Dienstag, 24. Februar 2015

Blogtour: "Herz in Scherben" von Kathrin Lange - Leseproben inkl. Gewinnspiel


Herzlich willkommen bei der Blogtour zu Kathrin Langes „Herz in Scherben“, die heute bei mir und meiner Blogtourpartnerin Sarah Halt macht.

Ich habe euch ein paar kleine Leseproben aus dem Roman herausgesucht, die euch hoffentlich (noch) neugierig(er) auf das Buch machen!

Zuerst einmal zur Einstimmung der Buchtrailer zum Auftakt der "Herz aus Glas"-Trilogie:




Seit den Geschehnissen auf Martha's Vineyard sind mehrere Monate vergangen. Juli und David leben jetzt in Julis Heimatstadt Boston, wo sie beide versuchen, die dramatischen Erlebnisse auf den Klippen zu verarbeiten. Ziemlich überraschend erhält David eine Einladung zu einer großen Feier anlässlich des 50. Geburtstages seines Vater Jason.

>>> Ich überlegte. „Wenn ihr so ein schlechtes Verhältnis habt, du und dein Vater, warum hat er dich dann eingeladen?“
Weil es nun mal zum guten Ton gehört“, sagte er seufzend. Seine Fingerspitzen krabbelten über meinen Rücken. „Ich werde irgendwann den Verlag übernehmen und darum hält er es für meine Pflicht, bei solchen Anlässen zu repräsentieren.“
Ich riss die Augen auf. „Du sollst den Verlag übernehmen?“
Er lächelte: „Warum nicht? Du weißt, dass ich Bücher mag. Genauso wie du.“
Ich nickte nachdenklich. Wir hatten bisher nur wenig darüber gesprochen, wie David sich seine eigene Zukunft vorstellte, das wurde mir in diesem Augenblick klar. Wir waren viel zu sehr damit beschäftigt gewesen, mit der Gegenwart klarzukommen. Konnte ich mir David als Leiter eines großen Verlagshauses wie Bell Publishing vorstellen? Irgendwie schon. Er hatte eine natürliche Autorität, die es einem leicht machte, ihn sich als Chef von vielen Angestellten vorzustellen. Trotzdem: Er als Nachfolger von Jason? Ich hatte Mühe, das zu glauben.
Meinst du, er hat dich eingeladen, weil er sich mit dir versöhnen will?“, überlegte ich.
David schüttelte den Kopf. „Kaum denkbar.“
Warum nicht? Er...“
Jetzt legte er mir die Fingerspitzen auf den Mund. „Scht! Themawechsel, okay?“
Ich unterdrückte ein Seufzen, gab jedoch nach. „Okay.“
Eine Weile lang schwiegen wir beide, kuschelten uns nur aneinander und lauschten auf den Herzschlag des jeweils anderen.
Dein Vater“, rutschte es mir schließlich heraus. „Er...“
Ich spürte Anspannung in Davids Körper und verstummte.
Also?“, sagte er schließlich und schenkte mir ein kleines Lächeln. „Spuck schon aus, was du sagen wolltest, bevor du noch platzt!“
Ich hatte zwar ein schlechtes Gewissen, so in Davids Wunden zu bohren. Trotzdem arbeiteten so viele Fragen in mir, seit wir zurück in Boston waren. Ich dachte an die Ereignisse, die wir im Winter gemeinsam erlebt hatten – überlebt traf es wahrscheinlich besser. Ich dachte daran, wie mein Vater und Jason Bell mich gebeten hatten, mich um David zu kümmern, weil seine Verlobte Charlie kurz zuvor gestorben war. Ich dachte daran, wie ich herausgefunden hatte, dass Charlies Tod möglicherweise kein Unfall gewesen war, sondern Selbstmord. Ich dachte an die langen, kalten Wintertage an Davids Seite, die angefüllt waren mit Düsternis und Angst, mit dem Gefasel eines indianischen Dienstmädchens von dem Geist einer toten Frau und einem unheimlichen Fluch, mit eisigem Frösteln in der großen Halle des Herrenhauses und unheimlichen, gewisperten Stimmen draußen im Freien und auf den Klippen. Und ich dachte daran, wie das Ganze schließlich auf ebendiesen Klippen geendet hatte – erst mit dem Tod von Taylor und schließlich mit dem Mordversuch von Davids bestem Freund Henry an mir selbst.
David befand sich in Therapie seitdem. Ich selbst hatte eine Weile lang mit dem Gedanken gespielt, das ebenfalls zu tun, aber letztendlich hatte ich mich dagegen entschieden. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit all diesen Ereignissen ganz gut allein zurechtkam. - Nun ja. Wahrscheinlich tat ich das, weil ein Freund von Dad, der Psychiater war und sich ab und an mit mir unterhielt, mir nicht unwesentlich dabei half.
Ich muss oft an alles denken“, murmelte ich.
David atmete so tief durch, dass mein Kopf an seiner Brust sich hob und senkte. Bevor ich ihn fragen konnte, woran er er dachte, sagte er etwas sehr Sonderbares: „Mein Vater, Juli... hat immerhin kein Blut an den Händen.“
Ich richtete mich auf und rückte ein Stück von David ab.
Was ist das denn für ein finsterer Spruch?“, empörte ich mich. „Du hast doch auch kein Blut an den Händen!“
Er lehnte den Kopf gegen die Wand hinter seinem Rücken und schloss die Augen. Auf einmal sah er erschöpft aus. „Lass gut sein, Juli, okay?“
Ich wollte protestieren, aber er legte sich selbst den Zeigefinger an die Lippen. „Scht!“ Als ich trotzdem weiterreden wollte, lehnte er sich vor und verschloss mir den Mund mit einem langen Kuss.
Versprich mir nur eins!“, stieß ich atemlos hervor, als er sich von mir löste.
Er nickte ergeben. „Was?“
Dass du nicht auf diese bescheuerte Insel zurückfahren wirst!“
Das Licht der Leselampe warf einen tiefen Schatten über seine Augen, als er den Kopf senkte. „Ich verspreche es“, sagte er leise.
Heute frage ich mich manchmal, ob er an diesem Abend tatsächlich noch entschlossen war, dieses Versprechen zu halten, oder ob mich da schon angelogen hat. Denn natürlich fuhr er kurz darauf nach Sorrow. Und ich konnte nichts dagegen tun. <<<
(S. 33-35)

