Mittwoch, 2. September 2015

Rezension: "Mainleid" von Anja Mäderer

Daten zum Buch:
erschienen am: 16. Juli 2015
Verlag: emons
ISBN: 9783954516568
256 Seiten
Preis: 9,90 € (TB)
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Zum Inhalt:
Die beiden Nürnberger Kommissare Nadja Gontscharowa und Peter Steiner haben sich ins beschauliche Würzburg versetzen lassen. Kaum eingetroffen und eigentlich noch vollauf mit der Wohnungssuche beschäftigt, werden sie bereits zu ihrem ersten Fall gerufen: Im Ringpark wurde die attraktive Studentin Connie tot aufgefunden. Die Mordwaffe: Ein Bocksbeutel.

Das Opfer galt als Sonnenschein und war bei jedem beliebt. Als Tatverdächtiger kommt eigentlich nur Freund David in Betracht, doch Nadja ist der sensible Musikstudent auf Anhieb sympathisch, und so versucht sie fieberhaft, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Täter ausfindig zu machen. Dabei stößt sie in Connies Umfeld auf viele Geheimnisse.

Meine Meinung:
Das Kommissaren-Duo Nadja und Peter versteht sich sowohl beruflich als auch privat sehr gut und ergänzt sich optimal. Der Leser lernt beide Ermittler und deren Arbeitsweise im Laufe der Geschichte immer besser kennen. Aber auch das Privatleben der beiden wird angeleuchtet. Peter ist ein liebenswerter Kerl. Erst vor Kurzem Vater geworden, lässt er eine unzufriedene Ehefrau in Nürnberg zurück, die sich mehr Entlastung in der Kinderbetreuung wünscht und deshalb wenig Verständnis dafür hat, dass ihr Mann tagelang in Würzburg ist.

Zweifellos im Mittelpunkt steht jedoch Nadja. Sie ist zumindest am Anfang recht introvertiert, was immer eine gewisse Distanz zu ihrem Charakter geschaffen hat. Lange Zeit mochte ich sie nicht sonderlich, erst so nach und nach bröckelte die Fassade und man lernte auch ihre verletzliche Seite kennen, was sie gleich viel sympathischer machte. Ich denke und hoffe, dass sie in der geplanten Fortsetzung etwas greifbarer für den Leser wird. Peter beschreibt seine Kollegin als humorvollen und fürsorglichen Menschen, doch in diesem Mordfall steht sie extrem unter Anspannung, sowohl beruflich als auch privat.

Das restliche Ermittlerteam gerät etwas in den Hintergrund, besteht aber auch aus durchwegs sympathischen Zeitgenossen. Schön fand ich, dass Peter und Nadja sofort ins Würzburger Team aufgenommen wurden und zu dem Mordfall und den privaten Problemen der Kommissare nicht auch noch Querelen mit dem Team dazukamen. Es geht eben auch harmonisch!

Es gibt viele Nebenfiguren, sowohl im Verdächtigenkreis als auch im beruflichen Umfeld der Kommissare, die teilweise recht detailliert gezeichnet werden. Manche sind liebenswert, manche total unsympathisch, und wiederum Andere kann man nicht so richtig einordnen. So treffen viele unterschiedliche Charaktere aufeinander, was den Krimi natürlich gleich viel spannender macht. So einige Menschen im Umfeld des Opfers haben ihre Geheimnisse, einige hatten gar ein handfestes Motiv, und ich bin diesmal ziemlich planlos im Dunkeln getappt. Tatsächlich wäre ich auf den wahren Täter nie gekommen.

Ein paar Kritikpunkte hätte ich aber noch:

Ich hatte mich hier vor allem auf den Lokalkolorit gefreut, weil „Mainleid“ in meiner Heimatstadt spielt. Ich liebe es, wenn man in einem Buch gedanklich die Orte mit ablaufen kann. Tatsächlich kannte ich viele der genannten Orte, was mich sehr gefreut hat, aber für meinen Geschmack kam der fränkische Dialekt etwas zu kurz. Lediglich Polizeichef Bär durfte fränkeln, aber er trat nicht sonderlich oft in Erscheinung. Mir ist klar, dass es für nicht-fränkische Leser etwas anstrengender ist, Dialekt zu lesen, aber bei einem Regionalkrimi ist es meines Erachtens durchaus erlaubt, den Leser ab und an mit Mundart zu quälen/erfreuen. Deshalb bitte beim nächsten Mal mehr davon!

Zudem gab es den einen oder anderen Handlungsstrang, der nichts zur Sache beitragen hat und deshalb auch hätte gestrichen werden können (z. B. der Hund im Main). Dass am Ende auch wieder Kommissar Zufall seine Finger im Spiel hat, kann man der Autorin wohl nicht übelnehmen, da dies in den meisten Krimis der Fall ist. Aber ich glaube, Nadja und Peter hätten es auch ohne ihn geschafft.

Alles in allem ist „Mainleid“ ein unterhaltsamer, spannender Roman mit vielen Handlungssträngen, mit dem Anja Mäderer ein ordentliches Krimidebüt abgeliefert hat.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den emons-Verlag für dieses Rezensionsexemplar und an Anja Mäderer für die intensive Betreuung der Leserunde!

Kommentare:

  1. Alleine dein Blogname hat mich überzeugt. :D
    Hast eine neue Leserin gewonnen. :)

    Alles Liebe,
    Nicki

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  2. Huhu,

    hast Du schon den neuen von Anja Mäderer gelesen? Mainschatten? Wieder ein toller Würzburgkrimi
    Liebe Grüße
    Anja vom kleinen Bücherzimmer

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