Mittwoch, 30. September 2015

ARENA-Bloggerworkshop [2]: Die Autorin Beatrix Gurian

Willkommen zum zweiten Bericht über den Arena-Bloggerworkshop am 19. September. Wie ihr ja mittlerweile wisst, wurde der Workshop diesmal unter anderem von der Autorin Beatrix Gurian begleitet, die uns interessante Einblicke in das Leben einer Schriftstellerin gewährte und geduldig Fragen beantwortete. 

Kurzinfo zur Autorin


Beatrix Gurian ist studierte Theater- und Literaturwissenschaftlerin und arbeitete u. a. als Redakteurin bei verschiedenen TV-Produktionen. Sie hat bereits mehr als 30 Bücher für alle Altersgruppen veröffentlicht, einige davon unter ihrem echten Namen Beatrix Mannel. Neben Jugendbüchern schreibt sie unter anderem auch historische Romane.

Im Arena-Verlag wurden bereits mehrere Jugendbücher von ihr veröffentlicht, der vielleicht bekannteste ist „Stigmata“. In diesem Thriller sucht die junge Emma in einem mysteriösen Jugendcamp nach den Mördern ihrer Mutter.


Wie entsteht ein Roman von Beatrix Gurian?


Mittlerweile gibt es ganz tolle Computerprogramme, mit denen man seine Ideen verwalten kann. Aber Beatrix ist diesbezüglich traditionell: Ihre Ideen entstehen noch alle analog auf Papier. Sie sammelt Bilder, die zur Geschichte und den Charakteren passen könnten, und bastelt daraus eine Collage. Danach gibt es einen Entwurf mit Blasen, Handlungsstränge werden skizziert und zueinander geführt.



Oft bietet das echte Leben viele Impulse für einen Handlungsstrang. Für eine Romanfigur, die ein Doppelleben führt, bekam sie die Idee, als sie am Flughafen auf ihr Gepäck wartete und mitbekam, wie der Mann neben ihr seine Frau anrief und ihr mitteilte, dass er gut angekommen sei und sie die Kinder schön grüßen sollte. Dann legte er auf, wählte eine andere Nummer und wiederholte diesen Dialog…

Manchmal muss man aber auch mal eine scheinbar gute Idee wieder fallen lassen. Oft kommen Sachen, die man selbst total genial findet, einfach nicht gut an bei den potentiellen Lesern. Hier muss dann auch mal die Lektorin durchgreifen. So erzählte uns Beatrix, dass sie eigentlich den männlichen Protagonisten in „Stigmata“ Ganymed nennen wollte, da ihr der Name so gut gefällt. (Anmerkung: Ganymed war in der altgriechischen Mythologie der Mundschenk und Schwarm des Göttervaters Zeus.) Diese Idee wurde aber von ihrer Lektorin wieder verworfen, die den Namen für ein Jugendbuch nicht passend fand.

Zum Glück ist Beatrix ja aber einsichtig. ;-) So wie auch in dem Fall, als sie einer Gymnasialklasse ihre Ideen für den Jugendthriller „Nixenrache“ vorstellte. Sie hatte ursprünglich überlegt, dass die Heldin mit dem Freund ihrer besten Freundin rummacht. Allerdings waren die Schüler ziemlich schockiert und meinten, dass sie so was nicht lesen wollen, denn das geht ja mal gar nicht, dass die Heldin so was macht, total unsympathisch. Also änderte die Autorin die Story insoweit, dass die beste Freundin nur denkt, die Heldin hätte was mit ihrem Freund gehabt.

Oft verselbstständigen sich Figuren, drängen sich in den Vordergrund und sagen: „Hey, ich will nicht nur die stumme Zofe im Hintergrund sein, ich will meine eigene Geschichte!“ Dieses Autorendenken von wegen „Die Figuren machen, was ICH sage!“ funktioniert meist einfach nicht, gibt Beatrix zu. Sie spricht mit ihren Figuren, was auf Dritte leicht schizophren wirken kann, aber für die Autorin einfach zum Schreibprozess dazugehört und wichtig ist.

Wenn das Exposé für den Verlag dort gut ankam und sie das OK erhält, schreibt sie endlich los – jetzt natürlich ganz klassisch am Computer und nicht per Hand. ;-) Beatrix schreibt übrigens generell nicht parallel an mehreren Büchern, sondern konzentriert sich immer voll und ganz auf ein Projekt.

Am Anfang eines neuen Buches fühlt es sich an wie bei einer neuen Liebe: Alles ist neu und toll und aufregend. Dann kommt aber auch meist die „dunkle Zeit“, der schwere Mittelteil, in dem der Schreibprozess schon zäher vorangeht. Hier kommen Beatrix oft auch Ideen für eine neue Geschichte.

Wenn sie mal nicht weiterkommt oder Zweifel hat, macht sie eine Pause und unterhält sich mit ihren „Bürokollegen“. Sie schreibt nicht am heimischen Schreibtisch, sondern hat einen Extra-Büroraum, den sie sich mit Anderen (allesamt keine Autoren) teilt. Manchmal helfen gerade Gespräche mit Leuten aus anderen Bereichen weiter, die an die Sache eher unbedarft herangehen können.

