch:
erschienen am: Januar 2014
Verlag: Coppenrath
ISBN: 9783649614340
367 Seiten
Preis: 14,95 €
HIER bestellbar!

Zum Inhalt:
Amsterdam im 17. Jahrhundert: Die kleinen Zwillingsbrüder von Nik van Leeuwenhoek sind an einer mysteriösen Krankheit gestorben. Während Niks Vater, ein erfolgreicher Kaufmann, in seinem Kummer versinkt, und die Mutter alles tut, um die Geschäfte am Laufen zu halten, versucht Nik, einen Schuldigen für das Unglück zu finden. Als er durch Zufall auf eine geheime Gilde stößt, die wunderbare, aber scheinbar gefährliche Kunstwerke herstellt, glaubt er, dem Rätsel um den Tod seiner Brüder endlich auf die Spur gekommen zu sein. Doch die Gilde tut alles, um ihr Geheimnis zu bewahren und schreckt auch nicht vor Mord zurück.

Bevor Nik mit seiner besten Freundin Benthe weitere Nachforschungen anstellen kann, wird er von seinen Eltern zu einer Lehre nach London geschickt. Dort, wo einst der Hauptsitz der Gilde war, erwarten ihn gefährliche Abenteuer, während Benthe eine Ausbildung bei einem Spiegelmacher beginnt, der für seine Kunstwerke über Leichen geht. 

Meine Meinung:
Der Sprachstil gefiel mir sehr gut und ist flüssig zu lesen. Das Buch ist für Jugendliche geschrieben, so dass hier arg verschachtelte, komplizierte Satzbauten vermieden werden. Dennoch ist die Sprache niveauvoll, wenngleich ich irgendwie öfter das Gefühl hatte, dass manche Beschreibungen von Orten oder Gegebenheiten ein bisschen arg ausufernd waren. Außerdem brauchte ich für die vielen Fachbegriffe aus der Schifffahrt eigentlich ein Lexikon, aber ich habe sie mangels Interesse eben einfach überlesen.

Die Figuren sind sehr unterschiedlich und detailreich gezeichnet. Allen voran der Protagonist Nik, den ich auf Anhieb mochte und der sich im Laufe der Geschichte stark entwickelt. Seine Freundin Benthe ist ebenfalls eine Sympathieträgerin. Dann gibt es da noch Ellie, die auf Rache für ihren ermordeten Meister sinnt, und die sich meine Sympathien erst noch erarbeiten musste im Laufe der Geschichte. Luuk ist von Anfang an ein gewaltbereiter Widerling, der Nik und anderen Kindern das Leben schwer macht. Seine Wandlung war wohl die größte Überraschung in diesem Buch. Auch die zahlreichen Nebenfiguren – die Mitglieder der Gilde, Niks Eltern, Aleksej, Olivia, Carmen de Witt und viele weitere Figuren – lässt man teilweise nicht nur einfach in der Handlung auf- und abtauchen, sondern einige Charaktere erhalten verhältnismäßig viel Tiefe.

Ein bisschen plätschert die Handlung vor sich hin, gerade im Mittelteil, als Nik seine Lehre bei einem Wollhändler in London macht. Er stößt ständig auf Spuren der Gilde und forscht trotz Lebensgefahr konsequent weiter. Doch zwischendurch hatte ich das Gefühl, das man das auch etwas kompakter hätte schildern können. Man hätte den Mittelteil vielleicht zu Gunsten des dann doch verhältnismäßig schnellen, kurzen Finales kürzen können. Dass die Entwicklung der Handlung nicht nur dem hartnäckigen Schnüffeln der Kinder, sondern auch vielen Zufällen geschuldet ist, fand ich wiederum ok für ein Jugendbuch. Es bleibt dennoch stets spannend, und es hat mir Spaß gemacht, zusammen mit Nik und seinen Freunden das Geheimnis um die Gilde nach und nach aufzudecken. Außerdem bekommt man einen guten Einblick in das Leben in zwei doch recht unterschiedlichen Großstädten wie Amsterdam und London im 17. Jahrhundert.

