Freitag, 26. Juni 2015

"Poetry Slam - Dead or Alive" am 25. Juni in Würzburg

Poetry Slams sind ja mittlerweile voll im Trend, und bislang hat mich das nicht soooo sehr gereizt, da ich nicht so viel mit Poesie und Wortspielereien anfangen kann. Aber als ich gesehen habe, dass hier im Mainfranken Theater ein besonderer Poetry Slam stattfindet, musste ich mir gleich eine Karte für günstige 10 € besorgen!

Das Besondere an diesem Slam ist nämlich, dass hier lebende gegen tote Dichter/Schriftsteller antreten!

Wem entfallen ist, was ein Poetry Slam ist, der kriegt nochmal eine schöne Zusammenfassung von Wikipedia:
Ein Poetry Slam (sinngemäß: Dichterwettstreit oder Dichterschlacht) ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den Sieger. Ausschlaggebend ist dabei, dass der Textvortrag durch performative Elemente und die bewusste Selbstinszenierung des Vortragenden ergänzt wird.
Solche Dichterwettstreite gab es übrigens schon in der Antike, sooo neu ist das also gar nicht. ;-) Aber das nur so nebenbei (Im Studium hab ich mich tatsächlich mit solchen Wettstreiten im alten Griechenland beschäftigt.). 

Beim Slam an diesem Donnerstag traten folgende Künstler an:

Auf der Seite der Lebenden:                                        Auf der Seite der Toten:
Daniela Dill                                                                     Bertolt Brecht (gespielt von Daniel Ratthei)
Dalibor                                                                            Marcel Reich-Ranicki (Maria Brendel)
Bas Böttcher                                                                  Claire Waldoff (Theresa Palfi)

Moderiert wurde die Veranstaltung von Poetry Slammer Christian Ritter* und Schauspieler Kai Christian Moritz, die später ebenfalls noch auftraten, aber außer Konkurrenz. Kai Christian Moritz trug als Adolf Hitler eine Passage aus "Mein Kampf" vor.

Die Stimmung war wirklich super, das Theater war gut voll mit ca. 500 Leuten oder gar mehr. Fünf Leute aus dem Publikum wurden zur Jury erkoren, was zusätzlich eine lockere Atmosphäre schaffte. Für meinen Geschmack war die Jury allerdings viel zu kuschelig, denn es gab fast nur 9er und 10er. Verdientermaßen zwar, aber so wurde das Voting ein bisschen langweilig.

Meine persönlichen Favoriten waren Daniela Dill und Christian Ritter, aber Dalibor und Bas Böttcher kamen auch absolut super mit ihrer Wortkunst beim Publikum an. Hier spielt natürlich wie schon erwähnt bei mir mit rein, dass ich weniger der Poesie-Fan bin, sondern handfeste Geschichten mag, wie sie eben Dill und Ritter vorgetragen haben.

Die Texte der Poetry Slammer waren wirklich klasse, die Texte der "Toten" eher etwas lahmer. Dafür konnten ja aber die Schauspieler nichts, die ihre Rollen souverän meisterten. Publikumsliebling war hier eindeutig die grandiose Maria Brendel als Marcel Reich-Ranicki. Ich denke, bei den Toten hat man eher die Schauspielkünste der Vortragenden honoriert als die Texte.

Letzten Endes gewann die Gruppe der Lebenden - es sei ihnen vergönnt, die haben ja viel mehr davon! Und Marcel Reich-Ranicki hätte den Sieg vermutlich eh abgelehnt. ;-)

Der "Poetry Slam - Dead or Alive" wurde in der Spielzeit 2014/2015 zweimal gezeigt. Leider wird er nun vorerst ausgesetzt. Ich hoffe sehr, dass sich das das Theater in der übernächsten Spielzeit wieder anders überlegt. Ich wäre auf jeden Fall wieder dabei! :-) Aber ich glaube, so ein normaler Poetry Slam ist vielleicht eher nichts für mich. Aber vielleicht probier ich es ja einfach mal aus!

Und ihr, was haltet ihr von Poetry Slams? Wart ihr schonmal auf einem? Vielleicht sogar auch auf einem "Dead or Alive"-Slam?


P.S.: Leider gibt es keinerlei Fotos oder Videos von der Veranstaltung. Mir ist klar, dass dies den Beitrag ungemein aufgewertet hätte. Ich habe sogar bei den Veranstaltern angefragt, aber auch die haben keine Aufnahmen. Natürlich hab ich selbst nicht fotografiert, da das ja im Theater verboten ist. Schade! :-(
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*) Den ganzen Abend über hatte ich gegrübelt, warum's beim Namen Christian Ritter bei mir so laut klingelt. Mittlerweile hab ich rausgefunden, dass er der Autor von "Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers" ist, das ich sogar rezensiert habe!

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