Mittwoch, 7. Januar 2015

Rezension: "Klüger als wir denken: Wozu Tiere fähig sind" von Juliane Bräuer

Daten zum Buch:
erschienen am: 2. September 2014
Verlag: Springer Spektrum
ISBN: 9783642416897
312 Seiten
Preis: 19,99 €

Zum Inhalt:
Sind Menschen wirklich klüger als Tiere? Es muss so sein – wir bauen ganze Städte, entwickeln Technologien und führen Kriege. Wir tun all das, was Tiere nicht können. Oder nicht wollen? Zu welchen Leistungen sind Tiere eigentlich fähig? Können sie rechnen, haben sie eine Kultur, verstehen sie vielleicht sogar unsere Sprache?

Die promovierte Biologin Julian Bräuer geht diesen Fragen nach. In diesem Buch stellt sie ihre Forschungsergebnisse aus 14 Jahren Arbeit am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig vor. Sie hat selbst zahlreiche Studien mit Menschenaffen, Hunden, Wölfen, Schweinen und Kleinkindern durchgeführt. Ihre Erkenntnisse werden ergänzt durch die Schilderungen zahlreicher weiterer Versuche und Beobachtungen anderer Wissenschaftler auf der ganzen Welt.

Meine Meinung:
Das Buch ist – nach der Einleitung „Wie klug sind Tiere?“ – in zwei große Themenkomplexe aufgeteilt. Im ersten Teil geht es um die physikalische Kognition, hier werden also Fragen geklärt wie: Können Tiere logisch denken, können sie rechnen, Werkzeuge herstellen, planen sie für die Zukunft? Im zweiten Teil geht es um Forschungen im Bereich der sozialen Kognition:Verstehen Tiere Symbole, sind sie hilfsbereit, geben sie ihr Wissen weiter, haben sie einen Sinn für Fairness? Jedes Kapitel widmet sich dabei einer Fähigkeit, die als einzigartig menschlich gilt bzw. galt.

Der Schreibstil ist sehr angenehm. Obwohl Juliane Bräuer Wissenschaftlerin ist, schreibt sie so, dass jeder Laie ihren Ausführungen folgen kann. Sie leiert keine Versuchsreihen und -ergebnisse herunter und quält den Leser mit langatmigen Analysen, sondern beschreibt anschaulich in einem lockeren Sprachstil, den jeder versteht.

Für einen angenehmeren Lesefluss wurden zudem Fußnoten weggelassen, dafür findet sich im Anhang ein ausführliches Literaturverzeichnis. Wer möchte, kann also zu den jeweiligen Versuchen und Theorien auch noch weitere Recherchen betreiben.

In erster Linie werden hier viele Versuchsreihen mit Menschenaffen vorgestellt. Doch auch andere Tierarten kommen zum Zug: Tieraffen, Hunde, Wale, Krähen,... Gerade die Vogelwelt hat mich am meisten erstaunt, denn einige Vogelarten sind teilweise raffinierter und intelligenter als die uns ähnlicheren Säugetiere. Schon gewusst, dass Küken zählen können? Zwar nur bis 5, aber immerhin! Oder dass Graupapageien – mit dem richtigen Training – kleine Mathegenies sind? Und wer hätte gedacht, dass wiederum gerade die dem Menschen am ähnlichsten Schimpansen ziemlich asoziale Socken sind, wenn es um Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit geht?

Es soll kein Wettbewerb zwischen Tieren und Menschen stattfinden, denn alle Wesen sind einzigartig, haben Charaktereigenschaften und Fähigkeiten, die ihnen zu eigen sind und die sie für ihre Lebensumstände benötigen. Und so wirklich vergleichen kann man ja Tiere und Menschen auch nicht. Dennoch fand ich es interessant und unterhaltsam, dass die Autorin immer mal wieder die Fähigkeiten von Menschenkindern als Vergleichsgrundlage heranzieht. So habe ich gelernt, dass sich Schimpansen und 2,5jährige so gut wie gar nicht darin unterscheiden, was das kausale Verständnis ihrer Umwelt angeht. Dafür sind Kleinkinder von Natur aus viel hilfsbereiter als ihre pelzigen „Konkurrenten“. Mal haben die getesteten Tiere die Nase vorne, mal die Kinder. Und so verhält es sich auch mit den verschiedenen Tierarten.

Dieses Buch ist voller erstaunlicher Erkenntnisse. Von manchen Versuchen bzw. Versuchtieren hat man vielleicht schonmal in den Medien gehört, vieles ist jedoch sicherlich neu – zumindest für Leute wie mich, die sich ansonsten nicht wirklich für Biologie interessieren.

Die Illustrationen von Alex Chauvel lockern das Buch optisch auf. Bei einigen Versuchen waren die Bilder sehr hilfreich, um sie sich besser vorstellen zu können, bei manchen Versuchen waren die Zeichnungen aber auch überflüssig. Echte Fotos hätte ich noch spannender gefunden, aber diese lagen sicherlich nicht für jeden Versuch vor bzw. ist das auch eine Kostenfrage.

Ich habe bei der Lektüre von „Klüger als wir denken: Wozu Tiere fähig sind“ viel gelernt. Die Autorin möchte „einen unterhaltsamen Überblick über die neuesten Erkenntnisse und Theorien über die Grenze zwischen Mensch und Tier geben“. Dies ist ihr sichtlich gelungen.

5 von 5 Schreiberpaletten

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