Die Gilde hat rabiate Methoden, sich ihrer Feinde zu entledigen, und so gibt es natürlich auch die ein oder andere gewalttätige Szene. Jedoch bleibt dies alles oberflächlich und dezent, so dass die Altersempfehlung ab 12 Jahren meiner Meinung nach absolut in Ordnung ist.

Erwähnen möchte ich abschließend noch, dass nicht nur das Cover wirklich schön und griffig ist, sondern das Buch auch noch durch einige unaufdringliche Illustrationen aufgewertet wird.

Trotz einiger Schwächen hat Antoinette Lühmann einen gelungenen Debütroman geschrieben, der in sich abgeschlossen ist, aber durchaus auch Luft für eine Fortsetzung lässt, da leider doch noch einige Fragen offen geblieben sind.
4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an "Blogg dein Buch" und den Coppenrath-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Dienstag, 15. April 2014

Rezension: "Die Seltsamen" von Stefan Bachmann

Daten zum Buch:
erschienen am: 26. Februar 2014
Verlag: Diogenes
ISBN: 9783257068887
386 Seiten
Preis: 16,90 €

Zum Inhalt:
Im englischen Bath regnen große, schwarze Federn vom Himmel. Wenige Zeit später verschwindet die komplette Stadt mitsamt ihren Einwohnern spurlos, zahlreiche Menschen sterben. Nach einem blutigen Krieg mit den Sidhé genannten Wesen, die aus einem Portal auftauchen, leben diese in England Tür an Tür mit den Menschen. Es ist ihnen verboten, ihre Kräfte auszuüben, und viele von ihnen vegetieren in Elendsvierteln vor sich hin und verrichten niedere Arbeiten. Verboten ist auch eine Vermischung beider Rassen – Mischlingskinder werden als „Seltsame“ bezeichnet und vom Mob gejagt. Deshalb stört es auch niemanden, dass es plötzlich mehrere Fälle entführter Mischlingskinder gibt, die alle kurz darauf tot aufgefunden werden.

Bartholomew ‚Barthy‘ Kettle und seine kleine Schwester Hettie leben in einem der Slums von Bath und sind ebenfalls Mischwesen. Als eine mysteriöse Frau mit zwei Gesichtern im Viertel auftaucht und eine gruselige Kreatur an Hetties Bett jede Nacht schauerliche Wiegenlieder singt, wird Barthy klar, dass sie in großer Gefahr sind. Zeitgleich gerät der unbedarfte Parlamentsabgeordnete Arthur Jelliby mitten hinein in eine Verschwörung, in der der zwielichtige Politiker Mr. Lickerish, selbst ein Sidhé, die Fäden in der Hand zu halten scheint.

Meine Meinung:
Auf dieses Buch stieß ich durch die groß angelegte, durchaus gelungene Marketingkampagne des Verlages, die dem Buch sogar eine eigene Homepage mit Blog und Newsletter widmete. Zusammen mit Oskar (dem Assistenten eines in Bath getöteten Forschers) und Lizzy (der Tochter des Forschers) sollte das Geheimnis um die schwarzen Federn nach und nach mit den Lesern gelöst werden. Umso überraschter war ich, dass die beiden Figuren in dem Buch gar keine Rolle spielten, da die Handlung erst etliche Jahre nach den auf dem Blog geschilderten Geschehnissen einsetzt. Mir ist immer noch nicht ganz klar, wie ich die Handlung um Barthy und Mr. Jelliby mit Oskar und Lizzy zusammenbringen kann... (Wer mich diesbezüglich aufklären kann - bitteschön!)

Ich habe tatsächlich lange gebraucht, diese Rezension zu schreiben, nachdem ich das Buch ausgelesen hatte. Denn ich kann mich einfach nicht entscheiden, wie ich es finden soll. Letztendlich trifft es der Titel schon ganz gut: Ich fand das Buch seltsam. Was aber nicht unbedingt schlecht sein muss.

