Dienstag, 30. September 2014

[Blogg dein Buch] Rezension: "Selection" von Kiera Cass (Hörbuch)

Daten zum Hörbuch:
erschienen am: 25. Juli 2014
Verlag: Goya libre
ISBN: 9783833733697
Gesamtspielzeit: 301 Minuten (4 CDs)
Sprecherin: Friederike Wolters
Preis: 19,99 €
HIER bestellbar!

Zum Inhalt:
Der vierte Weltkrieg hat die USA geschwächt und zersplittert zurückgelassen. Im neu gegründeten Staat Illéa ist das Volk in acht Kasten eingeteilt. Zur ersten Kaste gehört die Königsfamilie, in der es Tradition ist, dass der Kronprinz seine Ehefrau durch ein Casting auswählt.

America Singer ist Mitglied der fünften Kaste, den Musikern und Künstlern. Ihre Familie ist arm, aber es reicht zum Leben. Heimlich hat sie eine Beziehung mit Aspen, der zur sechsten Kaste gehört, was für America den sozialen Abstieg und schwere Sanktionen bedeuten würde.

Von ihrer ehrgeizigen Mutter und auch von Aspen gedrängt, meldet sich America für das Casting an, wenngleich sie keinerlei Interesse für Prinz Maxon hegt. Wider Erwarten wird sie eine der 35 Auserwählten, die von nun an im Palast leben und um Maxons Gunst werben. Trotz ihrer tiefen Gefühle für Aspen hegt sie schnell Sympathien für den einfühlsamen Prinzen und wird zu seiner engsten Vertrauten.

Meine Meinung:
Die Sprecherin Friederike Wolters ist eigentlich ausgebildete Buchhändlerin und wurde - passend zur Handlung - in einem Casting zur Gewinnerin für die "Stimme Americas" gekürt. Ich habe bislang ehrlich gesagt nur wenige Hörbücher gehört, weshalb ich nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten habe. Aber am Anfang fand ich Wolters' Art zu Lesen doch etwas einsilbig und monoton, nahezu lustlos. Zum Glück änderte sich dies im Laufe der Zeit, ich hatte das Gefühl, dass sich die Sprecherin erst warmlaufen musste. 

Zugegebenermaßen denkt man bei der Inhaltsangabe erstmal an diese unsägliche "Bachelor"-TV-Show, gepaart mit einer verarmten Post-Kriegsszenerie à la "Tribute von Panem". Wenn man diese Vergleiche aber mal außer Acht lässt, bietet die Handlung von "Selection" durchaus etwas Neues.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Die Handlung wird rein aus Americas Sicht erzählt, und sie war mir von Anfang an sympathisch. America hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ein hohes Verantwortungsgefühl, v. a. gegenüber ihrer Familie und Aspen. Sie tritt Maxon gegenüber sehr ehrlich auf und wird hierfür mit seinem Vertrauen belohnt.

Sowohl Aspen als auch Maxon sind ziemliche Traumtypen, und so ist es nur nachvollziehbar, dass America sich zwischen den beiden hin- und hergerissen fühlt. Ich fand die Momente zwischen America und dem Prinzen immer sehr spannend, und man hat schon ein bisschen Herzklopfen, ob bzw. wann sich die beiden näher kommen.

Neben der Liebesgeschichte um America, Aspen und Maxon klingen auch gesellschaftskritische Töne an. America öffnet Maxon die Augen für das Leid der unteren Kasten, denn während die Mitglieder der höheren Schichten im Luxus schwelgen, müssen diejenigen der niederen Kasten hungern und leiden. Wir erfahren etwas über die Geschichte Illéas, und die angreifenden Rebellen sorgen für den gefährlichen Teil der Geschichte.

Es wundert mich ein bisschen, dass die Mädchen sich untereinander so gut verstehen, aber zum Glück gibt es ja noch das Vorzeigebiest Celeste, das man zwar ätzend findet, das aber wenigstens ein bisschen Abwechslung in dieses Bussi-Bussi-Getue der Auserwählten bringt.

Der erste Teil dieser Trilogie hat ein offenes Ende, der Lust auf mehr macht. America macht eine starke Entwicklung durch, und ihre letzten Worte lassen erahnen, dass sie sich im zweiten Band zu einer sehr selbstbewussten Frau entwickeln wird. 

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an "Blogg dein Buch" und Jumbo-Medien für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 28. September 2014

Rezension: "Paul ist tot. Witwengeschichten" von Regine Schneider

Daten zum Buch:
erschienen am: 26. August 2014
Verlag: Osburg
ISBN: 9783955100575
238 Seiten
Preis: 19,99 €

Zum Inhalt: 
In Deutschland leben über fünf Millionen Witwen, doch kaum einer nimmt sie in der Gesellschaft wahr, denn Tod und Trauer sind in unserem Land Tabuthemen. Den geliebten Menschen zu verlieren, der einen vielleicht schon ein ganzes Leben begleitet hat, ist ein großer Schock, mit dem nicht jeder umgehen, den nicht jeder verarbeiten kann. Und doch – das Leben geht weiter und wir müssen uns entscheiden, ob wir in unserer Trauer versinken oder ebenfalls weitermachen.

Regine Schneider lässt in ihrer Kurzgeschichtensammlung „Paul ist tot“ über 20 Frauen verschiedenen Alters zu Wort kommen, die alle grundverschieden sind, doch eines gemeinsam haben: Sie haben ihren Mann verloren.

