Dienstag, 6. Oktober 2015

ARENA-Bloggerworkshop [3]: Von der Druckerei in den Buchhandel

Hier kommt der dritte Bericht über den Bloggerworkshop. Nachdem uns Autorin Beatrix Gurian erzählt hat, wie sie ein Buch schreibt, haben wir uns damit beschäftigt, was dann mit dem fertigen Roman eigentlich passiert.

Vom Manuskript zum gedruckten Buch

 

Wenn das Buch also fertig geschrieben ist und vom Verlag abgesegnet wurde, kann es endlich in den Druck gegeben werden, damit es ganz schnell in den Buchladen gelangen kann. Wie das funktioniert, zeigten uns Daniela und Anna vom Verlag.

Dies geschieht in vielen Schritten. Zuerst gehen die Seiten auf eine Druckplatte, die man nicht nur zum Drucken, sondern auch zum Krachmachen nutzen kann - das klingt nämlich wie ein Gewitter, wenn man sie schüttelt. ;-)


In der Regel werden damit 16 Seiten gedruckt, um den Platz auf der Druckplatte auch wirklich auszunutzen. Der entstandene Druckbogen wird dann gefaltet und zugeschnitten. 


Dann wird das Buch gebunden. Die verschiedenen Bindungen kennt ihr sicherlich aus eurer Lesepraxis, vielleicht habt ihr ja sogar schon selbst ein Buch oder eure Abschlussarbeit binden lassen. Es gibt Taschenbücher, Hardcover, Softcover,... na, ihr wisst schon. ;-)

Die meisten Verlage kleben die Bücher nur, manche Verlage binden aber auch mit Faden - diese Technik ist zwar teurer, aber auch hochwertiger, da stabiler. Der Arena-Verlag näht alle seine Hardcover-Bücher, und einige Teilnehmerinnen mussten bei der Gelegenheit mal ein Lob aussprechen für die hohe Qualität der Arena-Bücher.

Vom Verlag in den Laden

 

Nach den technischen Details erzählten uns Kai Uwe Hampel (Hugendubel Würzburg) und Britta Schneider (Buchhandlung "Dreizehneinhalb") etwas aus ihrem aufregenden Leben als Buchhändler.  Hier zeigten sich auch die Unterschiede zwischen einer großen Buchhandelskette und einem kleinen, inhabergeführten Buchladen.

 

Wie entscheidet man, welches Buch im Laden angeboten wird? 

 

Tja, ein Punkt, um den ich die Buchhändler nicht beneide, ist die schwierige Auswahl der Titel, die man letztendlich im Laden anbieten möchte.

In der "Dreizehneinhalb" kommen noch ganz klassisch Vertreter vorbei, die dann ausführlich die neuen Programme der Verlage vorstellen. Während Fr. Schneider die Kataloge wälzt, hat sie oft schon ganz bestimmte Stammkunden im Hinterkopf, denen dieses oder jenes Buch gut gefallen könnte. Sie betonte, dass jede Buchhandlung in jedem Ort andere Kunden mit anderen Vorlieben hat. Fr. Schneider kennt ihre Vertreter und vertraut oft auf ihre Empfehlungen.

Bei Hugendubel gibt es ebenfalls Vertreter, nur heißen die ganz hip "Key Accounter" und sind zuständig für Großkunden. Die Key Accounter für Hugendubel betreuen alle Ketten in ganz Deutschland.

Während Fr. Schneider direkt beim Vertreter ihr Sortiment bestellt, tritt der Key Accounter nur beratend auf, die Bestellung erfolgt dann unabhängig von ihm in aller Ruhe am Computer durch einen Einkäufer. Die Buchhändler können diesem gerne Bücher empfehlen, aber die letzte Entscheidung liegt bei ihm. Konditionen sind übrigens auf Grund der Buchpreisbindung nicht verhandelbar und für jeden gleich, es gibt also keine Rabatte.

Natürlich lesen alle Buchhändler sehr viel. Fr. Schneider liest sogar in den drei Minuten, in denen sie Zähne putzt. ;-) Da man aber natürlich nicht so viele Bücher lesen kann, wie man anbietet, muss man auch mal etwas strenger sein. Herr Hampel gibt einem Buch 50, max. 100 Seiten lang Zeit, ihn zu überzeugen, ansonsten wird es gnadenlos abgebrochen. Fr. Schneider bedauert an dieser Stelle, dass man ja immer up to date bleiben und deshalb immer die neuesten Bücher lesen muss. So bleibt es oft nur ein frommer Wunsch, auch mal ein älteres Buch zum zweiten Mal lesen zu können, da dafür einfach die Zeit fehlt.

Wie ein Buchhändler entscheidet, welches Buch er direkt in seinem Laden anbietet, hängt aber nicht nur von seinen oder den Vorlieben seiner (Stamm-)Kundschaft ab, sondern auch u. a. von der Größe des Ladens. Während Fr. Schneider von jedem ausgewählten Buch maximal 1-3 Exemplare bestellt, kann Hugendubel da schon etwas mehr ranklotzen und 100e Exemplare bestellen. Deshalb wählen kleine Buchläden ihr Sortiment gezielter aus. Fr. Schneider meinte außerdem, dass sie auch öfter Bücher von kleinen Verlagen anbieten, da diese in großen Läden untergehen und man ihnen eine Plattform bieten möchte.