Laut meiner Information können „Die Seltsamen“ dem Genre des Steampunks zugeordnet werden. Ich konnte mit dem Begriff bis dato nichts anfangen, aber mir ist es eigentlich auch egal, um welches Genre es sich hier handelt, da es mir nur darum geht, ob das Buch mir gefällt oder nicht. Vielleicht ist es aber für andere wichtig, weshalb ich es erwähnt haben möchte.

Mir ist immer noch etwas unklar, welches Alter die Zielgruppe haben soll. Ich hatte sogar anfänglich gelesen, es handle sich hier um ein Kinderbuch, aber dem muss ich vehement widersprechen! Selbst als Jugendbuch ist es eher für ältere Jugendliche geeignet. Die Grundstimmung im Buch ist sehr düster und beklemmend, manche Szenen fand ich tatsächlich ziemlich gruselig und konnte sie mir wirklich gut in einem Horrorthriller vorstellen. Die Handlung ist dann auch durchgehend ernst, es gibt keine witzigen oder ironischen Stellen, was ich etwas schade fand, aber nun gut, es hätte wohl auch nicht gepasst.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Barthy und Mr. Jelliby (3. Person) erzählt. Jedes Kapitel endet mit einem fiesen Cliffhanger, was die Spannung aufrechterhält, so dass man ganz schnell weiterlesen möchte.

Die Figuren ließen mich irgendwie relativ kalt. Barthy und Hettie sind zwei liebenswerte Kinder, aber das war es auch schon. Mr. Jelliby schlittert in die Verschwörung völlig ungewollt rein und schert sich auch anfangs wirklich nicht um die toten Kinder oder um Barthy. Immerhin entwickelt sich seine Figur sehr stark im Laufe der Geschichte, so dass ich ihn am Ende sogar wirklich sympathisch fand. Mit Mr. Lickerish schuf der Autor den Bösewicht par excellence. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, und bei manchen kann man sich nicht sicher sein, ob sie nun zu den Guten oder Bösen gehören.

Die Beschreibungen der Figuren und Orte sind sehr detailliert, man kann sich alles gut vorstellen und hat förmlich das düstere, versiffte Bath und London mit seinen Armenvierteln vor Augen. Trotz der Detailverliebtheit fehlten mir allerdings einige Sachen, z. B. hätte ich gerne mehr über die Sidhé an sich erfahren, ihre verschiedenen Kräfte und über den Krieg. Vielleicht kommt das ja noch im 2. Band.

Der letzte Teil des Buches verspricht nochmal viel Spannung, schließt allerdings mit einem fiesen Cliffhanger, was ich persönlich auch bei Buchreihen immer ziemlich unschön finde. Ich mag es einfach nicht, wenn der Leser bis zum Erscheinen des nächsten Bandes total in der Luft hängen gelassen wird.

Alles in Allem ist dieses Buch im Hinblick auf mein bisheriges Leseverhalten was Neues gewesen, und ich denke, ich werde mir auch den 2. Band, der im Herbst 2014 erscheinen soll, zu Gemüte führen. Mit „Die Seltsamen“ hat der noch junge Stefan Bachmann, der das Buch mit 16 Jahren schrieb, ein ordentliches Debüt hingelegt, seine vielgepriesene Genialität hat mich jedoch nicht vom Hocker gerissen.

3,5 von 5 Schreiberpaletten

Montag, 14. April 2014

Neuzugänge und ein ärgerlicher (vorläufiger) Abgang

Mir schwillt grad echt total der Kamm! Mein tolles Tablet, mit dem ich auch gleich das Problem des fehlenden eBook-Readers lösen wollte, hat nach gerade mal 2 Monaten das Zeitliche gesegnet! Und das, wo ich es bislang kaum benutzt habe. (Ist eher so als mobiles Gerät im Urlaub gedacht, und das mit den eBooks hat mich auch noch nicht so gereizt bislang.)