Offen und ehrlich erzählen hier Witwen von dem Sterben ihrer Männer, ihrer eigenen Trauer und Wut und ihren Versuchen, mit dem Leben als plötzliche Witwen und Alleinerziehende umzugehen.

Meine Meinung:
Die 25 Kurzgeschichten sind jeweils unter 10 Seiten lang und lassen sich sehr schnell durchlesen, so dass man sich ständig denkt „Och, eine geht noch.“ - und schwupps, ist man durch mit dem Buch. An jedem Kapitel ist noch ein sachlicher Abschnitt angefügt, der thematisch zu dem geschilderten Erlebnis passt, z. B. Bestattungsvarianten, Sterben im Hospiz, Organentnahme oder Alzheimer.

Ich mag den Schreibstil, denn er ist nicht emotionen-erheischend, so dass es dem Leser selbst überlassen bleibt, ob und wie stark er mitfühlt. Regine Schneider lässt die Frauen völlig unkommentiert erzählen und die Geschichten jede für sich so stehen. Sie übernimmt nur das Vorwort und die sachlichen Erläuterungen, die völlig neutral geschrieben sind.

Anhand des Buchtitels hatte ich eine bunte Mischung erwartet, die ich auch bekommen habe. Es gibt hier die volle Bandbreite von Emotionen: Wut, Trauer, Verzweiflung, Suizidgedanken, Hoffnung, Freude, Erleichterung.

Auch wenn das rosa Cover mit der schwarzen Sonnenbrille und der lapidaren Aussage "Paul ist tot" es vielleicht vermuten lässt: Zum Lachen allerdings gibt es hier nichts, im Gegenteil. Obwohl der Schreibstil recht nüchtern daher kommt, sind manche der Geschichten für sich selbst schon so tragisch und traurig, dass man sehr betroffen ist von den Schicksalen. Egal, ob die Verstorbenen bzw. Witwen jung oder alt sind, egal ob Unfall, Suizid oder Krankheit. Die meisten der Geschichten konnten mich trotz des nüchternen Schreibstils wirklich berühren und machten mich nachdenklich.

Wie bereits im Untertitel „Witwengeschichten“ ersichtlich, kommen hier wirklich nur Frauen zu Wort. (Ein bisschen schade fand ich das schon, denn mich würde auch mal die Sicht von Witwern interessieren.) Die Frauen, die erzählen, sind ganz unterschiedliche Charaktere. Wir haben Frauen, die über den Tod des Manns nicht hinweg kommen und beschließen, nie wieder eine andere Beziehung einzugehen; Frauen, die in einer neuen Partnerschaft ihr neues Glück finden; Frauen, die über den Tod ihres Mannes erleichtert sind; Frauen, die beides empfinden; junge Mütter, die plötzlich nicht nur Witwen, sondern auch Alleinerziehende sind.

Neben der intensiven Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Trauer erhält man auch gute Tipps, wie man als Witwe wieder ins Leben zurückfindet. So werden z. B. Kreuzfahrten für verwitwete Menschen vorgestellt, bei denen man sowohl Spaß haben kann als auch unter Gleichgesinnten seinen Gefühlen freien Lauf lassen darf, oder die Möglichkeit, als Au Pair-Granny fremde Kulturen kennenzulernen und das Gefühl zu bekommen, gebraucht zu werden. Außerdem habe ich noch vieles lernen können, z. B. dass es erstaunlich viele und ungewöhnliche Bestattungsarten gibt – wusstet ihr, dass man aus der Asche eines Verstorbenen z. B. ein Feuerwerk machen oder sie als Baumaterial für ein Korallenriff nehmen kann?

Ergänzt werden die Kurzgeschichten und Erläuterungen noch durch eine kleine Liste empfehlenswerter Bücher. Der Tod ist in unserer Gesellschaft ein Tabu-Thema, und sicherlich muss es auch nicht sein, dieses Thema totzureden (Wortwitz unbeabsichtigt.), aber vielleicht sollten wir uns doch ein bisschen mehr damit auseinandersetzen, denn der Tod gehört nunmal leider auch zum Leben dazu.

4,5 von 5 Schreiberpaletten

Freitag, 26. September 2014

Wenn der Postmann dreimal klingelt...

Wie ich bereits erwähnte, ist mein Laptop letzte Woche hops gegangen. Ich glaube ja, dass das die gerechte Strafe für eine ungewöhnliche Glückssträhne in den letzten Wochen war.  Ich schäme mich schon fast, diese Neuzugänge zu posten, denn ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich so viel Glück hatte! "Das kann ich doch gar nicht alles auf einmal zeigen, sonst hasst mich jeder!", sagte ich zu meiner hier immer wieder gern erwähnten Freundin Eva. Aber gut, ich wage es trotzdem und hoffe, dass ihr mich danach immer noch mögt.

Gewinn Nr. 1: Atlantik-Verlag

Sicher haben einige von euch den Aufruf des Atlantik-Verlages gesehen, der einen Namen für seinen schnuffeligen Bücherhund gesucht hat. Auch ich habe ein paar Vorschläge eingereicht. Letztendlich wurde es ja "Skipper", leider kein Vorschlag von mir, (Aber ein Jahresabo des Verlagsprogrammes wäre für meinen Freund ein Trennungsgrund gewesen. ;-)), aber ich war eine der Glücklichen, die den "Trostpreis" bekommen haben.


