Donnerstag, 19. Februar 2015

Rezension: "Zum Glück bemerkt mich niemand... dachte ich" von Liv Marit Weberg

Daten zum Buch:
erschienen am: 19. Februar 2015
Verlag: FISCHER Sauerländer
ISBN: 9783737351706
224 Seiten
Preis: 12,99 €

Zum Inhalt:
Endlich geschafft! Mit dem Schulabschluss in der Tasche zieht es die 19jährige Anne Lise weg vom Elternhaus ins große, geschäftige Oslo. Erstmal ein bisschen studieren und das Großstadtleben genießen. Doch der Anschluss zu den Kommilitonen erweist sich als schwierig, denn Anne Lise hat ein Problem: Sie ist schüchtern. So schüchtern, dass sie nur ungern mit Menschen redet und den Tag am liebsten damit verbringt, von ihrer Wohnung aus die Straße zu beobachten und dabei selbst unsichtbar zu bleiben.

Dann tritt Tore in ihr Leben und verliebt sich in sie. Doch Anne Lise kann Tores Erwartungen an eine Beziehung nicht erfüllen, und so steht sie nach wenigen Monaten wieder alleine da. Was ja gar nicht so schlecht ist, denn sie will ja ohnehin nur ihre Ruhe. Doch als der Studienkredit ausläuft und auch die Eltern keinerlei Ambitionen zeigen, ihre Tochter finanziell zu unterstützen, hat Anne Lise nur zwei Möglichkeiten: Weiterhin zuhause bleiben und verhungern, oder vor die Tür treten und einen Job suchen...

Meine Meinung:
Es fällt mir wirklich schwer, dieses Buch zu rezensieren. Als ich den Klappentext las, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich erwartete eine schräg-komische Geschichte um ein schüchternes Mädchen. Aber wenn man mich jetzt nach der Lektüre fragt, was ich von der Protagonistin und der Story halte, dann muss ich erstmal spontan mit den Achseln zucken und etwas länger überlegen...

Alles ist aus Anne Lises Sicht geschrieben. Die Kapitel sind extrem kurz, teilweise nur eine halbe Seite, teilweise nur wenige Sätze, meist so zwischen 1-2 Seiten.

Die Protagonistin ist irgendwie anstrengend. Sie ist nicht nur einfach sehr schüchtern – das hätte ich ja noch liebenswert gefunden. Sie ist nahezu emotionslos, an anderen Menschen desinteressiert und überhaupt desillusioniert. Sie hat stellenweise autistische Züge, wenn ich auch vom Gesamtbild her nicht denke, dass sie Autistin sein könnte. Anne Lise ist einfach nur... seltsam. Ich konnte gar keinen Bezug zu ihr herstellen, sie war mir regelrecht unsympathisch. Circa bis zur Hälfte fand ich das Buch dann auch einfach nur total langweilig.

Der Job in der Autobahnraststätte verspricht dann etwas mehr Action. Anne Lise ist echt skurril, und was sie so vom Stapel lässt – v. a. gegenüber Chef und Kunden –, ist stellenweise dann doch recht witzig. Dann aber wirkt es doch wieder zu befremdlich, und ihren Gedankengängen kann ich nicht im Geringsten folgen. Ich verstehe, dass man manchmal unsichtbar sein und auf alles pfeifen möchte, dass man von der Welt nichts sehen und hören möchte. Aber die Protagonistin wirkt nicht wie eine schüchterne 19-Jährige, sondern eher wie eine desillusionierte Mittdreißigerin, die keinen Bock mehr auf die Gesellschaft hat. Wieso sie so ist, bleibt ein Geheimnis. Anne Lises Überlegungen sind kindlich-naiv bis nahezu pseudo-poetisch – allerdings fand ich keinen Zugang zu ihrer Handtaschenphilosophie.

Manche Sachen gehen so hoppla-di-hopp. Anne Lise trifft Tore gleich am Anfang des Buches, und nach zwei Seiten sind sie schon zusammen. Man fragt sich, wie sie das gemacht hat, wo sie weder eine Frau der großen Worte noch Taten ist. Und Tore scheint ja nun relativ normal zu sein. Was das dann letztendlich für eine Beziehung sein soll, fragt sich nicht nur er, sondern auch der Leser. Und da ist es nicht weiter verwunderlich, dass Tore nach wenigen Monaten einen verzweifelten Schlussstrich zieht. Später kommt dann Stian, der für seine Geduld und Unermüdlichkeit in punkto Anne Lise den Friedensnobelpreis erhalten sollte... Aber ich will ja nicht alles vorwegnehmen.

Ich schätze, es war nicht meine Art Humor, und ich möchte diesem Buch selbigen auch nicht absprechen. Es kann sein, dass andere sich über Anne Lise totlachen können und ihre Lebensweisheiten total genial finden. 

Aber ich bin einfach nicht reingekommen in die Geschichte und mochte die Protagonistin überhaupt nicht. Ich war ehrlich gesagt froh, dass das Buch so flott zu lesen ist. Und so kann ich Tore leider nur beipflichten, der das Resümee zieht: „Sorry, echt. Aber aus so Leuten werd ich nicht schlau.“ Schade.

2 von 5 Schreiberpaletten

1 Kommentar:

  1. Hallo Bianca,

    hier ist Bianca von Literatwo (auch als Binea bekannt).

    Ich habe mich gerade durch deine Worte gelesen und dachte mir, dass es vielleicht schön wäre, wenn wir uns ein wenig austauschen. Ich habe den Roman etwas andersartig mit einer Freundin am literatwoischen Lagerfeuer besprochen. Vielleicht hast du Lust vorbeizukommen?

    Wir würden uns freuen und sind auf deine Worte gespannt: http://literatwo.de/zum-glueck-bemerkt-mich-niemand-dachte-ich-liv-marit-weberg/

    LG - Bini

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