Ich bin grad einfach nur genervt, das Teil war immerhin keine kleine, billige Anschaffung, und dass das Tablet jetzt seit fast einer Woche kaputt hier herumliegt, finde ich auch ganz klasse. Dann hat mir der Händler erstmal mitgeteilt, dass ich mich doch direkt an den Hersteller wenden soll, weil das Ganze nicht mehr in der Widerrufsfrist liegt. Nachdem ich zurückgemotzt habe, dass die doch als Händler Garantie geben müssen, bekam ich das Retourenlabel. Jetzt bin ich mal gespannt, wie aufwändig und langwierig das ist, bis ich endlich wieder ein einwandfrei funktionierendes Gerät in Händen halte. So einen Scheiß braucht man wirklich nicht... *seufz*

Immerhin halten sich meine Neuzugänge in Grenzen. Wobei, nein... das ist falsch. Ich bekam gestern noch eine Rebuy-Bestellung mit 20 Büchern. Puh... die hatten Ausverkauf, 55 Cent pro Buch, ich meine, HALLO?!?!?! Da die Bücher aber grad bei meinen Eltern lagern, gibt es diesmal kein Bild. Also, hier sind meine anderen Neuzugänge:

Rezensionsexemplare


- Jessica Thom, "Sechs Millionen Kekse. Ein Jahr im Leben von Touretteshero": Ein Reziexemplar von Vorablesen. Habe mir mal ein kurzes Interview mit der Autorin angeguckt, es ist wirklich süß, wie sie ständig "Biscuit" sagt, auch wenn dieser Tic natürlich anstrengend für sie ist. Ich glaube, das Buch ist trotz der ernsten Thematik richtig lustig.
- Samuel Horn & Robert Panthera Krause, "Expedition Krebs": Ein Buchprojekt der KinderUni Köln, in dem das ernste Thema "Krebs" kindgerecht und unterhaltsam erläutert wird.


Ertauscht/gekauft


- Milena Moser, "Schlampenyoga": Da ich vor ein paar Wochen einen Yoga-VHS-Kurs belegt habe (Der momentan öfter pausiert als stattfindet...), dachte ich mir, ich könnte mich mal ein bisschen intensiver mit dem Thema beschäftigen, glaube nämlich, dass mein derzeitiger Kurs (Hatha-Yoga) eher nicht so mein Fall ist, aber Yoga generell doch was für mich sein könnte. Für 50 Cent beim Büchereiausverkauf geholt.

- Lottie Moggach, "Ich bin Tess": Auf Tauschticket für 2 Tickets gekriegt. Die Rezi einer Freundin hat mich doch sehr gespannt auf das Buch gemacht.

- LonelyPlanet, "California Trips": Auch in der Bücherei für 50 Cent mitgenommen. Wir haben nämlich endlich unseren Sommerurlaub gebucht, und ratet mal, wo es hingeht? :-) Bin mal gespannt, denn wir fahren zu fünft und möchten so viel sehen, dass noch nicht feststeht, was genau davon wir auch letztendlich machen (können).

So, wenn ihr jetzt einfach mal wieder vergesst, dass ich noch die 20 Rebuy-Bücher habe, sieht das doch alles sehr gemäßigt aus...

Freitag, 11. April 2014

Rezension. "Horrorjobs. Wie ich mich probehalber ausbeuten ließ" von Tobias Kurfer

Daten zum Buch:
erschienen am: 13. Januar 2012
Verlag: Fischer TB
ISBN: 9783596191093
208 Seiten
Preis: 9,99 €

Zum Inhalt:
Der Journalist Tobias Kurfer erhält das Angebot, sich für eine Kolumne durch die verschiedensten Nebenjobs zu quälen. Er selbst hatte zwar nach diversen Berufserfahrungen beschlossen, sich nie wieder ausbeuten zu lassen, stimmt aber dennoch zu. Und so schlägt er sich unter Anderem als Sargträger, Fußballmaskottchen oder Museumswärter durch.

Meine Meinung:
Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, da ich ja aus eigener Erfahrung weiß, dass einige Jobs in Deutschland wirklich bescheiden bezahlt werden. Aufgrund des Titels und auch des Klappentextes erwartete ich hier einen schonungslosen Erlebnisbericht. Allerdings wurde ich in dieser Hinsicht doch ziemlich enttäuscht.