Es gab das Bücher-Tagebuch "Bücher sind treu", eine süße Bücher(hund)tasche sowie ein Wunschbuch. Ich hatte mich bei der Einreichung des Namens für "Das Leben ist ein listiger Kater" entschieden, da das Buch schon seit seiner Erscheinung auf meiner Wunschliste steht. :-)


Gewinn Nr. 2: Kremayr & Scheriau

Diesen österreichischen Verlag kann ich ja sowieso nur wärmstens empfehlen, ich habe schon ein paar Leserunden mit ihnen gemacht und finde ihr Sachbuchsortiment sehr interessant. (Auch wenn mich das letzte Buch - "Hättest halt kein Kind gekriegt!" - nicht sooo begeistern konnte.) 
Jedenfalls hat der Verlag einen Fotowettbewerb mit dem Motto "Nehmt uns mit in den Urlaub" veranstaltet, und ich habe auch nach langem Überlegen ein Foto eingeschickt, als ich ein paar Tage in Brüssel war. Ich glaube fast, dass der Rücklauf nicht sonderlich groß war, so dass mein Foto doch tatsächlich ausgewählt wurde für den Hauptgewinn. 


Wie man gut sehen kann, gab es für den Gewinner die Bücher "Zuhause in Fukushima", "Das Wachstums-ABC", "Das Artepuri-Kochbuch", "Die Reisen der Habsburger" sowie das Hörbuch "Mitteilungsheft. Leider hat Lukas...". Dazu gab es noch ein paar Postkarten und Lesezeichen. Der aufmerksame Blogleser, der selbstverständlich meine Neuzugänge auswendig lernt, wird sich jetzt denken: "Hat sie nicht erst neulich 'Leider hat Lukas' als Buch ertauscht?", und ja, ihr habt Recht, denn es stand ja schon länger auf meiner Wunschliste. Das Hörbuch hat deshalb sofort die Besitzerin gewechselt und wurde einer lieben Freundin geschenkt, die ein großer Hörbuchfan ist. :-)

Und wenn ihr meint, das ist schon ein geiler Gewinn, dann schaut euch mal das hier an:


Gewinn Nr. 3: Mayersche

Auf "Was liest du?", der Community der Mayerschen, gab es einen kleinen Fotowettbewerb zu dem Bildband "See a heart, share a heart". Die Resonanz war super, viele User haben gleich mehrere Fotos gepostet. "Na ja, da hast du sowieso keine Chance", dachte ich mir, und als ich eine Mail von Eva erhielt mit dem Hinweis "Rate mal, wer gewonnen hat?" und dem Link zur Auslosung dachte ich erst: "Ja mensch, hat die Eva schon wieder abgeräumt?!" Und als ich mir dann den Beitrag durchlas, blieb mir erstmal das Herz stehen: Ich hatte echt den Hauptpreis gewonnen. Saugeil!!! Es dauerte zwar mehrere Wochen, bis er endlich bei mir ankam, und deshalb hatte ich zwischendurch Panikanfälle, dass das Paket verloren gegangen war, aber dann hielt ich es endlich in Händen. Es war sogar mit Geschenkpapier verpackt - süß, oder?


Obenauf liegt eine 50 €-Geschenkkarte der Mayerschen - geil, oder? Leider gibt es hier ja weit und breit keine Filiale, also muss ich online shoppen, aber hey, wer wird sich da beschweren? ;-) Bis jetzt habe ich noch nichts gekauft, da meine Wunschliste so lang ist, dass ich mich nicht entscheiden kann. Aber ich glaube, demnächst werde ich mal zuschlagen, und dann werde ich euch natürlich in den Neuzugängen zeigen, was es geworden ist.

Der Hauptgewinn war aber die hier:


Oh mann, eine Kamera hab ich ja wirklich noch nie gewonnen! (Halt, das stimmt nicht! Als ich 9 war, habe ich mal eine gewonnen für ein selbst verfasstes Gedicht, das war aber natürlich eine sehr altmodische Gurke, denn Digicams gab es damals noch nicht, zumindest nicht in normalen Haushalten. :-D)

Jedenfalls hat mich unsere olle Knipse eh schon total genervt, weil die meisten Bilder einfach nix werden (Ich weigere mich zuzugeben, dass das am Idioten hinter der Kamera liegen könnte.). Die neue Kamera habe ich dann auch vorletztes Wochenende ausprobiert, denn hier war Straßenmusikfestival, und da habe ich den tollen Zoom ausgiebig getestet, höhö. Z. B. an Jimmy Kelly.


Na, wer kennt ihn noch bzw. die Kelly Family? Jimmy Kelly war der diesjährige Überraschungskünstler. 

Und ihn hier habe ich auch rangezoomt: 

 

Andreas Kümmert, den Sieger der letzten "The Voice"-Staffel. Der kommt nämlich nicht weit von hier und tritt schon seit Jahren auf dem Stramu auf.

Spielerei mit dem Zoom, aber irgendwie gefällt's mir. ;-)

Auf jeden Fall bin ich wirklich happy mit diesen tollen Gewinnen, die so geballt auf mich eingeprasselt sind. Ich hatte zwar schon sehr oft Glück bei Leserunden und Buchverlosungen, aber das war doch jetzt schon sehr krass. :-)

Dienstag, 23. September 2014

Kurze Zwangspause

Oh Mann, ich könnte so k*tzen! Dass mein nunmehr 7 Jahre alter Laptop in absehbarer Zeit den Geist aufgibt, war zu befürchten, aber jetzt war es doch eine böse Überraschung. Momentan kann ich nur mein Tablet nutzen, und damit längere Texte zu schreiben (Mit dieser nervigen Autokorrektur, die ich nicht ausschalten kann.) ist einfach nur bescheiden. Dabei habe ich jede Menge Neuzugänge und eine Rezension, die ich posten wollte.

