Donnerstag, 29. Mai 2014

Neuzugänge

Anhand der Masse meiner Neuzugänge dachte ich mir so: "Na ja, jetzt hast du ja auch schon nen Monat oder so keine Neuzugänge gepostet, da ist das ja im Verhältnis gar nicht sooo viel." Und jetzt sehe ich, dass mein letzter Neuzugänge-Post gerade mal 2 Wochen her ist. Argh!

Rezensionsexemplare


- Chris Lind, "Kein Gott wie jeder andere": Lese ich gerade für eine Leserunde auf LovelyBooks. Die griechischen Götter haben irgendwie die ganze Zeit geschlafen und wachen nun in unserer Zeit wieder auf. Und weil Griechenland pleite ist, suchen sie sich das schöne Deutschland als neue Heimat aus. Und wo steppt der Bär am meisten hier? Ganz klar: In Kassel! Bislang ziemlich lustig.

- Melissa Darnell, "Herzblut - Wenn die Nacht stirbt": Der 3. Band der Herzblut-Saga und eine schöne Überraschung von "Blogg dein Buch", die Bloggern, die schon die Vorbände rezensiert haben, den finalen Band einfach so geschickt haben. :-)

- Ilona Schmidt, "Katertage zum Verlieben": Hallo - Katze auf dem Cover?! Natürlich musste ich mich da gleich mal auf die LB-Leserunde bewerben. Mein nächstes Buch nach den griechischen Göttern.


Gewonnen


- Anne Hansen, "Fräulein Jensen wird zur Traumfrau": Dieses Buch inkl. ein paar Postkarten und Leseproben habe ich bei der Welttagsaktion auf dem Blog "Clarodeluna - Fantastische Bücherwelt" gewonnen. Die Fräulein Jensen-Bücher wollte ich schon immer mal lesen.

- Philipp Pullman, "Der goldene Kompass": Gewonnen auf Anjas und Danas Blog "Bambinis Bücherzauber". Hach, ich liebe die Welttagsausgaben!

 
Gekauft


Eine Nicht lustig-Buchstütze mit dem Tod und dem Pudel des Todes. Für 2,50 € ein hübsches Schnäppchen. :-)

- Gwen Cooper, "Homer & ich. Wie mir ein blindes Kätzchen die Freude am Leben zurückgab": Das Buch ist schon länger auf meiner Wunschliste. Für 1,30 € im BRK-Antiquariat mitgenommen, als ich meine Schwester in Nürnberg besucht habe. Was soll ich sagen - ich bin halt ein Katzenopfer...

- "Die 50 besten Yogahaltungen": Nachdem mein VHS-Kurs gestern zu Ende ging, muss ich mich mal dazu aufraffen, ein paar der Übungen auch daheim zu machen. Für 2,99 € bei KiK entdeckt.

- Helen Brown, "Cleo. Wie ich das Lachen wieder lernte": Zusammen mit "Homer & ich" ebenfalls für 1,30 € beim BRK gekauft. Und jetzt alle: OOOOOOOOOPFER!!!!!!!!!!!!!!!!  

- Julie Kagawa, "Unsterblich. Tor der Dämmerung": Die Leseprobe damals fand ich sehr spannend, da musste ich zuschlagen: Auf dem Hugendubelwühltisch für 2 €!

- Beate Schaefer, "Weiße Nelken für Elise. Die Liebe meiner Großeltern zwischen Wehrmachtsbordell und KZ": Steht schon länger auf meiner Wunschliste, ebenfalls bei Hugendubel für 3 € entdeckt.

- Graeme Simsion, "Das Rosie-Projekt": Ebenfalls von meiner Wunschliste. Sieht zwar ziemlich lädiert aus, aber für 4 € vom Hugendubel-Grabbeltisch kann man nicht meckern.

- Sara Grant, "Neva": Och, bei einer Jugenddystopie, die Hugendubel für 2 € rauspfeffert, kann man doch nicht Nein sagen, oder?


Ertauscht


- Erin Hunter, "Survivor Dogs. Die verlassene Stadt": Schon erwähnt, dass Hunde auf dem Cover ebenfalls bei mir ziehen? ;-) Für 2 Tickets fast wie neu ertauscht.

- Ben Aaronovitch, "Schwarzer Mond über Soho": Da ich ja schon den 3. Band hier habe und nun schon der 4. rauskam, musste ich mir endlich mal den 2. Band zulegen. Für 2 Tickets ertauscht.

- Rosemarie Eichinger, "Alles dreht sich": Hatte bei der Leserunde damals kein Glück, aber nun für 1 Ticket ergattert.

- Anne Gesthuysen, "Wir sind doch Schwestern": Klingt ganz nett, hab ich spontan im Tauschregal um die Ecke mitgenommen.

Allerdings hatte ich auf Tauschticket auch gerade ein Frusterlebnis. Ich konnte den Schuber der Göttlich-Trilogie in angeblich neuem, ungelesenem Zustand für 5 Tickets ergattern und hab mich schon wie bolle gefreut. Meine Tauschpartnerin hat allerdings den Tausch nicht bestätigt, so dass er rückgängig gemacht wurde. Mich hat's ja auch ein bisschen gewundert, dass die Tauschpartnerin, deren Profil neu angelegt war, so viele Hardcover-Jugendbücher für so wenige Tickets rausgehauen hat, alle noch angeblich nagelneu. Jetzt habe ich aber gesehen, dass zeitgleich mit meinem Tausch noch 32 weitere rückgängig gemacht wurden! (Man bekommt dann ja 0 Sterne-Bewertungen dafür.) Da hat sich wohl jemand gedacht, er verarscht die Leute ein bisschen. Echt, sowas find ich einfach nur sch***e!

