Freitag, 30. Januar 2015

Neuzugänge

Oh mann, jetzt hab ich es schon wieder einen ganzen Monat verdummt, meine Neuzugänge vorzustellen. Natürlich hat sich mittlerweile wieder ganz schön was angehäuft. Also dann, legen wir mal los:

Rezensionsexemplare


- Liv Marit Weberg, "Zum Glück bemerkt mich niemand... dachte ich": Die liebe Steffi von "his&her books" hat dieses Buch erhalten und jemanden gesucht, der es für sie rezensiert. Ich war komischerweise scheinbar die Einzige, die sofort Interesse hatte. Habe es heute fertig gelesen, Rezi folgt die Tage. Auf jeden Fall vielen Dank an Steffi! :-)

- T. Cooper & Allison Glock, "Changers. Drew": Es passiert selten, aber es passiert - ich habe tatsächlich mal wieder seit Längerem bei einer Leserunde auf "Was liest du?" Glück gehabt und darf nun dieses sehr spannend klingende Jugendbuch über einen Teenager lesen, der mehrere Male in einem anderen Körper leben muss, bevor er sich entscheiden muss, als wer er weiterleben möchte.

- Marion Schiffler, "Ich war das Jadekind": Diese Autobiographie über eine Kindheit in China in den 1930ern durfte ich mir als nächstes Rezensionsexemplar vom Raetia-Verlag auswählen. (Der übrigens immer noch und stets Rezensenten sucht!)


Prämie von "Was liest du?"


- A. J. Betts, "Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe": Wenn's läuft, dann läuft's. ;-) Auch beim Prämien-Adventskalender hatte ich einmal Glück und konnte dieses schöne Jugendbuch ergattern.


Geschenk


- Malala Yousafzai, "Ich bin Malala": Malala ist eine total faszinierende Persönlichkeit, und ich lese Autobiographien solcher Art ja sowieso sehr gerne. Deshalb habe ich mir von meinem besten Freund explizit dieses Buch zu Weihnachten gewünscht.


Ertauscht


- Karen Duve, "Anständig essen": Ein Selbstversuch, auf den ich schon sehr gespannt bin. Ich mache mir zwar auch so einige Gedanken über Vegetarismus und Veganismus, aber ich selbst schaffe es leider noch nicht, auf Fleisch zu verzichten... Gefunden im Tauschregal um die Ecke.

- Ann Brashares, "Wer weiß, was morgen mit uns ist": Dieses Jugendbuch steht schon seit Längerem auf meiner Wunschliste, also habe ich es mir jetzt für 2 Tickets geholt. 

- Olaf Schubert, "Wie ich die Welt retten würde": Es ist natürlich irgendwie kontraproduktiv, wenn man Bücher ins Tauschregal bringt und dann doch wieder welche mitnimmt. *seufz* Aber da ich Olaf Schubert nicht komplett unlustig finde, dachte ich mir, ich könnte mal einen Blick in dieses Buch von ihm werfen. ;-)

- Charly von Feyerabend, "Ich glaub, mich knutscht ein Troll": Das Buch hatte ich schon länger im Hinterkopf - ich mag Norwegen und möchte da gerne mal hin, und es klingt einfach nach lustiger Unterhaltung. Bei einem Ticket zugegriffen.

- Juliane Inozemtsev, "Werft die Gläser an die Wand": Ich mag ja diese Kulturbücher, und über Russland weiß ich nicht wirklich viel. Im 1 Euro-Shop mitgenommen, also gekauft, aber versehentlich zu den ertauschten Büchern gepackt. ;-)

- Toto & Harry, "Bin ich jetzt schuld?": Also die Sendung an sich hab ich vielleicht einmal geguckt. Aber hier werden auf unterhaltsame Weise Rechtsunklarheiten beseitigt, und da meine Ausbildung ja sehr gesetzeslastig ist, lese ich gerne solche Bücher, um noch was auf unterhaltsame Weise zu lernen. Ebenfalls aus dem 1 Euro-Shop und versehentlich in die Tauschbücherecke gestellt. 


Gekauft


- "100 Jahre Erster Weltkrieg": Über den 1. Weltkrieg weiß ich eigentlich nicht so viel, und dieses Buch scheint auf den 1. Blick mit zahlreichen Fotos und kurzweiligen Erzählungen dieses dunkle Kapitel sehr gut zusammenzufassen für Laien wie mich. Für 1,99 € bei Hugendubel mitgenommen. 

- Stephan Elbern, "Caesar": Ich liebe die Zabern-Bildbände, und dieses hier wurde bei Hugendubel für 4 € "verschleudert", da musste ich natürlich zugreifen.

Montag, 26. Januar 2015

Rezension: "Mein Vater, der Deserteur. Eine Familiengeschichte" von René Freund

Daten zum Buch:
erschienen am: 29. September 2014
Verlag: Deuticke
ISBN: 9783552062566
208 Seiten
Preis: 18,90 €

Zum Inhalt:
Gerhard Freund ist erst 18 Jahre alt, als er im Sommer 1944 als Wehrmachtssoldat eingezogen wird. Zusammen mit anderen Zwangsrekrutierten wird er nach Frankreich geschickt, um dort an der Schlacht von Paris teilzunehmen. Doch Gerhard Freund hat andere Pläne: Überzeugt von der Sinnlosigkeit des Krieges desertiert er mit einem älteren Kameraden – ein lebensgefährliches Unterfangen, denn Deserteure werden als Vaterlandsverräter sofort hingerichtet.

Doch der junge Soldat hat Glück im Unglück: Zwar wird er von der Résistance festgenommen und landet später gar als Kriegsgefangener in einem Umerziehungslager in den USA, doch er überlebt den Krieg und startet später eine Karriere beim österreichischen Fernsehen.

Über 60 Jahre später setzt sich sein Sohn René Freund mit dem leider nur fragmentarisch erhaltenen Kriegstagebuch des Vaters auseinander. Er reist mit seiner Familie nach Frankreich, spricht mit Zeitzeugen und versucht, das Leben seines Vater und die Kriegsjahre in Frankreich zu rekonstruieren.