Bin grad einfach nur übelst genervt... :-@ Ich werde mir so schnell wie möglich ein neues Notebook kaufen, aber da ich so was nicht mal eben aus der Portokasse zahlen kann, will bzw. muss ich noch Preise und Modelle vergleichen, was auch Zeit kostet.

Ach Mann, ist das nervig!!! Wie konnte ich eigentlich früher ohne Computer überhaupt leben???

Dienstag, 16. September 2014

Rezension: "Hättest halt kein Kind gekriegt! Auf der Suche nach mütterlicher Identität in der Leistungsgesellschaft" von Karin Steger

Daten zum Buch:
erschienen im: August 2014
Verlag: Kremayr & Scheriau
ISBN: 9783701505654
176 Seiten
Preis: 22,00 €

Zum Inhalt: 
Bevor Karin Steger ihr erstes Kind bekommt, ist sie erfolgreich in ihrem Traumberuf  als Journalistin, Moderatorin und Sängerin. Doch als alleinerziehende Künstlerin muss sie nicht nur beruflich umdenken. Die Aufträge bleiben aus, für Traumengagements ist sie zu unflexibel, das Konto rutscht zeitweise in die roten Zahlen. Sie fühlt sich ausgebrannt, kann nicht mehr. Auch später mit einem neuen Mann an ihrer Seite und Kind Nr. 2 fällt es ihr schwer, alle wichtigen Aspekte in ihrem Leben zufriedenstellend unter einen Hut zu bringen. Als ihr Partner den Satz fallen lässt: „Hättest halt kein Kind gekriegt!“, zieht es der zweifachen Mutter den Boden unter den Füßen weg. Über einen Zeitraum von sieben Jahren erzählt sie von ihrem Kampf um Anerkennung in der Gesellschaft.

Meine Meinung:
Eins vorweg: Ich habe keine Kinder, fand die Thematik dennoch sehr interessant. Ich hatte erwartet, hier einen ehrlichen Einblick in das Leben einer Mutter zu erhalten, die versucht, allen gerecht zu werden, sich kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzt und vielleicht sogar Lösungsansätze anbietet – wie es Mütter schaffen, mehr Akzeptanz zu finden, oder zumindest, wie sie selbst es geschafft hat, aus ihrer unbefriedigenden Lebenssituation herauszufinden.

Meine Erwartungen wurden leider nur zu einem geringen Teil erfüllt. Am Anfang fand ich Karin Stegers Schilderungen durchaus interessant. Sie ist ehrlich zu sich und den Lesern und gewährt tiefe Einblicke in ihre damalige Verzweiflung als Mutter, zuerst alleinerziehend, dann mit einem neuen Partner. Doch nach ca. 60 Seiten war ich schon etwas leicht genervt von der ständigen Jammerei, so dass doch tatsächlich böserweise einmal kurz bei mir der Satz aufleuchtete: „Hätte sie halt kein Kind gekriegt...“ Dass dieser Satz aus dem Mund ihres Mannes kam, wunderte mich überhaupt nicht, denn Karin Steger jammert in einer Tour, egal ob sie alleinerziehend oder in einer Beziehung ist.

Nicht falsch verstehen: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es furchtbar anstrengend ist, eine berufstätige Mutter zu sein! Und dass es für eine erfolgsverwöhnte Frau eine enorme Umstellung ist, von einem super bezahlten Traumjob, bei dem man die ganze Welt erkundet und Abenteuer erlebt, zu weniger spannenden Tätigkeiten vor Ort verdammt zu werden. Jedoch denke ich, dass Karin Steger sich glücklich schätzen kann, immerhin hat sie 10 Jahre lang eine Traumkarriere gehabt, was nicht jedem vergönnt ist, und konnte auch noch als Mutter weiterhin als Künstlerin arbeiten, wenn auch mit Einschränkungen.

Das Buch fängt damit an, dass die Autorin – noch alleinerziehend –  kurz vor dem Burn Out steht. Dafür hat sie mein vollstes Verständnis. Wenn man jedoch bedenkt, dass sich das Buch über einen Zeitraum von ca. sieben Jahren zieht, wurde mir das Gejammer doch irgendwann ein bisschen zu viel. Irgendwann muss es doch mal besser werden, dachte ich mir. Ich bekam in der ersten Hälfte des Buches den Eindruck, dass Kinder einem eigentlich nur das Leben versauen. Zum Glück wurden die Erzählungen über ihre Kinder irgendwann tatsächlich liebevoller, aber doch gerade anfangs vermittelte mir die Autorin ein äußerst negatives Bild über das Mutterdasein. Vielleicht ist dies ein von ihrer eigenen Mutter verursachtes Trauma, die kurz hintereinander ungewollt zwei Kinder bekam und Tochter Nr. 2 (= die Autorin) als „Todesurteil“ für ihr eigenes, auf eine Karriere ausgelegte Leben betrachtete...

Der Untertitel lautet „Auf der Suche nach mütterlicher Identität in der Leistungsgesellschaft“, aber Erlebnisse mit der Gesellschaft werden eigentlich keine genannt, es gibt lediglich allgemeine Aussagen über die Probleme von Eltern. Das alles hat mir das Gefühl gegeben, dass Karin Stegers Probleme eher hausgemacht sind und vor allem in ihrer eigenen Person liegen. Sollte dies nicht der Fall sein, tut mir diese Unterstellung zwar leid, aber so kam das leider rüber in diesem Buch.