Der Autor hat einen sehr angenehmen, unterhaltsamen, humorvollen Schreibstil und das Buch lässt sich schnell durchlesen. Allerdings dominieren hier ganz klar Geschichten aus dem Leben des Autors, vorrangig aus seiner Kindheit. Jedes Kapitel wird begleitet von einem Schwank aus seinem Leben, der meist mehr Platz einnimmt als der Bericht über die Tätigkeit selbst. Prinzipiell sind diese Stories ebenso amüsant und teilweise interessant, aber ich wollte eigentlich etwas über die Jobs erfahren, die er so durchmacht. Im Endeffekt erzählt er über die insgesamt 11 Berufe, die er ausübt, ziemlich wenig. Was auch daran liegt, dass er jeden Job gerade mal wenige Stunden ausübt... Viel zu wenig, um einen guten, differenzierten Einblick in die einzelnen Tätigkeiten zu erhalten!

Das Buch ist generell unterhaltsam und der Schreibstil des Autors wirklich gut, aber Titel und Klappentext sind irreführend!

3 von 5 Schreiberpaletten

Montag, 7. April 2014

Aktion "Würzburg liest ein Buch": Leonhard Franks "Die Jünger Jesu"

Wie ihr ja vielleicht wisst, wohne ich in dem schönen unterfränkischen Städtchen Würzburg. In dieser Woche findet, initiiert u. a. von verschiedenen Buchhändlern, Büchereien und der Leonhard-Frank-Gesellschaft, eine große Aktion zu dem Buch "Die Jünger Jesu" statt. Es gibt Lesungen, Vorträge, Kunstprojekte, Zeitzeugenberichte und sogar einen Literaturexpress (Eine kleine Straßenbahn, in der aus dem Buch vorgelesen wird.).

Wider Erwarten ist mein Dienstplan diese Woche so, dass ich sogar zu zwei Vorträgen gehen kann, die mich wirklich sehr interessieren. Es handelt sich dabei um Zeitzeugenberichte über die (Nach-)Kriegszeit, und ich bin sehr gespannt, was die Betroffenen berichten werden!

Mit dem Buch habe ich gestern angefangen, und obwohl es rein von der Inhaltsangabe kein Buch wäre, zu dem ich normalerweise gegriffen hätte, gefällt es mir bislang gut. Auch wenn die Thematik schwierig und traurig ist. Es fällt mir schwer, mir Würzburg in seinem völlig zerstörten Zustand vorzustellen, da ich nur das wiederaufgebaute, wunderschöne Würzburg mit all seinen sehenswerten Kirchen und Denkmälern wie die Residenz oder die Festung Marienberg kenne. Deshalb finde ich gleich den Beginn der Geschichte sehr beklemmend:

>>> Würzburg am Main, die Stadt des Weines und der Fische, der Kirchen, gotisch und barock, wo jedes zweite Haus ein unersetzliches Kunstdenkmal war, wurde nach dreizehnhundertjährigem Bestehen in fünfundzwanzig Minuten durch Brandbomben zerstört. Den folgenden Morgen floß der Main, in dem sich die schönste Stadt des Landes gespiegelt hatte, langsam und gelassen durch Schutt und Asche, hinaus in die Zeit. <<<

Das rund um den Dom zerstörte Würzburg (April 1945).
Der Würzburger Dom heute.


Nun noch ein paar Worte zu dem Autor und seinem Werk:

Leonhard Frank wurde 1882 in ärmlichen Verhältnissen in Würzburg geboren, lebte später in München, Berlin und Zürich. Nach der Machtergreifung der Nazis flieht Leonhard Frank 1933 aus Deutschland, u. a. nach Zürich und Paris, wird zweimal in Frankreich interniert und schafft es letztendlich 1940 in die USA, wo er sich durch den Verkauf seiner Bücher, aber auch durch die Unterstützung von Hilfskomitees über Wasser hält.

1950 kehrt er nach Deutschland zurück, wo er sich in München niederlässt. Er wird Mitglied in der Bayerischen Akademie der Künste und erhält zahlreiche Auszeichnungen (u. a. die Silberne Plakette der Stadt Würzburg und das Bundesverdienstkreuz).

