Donnerstag, 14. Mai 2015

Rezension: "Die große weite Welt der Mimi Balu" von Kati Naumann

Daten zum Buch:
erschienen am: 1. April 2015
Verlag: Knaur
ISBN: 9783426516812
304 Seiten
Preis: 8,99 € (TB)
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Zum Inhalt:
Eigentlich heißt sie Michaela Balutzke und kommt aus dem beschaulichen Limbach-Oberfrohna. Eigentlich hätte sie die Traditionsbäckerei ihres Vaters übernehmen und hinter der Ladentheke versauern sollen. Doch Mimi Balu hat andere Pläne! Seit 20 Jahren lebt sie nun schon in London und versucht ihr Glück als Künstlerin. Doch der Erfolg bleibt aus, und die mittlerweile 40jährige Mimi ist auf die Finanzspritzen ihrer geliebten Oma Trude angewiesen.

Als sie sich bei einem Besuch in Limbach-Oberfrohna wieder mal Vorwürfe von ihrer Familie anhören muss, erzählt sie einfach, sie habe bald einen großen Auftritt mit ihrer Band. Den will ihre rüstige Oma Trude auf gar keinen Fall verpassen und setzt sich kurzerhand selbst ins Flugzeug nach London!

Doch der große Auftritt entpuppt sich als Vorgeplänkel für eine andere Band in einem kleinen Club mit mäßig interessiertem Publikum. Dabei soll Oma Trude doch nicht merken, dass ihr in Mimis Karriere investiertes Geld nicht auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Mimi muss sich schleunigst etwas einfallen lassen...

Meine Meinung:
„Die große weite Welt der Mimi Balu“ besteht hauptsächlich aus Mimis geliebter Wahlheimat London, wo sie sich mehr schlecht als recht und nur dank Oma Trudes Geld über Wasser halten kann, sowie aus ihrem sächsischen Geburtsort Limbach-Oberfrohna. Diese beiden so unterschiedlichen Welten kreuzen sich hierbei sowohl bei einem Besuch von Oma Trude in London als auch bei Mimis Rückkehr in ihre Heimat.

Kati Naumann weiß, wovon sie schreibt, denn sie pendelt selbst zwischen London und Sachsen. Jedem Kapitel geht ein Vergleich zwischen den Einwohnern Londons und Limbach-Oberfrohnas voran, wobei ich das Gefühl hatte, dass die Limbacher hier meist schlechter wegkamen. Dies passt aber auch gut zu Mimis Grundeinstellung, die in London nur das Gute sieht und sich dafür an ihrer Heimatstadt an allem zu stören scheint.

Auf der einen Seite war Mimi mir ziemlich sympathisch. Sie ist ein sehr enthusiastischer, fleißiger, gutmütiger Mensch, der in allem etwas Positives sieht und sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt. Auf der anderen Seite ist sie aber auch sehr naiv, ziemlich selbstzentriert und lebt mit 40 Jahren immer noch größtenteils vom Geld ihrer Oma in einer Stadt, die sie sich sonst niemals leisten könnte, und lässt sich von ihr 100.000 Ausbildungen bezahlen. Sie kehrt nur selten und ungern in ihr Heimatdorf zurück, da sie ihre Familie und die Einwohner von Limbach-Oberfrohna für rückständig und langweilig hält. Diese Arroganz und das Leben auf Kosten Anderer hat mich doch ziemlich gestört. Oft vergaß ich beim Lesen, dass Mimi schon 40 und nicht erst 20 ist.

Deshalb habe ich doch öfter mit der Protagonistin gehadert. Aber Gott sei Dank ist sie eine dieser Romanfiguren, die sich im Laufe der Geschichte stark weiterentwickeln, neue Erkenntnisse gewinnen und ihre Fehler einsehen. Und so fand ich das Ende recht gelungen, da es realistisch war und sogar noch eine schöne Botschaft für Mimi und den Leser bereithält.

Ich fand besonders wohltuend, dass sich die Autorin gegen eine Liebesgeschichte entschieden hat. In diesem Roman stehen Mimis Träume und ihre intensive Beziehung zu ihrer Großmutter im Mittelpunkt, und eine Männergeschichte hätte hier einfach keinen Platz gehabt. Neben der schrägen Mimi ist hier die liebenswerte Oma Trude der heimliche Star. Vor allem der letzte Teil, in dem es Mimi für längere Zeit nach Deutschland verschlägt, hat mir gut gefallen. Hier intensiviert sich das gute Verhältnis zwischen Großmutter und Enkelin noch mehr, Mimi wird einsichtiger, bescheidener und erwachsener.

„Die große weite Welt der Mimi Balu“ ist ein ein Gute-Laune-Roman über Träume, Familienzwiste und das enge Band zwischen Oma und Enkelin, der aber auch ernste Töne anschlägt und zuweilen nachdenklich macht. Ich hab das Buch gerne gelesen und kann es jedem empfehlen, der mal keine gewöhnliche Chick Lit mit der obligatorischen Liebesstory sucht.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Kati Naumann für dieses Rezensionsexemplar und die fabelhafte Betreuung der Leserunde!

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