Auf der einen Seite schildert sie auf fast zwei Seiten, wie toll der Kopf ihres Sohnes riecht. Auf der anderen Seite kommen die eigentlich von mir erwarteten Themen (z. B. Mütter in der Gesellschaft sowie Lösungsansätze) viel zu kurz. Ihr Allheilmittel wären ein bedingungsloses Grundeinkommen für Eltern und eine 30-Stunden-Woche für alle, sie geht darauf aber auch nicht näher ein – sicherlich unter Anderem, da solche Dinge höchstwahrscheinlich kaum umsetzbar wären. Die ganze Zeit jammert sie über verpasste Karrierechancen und wie wenig Freizeit sie hat, weil sie sich um ihre Kinder kümmern muss, schlägt aber gleichzeitig ernsthaft vor, dass Kinderlose bei einer 30-Stunden-Woche dann ja in der neu gewonnenen Freizeit auf die Kinder anderer Leute aufpassen könnten, um mehr Lebensfreude zu empfinden. Nach ihrer eigenen Jammerei finde ich es unangebracht, Kinderlosen zu unterstellen, sie hätten ohne Kinder weniger Freude im Leben.

Der Schreibstil ist lebendig, aber leider auch etwas chaotisch. Nicht nur, dass sie zeitlich hin- und herspringt (Mal ist die Tochter schon größer, dann wieder ein Baby, das zweite Kind da, dann wieder nicht.), es fehlt auch einfach ein roter Faden, eine Struktur.

Das klingt alles ganz furchtbar negativ, ich gebe es zu. Dabei ist das Buch schon recht unterhaltsam, und ich schätze Karin Stegers Ehrlichkeit, denn Muttersein ist nunmal nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, und es ist gut, wenn jemand das so offen aufzeigt. Aber „Hättest halt kein Kind gekriegt!“ ist meiner Meinung nach ein autobiographischer Roman einer Mutter, die ihren verpassten Karrierechancen hinterhertrauert. Ich hatte jedoch aufgrund des Untertitels und des Klappentextes ein Buch erwartet, das sich kritisch mit den Problemen auseinandersetzt, auf die Eltern in der Gesellschaft treffen, was jedoch kaum thematisiert wird. Sehr schade.

Alles in allem würde ich dem Buch 2,5 Schreiberpaletten geben, runde aber auf 3 auf, da ich mir vorstellen könnte, dass Eltern zu diesem Buch vielleicht einen besseren Zugang finden als ich.
 
3 von 5 Schreiberpaletten

Samstag, 13. September 2014

Rezension: "Geschlossene Gesellschaft. Ein Reichtumsbericht" von Dennis Gastmann

Daten zum Buch:
erschienen am: 15. August 2014
Verlag: Rowohlt Berlin
ISBN: 9783871347733
304 Seiten
Preis: 19,95 €

Zum Inhalt:
Wie leben sie eigentlich, die Superreichen dieser Welt? Verdirbt Geld wirklich den Charakter? Welche Wünsche hat der Mensch noch, wenn er sich alles leisten kann? Dennis Gastmann will diesen und noch vielen anderen Fragen auf den Grund gehen und schleicht sich deshalb in die Hautevolee ein. Er treibt sich unter Anderem auf Yachtmessen herum, tanzt auf einer Gala im legendären Marbella-Club, hört sich in Monte Carlo geduldig die Lebensgeschichte von Baronin von Brandstetter an und flaniert mit Wolfgang Grupp durch die heile Welt von Trigema. Entstanden ist ein irrwitziger Querschnitt durch die Welt der Reichen und Schönen, Dennis Gastmanns ganz persönlicher „Reichtumsbericht“.

Meine Meinung:
Dennis Gastmann hat mit seinem neuesten Werk echtes Durchhalte- und Anpassungsvermögen bewiesen. Er hat nicht nur unzählige Absagen kassiert, sondern musste auch auf viele Treffen monatelang warten und hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um den Mitgliedern der High Society ganz nah sein zu können.

Der Schreibstil gefiel mir auf Anhieb. Der Autor ist sympathisch und witzig, und er formuliert eloquent, spritzig und sehr humorvoll. Man merkt beim Lesen, mit welchem Gesprächspartner sich der Autor wohlfühlte und wen er weniger mochte. Je nachdem schreibt er entweder etwas respektvoller von dieser Person, oder aber es wird die spitze Feder gezückt, wobei er seine Beleidigungen so gekonnt mit Humor versieht, dass es nie wirklich bösartig wirkt.

Gastmann hat auch Reiche aufgesucht, die nicht so stark in der Öffentlichkeit stehen. Teilweise ist dies dem Umstand geschuldet, dass die superreichen Promis dieser Welt wie Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Barack Obama keine Zeit bzw. Lust hatten. Andererseits wurden manche interessante Persönlichkeiten bewusst gewählt, z. B. Unternehmer Jochen Schweizer, Playboy Rolf Eden oder der Leiter einer Butlerschule. Die meisten der vorgestellten Personen (z. B. Kamaliya, Thomas Kramer oder Paxino) kannte ich ehrlich gesagt nicht. Zugegebenermaßen fand ich nicht jeden spannend, aber das ist reine Geschmackssache. Manche Menschen sind furchtbar interessant und faszinierend, andere wiederum oberflächlich und arrogant. Die Auswahl der Personen ist natürlich in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass sich nicht jeder von Dennis Gastmann porträtieren lassen wollte und man quasi nehmen musste, was man kriegen konnte, aber die Mischung ist dennoch gelungen.