Meine Meinung:
Gerhard Freund starb früh an einem Hirnaneurysma, als René noch ein Kind war, und so gab es nie ein Gespräch zwischen den beiden, das mehr Licht in die Geschichte bringen könnte. Es ist schade, dass der Autor die Geschichte seines Vaters mühselig zusammensammeln musste. Doch er weiß sich zu helfen, indem er mit Zeitzeugen spricht und die ihm vorliegenden Informationen mit historischen Fakten verknüpft. Außerdem reist er zusammen mit seiner Familie nach Frankreich, um als „Kriegstourist“ auf den Spuren des Vaters zu wandeln.

Ich finde es gut gelungen, dass die Geschichte sich abwechselt mit Erzählungen aus der Vergangenheit und René Freunds Erlebnissen während seiner Reise an die einstigen Kriegsschauplätze. Dazu kommen noch weitere Nebenstränge, z. B. über Leo Müller, René Freunds Großvater mütterlicherseits.

„Mein Vater, der Deserteur“ ist nicht nur die Aufarbeitung einer Familiengeschichte, sondern auch in gewisser Weise ein Geschichtsbuch. Auch wenn Gerhard Freund selbst keine Schlacht mitgekämpft hat und seine Erzählungen im Vergleich zu anderen Soldatenerzählungen doch relativ „harmlos“ sind, berichtet dafür der Autor ungeschönt von Kämpfen und Kriegsgräueln und zitiert viele Zeitzeugen. Nicht immer etwas für ganz Zartbesaitete, aber Krieg war nunmal nicht schön, und es wäre falsch, hier ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Trotz der schweren Thematik ist das Buch unterhaltsam, vor allem die Passagen aus der Gegenwart sind recht locker und teilweise auch humorvoll geschrieben. Das liegt wohl in der Familie, auch die Tagebucheinträge des Vaters sind stellenweise ironisch gehalten – vielleicht ja aus Selbstschutz? Ich muss zugeben, dass diese etwas flapsig wirkende Art wohl auch dazu führte, dass mir Gerhard Freund immer etwas distanziert blieb, aber das macht der Autor wieder mit seinem Schreibstil wett. Auch wenn man Humor bei diesem Thema vielleicht nicht unbedingt erwarten würde, mochte ich das, denn er taucht nie an unpassender Stelle auf, so dass es flapsig oder pietätlos wirken könnte. Und oft genug wird es in diesem Buch – v. a. wenn Zeitzeugen zu Wort kommen – auch sehr emotional.

„Mein Vater, der Deserteur“ ist ein Buch, das noch lange nachwirkt und das man nicht einfach nach dem Auslesen weglegt und sofort mit dem nächsten Schmöker beginnt. Wir sollten René Freunds Aufforderung nachkommen und mit noch lebenden Zeitzeugen sprechen, bevor es zu spät ist.

5 von 5 Schreiberpaletten

Freitag, 23. Januar 2015

Rezension: "Die Stadt, in der ich lebe. ORF-Korrespondenten erzählen" von Walter Erdelitsch (Hrg.)

Daten zum Buch:
erschienen am: September 2014
Verlag: Kremayr & Scheriau
ISBN: 9783218009270
240 Seiten
Preis: 24,90 €

Zum Inhalt:
Jeder, der schon einmal Nachrichten im österreichischen TV-Sender ORF gesehen hat, kennt sie: Die zahlreichen Korrespondenten, die über die politische Lage aus aller Herren Länder berichten.

In diesem Buch stellen 14 dieser Auslandskorrespondenten des ORFs "ihre" Stadt in einzigartigen Porträts vor. Sie informieren den Leser über Politik und Zeitgeschehen sowie historische Hintergründe und Entwicklungen, stellen interessante Persönlichkeiten vor und zeigen uns faszinierende Orte fernab des Massentourismus.

Meine Meinung:
In diesem Buch stellen 14 ORF-Korrespondenten (u. a. Karim El-Gawhary, Christian Schüller und Bettina Prendergast) die folgenden Städte vor, in denen sie leben und arbeiten: London, Paris, Brüssel, Berlin, Madrid, Rom, Budapest, Belgrad, Moskau, Istanbul, Kairo, Tel Aviv, Washington und Peking.

Der Leser erhält einen einmaligen Einblick nicht (nur) in die gängigen Touristengegenden, sondern erfährt hier auch viel über Lebensstil, Wirtschaft und andere Dinge, die man in den Standardreiseführern in der Regel nicht finden wird. 

Einige der Erzähler/innen verbindet mit ihrer Stadt eine Hassliebe, denn sicherlich hat es auch Nachteile, in einer großen Metropole zu leben: Lärm, Dreck, Kriminalität, Baustellen etc. können gewaltig nerven. Und so werden auch die negativen Seiten so mancher Stadt angesprochen. Ich persönlich mochte diese kritische Komponente gern, und das macht die einzelnen Berichte auch gleich nochmal besonders, da hier nicht einfach die Werbetrommel für London, Paris & Co. gerührt wird, sondern die Erzähler durchaus differenzieren. Man merkt ihnen die Liebe zum kritischen Journalismus an, denn auch in den Städteporträts werden die politischen und gesellschaftlichen Missstände offen angesprochen.

Am Ende eines Städteporträts verrät jeder Korrespondent noch seine persönlichen Tipps: Das originellste Museum, der schönste Park, wohin zum Essen, der spannendste Markt, "Österreich in..." sowie ein Geheimtipp. So hat man gleich ein paar Ideen, wo man sich beim nächsten Besuch dieser Stadt fernab der Touristenströme das echte Flair einverleiben kann. Auch wer die ein oder andere Stadt bereits kennt, wird sicherlich viel Neues erfahren und sich denken: "Oh, da muss ich das nächste Mal unbedingt hin!"

Aufgewertet werden die Porträts durch zahlreiche Farbfotos, die meist nicht die gängigen Sehenswürdigkeiten zeigen, sondern unbekannte Orte und Personen.

Einziges Manko: Das hochwertige Hardcover ist leider etwas zu schwer und zu groß, um es in der Handtasche mitzuführen. 