David bricht sein Versprechen und macht sich heimlich auf den Weg. Doch Juli, die mit ihrem Vater ebenfalls zur Feier eingeladen ist, folgt ihm kurzerhand, auch wenn sie eigentlich nie wieder einen Fuß auf die Insel setzen wollte.

Doch kaum angekommen, reißen die alten Wunden wieder auf. David leidet darunter, sich nicht an die Nacht von Charlies Tod erinnern zu können, und zieht sich von Juli zurück. Und Jason Bell ist immer noch der abweisende Vater, der David für einen Schwächling hält.

>>> Kaum waren sie fort, verzerrte sich Jasons Gesichtsausdruck erneut. Mir grauste es beim raschen Wechsel seiner Stimmungen.
David hatte noch immer die Fäuste geballt. Jason musterte ihn mitleidig. „Na, los doch!“, wisperte er kaum verständlich. „Das willst du doch schon so lange tun, nicht wahr? Seit diesem Tag, David, an dem Charlie...“
Diesmal wurde er unterbrochen, weil Davids Faust ihn in den Magen traf. Es war ein ansatzloser Schlag, hart und kompromisslos. Ein leises Ächzen kam aus Jasons Mund, er klappte vornüber, aber ich wusste in dieser Sekunde, dass er nicht ernsthaft verletzt war. Langsam richtete er sich wieder auf. „Ist das alles, was du draufhast?“ Seine Stimme troff vor Hohn.
David stand da, als wäre er zu Stein erstarrt, und auch ich war unfähig, mich zu rühren.
Aus irgendeinem Grund verlangsamte sich die Zeit. Ich sah, wie Jasons Arm zurückschwang, wie er mit der flachen Hand ausholte, so weit, wie es ging. Und dann sah ich seine Hand vorschnellen, in Davids Gesicht. Davids Kopf wurde herumgerissen. Das Klatschen der demütigenden Ohrfeige hallte in meinen Ohren.
David rührte sich nicht. Mehrere Sekunden lang stand er da, den Kopf nach links gedreht, die Haare in die Augen hängend, während sich Jasons Handabdruck auf seiner Wange und seinem Jochbein abzeichnete. In seinen Augen loderte es hasserfüllt.
Ich hielt den Atem an, als er erneut die Fäuste ballte. Schon sah ich ihn auf seinen Vater zufliegen, sah die beiden in einer blutigen Prügelei zu Boden gehen, sah die Gäste vor meinem geistigen Auge neugierig tuschelnd herbeistürmen. Aber etwas gänzlich Unerwartetes geschah. David schlug tatsächlich noch einmal zu – mit einem lang gezogenen Schrei. Aber seine Faust krachte nicht ins Gesicht seines Vaters. Sondern auf die Glasplatte des kleinen Tisches, der neben ihm stand. Das Glas zersprang mit einem Knall. Als habe das irgendeinen Bann gebrochen, der über Jason gelegen hatte, blinzelte er irritiert.
Dann warf er sich abrupt herum und wankte genauso unsicher über den Rasen davon, wie er sich uns vor wenigen Minuten genähert hatte.
Ich wandte mich David zu. Und erschrak.
Blut troff von seiner Handkante, rann ihm als breiter Strom in den Ärmel. Aber das war es nicht, was mich in Panik versetzte. Es war der Ausdruck auf seinem Gesicht. Ich hatte erwartet, dort noch immer den flammenden Zorn auf seinen Vater zu sehen. Doch da war etwas völlig anderes.
David starrte auf das Blut. Er sah aus, als hätte ihn eine plötzliche Erkenntnis durchzuckt. Dann wurde der Ausdruck auf seinem Gesicht abgelöst von so tiefem Entsetzen, dass meine Knie anfingen zu zittern. Er taumelte, tastete mit der unverletzten Hand nach Halt. Ich griff zu, fasste seinen Arm und er stützte sich schwer auf mich. Ich kannte den Grund für sein Entsetzen. Wusste, was ihn beinahe zu Boden gehen ließ.