Wir lernen viele verschiedene Charaktere kennen. Adelige, Reiche von Geburt an, Menschen, die sich ihren Wohlstand selbst erarbeitet haben, und auch Menschen, die unter etwas nebulösen Umständen zu Reichtum gelangten. Man lernt, dass es nicht nur gewisse Verhaltensregeln gibt, sondern auch innerhalb der Hautevolee nicht alle gleich sind, z. B. wird ein Unterschied zwischen dem Geld- und dem Geburtsadel gemacht. Nicht jedem wird der Zutritt zur High Society gewährt, und Dennis Gastmann weiß sein Privileg zu nutzen. Er lässt sich auf die ihm unbekannten Welten und Persönlichkeiten ein, spielt ihre Spielchen geduldig mit. Dabei bleibt sich der Autor jedoch selbst treu, hinterfragt vieles und stellt auch mal unbequemere Fragen.

Nett finde ich auch, dass es in dem ein oder anderen Kapitel nochmal Rückbezüge auf bereits vorgestellte Personen gibt. Auch die zahlreichen Absagen, die der Autor auf seine Anfragen an die Reichsten der Welt erhielt, ziehen sich durch das Buch und sorgen immer wieder für Schmunzler oder Kopfschütteln.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch: Zu diesem Buch hätte ein Bildteil super gepasst, und ich habe es wirklich vermisst, dass man kein einziges Foto findet. Auch wenn der Autor seine teilweise intimen Interviews nicht mit einer Kamera stören wollte – man muss ja nicht stolz posierende Bonzen abbilden, aber z. B. hätte ich gerne ein Bild von Werner Kiesers sagenhaft hässlichem Wohnhaus gesehen, oder von der Leguantasche, die bei einer Gala verlost wird und die die Gewinnerin wohl ihrer Haushälterin schenken wird, weil sie mit dem billigen 1.600-Euro-Teil nichts anfangen kann. Das wären nette kleine Auflockerungen gewesen, die das Buch noch mehr bereichert hätten.

„Geschlossene Gesellschaft“ ist ein interessanter, spannender und teils intimer Einblick in die Welt der Reichen, der durch den eloquenten und äußerst humorvollen Schreibstil des Autors weiter aufgewertet wird. Die Lektüre ist nicht nur unterhaltsam, sondern lässt den ein oder anderen Leser sicherlich auch darüber nachdenken, wie er selbst zu dem Thema „Reichtum“ steht.  
 
4,5 von 5 Schreiberpaletten

Freitag, 12. September 2014

Wie man einem Bücherfreak PC-Wissen vermittelt

Gestern hat mein Freund meinen altersschwachen Laptop defragmentiert. Ich kann sowas ja nicht, ich bin ein PC-Invalide, der von Technik keinen blassen Schimmer hat. Bei mir gibt es nur "Läuft" oder "Läuft nicht". Und mein Laptop hatte eine eindeutige Tendenz zu "Läuft bald nicht mehr".

Seit der Defragmentierung läuft er aber wieder viel schneller, Freund sei Dank! Und weil er, der Techniker, immer wieder gerne versucht, sein Wissen an die Frau (= mich) zu bringen, wollte er mir das mit dem Defragmentieren genauer erklären. Er erklärt also.

Ich schiele verstohlen auf meinen Facebook-Thread. Mein Freund sagt: "Ich hab dich schon bei 'Festplatte' verloren, oder?" Ich stottere, ja nee, mach nochmal, ich hör zu... er setzt erneut an, mein Blick verklärt sich.

"Ok, pass auf, stell dir vor, du hast ein Bücherregal mit ganz vielen Büchern." Meine Ohren stellen sich auf (Also hätten sie, wäre ich ein Hund.)... Das muss ich mir gar nicht vorstellen, das ist eine Tatsache!

"Du nimmst dir nach und nach Bücher aus dem Regal...", und dann erzählt er mir anhand meines Bücherregals, was mein PC so alles macht, und mir dämmert langsam, was Defragmentierung ist. Ich habe es endlich kapiert!!!

Ist er nicht der allerbeste Freund, den sich ein Bücherwurm wünschen kann? :-)

Dienstag, 9. September 2014

Neuzugänge

Ich sag einfach nix dazu, ok?

Rezensionsexemplare


- Dennis Gastmann, "Geschlossene Gesellschaft. Ein Reichtumsbericht": Ein amüsanter und interessanter Einblick in die Welt der Superreichen. Die Leserunde war sehr unterhaltsam, Rezi kommt bald.

- Karin Steger, "Hättest halt kein Kind gekriegt!": Meine aktuelle Lektüre für eine Leserunde auf LovelyBooks über die Problematik, als Mutter alles unter einen Hut zu kriegen.

- Regine Schneider, "Paul ist tot. Witwengeschichten": Ebenfalls meine aktuelle Lektüre für eine Leserunde auf LB. Eine Sammlung von Kurzgeschichten über das Thema Witwendasein.

- Kiera Cass, "Selection" & Selection - Die Elite": Diese beiden Hörbücher habe ich von "Blogg dein Buch" erhalten. Eigentlich hat man sich auf das zweite Buch beworben, das erste gab es aber als Beigabe. Cool, ne?