Ich muss zugeben, dass ich eher deutsche Nachrichtensender schaue und bis auf Karim El-Gawhary leider keinen der Korrespondenten in diesem Buch vorher kannte. Ich kann mir aber umso besser vorstellen, dass es für ORF-Zuschauer, denen die Namen und Gesichter bekannt sind, eine doppelte Freude sein wird, die Journalisten von ihrer privaten Seite kennenzulernen. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, zukünftig öfter mal Auslandsnachrichten im ORF zu schauen.

5 von 5 Schreiberpaletten

Dienstag, 20. Januar 2015

Tag: Sisterhood of the World Bloggers Award

Die liebe Diana von Lilienlicht hat mich für den "Sisterhood of the World Bloggers Award" getaggt. Dankeschön! :-) Natürlich beantworte ich gerne ihre 10 Fragen.


Die Regeln:
– Verlinke den Blogger, der dich getaggt hat.
– Poste das Logo auf deinem Blog.
– Beantworte die 10 Fragen, die dir gestellt wurden.
– Nominiere 10 Blogger und stelle selbst 10 Fragen.

Den letzten Schritt lasse ich - wie immer - aus, da ich Tags/Stöckchen immer gerne liegen lasse und einfach anbiete, dass jeder, der Lust hat, mitmachen kann. Auch bin ich etwas zu bequem, mir 10 Fragen aus den Fingern zu saugen. ;-)

Hier also Lilienlichts Fragen und meine Antworten:

1. Wie viele Bücher hast du 2014 gelesen?
Ähm, keine Ahnung ehrlich gesagt... Ich trage zwar alle meine gelesenen Bücher auf LovelyBooks in die Bibliothek ein, aber die sind nicht nach Datum eingetragen. Ich schätze, es waren ca. 100, dank meines langen Urlaubs im Sommer. ;-)

2. Was war dein bestes Buch 2014?
Ich bin ja nicht so der Typ, der DAS eine Buch ganz grandios findet und über alle anderen stellt. Emotional am meisten berührt haben mich "Sonntags bei Sophie" und "Henning flieht vor dem Vergessen". Aber ich habe viele Bücher gelesen, die ich ganz gut fand.

3. Was war deine Leseenttäuschung 2014?
So richtig schlecht fand ich eigentlich kein Buch, da ich immer ganz gut abschätzen kann, was mir gefallen könnte.

4.  Wird man dich auf einer der Buchmessen 2015 finden?
Ich habe es mir auf jeden Fall vorgenommen! Ich würde ja gerne mal nach Leipzig, aber das ist dann doch etwas aufwändig, weil weiter weg. Nach Frankfurt gehe ich dieses Jahr nur, wenn ich an den Fachbesuchertagen hinkomme. Der Besuch 2014 am Samstag war mir dann doch zu stressig mit den vielen Leuten, und an einem einzigen Tag schaffe ich nicht alles.

5. An welchem Ort liest du am liebsten?
Zuhause auf der Couch. Allerdings ist die schon alt und nicht sooo bequem. Ich hoffe, dass ich mal einen eigenen Leseraum mit einem ganz bequemen Sessel haben werde. :-)

6. Wenn du nur ein einziges Buch im Jahr 2015 kaufen dürftest, welches wäre es?
Da ich gerade nicht auf eine einzige Neuerscheinung geiere, kann ich die Frage nicht beantworten.

7. ebook vs. Papierbuch - wer gewinnt?
Das ist für mich keine Frage: Print! Außerdem habe ich keinen ebook-Reader.

8. Wie viel Zeit nimmst du dir pro Woche, um bei deinen Lieblingsblogs auf Entdeckungstour zu gehen?
Das ist ganz unterschiedlich. Im Moment habe ich nicht so viel Zeit, ich schaue meist über meine Blogroll nach neuen interessanten Einträgen.

9. Stell dir vor du dürftest einen Autor deiner Wahl zu einer Wohnzimmerlesung zu dir einladen: Wen würdest du dir ins Haus holen und warum?
Die Antwort ist zwar langweilig, aber tatsächlich habe ich keinen absoluten Lieblingsautor, deshalb kann ich mich da grad gar nicht entscheiden. Ich mag viele Autoren, aber es gibt keinen, den ich absolut verehre.

10. Welche guten Vorsätze hast du dir für 2015 gesteckt?
Ach, ich habe es aufgegeben, zu Neujahr Vorsätze zu machen, da ich sie sowieso nicht einhalte.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Rezension: "Himmelhochjauchzendhellblau" von Ulrike Busch

Daten zum Buch:
erschienen am: 2. September 2014
Verlag: Selfpublishing
ISBN: 978-3000465833
250 Seiten
Preis: 9,95 €

Zum Inhalt:
Seit dem Tod seiner geliebten Frau Alma hat der 80jährige Georg „Schorschi“ Scholz jeglichen Lebensmut verloren. Nach einem Sturz in seinem Haus wird er von seinen Söhnen überredet, in die Seniorenwohnanlage „Herbstsonne“ zu ziehen.

Dort lebt er sich wider Erwarten schnell ein und findet auf Anhieb Anschlus. Als einer der wenigen stattlichen Herren wird Schorschi sofort von allen Seiten umschwärmt. So muss er sich nicht nur vor der prahlerischen und resoluten Sophie von Kleefeldt retten, die ihn offen, ja geradezu aggressiv anflirtet. Der rüstige Rentner erhält zudem von einer heimlichen Verehrerin romantische Geschenke und anonyme Anrufe. Dabei trauert er doch noch um seine geliebte Alma! Doch da ist auch die sportliche Sonja Baum, die mit ihrer jugendlich-agilen Art Schorschis Lebensgeister wiedererweckt und für wildes Herzklopfen sorgt. Ist er vielleicht doch bereit für einen späten zweiten Frühling?

Meine Meinung:
Der Zusatz „Turbulenter Liebesroman“ ist nicht übertrieben, denn in der „Herbstsonne“ geht es tatsächlich turbulent zu. Wir befinden uns nicht in einem Altersheim, in dem körperlich schwache Rentner gelangweilt durch den Tag schlurfen und sich aufs Sterben vorbereiten; in dem überforderte Pflegekräfte lieblos ihren Dienst am Objekt verrichten; das den Charme eines sterilen Krankenhausflures verströmt.

