Freitag, 3. April 2015

Rezension: "Feed me! Tödliche Gier" von Martina Schmid

Daten zum Buch:
erschienen am: 14.07.2014
Verlag: MEDU
ISBN: 9783944948041
152 Seiten
Preis: 9,95 € (TB)
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Zum Inhalt:
Die 27jährige Bea ist verzweifelt. Obwohl sie objektiv betrachtet eine gute Figur hat, findet sie sich dick, hässlich, einfach nur eklig. Und dann hängt sie ständig mit der megaschlanken, hübschen Gina ab. So wird sie nie einen Mann abbekommen!

Doch dann tritt Francis in ihr Leben. Der gutaussehende, wohlhabende Tierarzt liebt Bea genauso, wie sie ist. Obwohl... ein paar Kilos hier und da könnten ihr noch besser stehen. Aus den anfänglichen Einladungen zum Essen werden regelrechte Fressgelage, und mit jedem Pfund, das Bea zulegt, wächst Francis' Leidenschaft für sie. Ehe sich Bea versieht, ist sie von Francis abhängig und lässt sich von ihm füttern, bis sie sich kaum noch selbst bewegen kann. Doch für ihren Francis würde Bea einfach alles tun - oder?

Meine Meinung:
Ich lese normalerweise keine Thriller - und als Psycho-Thriller könnte man "Feed me!" durchaus bezeichnen. Aber ich wollte gerne mehr über Feeding wissen. Das Buch ist sehr beklemmend, die Praktiken des Feedings und andere Dinge (Ich will nicht spoilern.) werden sehr plastisch und eindringlich dargestellt und führen oft zu einem gewissen Schaudern und Ekel beim Lesen.

Über diese Sexualpraktik wusste ich bislang nicht viel, habe nur einmal im Fernsehen einen kurzen Bericht über Paare gesehen, bei denen der Mann (meist selbst schlank oder dünn) es sexuell erregend findet, seine Frau zu füttern, die irgendwann ein Kaliber erreicht, bei dem sie sich nicht mehr selbst versorgen kann und völlig abhängig von ihrem Mann wird. Schon damals fragte ich mich, wie sich Frauen so etwas antun lassen, denn das Ganze grenzt - auch bei freiwilliger Teilnahme der Frauen - schon an starke Misshandlung.

Mit Bea hat Francis also ein leichtes Opfer gefunden. Von jahrelangem Missbrauch gezeichnet, hasst die eigentlich hübsche Bea sich und ihr Aussehen. An und für sich kann sie einem leid tun. Doch ich wurde mit Bea nicht richtig warm, sie war mir eigentlich ziemlich unsympathisch. Sie jammert zwar die ganze Zeit herum, wie fett sie doch ist (Was sie natürlich nicht ist.), suhlt sich in einer Tour im Selbstmitleid, zieht dann aber figurbetonte Kleidung wie kurze Etuikleider oder enge Tops an, etwas, das meiner Meinung nach keine Frau trägt, die ihren Körper hasst. Außerdem verstehe ich ihre "Freundschaft" zu Gina nicht. Gina wird von Bea als perfekt beschrieben, aber außer grenzenlosem Neid auf ihre Freundin verbindet sie nichts mit ihr. Bea äußert sich ständig negativ über die ach so selbstzentrierte Gina, und auch wenn diese vielleicht nicht die beste Freundin der Welt ist, so finde ich doch, dass Bea nicht besser ist. Und auch wenn man nachvollziehen kann, dass Bea nur Liebe sucht und sich an Francis klammert, so gab es doch oft Momente, in denen ich dachte: "Meine Güte, du dumme Kuh, was muss der Kerl noch machen, damit du es kapierst, dass er ein Psycho ist?!" Kurz und gut: Ich mochte Bea nicht.

Francis mochte ich ebenso wenig, aber das ist auch nicht verwunderlich, er ist ja in der Geschichte der Bösewicht. Ich finde ihn von Anfang an komisch und keineswegs charismatisch, und ich finde es ein bisschen schade, wie Bea sich blenden und behandeln lässt von ihm. Aber natürlich muss es ja so sein, damit sie das perfekte Opfer für diesen Psychopathen ist. Ich hätte mir nur manchmal von Bea mehr Willensstärke gewünscht.

Der Schreibstil ist relativ einfach gehalten und flüssig zu lesen. Wie schon erwähnt, wird das Feeding sehr eindrücklich beschrieben. Die Autorin scheut keine direkten Worte, so dass der Schreibstil zuweilen richtig derb wird. Bea wird als Mastsau bezeichnet, ihrem Körper werden hässliche Adjektive zuteil, sie schildert die verschiedenen Feeding-Praktiken so eindrucksvoll, dass ich mich mehrmals vor Ekel schütteln wollte. Nach diesem Buch kennt man sich mit dem Feeding ganz gut aus, möchte ich behaupten.

Die Geschichte wird sowohl aus Beas als auch aus Francis' Sicht erzählt. Den Perspektivenwechsel empfand ich als gelungen, denn man hat so nicht nur eine Ahnung, warum Bea das alles mitmacht, sondern auch, wieso Francis Gefallen an dem Feeding findet.

Das Ende war mir etwas zu schnell, abrupt und abgehakt. Hier hätte ich noch gerne ein Nachwort gehabt, was denn nun letztendlich mit den Protagonisten passiert ist. Das war mir zu schwammig.

Alles in allem ist "Feed me!" ein spannender Roman, der einem das Thema "Feeding" sehr nahe bringt. Das Buch ist nicht sonderlich spannend im Sinne von actionreich, aber hat viele interessante psychologische Aspekte.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den MEDU-Verlag für dieses Rezensionsexemplar! 

Kommentare:

  1. Erinnert mich an eine Bekannte. Die hat sich auch in eine solche Abhängigkeit begeben.

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    1. Wow, wie krass! Ist sie wieder rausgekommen?

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