Gekauft


- Achim Peters, "Mythos Übergewicht. Warum dicke Menschen länger leben": Spontan beim Hugendubel für 2 € mitgenommen. Hatte erst überlegt, das Buch meinem gesundheitsfanatischen Schwiegerpapa zu schenken, der Dicke doof findet. ;-) Aber ich glaube, ich lese es lieber selbst, um meinen überflüssigen Kilos irgendwas Positives abzugewinnen.

- Thilo P. Lassak, "Mumienherz. Der Schatten des Horus": Den ersten Band habe ich vor Jahren gelesen und fand ihn eigentlich nicht so toll. Aber in der Danksagung habe ich entdeckt, dass mein Professor dem Autor bei der Transkription der altägyptischen Sprache geholfen hat. Den zweiten Band habe ich nun für 1 € im Euro-Shop entdeckt, da hab ich doch mal glatt zugeschlagen.


Ertauscht


- Niki Glattauer, "Mitteilungsheft. Leider hat Lukas...": Steht schon länger auf meiner Wunschliste, jetzt konnte ich es endlich für 3 Tickets noch eingeschweißt ergattern.

- Franziska Moll, "Was ich dich träumen lasse": Getauscht mit einer LovelyBooks-Nutzerin. 

- Jutta Wilke, "Dornenherz": Steht auch schon länger auf meiner Liste, konnte ich für 3 Tickets ertauschen. (Momentan habe ich einen ganz schönen Ticketüberschuss.)

- Stephan Bartels, "Dicke Freunde": Ist das Cover nicht süß? :-) Für 1 Ticket.

- Alexandra Maxeiner, "Unentschieden": Klingt ganz lustig, für 1 Ticket spontan ertauscht. 


Das war's auch schon wieder. Aber ich warte noch auf ein paar Sachen...

Samstag, 6. September 2014

Rezension: "Silber. Das zweite Buch der Träume" von Kerstin Gier

Daten zum Buch:
erschienen am: 23. Juni 2014
Verlag: Fischer Jugendbuch
ISBN: 9783841421678
416 Seiten
Preis: 19,99 €

Zum Inhalt:
Eigentlich könnte Liv so happy sein: Sie und Henry sind endlich ein richtiges Paar und erleben in ihren Träumen wunderschöne Momente zusammen. Aber eben meist nur dort, denn tagsüber im echten Leben hat Henry kaum Zeit für sie, und Liv hat immer mehr das Gefühl, dass er ihr etwas verschweigt. Dass Secrecy in ihrem Tittle-Tattle-Blog sich auch noch das Maul über Livs intimste Geheimnisse zerreißt, macht es nicht besser...

Außerdem ist Graysons und Emilys Großmutter wieder in London und alles andere als begeistert über den Familienzuwachs – Liv und Familie müssen sich von dem intriganten „Biest in Ocker“ so einiges gefallen lassen.

Und als ob das noch nicht genug wäre, treibt sich nicht nur eine gruselige Gestalt in den Traumkorridoren herum, auch Livs kleine Schwester Mia fängt an zu schlafwandeln und bringt sich in große Gefahr!

Meine Meinung:
Ich habe mich sehr auf die Fortsetzung gefreut, da mir der erste Band schon super gefallen hat. Zwar hat mich der Hype um „Silber“ ehrlich gesagt ziemlich genervt, aber ich bin schon seit vielen Jahren begeisterte Leserin von Kerstin Giers Werken, angefangen mit ihren Chick Lit-Romanen und dann später die Edelstein-Trilogie. Deshalb erwarte ich auch ein bestimmtes Niveau bei ihren Büchern, und bislang hat sie mich nie enttäuscht – auch nicht hier.

Zuerst einmal würde ich dringend empfehlen, den ersten Teil der Trilogie zu lesen, bevor man sich diesen Band zu Gemüte führt. Zwar werden nochmal einige Zusammenhänge erklärt, aber generell ist es besser, wenn man die Handlung im ersten Band bereits kennt und sich dort zusammen mit Liv die Traumwelt erschlossen hat.

„Silber – Das erste Buch der Träume“ endete mit dem Schulball, und der zweite Teil knüpft nun mehrere Monate danach an das Ende der Winterferien an. Ein bisschen schade fand ich, dass man kaum etwas über Livs und Mias Aufenthalt bei ihrem Vater in der Schweiz erfährt. Gerne hätte ich auch mal den Vater kennengelernt.

Auch hier halten sich Liv und Henry wieder sehr oft in der Traumwelt auf. Liv bewegt sich mittlerweile recht sicher durch die Traumkorridore, auch wenn noch nicht jede Verwandlung problemlos klappt, was bei mir zum ein oder anderen Schmunzler führte. Ich hätte jedoch gerne mehr darüber erfahren, wie genau Mia das mit dem Verwandeln gelernt hat, denn es klingt doch immer recht einfach. Aber diese Entwicklungen kommen mir prinzipiell in Jugendbüchern, in denen eine Figur von heute auf morgen besondere Fähigkeiten entwickelt, zu kurz.

Das Hin und Her mit Henry ging mir manchmal ein bisschen auf den Zeiger. Hier hätten mir ein paar Szenen weniger auch gereicht. Erst das ständige Geturtel, dann das ständige Misstrauen. Außerdem konnte ich es nicht nachvollziehen, dass sich Henry so stark von Liv zurückzieht, ihr Dinge verheimlicht, dann aber die Worte „Ich liebe dich“ nahezu inflationär oft verwendete.

