Samstag, 21. November 2015

Buchpräsentation: "Mainleid" von und mit Anja Mäderer

Am letzten Donnerstag (19.11.) stellte Anja Mäderer ihren Regionalkrimi "Mainleid" im Würzburger Hugendubel vor. Da ich das Buch im Rahmen einer von ihr intensiv betreuten Leserunde bereits kannte, wollte ich mir natürlich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, Anja mal live und in Farbe zu sehen und mir mein Exemplar signieren zu lassen.

Zuerst einmal allgemein zu "Mainleid": Dieser Krimi spielt in meiner Stadt Würzburg, wo eine beliebte Studentin tot im Ringpark aufgefunden wird. Das Nürnberger Kommissaren-Duo Nadja und Peter, das sich gerade erst auf Wunsch in die wunderschöne Mainmetropole Würzburg hat versetzen lassen, ist gleich am ersten Arbeitstag voll gefordert. Mehr Details zu der Geschichte und meine Meinung findet ihr in meiner Rezension.

Bevor Anja ein bisschen über sich und ihr Buch erzählte, gab es ein paar einleitende Worte von Hugendubel-Filialleiter Kai Uwe Hampel. Der aufmerksame Leser meines Blogs kennt ihn mittlerweile schon vom Arena-Bloggerworkshop oder von der Buchpräsentation von Julia Hanel. (Ich möchte fast sagen, er hat Potential zum Blog-Maskottchen.^^) Herr Hampel hat natürlich "Mainleid" vorab gelesen und fand es sehr toll.

Der Regionalkrimi, der im Emons-Verlag erschienen ist, ist Anjas Erstlingswerk. Eigentlich ist die 24-Jährige angehende Lehrerin für Deutsch und Geschichte, hat gerade ihr Staatsexamen an der Uni Würzburg abgelegt und vertreibt sich die Wartezeit auf die Ergebnisse damit, an ihrem nächsten Buch zu schreiben und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen Deutsch-Unterricht zu geben.

Wieso ein Krimi, Frau Mäderer?


Anja hat dank der "lesefreundlichen Atmosphäre" zu Hause schon als Kind sehr gerne und viel gelesen. Doch noch interessanter als die altersgerechten Bücher, die sich im Haus fanden oder stapelweise aus der Bücherei ausgeliehen wurden, fand die kleine Anja die ausgelagerte Erwachsenenliteratur im Keller. Dort verbrachte sie dann auch so manche Stunden bei der heimlichen Lektüre von Krimis. Die Autorin erinnert sich, dass sie in der 3. Klasse bei einer Lesenacht in der Schule ihre Lieblingsbücher vorstellen durften. Und während ihre Mitschüler Sachen wie "Leo Leselöwe" mitbrachten, erzählte Anja über ihre Agatha Christie-Lektüren - was nur von der Lehrerin begeistert aufgenommen wurde. ;-)

Sie liest gerne aktuelle Beststeller von z. B. Sebastian Fitzek und Nele Neuhaus, ihre Lieblingskrimiautorin ist jedoch ganz klar Martha Grimes. 

So war Anja also Krimifan der ersten Stunde, und es war einfach klar für sie, dass ihr eigenes Werk selbst ein Krimi sein musste. Außerdem ist es besonders reizvoll, dass man bei Krimis und Thrillern so tief in die Seele der Charaktere eintauchen kann, was z. B. bei Jugendbüchern nicht erwünscht ist.

Ein Zuhörer wollte dann auch wissen, ob die bekennende Tatort-Guckerin sich eine Verfilmung ihres Krimis z. B. als "Tatort" vorstellen könnte. Ja, natürlich könne sie das! Das Buch sei ja ohnehin schon mit vielen Dialogen versehen und könnte so eigentlich ganz gut als Drehbuch dienen.

Das heißt allerdings nicht, dass sie sich nur für Krimis begeistern kann. Auch einen historischen Roman könnte sie sich vorstellen. Und einige ihrer Lieblingsautoren kommen aus dem Jugendbuchbereich, wie z. B. J.K. Rowling.
  