Die Lager 

 

Natürlich kann aber kein Buchladen alle Bücher anbieten, die es auf dem Markt gibt, egal wie groß die Verkaufsfläche auch sein mag. Deshalb gibt es für Kunden auch die Möglichkeit, nicht vorrätige Bücher zu bestellen. Diese werden dann in der Regel über Nacht geliefert - ob man sie dann im Laden abholen oder portofrei nach Hause schicken lassen möchte, bleibt einem selbst überlassen. Fr. Schneider wies dabei nochmal darauf hin, dass man mittlerweile auch bei so ziemlich allen regionalen Buchhändlern online bestellen kann. In Würzburg gibt es z. B. die Initiative "Lass den Klick in deiner Stadt", bei der sich verschiedene Buchhandlungen zusammengetan haben, um zu erreichen, dass Leser ihre Bücher nicht beim großen A, sondern regional beziehen. Durch die Buchpreisbindung sind die Konditionen bei deutschen Büchern sowieso normalerweise überall gleich. Leider zahlen die kleinen Läden manchmal ganz schön drauf, z. B. wenn man ein großes, schweres Buch für wenige Euro bestellt und dieses portofrei nach Hause liefern lässt. Aber das Angebot ist nunmal notwendig, um mit den großen Onlinehändlern mithalten zu können.

Hugendubel hat hier Bezugsquellen für Bücher, die nicht im Laden vorrätig sind.

Im so genannten Barsortiment (hier: Libri und KNV) sind meist über 100.000 Titel vorrätig, die über Nacht aus Lagern von Zwischenhändlern geliefert werden können. Diese Möglichkeit wird aber laut Herrn Hampel eher wenig genutzt.
Dann gibt es noch die Zwischenlager, in denen Bücher gelagert werden, die Hugendubel schon gehören. Das sind ca. um die 7.000 Titel, die auch bei Libri in Bad Hersfeld gelagert werden, aber eben schon als Besitz von Hugendubel verbucht sind.
Als dritte Möglichkeit wird ein Titel einfach direkt beim Verlag bestellt.

Was sind die Aufgaben eines Buchhändlers?

 

Na, mit Büchern handeln natürlich - sagt ja schon der Name!

Na gut, so leicht ist es dann auch wieder nicht. Als Filialleiter ist Herr Hampel Mädchen für alles und ein richtiges Allround-Talent. Er berät Kunden, kassiert an der Kasse ab, organisiert Marketingaktionen, koordiniert und moderiert Lesungen oder steht auch mal ganz profan an der Einpackstation und macht Bücher & Co. geschenktauglich.

Vorteilhaft ist natürlich, dass es in einer großen Handlung viele verschiedene Angestellte gibt, die sich dann auch auf ein bestimmtes Genre spezialisieren können. In einem kleinen Laden muss man da schon etwas breiter aufgestellt sein und sich in allen Gebieten ein bisschen auskennen.

Was passiert eigentlich mit den Büchern, die keiner kaufen will?

 

Ja, es tut weh, das zu hören, aber manchmal gibt es einfach Bücher, die partout keiner haben möchte. Während "Dreizehneinhalb" auch mal ab und an Bücher in Kommission nimmt, die natürlich wieder problemlos zurückgegeben werden können, kauft Hugendubel die Bücher ausnahmlos an und nimmt nichts in Kommission.

Mit Ladenhütern kann unterschiedlich verfahren werden. Viele Verlage nehmen Rückläufer problemlos wieder an. Oft werden diese Bücher dann als Mängelexemplare markiert und wieder an die Läden zurückgeschickt, damit diese sie verramschen dürfen. Wenn ich das richtig verstanden habe, dürfen die Buchhandlungen das wegen der Buchpreisbindung nicht selbst machen, deshalb das Hin- und Hergeschicke.

Leider werden nicht gerade wenige Bücher verramscht. Glück für den Leser, der hier ein tolles Schnäppchen machen kann. Pech allerdings für den Autor des Buches, denn - wie Beatrix Gurian an dieser Stelle anmerkte - für ein verramschtes Buch erhält der Autor kein Geld.


Sooo, das war das Buchhändlergespräch mit Britta Schneider und Kai Uwe Hampel, das ich persönlich sehr interessant fand. Vielleicht habt ihr ja was Neues dazugelernt?

Hier nochmal eine hübsche Aufbereitung des Themas vom Arena-Verlag:



Das war's jetzt erstmal vom Bloggerworkshop. Obwohl, ich hab da noch so eine Idee für eine "Spezialfolge". Wartet's ab... ;-)

1 Kommentar:

  1. Genial, so ein Workshop. Da könnte ich mich auf für begeistern. Klasse Bericht und toller Blog!
    LG, Thomas

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