Donnerstag, 15. Januar 2015

Rezension: "Himmelhochjauchzendhellblau" von Ulrike Busch

Daten zum Buch:
erschienen am: 2. September 2014
Verlag: Selfpublishing
ISBN: 978-3000465833
250 Seiten
Preis: 9,95 €

Zum Inhalt:
Seit dem Tod seiner geliebten Frau Alma hat der 80jährige Georg „Schorschi“ Scholz jeglichen Lebensmut verloren. Nach einem Sturz in seinem Haus wird er von seinen Söhnen überredet, in die Seniorenwohnanlage „Herbstsonne“ zu ziehen.

Dort lebt er sich wider Erwarten schnell ein und findet auf Anhieb Anschlus. Als einer der wenigen stattlichen Herren wird Schorschi sofort von allen Seiten umschwärmt. So muss er sich nicht nur vor der prahlerischen und resoluten Sophie von Kleefeldt retten, die ihn offen, ja geradezu aggressiv anflirtet. Der rüstige Rentner erhält zudem von einer heimlichen Verehrerin romantische Geschenke und anonyme Anrufe. Dabei trauert er doch noch um seine geliebte Alma! Doch da ist auch die sportliche Sonja Baum, die mit ihrer jugendlich-agilen Art Schorschis Lebensgeister wiedererweckt und für wildes Herzklopfen sorgt. Ist er vielleicht doch bereit für einen späten zweiten Frühling?

Meine Meinung:
Der Zusatz „Turbulenter Liebesroman“ ist nicht übertrieben, denn in der „Herbstsonne“ geht es tatsächlich turbulent zu. Wir befinden uns nicht in einem Altersheim, in dem körperlich schwache Rentner gelangweilt durch den Tag schlurfen und sich aufs Sterben vorbereiten; in dem überforderte Pflegekräfte lieblos ihren Dienst am Objekt verrichten; das den Charme eines sterilen Krankenhausflures verströmt.

Bei der „Herbstsonne“ handelt es sich um eine Seniorenwohnanlage, in der sich die Bewohner – so weit noch möglich – in ihren eigenen vier Wänden selbstbestimmt leben können, ohne auf die Annehmlichkeiten eines betreuten Wohnens verzichten zu müssen. So sind denn auch die meisten von ihnen recht agil und munter. Das liebevolle Personal tut alles, um seinen Bewohnern jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Das tägliche Essen ist fernab von jeglichem Kantinenfraß ein Gaumengenuss, es gibt zahlreiche Sport-, Kultur- und weitere Freizeitangebote. Zu schön, um wahr zu sein? Ja, das dachte ich mir auch öfter beim Lesen, aber andererseits macht das auch den Charme des Buches aus. Es ist doch schön, dass hier das Altern und Rentnerdasein auch mal von solch einer positiven Warte aus betrachtet wird, dass man mit einem hohen Alter nicht immer nur an Krankheit, Tod und Verlust denkt. Man trifft hier sozusagen die „tollen Alten“, und es macht Spaß, ihnen zuzuschauen.

Für Turbulenz sorgen v. a. die zahlreichen Handlungsstränge und häufigen Perspektivenwechsel, die mir gut gefallen haben. Ging es anfangs noch nur um Schorschi, erhielten auch die anderen Bewohner der „Herbstsonne“ nach und nach ihre eigene Storyline. So wird die Geschichte bunter, vielfältiger und chaotischer, und die einzelnen Charaktere erhalten eine gewisse Tiefe und verkümmern nicht zu Statisten. Jeder Leser wird hier seine Lieblinge finden.

Wir haben die exzentrische Sophie von Kleefeldt, die es auf den armen Schorschi abgesehen hat und deren Geheimnis niemand erfahren soll. Die lebenslustige Sonja Baum, die nach dem Tod ihres dominanten Mannes endlich ihr Leben so gestalten will, wie sie es für richtig hält. Die schüchterne Rosita Simmering, die sich stets im Hintergrund hält und von der behauptet wird, dass sie durch düstere Rituale den Tod von Bewohnern herbeiführen kann. Es gibt Schorschis Pokerfreunde und zwei geschwätzige Tratschtanten, die mit ihren Gerüchten noch für viel Aufregung in der „Herbstsonne“ sorgen.

Das Buch hat sich flüssig und flott gelesen. Die Autorin schreibt sehr anschaulich und mit Liebe zum Detail. Der Humor ist nicht plump, sondern recht feinsinnig und hat mir viele Schmunzler ins Gesicht gezaubert.

Der Zusatz „freigegeben ab 45 Jahren“ ist irreführend bzw. vielleicht etwas unglücklich gewählt und sollte jüngere Leser nicht abschrecken! Ich fühlte mich mit meinen 33 Lenzen von diesem Roman sehr gut unterhalten und finde, dass Leser jeden Alters mit „Himmelhochjauchzendhellblau“ ihren Spaß haben können. Die Lebensfreude der alten Herrschaften in diesem Buch ist richtig ansteckend!

5 von 5 Schreiberpaletten

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