Leonhard Frank stirbt am 18.8.1961 in München.


"Die Jünger Jesu" schrieb Frank kurz nach Ende des 2. Weltkrieges aus seinem Exil in New York, es wurde 1949 zum 1. Mal verlegt. Das Buch spielt 1946 in Würzburg, das bei einem Bombenangriff am 16. März 1945 zum größten Teil zerstört wurde. Lebensmittel, Kleidung und alles andere Notwendige zum Leben sind Mangelware. Eine Gruppe von Kindern, die sich "Die Jünger Jesu" nennt, nimmt von den Reichen und verteilt das Diebesgut an die Armen weiter. In einer Nebenhandlung geht es außerdem noch um die jungen Frauen Ruth und Johanna. Ruth musste mit ansehen, wie ihre Eltern von Nazis erschlagen wurden, sie selbst wurde in ein Nazi-Bordell verschleppt. Nach zwei Jahren kehrt sie als wandelnde Leiche nach Würzburg zurück. Die gleichaltrige Johanna, Ruths Freundin, haust auf sich alleine gestellt in einem verfallenen Ziegenstall und verliebt sich in einen amerikanischen Soldaten.

In diesem Werk schildert Leonhard Frank die Ungerechtigkeit der Justiz im Umgang mit Alt-Nazis und das Fortleben von Nazigedankengut, was ihm die Würzburger nach Erscheinen des Romans ziemlich übel nahmen. Obwohl er 1914 mit seinem Werk "Die Räuberbande" literarischen Ruhm über die Stadt gebracht hatte, fiel Frank mit seinen Jüngern Jesu in seiner Heimatstadt in Ungnade, und erst Anfang der 80er Jahre erfolgte eine Aussöhnung durch die Gründung der Leonhard-Frank-Gesellschaft.


Ich persönlich finde es toll, dass es so eine Aktion gibt! Obwohl es ein großes Programm gibt, habe ich jedoch den Eindruck, dass sie an den meisten Würzburgern wieder mal unbeachtet vorbeigehen wird. Auch finde ich persönlich es ungünstig, dass so viele interessante Veranstaltungen an Werktagen tagsüber stattfinden - für das arbeitende Volk nicht ganz so praktisch. Ich werde auf jeden Fall kurz von den Zeitzeugenberichten erzählen, wenn es euch interessiert. 

Samstag, 5. April 2014

Rezension: "Sonntags bei Sophie" von Clara Sternberg

Daten zum Buch:
erschienen am: 13. Februar 2014
Verlag: Aufbau Taschenbuch
ISBN: 9783746625386
285 Seiten
Preis: 9,99 €

Zum Inhalt:
Rosa, Melanie und Sophie – alle drei um die 40 – sind seit Langem beste Freundinnen und unzertrennlich in guten wie in schlechten Tagen. Gemeinsam freuen sie sich wie verrückt auf Melanies Kind, das in wenigen Monaten zur Welt kommen wird.

Doch als Sophie erfährt, dass ihre schwere Erkrankung, die die Mädels nur „Godzilla“ nennen, wieder ausgebrochen ist und sie nur noch wenige Wochen zu leben hat, ist dies für alle ein schwerer Schock. Sophie hat sich entschieden, in Würde zu gehen und lebensverlängernde Maßnahmen zu verweigern. Ihr einziger Wunsch: Noch so lange leben, um Melanies Baby in den Armen halten zu dürfen.   

Fortan treffen sich die drei Freundinnen jeden Sonntag, um gemeinsam zu lachen, zu weinen, zu hoffen, Abschied zu nehmen. Dabei geht es nicht nur um Sophie, sondern auch um Rosas und Melanies Sorgen und Nöte: Rosa führt eine lieblose, fest eingefahrene Ehe mit dem emotionslosen Uwe. Und der Vater von Melanies Kind will sich nicht von seiner Lebensgefährtin trennen.

Meine Meinung:
Eins vorweg: Ich würde dringend empfehlen, dieses Buch erst zur Hand zu nehmen, wenn eine Megapackung Taschentücher griffbereit ist. Allein anhand der Inhaltsangabe dachte ich mir ja bereits, dass mich hier ein emotionales Auf und Ab erwartet, aber dieses Buch hat mich dann tatsächlich regelrecht umgehauen.