Bei der „Herbstsonne“ handelt es sich um eine Seniorenwohnanlage, in der sich die Bewohner – so weit noch möglich – in ihren eigenen vier Wänden selbstbestimmt leben können, ohne auf die Annehmlichkeiten eines betreuten Wohnens verzichten zu müssen. So sind denn auch die meisten von ihnen recht agil und munter. Das liebevolle Personal tut alles, um seinen Bewohnern jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Das tägliche Essen ist fernab von jeglichem Kantinenfraß ein Gaumengenuss, es gibt zahlreiche Sport-, Kultur- und weitere Freizeitangebote. Zu schön, um wahr zu sein? Ja, das dachte ich mir auch öfter beim Lesen, aber andererseits macht das auch den Charme des Buches aus. Es ist doch schön, dass hier das Altern und Rentnerdasein auch mal von solch einer positiven Warte aus betrachtet wird, dass man mit einem hohen Alter nicht immer nur an Krankheit, Tod und Verlust denkt. Man trifft hier sozusagen die „tollen Alten“, und es macht Spaß, ihnen zuzuschauen.

Für Turbulenz sorgen v. a. die zahlreichen Handlungsstränge und häufigen Perspektivenwechsel, die mir gut gefallen haben. Ging es anfangs noch nur um Schorschi, erhielten auch die anderen Bewohner der „Herbstsonne“ nach und nach ihre eigene Storyline. So wird die Geschichte bunter, vielfältiger und chaotischer, und die einzelnen Charaktere erhalten eine gewisse Tiefe und verkümmern nicht zu Statisten. Jeder Leser wird hier seine Lieblinge finden.

Wir haben die exzentrische Sophie von Kleefeldt, die es auf den armen Schorschi abgesehen hat und deren Geheimnis niemand erfahren soll. Die lebenslustige Sonja Baum, die nach dem Tod ihres dominanten Mannes endlich ihr Leben so gestalten will, wie sie es für richtig hält. Die schüchterne Rosita Simmering, die sich stets im Hintergrund hält und von der behauptet wird, dass sie durch düstere Rituale den Tod von Bewohnern herbeiführen kann. Es gibt Schorschis Pokerfreunde und zwei geschwätzige Tratschtanten, die mit ihren Gerüchten noch für viel Aufregung in der „Herbstsonne“ sorgen.

Das Buch hat sich flüssig und flott gelesen. Die Autorin schreibt sehr anschaulich und mit Liebe zum Detail. Der Humor ist nicht plump, sondern recht feinsinnig und hat mir viele Schmunzler ins Gesicht gezaubert.

Der Zusatz „freigegeben ab 45 Jahren“ ist irreführend bzw. vielleicht etwas unglücklich gewählt und sollte jüngere Leser nicht abschrecken! Ich fühlte mich mit meinen 33 Lenzen von diesem Roman sehr gut unterhalten und finde, dass Leser jeden Alters mit „Himmelhochjauchzendhellblau“ ihren Spaß haben können. Die Lebensfreude der alten Herrschaften in diesem Buch ist richtig ansteckend!

5 von 5 Schreiberpaletten

Montag, 12. Januar 2015

Rezension: "Die Uhr, die nicht tickt. Kinderlos glücklich. Eine Streitschrift" von Sarah Diehl

Daten zum Buch:
erschienen am: 1. November 2014
Verlag: Arche
ISBN: 9783716027202
256 Seiten
Preis: 14,99 €

Zum Inhalt:
„Eine Frau, die keine Kinder will, ist egoistisch und feige. Ihr Leben lang wird sie unter dieser falschen Entscheidung leiden, wird sie furchtbar bereuen.“ Solchen und ähnlichen Argumenten sind Frauen ohne Kinderwunsch tagtäglich ausgesetzt. Denn in unserer Gesellschaft ist es kaum vorstellbar, dass es Frauen gibt, die freiwillig auf das Muttersein verzichten, keinen Kinderwunsch in sich tragen.
 
Die Publizistin und Filmemacherin Sarah Diehl, Mitte 30 und selbst kinderlos, hat sich mit der Thematik der gewollten Kinderlosigkeit intensiv auseinander gesetzt und hierfür zahlreiche betroffene Frauen interviewt. Sie räumt mit vielen Vorurteilen auf und möchte mit ihrem Werk eine Brücke zwischen Müttern und Nicht-Müttern schlagen sowie aufzeigen, dass ein mangelnder Kinderwunsch ganz sicher nichts mit Egoismus, Narzissmus oder Feigheit zu tun hat.
 
Meine Meinung:
Als ich von diesem Buch zum 1. Mal gehört habe, dachte ich mir, das kommt wie gerufen! Ich bin selbst in einem Alter, in dem man sich Gedanken übers Kinderkriegen macht. Auch bei mir ist bislang kein Kinderwunsch vorhanden, und ich stoße ebenfalls bei Familie und Bekannten diesbezüglich auf Unverständnis, muss mich unsinnigen Diskussionen à la „Das wirst du bitter bereuen!“ stellen und die vorwurfsvollen Blicke der potentiellen (Nicht-)Großeltern ertragen. Endlich gibt es also ein Buch, das mir aufzeigt, dass ich nicht abnormal bin, weil ich meiner „Pflicht“ als Frau nicht nachkommen möchte. Das mir das ungute Gefühl nehmen möchte, mich für etwa zu rechtfertigen, für das ich mich eigentlich nicht rechtfertigen muss.
 
Sarah Diehl hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wieso Frauen keine Kinder haben möchten und wie die Reaktion der Gesellschaft darauf ist. Sie hat zu dem Thema zahlreiche Fakten und Argumente aufgearbeitet, die ergänzt werden durch Interviewausschnitte mit kinderlosen Frauen. Oft musste ich bei der Lektüre zustimmend nicken, konnte ich doch eigene Empfindungen und Erlebnisse darin wiederfinden.
 