Wie kam Anja Mäderer eigentlich vom Lesen zum Schreiben?


Schon mit 16 oder 17 erstellte Anja eine "Löffelliste" - eine To Do-Liste mit all den Dingen, die man noch machen möchte, bevor man den Löffel abgibt. Ein Punkt darauf war: ein Buch schreiben. Also musste das ja mal in Angriff genommen werden, ne? ;-)

Zuerst fing die Autorin mit Kurzgeschichten an, die sie bei Wettbewerben einreichte - meist erfolgreich. Als sie dann im Rahmen eines solchen Wettbewerbes einmal den 1. Platz und damit ein Preisgeld von 500,- € gewann, nahm sie sich vor, dieses Geld in ihre zukünftige Autorenkarriere zu investieren. Sie machte ein sechswöchiges Praktikum im AvivA-Verlag Berlin, der v. a. Literatur von Autorinnen der 1920er Jahre verlegt. Dort wurde ihr erst klar, wie hart das Handwerk eines Autors ist. Die vielen Manuskripte, die aus Zeitmangel ungelesen in die Ablage wanderten, taten ihr besonders leid.

Wertvoll waren diese Erlebnisse und die Tipps ihrer Chefin bezüglich der Suche nach einem Verlag, der ihr Manuskript nicht einfach unbesehen in die Ablage legen würde. So suchte sie sich also gezielt Verlage aus, die Regionalkrimis veröffentlichen. Schließlich landete sie nach einem halben Jahr Suchen und Warten beim Emons-Verlag einen Treffer.

Und wie war die Zusammenarbeit mit dem Verlag so?


Eigentlich hat die Arbeit mit Emons ja ganz gut geklappt. Aber durch das Lektorat hat sich dann doch einiges am ursprünglichen Manuskript geändert. U. a. wurden die Kommissare nach Würzburg versetzt, statt wie ursprünglich angedacht in Nürnberg zu bleiben und nur einen Ausflug nach Würzburg zu unternehmen. Denn eigentlich wollte Anja die beiden in jedem Buch an einem anderen Ort in Franken ermitteln lassen.
Außerdem wurde mehr Lokalkolorit gewünscht, so dass die Autorin sich noch ein bisschen intensiver mit den Lokalitäten hier auseinander setzen musste. So erzählte sie auch, dass sie sich aus Neugierde vor dem Gebäude der Kripo Würzburg herumtrieb und dann spontan eine Führung von Polizisten durch das Gebäude erhielt, da der Pförtner fälschlicherweise annahm, sie wäre für eine Führung angemeldet. Später konnte sie noch über eine befreundete Medizinstudentin den Kontakt zur Pathologie herstellen.

Schmunzeln musste ich darüber, dass die Lektorin mehr Dialektstellen im Buch einforderte. Anja hat deshalb extra einer Nebenfigur den unterfränkischen Dialekt verpasst, was sie als ziemliche Herausforderung sah - in der Leserunde wurde jedoch von einigen Leuten (u. a. von mir ;-)) bemängelt, dass gerade mal eine Person Dialekt reden darf, die dann auch nicht oft vorkommt. Das ist aber wohl Geschmackssache, denn wenn man den Dialekt nicht versteht, ist man vielleicht froh, wenn alle Hochdeutsch reden.

Es gab auch noch andere Streitpunkte zwischen Autorin und Lektorin, aber zum Glück hat die Lektorin nicht immer gewonnen. ;-)

Wieviel Anja Mäderer steckt in den Figuren?


Nur eine Figur in "Mainleid" wurde von einer real existierenden Person in Anjas Umfeld inspiriert. Wer genau das ist, hat sie allerdings nicht verraten. Generell ist es natürlich reizvoll, eigene Charaktereigenschaften in eine Figur reinzuschreiben, aber Anja hat sich dies absichtlich verkniffen, denn es würde sie viel angreifbarer machen und sie könnte wohl schlechter mit Kritik umgehen. Denn wenn man das Verhalten dieser Figur kritisiert, würde man ja letztendlich ihr eigenes Verhalten damit kritisieren.