Die Geschichte wird aus Rosas Sicht erzählt, so dass wir einen tiefen Einblick in ihre Gefühle und Gedanken erhalten. Die Freundschaft zwischen den drei Frauen ist wirklich beneidenswert und sehr intensiv. Die Mädels waren mir sofort sympathisch, genauso wie die meisten anderen Charaktere, die hier noch auftreten: Stefan, Sophies unglaublich liebevoller Mann; Theo, Sophies fürsorgender Bruder; Tom, Rosas einfühlsamer Kollege, der immer das Richtige sagt.   

Der Schreibstil hat mir auf Anhieb gefallen. Das Buch liest sich sehr flüssig, Rosas Erzählstil ist locker, emotional, und dennoch fehlt hier nicht der leichte Humor. Trotz der traurigen Geschichte gibt es zwischen den Freundinnen auch heitere, unbeschwerte Momente. Und genau das ist die Gratwanderung, die der Autorin gut gelungen ist. Clara Sternberg schafft es, eine Geschichte über das Sterben und Abschiednehmen so einfühlsam zu schreiben, dass mir keinerlei Kritikpunkte einfallen wollen, so sehr ich mich auch anstrenge. Der Leser quält sich nicht über 280 Seiten tränenreich durch einen schmerzhaften Abschiedsprozess, sondern versucht zusammen mit Sophie, Rosa und Melanie, die Trauer beiseite zu schieben und die Zeit, die ihnen noch zusammen bleibt, auszukosten und für Sophie so schön wie möglich zu gestalten. Auch das Thema „Hoffnung“ und „Wunder“ wird hier öfter angeschnitten. Denn wer von uns würde nicht auf ein Wunder hoffen, wenn ein Mensch, den er liebt, sein Todesurteil erhalten hat? Doch würden wir bis zuletzt hoffen, oder kommt irgendwann die Einsicht, dass wir den Lauf des Lebens manchmal nicht ändern können und akzeptieren müssen? Diesen Findungsprozess durchleben wir zusammen mit den Freundinnen.

Dieses Buch ließ mich nach einem traurigen und zugleich schönen Ende mit vielen Emotionen zurück. Auch wenn es etwas schräg klingt, so hatte ich das Gefühl, dass ich mich mit Rosa im Laufe des Buches zusammen weiterentwickelte, was das Abschiednehmen betrifft. Trotz der Tränchen, die ich bei der Lektüre regelmäßig verdrücken musste, fühlte ich mich in diesem Buch sehr wohl und aufgehoben.

„Sonntags bei Sophie“ ließ es mir sowohl schwer als auch warm ums Herz werden. Es hat mein Herz gebrochen und gleichzeitig wieder geheilt. Ich kann an einer Hand abzählen, welche Bücher mich bislang wirklich emotional richtig tief berührt haben – „Sonntags bei Sophie“ gehört ab jetzt definitiv dazu!
 
5 von 5 Schreiberpaletten

Donnerstag, 3. April 2014

Rezension: "Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra" von Robin Sloan

Daten zum Buch:
erschienen am: 3. März 2014
Verlag: Karl Blessing Verlag
ISBN: 9783896674807
352 Seiten
Preis: 19,99 €

Zum Inhalt:
Als Clay Jannon seine Stelle als Webdesigner verliert, bleibt ihm nichts Anderes übrig, als sich in San Francisco auf Jobsuche zu begeben. Er wird fündig in Mr. Penumbras Buchhandlung: Das rund um die Uhr geöffnete Geschäft sucht noch einen Mitarbeiter für die Nachtschicht. Der Job klingt zwar langweilig, aber auch nach leicht verdientem Geld.

Schnell merkt Clay, dass es sich hier um keinen normalen Buchladen handelt, denn neben dem Verkaufsraum gibt es noch haushohe Regale mit codierten Büchern, die nicht gekauft, sondern nur ausgeliehen werden. Außerdem soll Clay die wenigen Kunden, die sich nachts in den Laden verirren, in einem geheimnisvollen Buch dokumentieren. Was haben sie an, wie verhalten sie sich, welches Buch haben sie ausgeliehen?