Wenn dann das Buch endlich fertig ist, ist das natürlich ein tolles Gefühl. Manchmal muss man ein Werk aber erstmal verdauen. Nach der Fertigstellung von „Stigmata“ kamen Beatrix wegen der schweren Thematik, mit der sie sich so lange beschäftigt hatte, nun solche Dinge wie „Liebeskram“ so furchtbar banal vor…

Außerdem gab sie zu, dass schlechte Kritiken ihr durchaus an die Nieren gehen können. Das kann vermutlich jeder nachvollziehen, da man so viel Arbeit und Herzblut in ein Buch steckt und hofft, dass jeder es toll findet und sich gut unterhalten fühlt.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit einem Verlag?


Wie frei ein Autor arbeiten kann, hängt letztendlich immer auch vom Verlag ab. Bei Arena z. B. hat Beatrix relativ freie Hand. Meist wird lediglich das Genre vorgegeben, manchmal gibt es aber auch konkretere Vorschläge, z. B. dass das Buch in einem Internat spielen soll oder Vampire darin vorkommen müssen. Manche dieser Vorschläge sind vielversprechend und fruchtbar, aber Beatrix schreibt nur das, zu dem sie auch stehen kann. Vampire z. B. sind nichts für sie. Ihr ist wichtig, dass die Geschichte von ihr kommt und der Verlag höchstens mal ein Stichwort oder einen Anstoß gibt. Die ungewöhnlichste Vorgabe bekam sie übrigens mal, als sie an einem Kinderbuch schrieb. Der Verlag wollte, dass die Geschichte zu einem rosa Cover passt.

Bezüglich Titel und Cover hat jedoch der Verlag die absolute Hoheit, der Autor lediglich ein Mitspracherecht. Bislang war Beatrix aber mit der Aufmachung ihrer Arena-Titel sehr zufrieden. Ihr absolutes Lieblingscover ist übrigens das von „Dann fressen sie die Raben“.

Wunderschön ist auch die Ausgabe von „Stigmata“, die nicht nur durch ein geniales Cover besticht, sondern auch vor allem durch faszinierende, ganzseitige Fotografien im Innenteil, die gut zu dem Inhalt passen und von Beatrix’ Mann stammen.

Fällt eigentlich noch jemandem auf, dass der Bücherbär übelstes Photobombing betreibt?

Lieber Thriller oder historische Romane?


Beatrix schreibt ja nicht nur Thriller, sondern auch unter ihrem echten Namen Mannel historische Romane. Beide Genres haben für sie ihren eigenen Reiz. Da sie selbst gern Thriller liest, liegen diese ihr etwas mehr am Herzen als historische Romane. Aber andererseits ist das Schreiben historischer Romane sehr schön, da man hier aus den Vollen schöpfen kann. Hier darf alles etwas opulenter sein, die Sprache ist „barocker“ und deshalb für sie eine Bereichung im Vergleich zu dem knappen, temporeichen Thriller-Stil.

Zum Glück muss sie sich ja aber nicht entscheiden. :-)


Über den generellen Ablauf habe ich ja schon hier berichtet. Ich kann nur wiederholen, dass Beatrix Gurian eine sehr nette, natürliche, humorvolle Person ist, die mir auf Anhieb sympathisch war. Das soll keine Schleimerei sein, das ist einfach eine Tatsache. Ich freue mich schon auf die Lektüre von „Stigmata“, auch wenn ich die damalige Werbekampagne von Arena inkl. Buchtrailer ganz schön gruselig fand.


Vielen Dank, liebe Beatrix, dass du den Weg von München nach Würzburg auf dich genommen hast, um einem Haufen Buchverrückter Einblicke in dein Schaffen zu geben!

Kommentare:

  1. Ein toller Bericht!
    Da wird klar, weshalb du ihn aufsplittest - hätte ich vielleicht auch tun sollen, ich kürze und schreibe schon seit Tagen um *lach*

    Liebe Grüße,
    Agnes

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  2. Hallo.
    Im Rahmen des Kommentiertages habe ich nun auch zu dir gefunden und bin gleich bei diesem spannenden Bericht hängen geblieben.
    Das war bestimmt ein sehr interessanter Workshop, wenn ich schon beim Bericht lesen jedes Wort aufgesogen habe .
    Stigmata habe ich bereits gelesen und daraufhin sind noch einige andere Bücher der Autorin bei mir eingezogen :) Nicht schwer zu erraten also, dass es mir gut gefallen hat.
    Die Notizen von Beatrix sehen meinen Stichworten zu Rezensionen irgendwie ähnlich :D
    LG, Steffi von Somayas Bücherwelt

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  3. Dein Bericht ist klasse. Zu so einem Workshop hätte ich auch noch mal Lust. Werde mal Ohren und Augen offen halten was 2016 so ansteht.
    LG Kerstin

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Von der Wiege bis zur Bahre - Kommentare, Kommentare! Und ich freue mich über jeden Einzelnen davon. :-)