Die Autorin spricht auch unbequeme Wahrheiten aus. Sind wir mal ehrlich: Die Gesellschaft schreit doch nicht laut nach Kindern, weil sie so süß und herzig sind, sondern weil wir wieder mehr Einzahler in die Rentenkasse brauchen, weil wir uns nicht ständig Fachkräfte aus dem Ausland importieren wollen. Es sollen ja auch nicht wahllos Kinder in die Welt gesetzt werden, es soll sich bitteschön auch die richtige Gesellschaftsschicht vermehren...
 
Dennoch ist dieses Buch kein Plädoyer gegen Kinder, denn Frauen ohne Kinderwunsch sind oft mitnichten kinderfeindlich. Auch das Muttersein in Deutschland, das gängige Familienmodell, die Erfüllung der Mutterrolle und der Spagat zwischen Kind und Karriere werden hier kritisch durchleuchtet. Sarah Diehl prangert Missstände in unserer Sozialgesellschaft an, die letztendlich ebenfalls dazu führen (können), dass sich immer mehr Frauen gegen Kinder entscheiden.
 
Abschließend stellt die Autorin deshalb auch mögliche bzw. bereits existierende Alternativmodelle vor, die vielleicht dazu führen könnten, dass für Frauen in Deutschland das Muttersein wieder etwas attraktiver gemacht wird. Hier sind viele anregende und interessante Ansätze vorhanden, die wohl aber nicht so schnell Anklang in der Gesellschaft finden werden.
 
Ein paar Kritikpunkte habe ich aber doch:
 
Mir hätte es sehr gefallen, mehr Interviews zu lesen und mehr über die Frauen zu erfahren. Man hat doch meist nur knappe Randinformationen erhalten wie Name, Alter und Beruf. Auch die Interviewsequenzen waren immer recht kurz. Hier hätte ich mehr Meinung als Fakten schön gefunden, da es das Buch doch etwas emotionaler und weniger trocken gemacht hätte.
 
Darüber hinaus hatte ich nach der Lektüre des Buches doch das Gefühl, dass das Kinderhaben und Muttersein hier sehr negativ dargestellt wird. Klar, es geht um gewollte Kinderlosigkeit, da dürfen und müssen Argumente gebracht werden, die gegen das Muttersein eingesetzt werden. Aber auch wenn mir diese Einstellung ja sogar in die Hände spielt – es gibt sicherlich Frauen, die mit Leib und Seele Mütter sind, ohne das Gefühl zu haben, dafür etwas geopfert zu haben. Oder die den Spagat zwischen Kind und Karriere sehr gut meistern, denn ich glaube nicht, dass die Gesellschaft wirklich ausnahmslos jeder Mutter Knüppel zwischen die Beine wirft. Auch wenn in Deutschland die Situation für arbeitende Mütter nicht leicht ist, fand ich sie doch einen Ticken zu negativ skizziert. Aber das ist sehr subjektiv, und andere Leser mögen es nicht so empfunden haben.
 
Sarah Diehl ist Geisteswissenschaftlerin, und das merkt man ihrem Schreibstil auch an, der mich stellenweise an eine akademische Facharbeit erinnerte. Was generell nichts Schlechtes ist. Ich weiß halt nur nicht, ob dieser Sprachstil für jedermann leicht zugänglich ist. Aber auch das ist wieder mein persönliches Empfinden.
 
Ich bin Frau Diehl dankbar, dass sie sich diesem für manche Frauen sehr wichtigen Thema angenommen hat, dass sie unbequeme Wahrheiten ausspricht, stumpfsinnige Argumente beiseite wischt und Frauen wieder mehr Selbstbewusstsein geben möchte. Ich lege „Die Uhr, die nicht tickt“ allen Frauen ans Herz, die keinen Kinderwunsch haben oder noch am Überlegen sind; ich empfehle es aber auch allgemein allen, die offen sind für andere Lebenskonzepte und sich mit dem gängigen Familienmodell in Deutschland kritisch auseinandersetzen möchten.
 
4 von 5 Schreiberpaletten

Freitag, 9. Januar 2015

Buchiger Neujahrsvorsatz

Ich wünsche euch ein gutes, buchreiches, stressfreies, erfolgreiches neues Jahr 2015! Auch wenn das Jahr schon fast wieder vorüber ist. ;-)

Ich bin ja kein Fan von Challenges – also ich hab nix gegen sie, aber ich selbst hab noch nie bei sowas mitgemacht, weil mir das irgendwie so einen Druck beim Lesen macht. Deshalb habe ich mir auch für dieses neue Lesejahr keinerlei Vorgaben auferlegt, wie viele Bücher/Seiten ich innerhalb soundso vielen Tagen/Wochen/Monaten schaffen muss.

Dennoch habe ich mir gedacht, ich könnte mich ja mal selbst belohnen, hehe. Das habe ich schon bei anderen Bloggern gesehen, und jetzt werde ich die Idee einfach mal klauen. Für jedes in 2015 gelesene Buch möchte ich 2 Euro in eine Spardose werfen.

Was ich am Ende des Jahres mit dem Geld dann mache – och, mal güggn. Ich tendiere stark zu „Neues Lesefutter besorgen“. Es kommt aber natürlich darauf an, wie viele Bücher ich letztendlich lese, da ich mir jetzt auch nicht für z. B. 400 € Bücher kaufen würde, das wäre ja schon übertrieben, da fahr ich lieber in Urlaub. ;-)

Aber da ich ja nun mitten in der Ausbildung stecke und mich so ca. 20 Klausuren übers Jahr verteilt erwarten, werde ich sicherlich keine 200 Bücher lesen. Meine Schätzung beläuft sich auf ca. 70 – ich bin zwar ein Vielleser, aber mit dem Speed-Reading hab ich’s dann doch nicht so. Und je nachdem, ob ich gerade in einer Klausurenphase stecke oder im Urlaub am Strand liege, schaffe ich zwischen 1 und 4 Bücher pro Woche. Wie gesagt, nur eine Prognose.