So, das war's dann aber auch "schon". Mein Tablet hab ich immer noch nicht zurück nach nun über einem Monat Bearbeitungszeit! Ich mein: Geht's noch?! Und wenn ich hinmaile, kriege ich immer nur die Antwort, dass der Verkäufer nicht wisse, wie der Bearbeitungsstand ist, weil das ja direkt an Lenovo ging. Von denen krieg ich aber als Endkunde keine Auskunft, wurde mir gesagt. Ich komm mir tierisch verarscht vor, ich hatte das Teil gerade mal 2 Monate und kaum benutzt, da geht es kaputt, und dann brauchen die über einen Monat, um es zu reparieren! Ich muss mich echt mal erkundigen, ob es nicht doch noch eine Möglichkeit gibt, das Ding komplett zurückzugeben. Ich bin echt stinksauer!!!

Sonntag, 25. Mai 2014

Rezension: "Henning flieht vor dem Vergessen. Ein Roman über Würde, Alzheimer-Erkrankung und Sterbehilfe" von Hilda Röder

Daten zum Buch:
erschienen am: 7. Juli 2013
Verlag: Printsystem Medienverlag
ISBN: 9783938295748
328 Seiten
Preis: 24, 80 €

Zum Inhalt:
Amsterdam 2009: Der lebensfrohe 68jährige Henning Landes erhält von seinem Arzt eine niederschmetternde Diagnose. Er leidet an Alzheimer, wann und wie stark die Krankheit vollends ausbrechen wird, ist ungewiss. Doch Henning, der an seinem Opa bereits die verheerenden Folgen dieser tückischen Krankheit miterleben musste, fasst einen Entschluss: Lieber möchte er in Würde sterben, als sich selbst zu verlieren und seiner Familie zur Last zu fallen.

Zusammen mit seinem Hausarzt beantragt Henning bei der Euthanasie-Kontroll-Kommission das Recht auf eine ärztlich begleitete Selbsttötung. Während er bang auf die Entscheidung wartet, verabschiedet er sich langsam von geliebten Menschen, Orten, Dingen und erinnert sich an sein bisheriges Leben. Und immer wieder kommen ihm Zweifel, ob er den Schritt zum Freitod wirklich wagen soll. Denn darf seine Würde ihm wichtiger sein als die Menschen, die ihn lieben und die ihn nicht gehen lassen wollen?

Meine Meinung:
Dieser Roman beruht auf Tatsachen, die die Autorin selbst so miterleben durfte. Hennings Geschichte hat es also in dieser bzw. einer ähnlichen Form gegeben, und sogar kleine, nur kurz erwähnte Nebencharaktere haben reale Vorbilder. Hilda Röder weiß, wovon sie schreibt, denn sie gründete 1990 einen ambulanten Hospizdienst, betreut Bewohner in einem Pflegeheim und erlebte als gebürtige Niederländerin bereits mehrmals in ihrer eigenen Familie ärztlich assistierte Sterbehilfe.

Hennings Geschichte ereignet sich in den Niederlanden, das erste Land der Welt, das 2002 ein Sterbehilfegesetz verabschiedete. Dies erklärt natürlich, wieso Henning nach Erhalt der Diagnose Sterbehilfe beantragen kann; für uns in Deutschland ist dies bislang noch undenkbar. Das Thema „Sterbehilfe“ kam mir natürlich schon das ein oder andere Mal in den Sinn, doch da es hierzulande verboten ist, machte ich mir nie intensivere Gedanken darüber, auch weil ich bislang glücklicherweise noch nicht davon betroffen war.

In diesem Buch werden die großen, wichtigen Themen Alzheimer/Demenz, Sterbehilfe und Würde behandelt. Indem man als Leser in die Gedankenwelt eines Betroffenen eintaucht, befasst man sich zwangsläufig selbst intensiv damit. Wie würde ich an Hennings Stelle handeln? Oder auch an Stelle seiner Familienmitglieder? Es wird viel diskutiert – Henning führt mit sich selbst Streitgespräche, aber muss sich auch seiner Familie stellen, in der nicht alle seine Entscheidung zum begleiteten Freitod akzeptieren wollen. Genau wie Hennings Familie empfand ich es als ein großes Dilemma, dass Henning beim Ausführen des Suizids noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein muss. Dies bedeutet, dass Henning aus dem Leben scheiden muss, so lange die Krankheit noch nicht richtig ausgebrochen ist. Das wiederum bedeutet, dass er vielleicht noch etliche schöne Jahre vor sich hätte, die er quasi wegwerfen möchte aus Angst davor, seine Würde zu verlieren.

Es gab viele Momente, in denen ich einen Kloß im Hals hatte, und ja, es sind auch ein paar Tränchen gekullert. Dennoch fand ich das Buch nicht in 1. Linie traurig oder beklemmend, und für mich stand auch nicht im Vordergrund, wie sich Henning nun letztendlich entscheiden wird. So habe ich auch Hennings Erzählungen aus seiner Vergangenheit genossen und fand es sehr interessant, wie es z. B. in Amsterdam zur Nachkriegszeit aussah. Viele seiner Erinnerungen sind traurig, etliche aber auch fröhlich und voller Lebensfreude. Für mein Empfinden dominieren in diesem Buch nicht die negativen Gefühle wie Angst oder Trauer, sondern die positiven: Henning ist ein Mensch, der das Leben liebt, und das kommt sehr deutlich rüber. Beeindruckend fand ich sein Verhältnis zu seiner Familie. Der Umgang zwischen Henning und seinen Angehörigen ist sehr liebevoll, sie sind immer füreinander da, auch in schlimmen Zeiten. So kümmerte sich Henning selbst aufopferungsvoll um seinen Opa, seine Mutter, seine Schwester und seine Tante bis zu deren Tod – mit ein Grund, weshalb er Angst davor hat, selbst zum Pflegefall zu werden.

Ein kleiner Wermutstropfen waren für mich persönlich die nicht wenigen Grammatik- und Tippfehler, über die ich beim Lesen gestolpert bin und die ich leider einfach nicht ausblenden konnte. Ich würde mir hier wünschen, dass für eine Neuauflage nochmal ein Lektor drüberschaut! An manchen Stellen, v. a. bei Hennings Selbstgesprächen, fand ich außerdem die Sprache etwas holprig bzw. unnatürlich.