Wie arbeitet die Autorin eigentlich an ihren Romanen?


Anja ist keine Schreibtischautorin, sondern geht zum Schreiben gerne in ein Café oder in die Unibibliothek. Zuhause wäre sie zu sehr abgelenkt vom Internet oder von der fixen Idee, mal wieder die Bude durchputzen zu müssen. Diese Art von Ablenkung kenne ich ja auch, wenn ich eigentlich lernen sollte. Ich z. B. schreibe dann völlig ausufernde Blogberichte. Aber das nur am Rande... ;-)

Deshalb braucht sie auch Druck seitens ihrer Testleser. Erst ein kontinuierliches "Wann kommt endlich das nächste Kapitel?!" bringt sie so richtig in Schwung.

Sie geht auch nicht systematisch vor, sondern schreibt einfach frei von der Leber und bezeichnet sich als Spontanschreiberin. So meint sie: "Es passiert einfach irgendwas.", und dann muss sie eben schauen, wie sie Charaktere und Handlungen um diese Geschehens herumbastelt.

Für "Mainleid" hatte sie erst das Geschehen rund um Opfer und Täter im Kopf, danach erst kamen die Kommissare dazu. Nadja hat sich im Laufe des Schreibprozesses dann sehr behauptet und rückte so immer mehr in den Vordergrund. Wer das Buch noch nicht kennt: Es geht in "Mainleid" auch neben dem eigentlichen Mordfall viel um Nadjas Privatleben.

Und wie geht's nun weiter?


An einem 2. Band wird bereits geschrieben, und wenn alles klappt, wird dieser im Herbst 2016 erscheinen. Nadja und Peter dürfen wieder in Würzburg ermitteln, diesmal inkognito in einer Tanzschule.

Ich denke, nicht nur Herr Hampel freut sich sehr auf eine Fortsetzung. Und da Anja ja nun schon mit ihrem erstem Band gezeigt hat, dass sie zur Autorin taugt, muss dieses Mal ihr Vater vielleicht nicht mehr seine Kollegen dazu nötigen, ihr Buch zu kaufen. :-D


Huch, jetzt ist dieser Bericht ja seeeehr lange geworden. Seid ihr noch bei mir??? 


Nach dem wirklich sehr unterhaltsamen Interview, bei dem Anja mit viel Humor und Lockerheit die Zuhörer begeistern konnte, las sie kurz aus ihrem Buch. In dieser Szene befindet sich gerade der Mörder in der WG seines Opfers, wohl um etwas zu suchen, was der Polizei besser nicht in die Hände fallen sollte. Allerdings ist gerade die Mitbewohnerin des Opfers zu Hause...


Zum Abschluss signierte Anja natürlich noch für ihre Leser. Lustigerweise stand in der Warteschlange direkt vor mir Julia, ein weiteres LovelyBooks-Mitglied, das mit mir zusammen in der Leserunde war. Ich bin doch immer wieder erstaunt, wie viele LovelyBooks-Mitglieder (oder auch Blogger) aus meiner Region kommen. Eigentlich sollten wir mal einen Stammtisch machen! :-)

Kommentare:

  1. Bis zum Schluss gelesen - sooo lang war der nun auch wieder nicht ;-)
    Bloggertreffen in Wü?
    Warum eigentlich nicht?! *gg*

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  2. Hey, beim Stammtisch bin ich evtl auch dabei.- Komme zwar aus dem Schweinfurter Land, aber vielleicht gibt es in der Richtung auch liebe Blogger und wir könnten uns in der Mitte treffen?
    Und das Buch "Mainleid" steht übrigens auf meiner Wunschliste. Schließlich habe ich lange Zeit im Würzburger Land gelebt.
    Kennt Ihr schon die Krimis von Roman Rausch? Find ich total toll und habe diese fast alle :-9
    Liebe Dezembergrüße
    Anja vom Bücherzimmer

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Von der Wiege bis zur Bahre - Kommentare, Kommentare! Und ich freue mich über jeden Einzelnen davon. :-)