Er hatte sich an irgendwas erinnert. <<<
(S. 135-137)

Juli leidet nicht nur unter Davids Zurückweisung, sondern auch unter sonderbaren, schaurigen Albträumen. Auf unerklärliche Weise fühlt sie sich stark von den Klippen angezogen.

>>> Ich wartete, bis Dad fortgegangen war, und danach stand ich noch eine ganze Weile unschlüssig in der Halle herum. Schließlich entschied ich mich, nach oben in mein Zimmer zu gehen. Meine Hand berührte den Handlauf der Treppe und ein Frösteln überfiel mich, ein eisiger Schauer, der in meinem Genick begann und von dort aus über mein gesamtes Rückgrat rieselte. Bevor ich wusste, wie ich damit umgehen sollte, sagte hinter mir eine leise Stimme: „Sie wissen, dass Madeleine da ist, nicht wahr? Sie können sie spüren, genauso wie ich.“
Ich drehte mich um.
Vor mir stand Grace. Ihr Gesicht war weiß und leer wie eine Leinwand, bevor der Maler den Pinsel hob. Aber in ihren Augen funkelte etwas, das mich zornig machte. „Fangen Sie nicht schon wieder mit diesem Geisterzeug an!“, fuhr ich sie betont unfreundlich an, um mein eigenes Unbehagen zu überspielen.
Ich habe Sie davor gewarnt, zurück auf die Insel zu kommen.“ Sie lächelte. Ich wusste nicht so recht, ob herablassend oder mitleidig. Überhaupt schien mir jedes bisschen gesunder Menschenverstand abhandengekommen zu sein. Ich meine: Warum hörte ich mir Grace' Gerede nur immer wieder an? Konnte es sein, dass ich den Schauder inzwischen genoss? Können wir uns an das Furchtbare in unserem Leben so sehr gewöhnen, dass wir es herbeisehnen, wenn es nicht da ist?
Im Traum hatte ich mich darauf gefreut, in die Tiefe zu springen. Vielleicht war das ja Ausdruck meines geistigen Zustands. Vielleicht war ich ja auf die Insel zurückgekommen, weil ich leiden wollte.
Genau wie David.
Sie wollten nicht auf mich hören“, redete Grace weiter. „Madeleine hat Sie einmal entkommen lassen. Sie wird es nicht ein zweites Mal tun.“
Ich weiß“, stieß ich hervor. „Ich werde sterben.“
Grace' Lächeln veränderte sich, wurde höhnisch. Sie öffnete den Mund, aber bevor sie etwas sagen konnte, wurde die Tür zu Jasons Arbeitszimmer aufgerissen und David stürmte an uns vorbei.
Grace machte ein Geräusch, das irgendwie triumphierend klang.
Ich ließ sie stehen und rannte hinter David her. Erst draußen auf der Eingangstreppe erwischte ich ihn. Ich packte seinen Unterarm und zwang ihn, sich zu mir umzudrehen.
Seine Augen...
Ein Ausdruck flackerte darin, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Horror. Das war das einzige Wort, das mir dazu einfiel. „Was ist passiert?“, hauchte ich und ließ ihn los.
Er stand ganz aufrecht, regungslos, so, als habe sich seine Wirbelsäule in Stein verwandelt. Ich konnte den Pulsschlag sehen, der unter der dünnen Haut an seinem Hals klopfte. „David?“, flüsterte ich. Ich wollte diesen Ausdruck von seinem Gesicht wischen, aber natürlich ging das nicht. Alles, was ich tun konnte, war, die Hand nach ihm auszustrecken und seine Wange zu berühren.
Da endlich fing er sich.
Er packte meine Hand. Umklammerte sie so fest, dass es wehtat. Ich beklagte mich nicht.
Die Worte fielen aus seinem Mund und vor meine Füße wie scharfkantige Scherben.
Sie haben Charlies Leiche gefunden.“ <<<
(S. 164-165)