Positiv hervorheben möchte ich im Gegensatz dazu das Layout. Das hochwertige Hardcover-Buch hat ein schönes Format und wirkte auf mich optisch auf den 1. Blick eher wie ein Fachbuch als ein Roman. Die große Schrift ist sehr angenehm zu lesen und für Menschen mit Sehschwäche sicherlich eine Erleichterung. Im Anhang findet sich noch eine Liste mit Alzheimer-Gesellschaften und Anlaufstellen.

Hilda Röder ist es gelungen, schwierige Themen sehr einfühlsam und respektvoll zu behandeln. Sie drängt niemandem eine endgültige Meinung zum Thema „Sterbehilfe“ auf, sondern lässt den Leser sich selbst seinen Standpunkt wählen und seine eigene Definition von „Würde“ finden. „Henning flieht vor dem Vergessen“ ist definitiv ein emotionales Buch, das man nach der letzten Seite nicht weglegt, sondern dessen Inhalt den Leser noch lange danach begleitet und im Idealfall dazu führt, dass man sich – falls nicht schon vorher geschehen – seine eigenen Gedanken zu diesen Themen macht.

4,5 von 5 Schreiberpaletten

Donnerstag, 22. Mai 2014

Vorabpremiere: Kinofilm zu "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" ("The Fault in Our Stars")

Vor ein paar Tagen durfte ich mit meiner Freundin Eva die Vorvorpremiere von "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" im englischen Original anschauen. "Filmstarts" zeigt den Film vorab in ausgewählten Städten, und Eva konnte zwei Tickets ergattern. Es war eigentlich ein großer Zufall, dass ich dabei sein konnte, denn wir wohnen 3 Stunden auseinander, doch just zu dem Zeitpunkt war ich bei ihr zu Besuch, weil ich Urlaub hatte.

Zum Film gab es auch noch eine Packung
Taschentücher für jeden Besucher. ;-)
Wir waren ziemlich baff, als wir bei der Ankunft im Kino erstmal in einer langen Schlange warten mussten - obwohl wir 45 Minuten vor Filmstart da waren, hatte ich schon Angst, dass wir in der 1. Sitzreihe landen würden bei so viel Andrang, aber wir hatten dann doch ganz gute Plätze in den hinteren Reihen. Nach ein bisschen Vorgeplänkel (Das Team stellte sich kurz vor, es wurde ein kleines Gewinnspiel veranstaltet, bei dem jemand ein iPad gewonnen hat - leider nicht ich :-( -, man musste sich noch eine kleine Doku über den neuen "Godzilla"-Film anschauen.) ging es dann also los. Ich hatte das Buch, das schon seit Längerem auf meinem SuB schlummert, extra noch kurz vorher gelesen und war gespannt, wie man dieses hochemotionale Thema umgesetzt hatte. 

Mit Buchverfilmungen ist das ja immer so: Man kann es nicht Allen rechtmachen. Das Buch war ja noch ganz frisch in meinem Kopf präsent, und ich war überrascht, wie streng sich der Film an die Romanvorlage gehalten hat. Oft wurden Sachen auch wortwörtlich wiedergegeben, und ich hatte das Gefühl, dass ich den Roman genau nochmal so in Bildern erlebe. Es gab allerdings trotzdem ein paar Dinge, die ich zu bemängeln habe, weil sie mir gefehlt oder mich gestört haben.

1. Gus' verstorbene Ex-Freundin wurde mit keinem einzigen Wort erwähnt. Ich finde das eigentlich einen wichtigen Punkt, den man nicht einfach weglassen sollte.

2. Van Houten wird als sehr dick beschrieben. Im Film wird er von einem regelrecht magersüchtigen Willem Dafoe verkörpert. Zugegeben: Dafoe ist ein grandioser Schauspieler, und im Endeffekt ist es wohl auch egal, ob Van Houten dick oder dünn ist. Aber ich war schon recht erstaunt, wie die Rolle besetzt wurde.

3. Hazels Freundin wurde auch nicht erwähnt. Obwohl das auch nicht so wild ist - ich empfand Kaitlyn sowieso als egozentrisch und unsympathisch. Aber es wäre vielleicht doch ganz nett gewesen, noch einen Teenager auftreten zu lassen, der nicht an Krebs leidet, quasi so als Gegenpol.

Mit den Schauspielern ist das ja auch immer so eine Sache. Ich hatte mir wirklich jede Figur ganz anders vorgestellt. Mit Hazel war ich schnell versöhnt, denn Shailene Woodley spielt wirklich super. Sie hat richtig diesen zynischen L.m.a.A.-Blick drauf, wirkt aber auch bei den romantischen Szenen mit Gus sehr verliebt. An Ansel Elgort musste ich mich aber erstmal gewöhnen. Mir hat er rein optisch gar nicht zugesagt, aber auch er hat so gut gespielt, dass ich irgendwann darüber hinwegsehen konnte. (Vielleicht sind auch einfach die Geschmäcker verschieden bei Teenagern und Erwachsenen, und die 16jährigen unter euch finden Ansel Egort total geil.) Zusammen haben die beiden aber wirklich überzeugend agiert - da ich "Die Bestimmung" nicht kenne, hatte ich auch nicht dieses Inzest-Gefühl im Hinterkopf wie vielleicht andere Zuschauer. ;-)

Hazels Eltern sowie Isaac oder Lidewij (Die aussieht wie ein Topmodel.) hatte ich mir auch ganz anders vorgestellt. Das war aber letztendlich egal, da alle Schauspieler ihren Job wirklich gut gemacht haben.

Der Film ist wie das Buch: Traurig, aber nicht kitschig, mit sehr starken Persönlichkeiten. Den Schauspielern ist es gelungen, die Emotionen im Buch auf die Leinwand zu übertragen. Es gibt nicht nur traurige Szenen, sondern auch den ein oder anderen Schmunzler. (Dass allerdings der ganze Saal ständig gebrüllt hat vor Lachen, fand ich dennoch etwas übertrieben. Gus musste Hazel ja nur mal schief angucken, da wurde schon im Kollektiv gelacht. Weiß nicht, ob sich da zu viele Teenagerhormone in einem Raum befanden, ich fand dieses übertriebene Gekichere irgendwann echt anstrengend...)