Jedenfalls steht hier ab sofort dieses putzige Ding (siehe rechts) und wird von mir hoffentlich regelmäßig gefüttert.

Habt ihr auch eine Art Belohnungssystem für eure gelesenen Bücher? Ich meine, der Lesegenuss an sich ist ja schon eine Belohnung, vielleicht ist das das falsche Wort. Aber ihr wisst schon, was ich meine.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Rezension: "Klüger als wir denken: Wozu Tiere fähig sind" von Juliane Bräuer

Daten zum Buch:
erschienen am: 2. September 2014
Verlag: Springer Spektrum
ISBN: 9783642416897
312 Seiten
Preis: 19,99 €

Zum Inhalt:
Sind Menschen wirklich klüger als Tiere? Es muss so sein – wir bauen ganze Städte, entwickeln Technologien und führen Kriege. Wir tun all das, was Tiere nicht können. Oder nicht wollen? Zu welchen Leistungen sind Tiere eigentlich fähig? Können sie rechnen, haben sie eine Kultur, verstehen sie vielleicht sogar unsere Sprache?

Die promovierte Biologin Julian Bräuer geht diesen Fragen nach. In diesem Buch stellt sie ihre Forschungsergebnisse aus 14 Jahren Arbeit am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig vor. Sie hat selbst zahlreiche Studien mit Menschenaffen, Hunden, Wölfen, Schweinen und Kleinkindern durchgeführt. Ihre Erkenntnisse werden ergänzt durch die Schilderungen zahlreicher weiterer Versuche und Beobachtungen anderer Wissenschaftler auf der ganzen Welt.

Meine Meinung:
Das Buch ist – nach der Einleitung „Wie klug sind Tiere?“ – in zwei große Themenkomplexe aufgeteilt. Im ersten Teil geht es um die physikalische Kognition, hier werden also Fragen geklärt wie: Können Tiere logisch denken, können sie rechnen, Werkzeuge herstellen, planen sie für die Zukunft? Im zweiten Teil geht es um Forschungen im Bereich der sozialen Kognition:Verstehen Tiere Symbole, sind sie hilfsbereit, geben sie ihr Wissen weiter, haben sie einen Sinn für Fairness? Jedes Kapitel widmet sich dabei einer Fähigkeit, die als einzigartig menschlich gilt bzw. galt.

Der Schreibstil ist sehr angenehm. Obwohl Juliane Bräuer Wissenschaftlerin ist, schreibt sie so, dass jeder Laie ihren Ausführungen folgen kann. Sie leiert keine Versuchsreihen und -ergebnisse herunter und quält den Leser mit langatmigen Analysen, sondern beschreibt anschaulich in einem lockeren Sprachstil, den jeder versteht.

Für einen angenehmeren Lesefluss wurden zudem Fußnoten weggelassen, dafür findet sich im Anhang ein ausführliches Literaturverzeichnis. Wer möchte, kann also zu den jeweiligen Versuchen und Theorien auch noch weitere Recherchen betreiben.

In erster Linie werden hier viele Versuchsreihen mit Menschenaffen vorgestellt. Doch auch andere Tierarten kommen zum Zug: Tieraffen, Hunde, Wale, Krähen,... Gerade die Vogelwelt hat mich am meisten erstaunt, denn einige Vogelarten sind teilweise raffinierter und intelligenter als die uns ähnlicheren Säugetiere. Schon gewusst, dass Küken zählen können? Zwar nur bis 5, aber immerhin! Oder dass Graupapageien – mit dem richtigen Training – kleine Mathegenies sind? Und wer hätte gedacht, dass wiederum gerade die dem Menschen am ähnlichsten Schimpansen ziemlich asoziale Socken sind, wenn es um Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit geht?

Es soll kein Wettbewerb zwischen Tieren und Menschen stattfinden, denn alle Wesen sind einzigartig, haben Charaktereigenschaften und Fähigkeiten, die ihnen zu eigen sind und die sie für ihre Lebensumstände benötigen. Und so wirklich vergleichen kann man ja Tiere und Menschen auch nicht. Dennoch fand ich es interessant und unterhaltsam, dass die Autorin immer mal wieder die Fähigkeiten von Menschenkindern als Vergleichsgrundlage heranzieht. So habe ich gelernt, dass sich Schimpansen und 2,5jährige so gut wie gar nicht darin unterscheiden, was das kausale Verständnis ihrer Umwelt angeht. Dafür sind Kleinkinder von Natur aus viel hilfsbereiter als ihre pelzigen „Konkurrenten“. Mal haben die getesteten Tiere die Nase vorne, mal die Kinder. Und so verhält es sich auch mit den verschiedenen Tierarten.

Dieses Buch ist voller erstaunlicher Erkenntnisse. Von manchen Versuchen bzw. Versuchtieren hat man vielleicht schonmal in den Medien gehört, vieles ist jedoch sicherlich neu – zumindest für Leute wie mich, die sich ansonsten nicht wirklich für Biologie interessieren.

Die Illustrationen von Alex Chauvel lockern das Buch optisch auf. Bei einigen Versuchen waren die Bilder sehr hilfreich, um sie sich besser vorstellen zu können, bei manchen Versuchen waren die Zeichnungen aber auch überflüssig. Echte Fotos hätte ich noch spannender gefunden, aber diese lagen sicherlich nicht für jeden Versuch vor bzw. ist das auch eine Kostenfrage.

Ich habe bei der Lektüre von „Klüger als wir denken: Wozu Tiere fähig sind“ viel gelernt. Die Autorin möchte „einen unterhaltsamen Überblick über die neuesten Erkenntnisse und Theorien über die Grenze zwischen Mensch und Tier geben“. Dies ist ihr sichtlich gelungen.

5 von 5 Schreiberpaletten

Montag, 5. Januar 2015

Rezension: "Hummeln im Herzen" von Petra Hülsmann

Ist es psychologisch betrachtet bedenklich, dass ich
ständig die Flausche-Hummel auf dem Cover streichle???
Daten zum Buch:
erschienen am: 16. September 2014
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 9783404171682
397 Seiten
Preis: 9,99 €

Zum Inhalt:
„Ich habe mich verliebt. Ich kann dich nicht heiraten. Du bist halt eher... gemütlich.“ Mit diesen Worten wird Lena Klein von ihrem Verlobten Simon Knall auf Fall verlassen. Eine Woche vor ihrem 30. Geburtstag – und eine Woche vor ihrer Hochzeit! Als ob das nicht schon eine Katastrophe wäre, verliert Lena auch noch kurz darauf durch unglückliche Umstände ihren Job.