Clay merkt schnell, dass er hier etwas Spannendem auf der Spur ist. Zusammen mit seinen Freunden versucht er, Mr. Penumbras Geheimnis zu lüften.

Meine Meinung:
Die Geschichte wird aus Clays Sicht erzählt. Das erste Drittel zog sich ziemlich. Die Handlung dümpelte vor sich hin, ich kam kaum vorwärts und legte das Buch öfter mal weg, da ich mich langweilte. Zum Glück nahm die Handlung danach an Fahrt auf. Man braucht also einen langen Atem, bis es endlich spannend wird.

Clay ist ein sympathischer junger Mann, der mir aber erst im Laufe des Buches ans Herz wuchs. Anfangs war mir seine Fixierung auf alles, was mit Computern zu tun hat, etwas zu viel. Aber es legte sich zum Glück wieder – bzw. es relativierte sich, nachdem ich die Google-verstrahlte Kat kennenlernte, die wohl von niemandem zu toppen ist. Ich kann mir nicht helfen, aber ich mochte Kat einfach nicht. Mr. Penumbra ist ein liebenswerter, anfänglich jedoch sehr undurchsichtiger Kauz. Am tollsten fand ich eigentlich Clays besten Freund Neel, der dank seines Reichtums für Clay eine große Hilfe ist in der Auflösung des Geheimnisses. Auch alle anderen Nebencharaktere sind weit entfernt vom normalen 08/15-Spießbürger.

Im Endeffekt sind alle Figuren in diesem Buch Nerds – egal, ob nerdig in Bezug auf Computer oder Bücher. Hierbei fand ich die ganzen technischen Details schwierig. Da ich kein Informatiker bin und mich auch wenig für so etwas interessiere, fand ich manche Beschreibungen von Programmen, Codes etc. etwas anstrengend und langweilig. Für Technikfreaks ist das vielleicht interessant, für mich nicht.

Viele Leser kritisieren den großen Stellenwert von Google. Ich bin in dieser Sache etwas zwiegespalten. Clay ist nunmal ein PC-Freak und arbeitet gerne mit Google. Dann arbeitet Kat auch noch dort, so dass Google einfach eine große Rolle spielt beim Entdecken des Geheimnisses. Letzten Endes war es mir zwar zwischendurch etwas zu auffällig, wie oft der Laden erwähnt wurde, andererseits nutzen wir doch alle tagtäglich Google oder all die anderen erwähnten Medien (Amazon, Kindle, Facebook u.a.), es ist also durchaus realistisch, dass diese in Clays und Kats Nerd-Leben so wichtig sind.

Nur ist es vielleicht etwas ungünstig, ganz groß auf dem Buchrücken damit zu werben, dieses Buch sei „eine bezaubernde Liebeserklärung an die Welt der Bücher“. Hier scheinen die neuen Medien im Mittelpunkt zu stehen, von einer Liebeserklärung an die Bücherwelt erstmal keine Spur. Erst gegen Ende des Buches habe ich persönlich es so empfunden, dass die neuen Medien die alten (Bücher) nicht ersetzen können, sie spielen gleichermaßen eine wichtige Rolle, und es wird die Botschaft vermittelt, dass sich beide ergänzen und zusammen eingesetzt werden können, um füreinander einen Mehrwert zu erzielen. Mit dem Ende konnte ich deshalb leben, das Geheimnis wurde gelüftet, (fast) alle sind glücklich und zufrieden.

Das Buch ist ein abgeschlossener Einzelband, worüber ich mich wirklich freue bei all den Buchreihen, die auf den Markt geschmissen werden. Es gibt jedoch noch für 99 Cent ein ca. 64 Seiten starkes eBook mit dem Titel „Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra“, das die Geschichte des jungen Penumbra erzählt, also zeitlich vor diesem Buch angesiedelt ist.

3,5 von 5 Schreiberpaletten