Ich denke, die meisten werden mit der Verfilmung zufrieden sein, da hier sehr gute Schauspieler engagiert wurden und man sich stark an die Buchvorlage gehalten hat.

Freitag, 16. Mai 2014

[Blogg dein Buch] Rezension: "Verpissimo! Ein Sommer in Italien" von Anna Gold

Daten zum Buch:
erschienen am: 12. Mai 2014
Verlag: Mira Taschenbuch
ISBN: 9783956490095
304 Seiten
Preis: 8,99 €
HIER bestellbar!

Zum Inhalt:
Dana und Mel, beide Mitte 20, sind seit Schultagen beste Freundinnen. Während es die nicht sehr helle, dafür aber gut aussehende Mel als Chefsekretärin nach München verschlagen hat, langweilt sich die unterbezahlte Dana im öffentlichen Dienst zu Tode. In der Liebe sieht es auch nicht so rosig aus: Danas große Liebe Mickey ist nicht nur wortkarg, sondern kann sich auch nicht gegen seine extrem dominante Mutter durchsetzen. Mels Dauerfreund Klaus hingegen scheint sie zu betrügen.

Kurzerhand beschließen die beiden, nach Italien auszuwandern, um dort eine Pension zu eröffnen. Mel investiert das Erbe ihrer Tante sowie ein Darlehen ihrer Eltern in eine Villa im Piemont. In Italien angekommen, läuft alles schief, was nur schieflaufen kann. Zwar ist die Pension entgegen aller Befürchtungen recht gemütlich, doch mangelt es den Freundinnen nicht nur an einem Geschäftsplan, der nötigen Knete, Pensionsgästen und Italienischkenntnissen; sie haben auch noch mit Vorbesitzer Mastro einen ungebetenen Gast, der gar nicht einsieht, aus seinem alten Haus auszuziehen... 

Meine Meinung: 
Es tut mir leid, das so direkt sagen zu müssen, aber dieses Buch war für mich ein ziemlicher Flop. Ich habe mich wirklich ganz schön durchquälen müssen. Vielleicht hat mich das Buch auf dem falschen Fuß erwischt und ich war gerade nicht im Chick Lit-Modus. Vielleicht mögen andere das Buch megalustig finden. Aber bei mir hat es wirklich gar nicht gezündet.

Beide Protagonistinnen waren für mich unerträglich. Die Ich-Erzählerin Dana, Mitte 20, arbeitet in einer Behörde bei Frankfurt, was natürlich furchtbar langweilig und unterirdisch schlecht bezahlt ist. Sie hat einen – wie oft betont wird – ultrahässlichen Freund und allgemein ein Faible für hässliche Kerle. Ihr Freund Mickey ist komplett abhängig von seiner Mutter Corabelle (Danas Spitznamen „Kontradelle“ fand ich leider sehr unlustig.), die Dana hasst und alles tut, um sich zwischen das junge Paar zu drängen. Sehr erfolgreich, denn Mickey fliegt spontan für 6 Monate mit seiner Mutter alleine nach Florida und soll danach sein Studium in Hamburg fortsetzen. Dana wird nicht gefragt, Mickey kriegt prinzipiell das Maul nicht auf, hat keine eigene Meinung und lässt alles seine bösartige Mutter erledigen, selbst das Schlussmachen am Flughafen.
Dana schafft es nicht, sich zu entblöden, schluckt jede Kröte, entschuldigt auch noch Mickeys und Kontradelles Verhalten, zerfließt in Mitleid und Liebe zum ach so armen Mickey, an dem eigentlich überhaupt nichts toll ist. Obwohl er die Liebe ihres Lebens ist, verliebt sie sich in Italien dann aber doch nach 5 Sekunden in den nächsten potthässlichen Typen. Ich betone das „hässlich“ absichtlich, denn es wird gerne darauf herumgehackt, wie schlecht Danas Männergeschmack ist.

Dann haben wir noch Mel. Sie ist dumm wie ein Eimer Treibsand, hat es dennoch dank ihres Aussehens zu einem saugut bezahlten Job gebracht, klar. Mit ihrem Freund Klaus, einem rustikalen Natur- und Käferfreak, ist sie seit der Pubertät zusammen, aber sie ist sich ganz sicher, dass er sie betrügt – natürlich ohne jegliche Beweise. Mel sieht furchtbar gut aus, was Dana, die natürlich im Gegensatz dazu mollig und unscheinbar ist, sehr gerne und oft betont. Außerdem ist Mel sehr weinerlich und hat gegen so ziemlich alles eine (eingebildete) Allergie, was auch noch so ein Nervfaktor ist.

Mel ist also toll und dumm, Dana unscheinbar, aber dafür schlau. Allerdings nicht so schlau, Mel davon abzuhalten, Hals über Kopf über einen fragwürdigen Makler eine alte Pension in Piemont zu kaufen. Mel steckt also ihr komplettes Erbe von 40.000 € in das Häuschen, nimmt dazu noch 60.000 € Kredit auf und setzt damit das Haus ihrer Eltern aufs Spiel. Und all das, ohne die Pension mal besichtigt zu haben und in dem Glauben, dass Piemont direkt am Meer liegt (Soviel dazu, wie viele Gedanken sich die Geldgeberin gemacht hat.). Dass die beiden nicht Italienisch sprechen (und Mel nichtmal Englisch), kommt auch noch erschwerend hinzu.

Ich fand beide Mädels einfach nur nervig. Ich hatte die Hoffnung, dass sich wenigstens eine der beiden in eine positive Richtung hin entwickelt, aber da wurde ich leider enttäuscht. Zwar hat Dana ihre beste, tolle Freundin mit der Zeit doch etwas realistischer betrachtet und gemerkt, dass sie eine jammernde Egoistin ist, aber das war’s auch schon. Auch in punkto Beziehung ließen beide Damen nicht gerade den besten Charakter durchblicken – wenn ich angeblich meinen langjährigen Freund sooo sehr liebe, knutsche ich nicht gleich mit einem Anderen, den ich gerade seit ein paar Stunden kenne, herum oder lande sogar mit ihm im Bett, nur weil er genau mein Typ ist, oder? Na gut, vielleicht sehe ich das zu verkrampft.