Ohne Mann, ohne Wohnung und ohne Geld bleibt ihr nichts Anderes übrig, als bei ihrem geliebten Bruder Michel und dessen Freundin Juli einzuziehen. Wäre da nur nicht dieser aufgeblasene Macho Ben, der mit den beiden in der WG lebt. Ben ist zwar unverschämt gutaussehend, aber auch unverschämt frech und respektlos gegenüber Lena, und er wechselt die Frauen wie Andere ihre Unterhosen.

Nach einer Phase des Selbstmitleids fasst Lena einen Entschluss: Sie will sich rundum erneuern. Neuer Mann, neuer Job, neue Lena! Doch das ist leichter gesagt als getan. Die große PR-Karriere endet hinter dem Tresen eines Buchantiquariats inklusive mürrischem Chef, und Lenas neuer Schwarm Jan scheint mehr an seiner nicht-existenten Karriere als Autor interessiert zu sein als an Lena. Und dann ist da noch Ben, dieser elendige Mistkerl, der sie ständig auf die Palme bringt. Oder ist er doch gar nicht so übel? Hm...

Meine Meinung:
Man taucht sofort in die Geschichte ein. Lena, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist, war mir auf Anhieb sympathisch, sie ist zwar etwas tollpatschig, aber hat das Herz auf dem rechten Fleck. Je länger ich sie aber begleiten durfte, desto öfter wollte ich sie schütteln. Sie ist oft ziemlich begriffsstutzig, gerade wenn es um Ben geht.

Lena geht am Anfang durch ein Jammertal, und ich habe wirklich mitgelitten. Dennoch sind selbst die traurigen Stellen humorvoll geschrieben. Lena hat einen Hang zu Selbstkritik und Ironie, und wie sie die Dinge sieht, ist oft zum Schießen. Außerdem schafft sie es, mit Anlauf in jedes noch so kleine Fettnäpfchen zu springen, was für weitere komische Situationen sorgt.

Ben ist mir anfangs ziemlich unsympathisch, aber zusammen mit der Protagonistin lernt man seine positiven Seiten nach und nach kennen und merkt, dass er gar kein so übler Kerl ist. Es ist wirklich gut geschrieben, wie es zwischen den beiden kracht und funkt, und es gab viele schöne "Hach"-Momente. Dennoch muss ich sagen: Einerseits fand ich das Herumgeschwänzel recht amüsant, und Lenas Herzklopfen konnte ich sehr gut nachvollziehen. Doch nach 200, 300 Seiten gehen einem die ständigen Reibereien und Missverständnisse langsam auf den Keks. Diesbezüglich hätte man ein bisschen abspecken dürfen meiner Meinung nach.

Wie bei den meisten Chick Lit-Romanen ist eigentlich schon von Anfang an klar, wie sich die Geschichte entwickelt bzw. wie sie endet. Aber es ist ja meist keine Frage, ob sich das Paar findet, sondern wie. Und Lena hat noch viele andere Baustellen, die es zu bewältigen gibt. Auch hier lag ich mit meinen Vermutungen, wie sich die Geschichte entwickelt, auf Anhieb richtig. Aber langweilig wurde es deshalb sicherlich nicht!

Alles in allem ist „Hummeln in Herzen“ ein typischer Gute Laune-Frauenroman, der mir mit sympathischen Charakteren, viel Humor und einer abwechslungsreichen Storyline kurzweiligen Lesespaß bescherte. Empfehlenswert für alle, die locker-leichte Chick Lit mögen!

4 von 5 Schreiberpaletten

Samstag, 3. Januar 2015

Rezension: "Ich war ein Blitzmädel. Frauenkameradschaft in der Wehrmacht" von Hilde Kerer

Daten zum Buch:
erschienen am: 25. August 2014
Verlag: Edition Raetia
ISBN: 97888728345800
185 Seiten
Preis: 14,90 €

Zum Inhalt:
Hilde Kerer wird 1919 als Tochter deutschsprachiger Gastwirte in Brixen/Südtirol geboren. Schon in ihrer frühen Kindheit bekommt sie die Repressionen durch die italienischen Faschisten zu spüren. Doch die deutschstämmige Bevölkerung lässt sich nicht unterkriegen, und so entstehen Geheimschulen, in denen die Kinder auch weiterhin das deutsche Sprach- und Kulturgut vermittelt bekommen.

Hilde Kerer wächst zu einer selbstbewussten Frau heran, die – wie die meisten ihrer Altersgenossen – dem Nationalsozialismus sehr zugetan ist, besteht doch die Hoffnung, dass Hitler das faschistische Südtirol wieder Deutschland zuführen wird. Auf der Suche nach Abenteuern, meldet sich Hilde mit Begeisterung für die Ausbildung zur Wehrmachtshelferin in Deutschland. Als so genanntes Blitzmädel erlebt sie Einsätze im russischen Minsk und im französischen Poitiers, wo sie nur knapp einen Bombenangriff überlebt und schließlich Hals über Kopf mit ihren Kameradinnen vor den Alliierten fliehen muss.

In Erzählungen und Tagebucheinträgen folgt der Leser Hilde Kerer auf ihren Wegen als Blitzmädel von 1942-1944.

Meine Meinung:
Die Biographie aus der Reihe „Memoria – Erinnerungen an das 20. Jahrhundert“ des Raetia-Verlages setzt sich zusammen aus Erzählungen der heute 95jährigen Hilde Kerer sowie aus Einträgen, die sie zwischen dem 28.10.1942 (Aufbruch zur Ausbildung) und dem 8.8.1944 (Flucht aus Frankreich) in ihr Tagebuch niedergeschrieben hat. Nach einem kurzen Vorwort von Thomas Hanifle gilt der Hauptteil ganz allein Hilde Kerer, die hier ohne Unterbrechungen oder Erläuterungen zu Wort kommt. Dies ist generell sehr angenehm, da die Geschichte so nicht zerrissen wird.