Schön finde ich, dass auch die Nebenstränge um die anderen Figuren fortgeführt werden, z. B. die Beziehung von Livs Mutter und ihrem Freund Ernest sowie die Schwärmerei zwischen Lottie und Charles.

Liv ist ein schlagfertiges und liebenswertes Mädchen, das sich mit Witz und Ironie durch ihr Teenagerdasein schlägt. Schön finde ich ihr Verhältnis zu ihrer Familie, sie hat eine liebevolle Beziehung zu ihrer Schwester und vergöttert ihr Kindermädchen Lottie, das sich wiederum rührend um die Mädchen kümmert. Auch die Beziehung zur Mutter bessert sich. Als ruhende Pole und Retter in der Not sind Ernest und Grayson wie echte englische Gentlemen stets zur Stelle und sind hier ganz klar große Sympathieträger. Im Kontrast dazu lernen wir in diesem Band nun auch Ernests und Charles‘ Mutter kennen, die wirklich eine fiese Oberzicke ist. Auch Secrecy sammelt mit ihrem fiesen Blog sicherlich keine Sympathiepunkte. Doch sie sind wohl nichts im Vergleich zu den wirklichen Bösewichten in der Geschichte.

Ansonsten kann Kerstin Gier wieder mit ihrem tollen Schreibstil überzeugen. Ich mag ihren Humor sehr, z. B. war das Getue um Mr. Snuggles (Ich werde jetzt mal nicht verraten, worum es sich hier genau handelt.) so überzogen, dass es schon wieder komisch war.

Doch auch die ernsten Seiten kommen nicht zu kurz. So sind Henrys Familienverhältnisse ziemlich traurig, und auch die Sorge um Mia ist groß. Interessant fand ich, dass die Autorin bei den Protagonisten und auch bei mir eine sicherlich diskussionswürdige Frage aufwirft: Ist es verwerflich, wenn man – bewusst – in seinen Träumen etwas tut, das moralisch sehr bedenklich ist, oder ist es in Ordnung, weil es nunmal nicht die Realität ist?

Die Auflösung, welche Person es auf Mia abgesehen hat und warum, schien plausibel, und es ist doch eher verwunderlich, dass Liv nicht selbst auf diese Lösung gekommen ist. Aber es blieben wieder einige Fragen offen, z. B. wer Secrecy ist. Ich frage mich, ob der kuriose Senator Tod im dritten Band noch eine Rolle spielen wird, denn ansonsten ist diese Figur ein bisschen überflüssig gewesen, wenn sie auch für ein paar gruselige Momente sorgte. Aufgrund der letzten Szene frage ich mich, ob nun jeder einfach mal so in die Träume Anderer schleichen kann. Bislang dachte ich, dass das etwas Besonderes ist und nicht jeder dafür begabt ist. Aber immerhin verspricht das Ende ziemlich viel Action für den dritten Band, denn wie es wird dann noch voller auf den Traumkorridoren, und es werden sich wohl Fronten unter den Schülern bilden. Es bleibt also spannend!
 
4 von 5 Schreiberpaletten

Dienstag, 2. September 2014

Ein neuer Lebensabschnitt

Gestern war es endlich so weit: Meine Ausbildung zur Verwaltungswirtin im Mittleren Nichttechnischen Dienst hat begonnen!

Zusammen mit über 40 weiteren Azubis, die von der Stadt angestellt wurden (Davon aber nur 11 als Beamtenanwärter, die Stadt bildet auch z. B. Gärtner, Mechatroniker und Köche aus.), bekamen wir eine schöne Einführung. Neben vielen Fakten, Fakten, Fakten, Organisatorischem, Vorstellen des Ausbildungsleitfadens und eigener Vorstellung durften wir das Essen in der Kantine testen und anschließend eine Stadtführung mitmachen. Übrigens war ich tatsächlich mit 32 Jahren die Oma im Bunde. :-/ Zwar gab es noch ein paar weitere "Späteinsteiger", aber viele Azubis waren natürlich noch sehr jung (Der Jüngste 15, putzig!)

Heute dann hatte ich auch schon den ersten Schultag in der Verwaltungsschule. Wenigstens in der Klasse bin ich nicht die Älteste! :-) Aber die Massen an Lehrbriefen, die wir schon allein für den 1. Lehrgang bekamen, der zwei Monate dauert, ließen uns echt die Ohren schlackern! Ich weiß gar nicht, ob mein altes Hirn noch so viele Informationen speichern und verarbeiten kann. Aber ich will diese Ausbildung auf jeden Fall so gut wie möglich durchziehen!

Auf jeden Fall bin ich ganz gespannt, wie es nun also so werden wird. Ich freue mich aber auch auf die neuen Möglichkeiten, die sich mir nun bieten werden. :-) Leider werde ich wohl zukünftig nicht mehr ganz so viel Zeit zum Lesen und Bloggen haben, aber da die Unterrichts- und Arbeitszeiten moderat sind, hab ich ja hoffentlich auch noch ein bisschen Freizeit. ;-)

Und damit das Thema noch so minimalst in die Buchnische passt - hier mein neues Regal, das wir anbauen mussten, damit auch meine Ausbildungssachen Platz haben.

Die VSV, das ultimative Grundwerk für den schicken Beamten von heute. Das Wörterbuch ist natürlich sehr praktisch! Dazu kommen dann noch ca. 5 Millionen Lehrbriefe, die wir so nach und nach in der Verwaltungsschule erhalten werden.