Dazu noch ständig die Betonung, wie eklig und stinkig Mastro, der unliebsame Hausgast, ist – die Ausführungen über Mastros Körperausdünstungen, die sich seit der 1. Szene, in der er auftaucht, konsequent durch das Buch ziehen, waren so übertrieben, dass mir beim Lesen teilweise regelrecht schlecht wurde. Eigentlich hätte ich mir den Spaß erlauben und eine Strichliste machen sollen, wie oft Wörter mit dem Wortstamm „stink“ vorkommen.

Die witzigen Szenen hielten sich stark im Rahmen. Wirklich lachen konnte ich über nichts, die kurzen Schmunzelmomente konnte ich an einer Hand abzählen. Die Missverständnisse und Missgeschicke fand ich auch nicht komisch, sondern nervig und übertrieben. Und von Italien an sich kriegt man eigentlich kaum etwas mit. Außer natürlich, dass Italiener generell korrupt sind und nichts ohne Gegenleistung machen.

Das Ende hat mich dann auch keineswegs versöhnt. Natürlich gibt es erwartungsgemäß ein Happy End, und ich kann jetzt leider nicht konkret schimpfen, weil ich sonst zu arg spoilern würde. Ich sag nur soviel: Die beiden Damen entwickeln sich nicht wirklich weiter. Dana entblödet sich tatsächlich nicht mehr in diesem Buch und tut in punkto Männern genau das, was ich nicht gehofft hatte. Dass ihr neuer „Beruf“ dann auch für sie die absolute Erfüllung ist, ist Einstellungssache, aber für mich war es einfach nur die gemütlichste Lösung für sie.

Mein persönliches Fazit: Das Lustigste an diesem Buch ist der gelungene Titel „Verpissimo!“, der mich – zusammen mit dem vielversprechenden Klappentext – auf ein lustiges Abenteuer in Italien hoffen ließ. Mir haben allerdings weder die Figuren noch die Handlung gefallen.

2 von 5 Schreiberpaletten
Vielen Dank an "Blogg dein Buch" und den Mira Taschenbuch-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 14. Mai 2014

Neuzugänge

*räusper* Mein Name ist Bianca und ich habe ein Problem. Ich habe es wieder getan...

Rezensionsexemplare


- Hilda Röder, "Henning flieht vor dem Vergessen": Ein Buch über Demenz. Schon bei der Bewerbung für das Buch wurde viel diskutiert, und ich freue mich sehr auf die Leserunde, die sicherlich emotional und interessant sein wird. Die Autorin gibt sich richtig viel Mühe und hat die ursprünglich 10 Leseexemplare auf 20 Stück aufgestockt. Ich hab gefragt, ob ich vielleicht eine Widmung haben kann, was sie mir prompt erfüllt hat. :-)

- Anna Gold, "Verpissimo! Ein Sommer in Italien": Rezensiere ich für "Blogg dein Buch", meine aktuelle Lektüre und ganz ehrlich - ich bin jetzt auf Seite 124 und finde es furchtbar... Mal gucken, ob die Autorin noch was reißt oder ob ihr endlch mal wieder eine Rezi unter 4 Sternen von mir zu lesen bekommt. ;-)

- Prof. Dr. Ingo Froböse, "Das Turbostoffwechselprinzip": Da ich auch mit der ein oder anderen Tonne zu viel auf den Rippen kämpfe, schlich ich lange um dieses Buch herum, um mich dann doch noch auf den letzten Drücker auf die große Leserunde (60 Teilnehmer!) zu bewerben. Ich glaube nicht unbedingt an diese ganzen Abnehmratgeber, aber möchte mich wirklich bemühen, die Tipps darin umzusetzen.


Gewonnen

Ich schäm mich schon fast zu zeigen, wieviel ich in letzter Zeit abgegriffen habe. Der Umstand ist natürlich dem Welttag des Buches geschuldet - zwar sind das nicht alles Gewinne aus Welttagsverlosungen, aber trotzdem hatte ich in den letzten zwei Wochen wirklich unverschämt viel Glück.


- Heike Eva Schmidt, "Die gestohlene Zeit": Eine Verlosung der Autorin auf LB zum Welttag des Buches. Ich lese ja nicht so viel Fantasy, aber das klang einfach sehr nett. Nett ist auch die Widmung der Autorin. :-) Habe ich schon erwähnt, dass ich signierte Bücher liebe?!

- Kevin Brooks, "Bunker Diary": Auf dieses Buch bin ich total gespannt. Ich habe es auf der Facebookseite des dtv gewonnen, und das Buch ist signiert. :-)

- Frida Mey, "Radieschen von unten": Bei der Leserunde damals hatte ich Pech, umso mehr hab ich mich gefreut, das Buch bei den Welttags-Verlosungen auf LB zu gewinnen. Bereits den 1. Band "Manchmal muss es eben Mord sein" fand ich sehr witzig.

- Leonhard Frank, "Die Jünger Jesu": Der aufmerksame Blogleser wird jetzt aufmerken - hat sie dieses Buch nicht schon selbst gekauft? Jepp, hab ich, da ich es ja für die Aktion "Würzburg liest ein Buch" unbedingt lesen wollte. Der Würzburger Verkehrsverbund hat aber ein kleines Buchpaket verlost, bestehend aus diesem Buch und einem Überraschungsbuch. Dieses Buch möchte ich gerne jemandem schenken, der es so gerne lesen möchte wie ich. 

- Francois Lelord, "Hector und die Suche nach dem Glück": Das hier war dann das Überraschungsbuch zu "Die Jünger Jesu". Ich freue mich über Zugang zu meiner "Welttagausgaben-Sammlung" (Findet ihr die Bücher nicht auch irgendwie schick?), wenngleich ich das Buch schonmal vor einigen Jahren angelesen habe und ziemlich sicher bin, dass es nicht mein Fall ist.