Und wenn ihr jetzt neugierig geworden seid und wissen wollt, wie die Geschichte um Juli, David und den Fluch von Madeleine Bower weitergeht, dann ab in die Buchhandlung und „Herz in Scherben“ kaufen!

Alternativ könnt ihr auch versuchen, das Buch zu gewinnen, denn der Verlag verlost unter allen, die auf den 14 teilnehmenden Blogs kommentieren, ein Exemplar: Hinterlasst mir einfach bis zum 2. März einen Kommentar, wie euch die Leseproben gefallen haben. Oder/Und schaut bei Sarah vorbei und macht bei ihrem kleinen Rätsel mit.

Kommentare:

  1. Hallo und guten Morgen,

    Danke für die Leseprobe und ja dadurch bekommt man noch mehr Lust auf das Buch. Das Ende ist schön dramatisch...

    LG..Karin..

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  2. Hallo!
    Danke für die tolle Leseprobe!
    Jetzt bin ich noch gespannter auf das Buch und kann
    es kaum erwarten es zu lesen :-)
    GLG Mimi
    mimis.lesesucht@gmail.com

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  3. Auch wenn ich eigentlich nicht der beste Freund von Leseproben bin, kam ich um diese hier nicht herum und möchte mich ausdrücklich für die Auswahl der Auszüge bedanken!
    Ich finde den Schreibstil hier ganz toll, flüssig zu lesen, aber nicht zu simpel und zugleich kann man schon den Auszügen einen interessanten Plot entnehmen.
    Der Arena-Verlag hat ja eh immer ganz tolle Bücher im Programm, so dass ich mal ganz flott mit in den Lostopf hüpfen muss.
    Bei deiner Blogtourpartnerin Sarah werde ich auch gleich noch vorbeischauen. Mehr Versuche sollen ja bekanntlich die Chancen erhöhen ;-)

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  4. Hallo,
    danke für die tolle Blogtour! :) Mir hat die Leseprobe sehr gut gefallen und sie hat meine Neugier für das Buch noch mehr geweckt. Ich würde gerne in den Lostopf hüpfen.
    Liebe Grüße,
    Diana

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  5. Hi :)

    Mich hat die Leseprobe ganz schön neugierig gemacht. ich bin so auf das Buch gespannt.
    Der erste Teil hat mich ja schon vollkommen überzeugt und die Leseprobe steht dem in nichts nach. Ich würde gern mit in den Lostopf hüpfen :)

    Liebe Grüße
    Maddie :)

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  6. WOW...dieLeseprobe ist der Hammer und ich würde sehr gerne mehr erfahren und hüpfe sehr gerne dafür in den Lostopf. :D

    Toller Beitrag und toller Blog.

    Liebe Grüße Susanne von
    Bücher aus dem Feenbrunnen
    http://fantastikbooks.blogspot.de/

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Von der Wiege bis zur Bahre - Kommentare, Kommentare! Und ich freue mich über jeden Einzelnen davon. :-)