Andererseits hätte ich mir bei manchen Begriffen oder erwähnten Ereignissen eine Erläuterung gewünscht, z. B. in Fußnoten. Auch werden öfter Personen erwähnt, die einfach so auftauchen und wieder verschwinden, ohne dass ich wusste, wer das jetzt eigentlich ist. Allerdings wird hier fairerweise im Vorwort bereits darauf hingewiesen, dass Hilde Kerers Erinnerungen lückenhaft sind und sie manche Personen nicht mehr richtig einordnen kann.

Der Leser lernt hier einiges über den italienischen Faschismus in Südtirol, worüber ich persönlich bislang nichts gewusst hatte. Die deutschsprachige Bevölkerung wird dazu genötigt, nur noch Italienisch zu sprechen und sich den faschistischen Lehren zu unterwerfen. Doch es spinnt sich ein feines Netzwerk, das Widerstand gegen die Faschisten leistet und das deutsche Sprach- und Kulturgut weiterleben lässt. In Geheimschulen werden Kinder wie Hilde von so genannten Katakombenlehrerinnen in deutscher Sprache unterrichtet.

Eine von Hildes Lehrerinnen ist Midl Kofler, die als Strafe für ihre verbotene Tätigkeit für zwei Jahre ins Exil nach Lauria geschickt wird und in Brixen als Heldin gilt. Trotz ihrer Liebe zur deutschen Kultur entscheiden sich Midl und ihre Familie jedoch später für die Option Italien, und Midl wird plötzlich zur persona non grata. Einzig Hilde hält Midl weiterhin die Treue und wird hierfür ebenfalls angefeindet. Doch das selbstbewusste Mädchen hat seinen eigenen Kopf und eckte schon immer an, erst bei den Faschisten, dann später bei den Nazis. Wie sie selbst erzählt, geriet sie jedoch nie an extreme Menschen, sonst hätte sie vermutlich schon früh unter Bestrafung in jeglicher Form leiden müssen.

Hilde Kerer hegt große Sympathien für Hitler und den Nationalsozialsmus. Sie betont, dass viele Menschen damals so dachten wie sie, und hierbei keineswegs einen schlechten Charakter aufgewiesen oder gar die Gräueltaten der Nazis gutgeheißen hätten. Für die Südtiroler war Hitler eine Verheißung dafür, dass ihre Heimat bald wieder deutsch sein könnte. Wie so viele andere, die blind dem Nationalsozialismus zugetan waren, hatten auch diese Menschen keine Ahnung von den Gräueltaten der Nazis oder wollten sie nicht wahrhaben.

Erst nach und nach bei ihren Einsätzen lernt Hilde Kerer die schlimmen Seiten des Krieges kennen, auch wenn sie lange Zeit versucht, davor die Augen zu verschließen. Aber meist will sie auch hier nichts davon wissen, blockt Erzählungen von Soldaten über die Front ab und behauptet auch später noch, nichts von den Taten der SS mitbekommen zu haben, obwohl sie z. B. in Minsk stationiert war, als dort Partisanen und im jüdischen Ghetto Tausende von Juden exekutiert wurden.

Hilde Kerer erzählt nicht vorrangig von ihrer Arbeit als Blitzmädel und dem Krieg, sondern von ihren Freizeitaktivitäten und den Liebes- und Freundschaftsbeziehungen zu Soldaten und Kameradinnen. Dabei blieb sie mir leider immer ein bisschen fremd, richtige Sympathien kamen bei mir nicht auf. Aber das ist ja auch keine notwendige Voraussetzung, ich habe das Buch dennoch in einem Rutsch gelesen.

Interessant ist es, dass hier eine Frau zu Wort kommt, die für die Nationalsozialisten gedient hat. Bei Einsatzkräften der Wehrmacht denkt man doch zwangsläufig nur an Männer, obgleich mehrere Millionen deutscher Frauen damals freiwillig für die Nationalsozialisten tätig waren, wenn auch nicht unbedingt an der Front.

Wenngleich Kerer damals in Brixen politisch sehr engagiert war, bezeichnet sie sich gerade in ihrer Tätigkeit als Blitzmädel als politisch uninteressiert, apolitisch. Sie sagt über ihre Zeit als Blitzmädel vor dem Bombenangriff in Poitiers, bei dem sie zwei Freundinnen verliert: „Wäre nicht der Krieg gewesen, dann wäre es eine schöne Zeit gewesen.“ Und man hat auch beim Lesen das Gefühl, dass die Tätigkeit als Blitzmädel für Hilde Kerer kein politisches Statement, sondern lediglich ein Abenteuer und eine Flucht aus dem tristen Alltag als Schneiderin war.

Dem Hauptteil folgt noch ein 20seitiger Aufsatz der Historikerin Siglinde Clementi mit dem Titel „Sich wehren und hartnäckig sein. Zum autobiografischen Gedächtnis und Selbstbild von Hilde Kerer“. Hier folgten einige Erläuterungen, die ich zuvor im Hauptteil vermisst hatte, und ein paar Punkte waren sicherlich auch interessant. Aber alles in Allem empfand ich den Artikel als Stilbruch zu Hildes Erzählungen, zu langatmig und zu wissenschaftlich. Ein kürzeres Nachwort hätte es meiner Meinung nach auch getan.

Positiv hervorheben möchte ich noch die zahlreichen Schwarzweiß-Fotos. Außerdem findet man in den Fußnoten des Aufsatzes am Ende des Buches noch viele Literaturverweise, die bei Interesse eine gute Grundlage für weitere Eigenrecherchen bieten.

„Ich war ein Blitzmädel. Frauenkameradschaft in der Wehrmacht“ ist eine sehr interessante Biographie aus dem zweiten Weltkrieg, die ich nicht nur geschichtsinteressierten Lesern ans Herz legen möchte.

4,5 von 5 Schreiberpaletten