Gekauft/ertauscht


- Ally Condie, "Cassia & Ky. Die Ankunft": Zugegeben, es ist etwas doof, den 3. Teil zu kaufen, wenn man nichtmal die ersten beiden Bände gelesen hat. Aber ich möchte die Reihe sowieso mal lesen, und das Buch gab's heute bei Hugendubel auf dem Wühltisch für 2 €. Ich meine: 2 €!!! 

- John Niven, "Gott bewahre": Steht schon seit Jahren auf meiner Wunschliste, neulich auf dem Flohmarkt hab ich für 1,50 € zugeschlagen.

- Carina Bartsch, "Kirschroter Sommer": Mit dem Buch liebäugle ich auch schon länger. Getauscht mit einer Userin auf "Was liest du?".

- Christine Neubauer, "Vollweib pur": Aus dem Umsonstladen mitgenommen, ich fand's irgendwie witzig. Außerdem hasst mein Freund aus mir unerklärlichen Gründen Christine Neubauer, alleine deshalb musste ich es mitnehmen, um ihn zu ärgern. :-D Ich werde aber auch sicherlich mal reingucken, vielleicht hat Frau Neubauer ja endlich mal den ultimativen Geheimtipp für mich, wie ich langfristig abnehme. ;-)

- Anne Hertz, "Die Sache mit meiner Schwester": Auf das Buch habe ich seit seiner Erscheinung ein Auge geworfen. Für 3 Tickets auf Tauschticket ergattert, sieht aus wie neu.


Sodele, lassen wir das Geplänkel: Dass ich ein kleines Problem habe, wissen wir nicht erst seit diesem Neuzugänge-Post! Der Antrag auf eine Selbsthilfegruppe in Würzburg läuft.

Dienstag, 13. Mai 2014

Ich bin berüüüüüüüüühmt!

Na gut, eventuell übertreibe ich ein klitzekleines bisschen. Aber genau das habe ich meinem Freund zugerufen, begleitet von einem heftigen Die-Arme-Hochreißen und einem fröhlichen Hüftwackeln, als ich auf die Facebook-Seite des Aufbau-Verlages schaute. Eva hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass man dort meine Rezension zu "Sonntags bei Sophie" verlinkt hätte. Ich habe das gar nicht gesehen, obwohl ich die Seite natürlich like - nach welchem Muster mir Facebook Sachen im News Feed anzeigt, ist mir immer noch total schleierhaft. Von manchen Seiten wird man förmlich zugemüllt, und von manchen werden noch nichtmal die Highlights angezeigt.

Jedenfalls habe ich mich wie bolle gefreut, dass der Verlag meine Rezension für zitierenswert befand! Nachdem mein Blog ja doch recht unbekannt und klein ist, ist das für mich schon ein echtes Highlight! Zwar ist der Beitrag nun schon wieder ein paar Tage alt, aber vielleicht findet ja doch der ein oder andere neue Leser darüber auf meinen Blog.


Montag, 12. Mai 2014

Rezension: "Sechs Millionen Kekse im Jahr. Ein Jahr im Leben von Touretteshero" von Jessica Thom

Daten zum Buch:
erschienen am: 9. April 2014
Verlag: Hans Huber
ISBN: 9783456853680
220 Seiten
Preis: 24,95 €

Zum Inhalt:
Jessica Thom leidet am Tourette-Syndrom. Sie kann viele ihrer Laute und Bewegungen nicht kontrollieren und lässt häufig Schimpfwörter los. Ein besonderer Tic von Jessica ist es, das Wort „Keks“ (bzw. „biscuit“) zu sagen, und zwar circa 16 Mal pro Minute. Das macht summa summarum ganze 6 Millionen Kekse im Jahr!

In ihrer Autobiographie schildert Jessica in vielen kurzen Beiträgen ein Jahr in ihrem Leben. Sie erzählt von ihrer Krankheit, ihrer Familie, ihren Freunden, ihrer Arbeit und den Reaktionen ihrer Mitmenschen, die nicht immer sehr freundlich zu ihr sind. Dabei verliert Jessica nie ihren Humor. Sie hat das Projekt „Touretteshero“ ins Leben gerufen, bereits zahlreiche TV-Auftritte absolviert, und unterhält und klärt gleichermaßen auf  mit ihren Internetvideos. 

Meine Meinung:
Dies ist mein zweites Tourette-Buch nach „Ficken sag ich selten“ von Olaf Blumberg. Nun kommt eine Frau zu Wort, die in London lebt, und ich war gespannt, ob es eventuell einen Unterschied macht, welches Geschlecht man als Touretter hat oder wo man lebt. Sind Engländer vielleicht toleranter als Deutsche? Verzeiht man einer Frau einen unflätigen Spruch leichter als einem Mann? Allerdings kann man die Bücher nicht wirklich miteinander vergleichen, wenngleich die Krankheitsbilder und auch die Erlebnisse, allen voran die, die die Ignoranz und Intoleranz der Mitmenschen betrifft, doch starke Ähnlichkeiten aufweisen.

Nur 10% aller Touretter haben auch verbale Tics, also unkontrollierbare Wortäußerungen. Tourette tritt bei Männern dreimal so häufig auf wie bei Frauen. Jessica Thom hat also den Tourette-Jackpot geknackt, da sie als Frau sowohl an körperlichen als auch an vokalen Tics leidet.

Die Autorin versteht es, ihre Krankheit von der humorvollen Seite zu betrachten. Obwohl ihre Tics immer schlimmer werden und sie körperlich stark beeinträchtigen (Teilweise kann sie nichtmal mehr richtig laufen.), verliert sie nie den Mut, und ihr größtes Bestreben ist, ihrem Umfeld mehr über Tourette zu erzählen. Auf negative Äußerungen ihrer Mitmenschen reagiert sie meist äußerst gelassen und freundlich und versucht stets, über ihre Tics aufzuklären. Oft gelingt ihr dies sehr gut, und die Leute begegnen ihr danach offener und freundlicher, doch es gibt auch viele Begebenheiten, die Jessica und auch mich als Leserin wütend und traurig zurückgelassen haben. Es ist doch wirklich beschämend, wie unmöglich sich manche Menschen verhalten! Da gibt es die, die Witze über sie machen, sie auslachen, nachäffen, oder diejenigen, die felsenfest davon überzeugt sind, Jessica könnte einen ordentlichen Exorzismus gebrauchen. Die Leute, die Jessica einfach ignorieren, wenn sie auf dem Boden liegt und vor lauter körperlichen Tics nicht mehr alleine aufstehen kann.

Ich bewundere Jessica umso mehr für ihren Kampfgeist, wie sie sich nicht nur mit ihrem Tourette arrangiert, sondern auch mit den vielen Idioten um sie herum. Hilfreich zur Seite stehen ihr hierbei liebe Familienmitglieder und Freunde, allen voran Leftwing Idiot, ihr Freund und Betreuer, Fat Sister, ihre Schwester, deren Partner und viele andere Menschen, die Jessica so akzeptieren, wie sie ist.

In diesem Buch wird Tourette auch von der positiven Seite gesehen. Man darf mit Jessica über ihre sehr einfallsreichen Wortkreationen lachen und Tourette tatsächlich auch ein Stück weit als Bereicherung kennenlernen. So war Jessicas Rede auf der Hochzeit ihrer Schwester für die Gäste sicherlich ein einzigartiges Erlebnis. Natürlich werden aber auch die negativen Seiten von Tourette geschildert. Es gibt auch einige Szenen, in denenTouretteshero auch an ihrem Schicksal fast verzweifelt, doch rappelt sie sich immer wieder auf.

Jessica Thom ist ein sehr offener Mensch, dem es ein Bedürfnis ist, aufzuklären, aber auch zu unterhalten. Es gelingt ihr, dem Leser ihre Krankheit in all ihren Facetten, mit all ihren Schwierigkeiten und Stolpersteinen darzulegen, ohne dabei in Selbstmitleid zu verfallen.

Der Schreibstil ist witzig, nicht nur durch die vielen vokalen Tics, die im Übrigen nicht nur aus Schimpfwörtern und Flüchen, sondern auch aus kreativen Wortspielen bestehen. Jessica Thom spricht den Leser direkt an, was eine gewisse Verbundenheit schafft. So begleiten wir die Autorin durch ein Jahr ihres Lebens, in dem sich ihre Tics tatsächlich sehr stark wandeln und verschlechtern.

Ich habe viel Neues über Tourette gelernt. Der einzige Kritikpunkt, den ich bei diesem Buch anmerken möchte, ist der, dass trotz einer chronologischen Ordnung die meisten Beiträge recht zusammenhanglos und durcheinander sind. Ein roter Faden hätte mir gefallen, wenngleich er bei den großen, wichtigen Themen (Wohnsituation, Therapie u.a.) durchaus erkennbar ist. Aber es ist eher eine Sammlung von Blogbeiträgen, die zu einem Buch gebunden wurden. Außerdem finde ich den Preis von 24,95 € für eine 220 Seiten umfassendes Softcoverausgabe ganz schön happig.

Neben einem interessanten Vorwort von Stephen Fry sowie einem Anhang, in dem nochmal die wichtigsten Fragen zu Tourette beantwortet sowie nützliche Adressen aufgelistet werden, kann der interessierte Leser sich auch noch auf Jessica Thoms Webseite www.touretteshero.com weitere Informationen einholen. Dieses Buch schafft es, dem Leser auf unterhaltsame, humorvolle Weise das schwierige Thema „Tourette“ näher zu bringen. Lachen ist hier ausdrücklich erlaubt!
 

4,5 von 5 Schreiberpaletten

Sonntag, 4. Mai 2014

Rezension: "Dancing Queens - Alle Wege führen nach Waterloo" von Jana Fuchs

Daten zum Buch:
erschienen am: 1. April 2014
Verlag: Knaur TB
ISBN: 9783426514917
320 Seiten
Preis: 8,99 €

Zum Inhalt:
Die 44jährige Helen und die 32jährige Linda wollen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands zu einem gemeinsamen Trip nach Schweden aufbrechen. Immerhin sind sie die größten ABBA-Fans, die man sich vorstellen kann, und in Stockholm findet ein großes ABBA-Festival statt, für das Linda noch zwei der heißbegehrten Tickets ergattern konnte. Zwar könnten beide Frauen nicht unterschiedlicher sein und kennen sich bislang nur online, aber das soll ja nun wirklich kein Hindernis sein.

Während Helen ihrem Mann, einem bekennenden ABBA-Hasser, ihren Kurztrip in den Norden kurzerhand verschweigt und sich mit dem Flugzeug nach Stockholm aufmacht, steht Single Linda eine abenteuerliche Fahrt mit Bus und LKW bevor.

Fortan werden die beiden begleitet von Pleiten, Pech und Pannen, erleben aber auch großartige Abenteuer, werden mehrmals Opfer genialer Zufälle und sehen mehr von Schweden, als ursprünglich geplant. Und stets dreht sich alles nur um Helens und Lindas große Liebe: ABBA!

Meine Meinung:
Hinter Jana Fuchs verbergen sich die beiden bekannten Autorinnen Heike Abidi („Zimtzuckerherz“, „Tatsächlich 13“ u.A.) und Tanja Janz („Der ist ja nicht doof, nur irgendwie hochbegabt“ u.A.). Die Story ist abwechselnd aus Helens (Abidi) und Lindas (Janz) Sicht geschrieben, so dass der Leser jede Situation aus beiden Blickwinkeln betrachten kann.

Helen und Linda haben auf den 1. Blick außer ihrer Liebe zu ABBA nicht viel gemeinsam. Helen ist bieder, ja fast spießig, Safeplayerin, und lebt als Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und Lehrergattin ein behütetes, finanziell sorgenfreies Leben. Die über 10 Jahre jüngere Linda hingegen ist Single, verliebt sich schnell, nimmt alles, wie es kommt, und ist risikofreudig. Während Helen leidenschaftlicher Frida-Fan ist, vergöttert Linda Agnetha. Als sich die beiden endlich gegenüberstehen, sind da tatsächlich gewisse Zweifel, dass man miteinander problemlos klarkommt, doch schnell raufen sich die beiden zusammen, und nun entsteht auch im echten Leben eine unerschütterliche Freundschaft, um die man die beiden beneiden möchte.

Beide Charaktere, v. a. Helen, machen eine starke Entwicklung im Laufe der Reise durch. Prinzipiell mochte ich die beiden Protagonistinnen sehr, aber gerade Linda hat mich mit ihrer carefree-Haltung manchmal etwas genervt. Nicht nur, dass sie sich in so ziemlich jeden Mann verliebt, der nett zu ihr ist und gut aussieht. Sie ist manchmal leicht unverschämt (z. B. als sie ohne Geld dastand und großzügig mit Helens Geld ungefragt den Zimmerservice bestellte), und ihr ungebremster Optimismus war zuweilen recht anstrengend. Alles in Allem bewunderte ich aber gerade das an ihr – hier kam zugegebenermaßen auch ein bisschen Neid zum Vorschein, denn ich gehöre wohl eher zur Helen-Fraktion.

Neben den Hauptfiguren gibt es natürlich noch weiteres Personal, das hier auftritt. Die verschiedenen Männer, mit denen Linda flirtet, Helens ahnungsloser Mann, der seine Frau in einem Wellness-Hotel im Schwarzwald wähnt, Helens Söhne, die sich nur ab und an aus Neuseeland per Handy melden, oder Lindas Mutter, die mit ihrer übervorsichtigen Art für mich persönlich die erfrischendste Nebenfigur war.

Hier dreht sich wirklich alles um ABBA, und der Leser ist nach der Lektüre von „Dancing Queens“ ein ABBA-Kenner durch und durch, ob er will oder nicht! Wer bereits ABBA-Fan ist, der hat sicherlich nochmal zusätzlich seinen Spaß an den vielen Fragen rund um die schwedische Band, die sich Helen und Linda in ihrem ganz persönlichen Quizduell stellen. Wer noch kein Fan war, wird es entweder nach diesem Buch sein – oder wird alternativ das Wort „ABBA“ nicht mehr hören können, ohne einen Schreikrampf zu bekommen. Ausgewachsenen ABBA-Hassern würde ich das Buch deshalb also nicht unbedingt empfehlen. Ich persönlich mag die Musik der Band sehr und trällere gerne mit, kannte mich aber ansonsten eher weniger mit ABBA aus und kenne auch nicht alle Lieder. Die meiste Zeit hatte ich die im Buch erwähnten Songs beim Lesen im Ohr (soweit ich diese kannte) und bin oft singend durch die Wohnung gelaufen.

Der Schreibstil ist locker-flockig und humorvoll, und ich bin sehr flott durch das Buch gekommen. Die Story wird von Seite zu Seite immer aberwitziger. Anfänglich hat mich das ein bisschen gestört, da mir die vielen Zufälle etwas zu aufgesetzt und übertrieben wirkten. Dann aber gewöhnte ich mich daran, denn dieses Buch möchte auch absichtlich überdreht sein. Wer dies akzeptiert, hat dann auch wirklich viel Spaß mit den Irrungen und Wirrungen, auf die Helen und Linda bei ihrem Schweden-Trip stoßen.

Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass es ein würdiges Happy End mit Pauken und Trompeten gibt. Genau, was man sich von so einem Buch erwartet.

Alles in Allem liefert "Dancing Queens" amüsante Unterhaltung mit Guter Laune-Garantie! Ein witziges Buch über Liebe, Leidenschaft, Freundschaft und Neuanfänge – ganz besonders empfehlenswert für Schweden- und ABBA-Fans, aber auch für alle Anderen!

4 von 5 Schreiberpaletten

Donnerstag, 1. Mai 2014

Meine Buchbewertungen

"Sag mal, du vergibst ja auch nur 4 oder 5 Sterne bei deinen Büchern!", sagte mein Freund neulich halb empört zu mir. Wirklich widersprechen konnte ich ihm nicht. Tatsächlich habe ich selbst in letzter Zeit bemerkt, dass ich einen Großteil meiner Bücher immer ganz gut bewerte. Unter 3,5 Schreiberpaletten findet man hier wenige Rezis auf meinem Blog.

Vielleicht denkt der Eine oder Andere jetzt spontan, ich sei nicht kritisch genug. Das ist aber sicherlich nicht der Fall!

Nur ist es halt so, dass ich mich nicht wahllos auf -zig Bücher bewerbe und dann nehme, was ich kriege. Ich lese mir schon aufmerksam den Klappentext durch, eventuell auch noch eine Leseprobe dazu. Ich denke, ich kann einfach mittlerweile sehr gut abschätzen, was mich anspricht und was nicht. Natürlich gibt es trotzdem noch Enttäuschungen. Oder ich verpasse Bücher, die mir vielleicht super gefallen hätten, die es aber aufgrund der Beschreibung einfach nicht auf meine Wunschliste schafften.

Damals im Arena-Bloggerworkshop hatten wir auch kurz das Thema angesprochen, und einige Bloggerinnen meinten, sie hätten das mit den Sternen komplett abgeschafft oder die Einstufungen komplexer gestaltet (z. B. verschiedene Unterpunkte bewertet statt nur eine Gesamtzahl zu vergeben). Das finde ich generell auch eine gute Idee, aber ich möchte die Schreiberpaletten-Bewertung von 0-5 beibehalten. Ist auch einfacher umzusetzen, da sich diese Einstufung auch bei LovelyBooks, Amazon und "Was liest du?" findet, wo ich meine Rezis auch veröffentliche.

Manchmal fällt es mir auch wirklich verdammt schwer, die Schreiberpaletten zu vergeben. Ich schwanke oft zwischen zwei Zahlen. Aber ich denke auch, dass die wirklich kritischen Rezi-Leser nicht nur auf die Gesamtbewertung gucken, sondern auch im Idealfall meinen Text dazu durchlesen.

Übrigens sind die letzten beiden Bücher, die ich gelesen habe und rezensieren werde, auch 4-5-Sterne-Kandidaten, nur so zur Vorwarnung. ;-)