Sonntag, 29. März 2015

Rezension: "NOX. Unten" von Yves Grevet

Daten zum Buch:
erschienen am: 1. März 2015
Verlag: dtv
ISBN: 9783423650120
318 Seiten
Preis: 14,95 €
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Zum Inhalt:
Eine riesige Stadt an einem Berghang, gespalten durch eine undurchdringliche Wolke aus Schmutz. In der Oberstadt leben die Reichen, atmen saubere Luft und genießen Wasser und Licht im Überfluss. In der Unterstadt leben die Armen in ständiger Dunkelheit, Dreck und Gestank. Ihre Lebenserwartung ist aufgrund ihrer natürlichen Umgebung und anstrengender körperlicher Arbeit niedrig. Weitere Lebensgefahr droht durch die radikale Miliz der Unterstadt, die - von der korrupten Polizei unterstützt - nicht nur Terroristen verfolgt, die für die Wiedervereinigung von Ober- und Unterstadt kämpfen, sondern auch Unschuldige willkürlich einsperrt, foltert und ermordet.

Der 17jährige Lucen lebt in der Unterstadt und wird später einmal - so will es das Gesetz - den Beruf seines Vaters als Restaurator ausüben. Er liebt die aufmüpfige Firmie - eine Verbindung, der seine Eltern feindlich gegenüber stehen.

Lucens bester Freund Gerges tritt in die Fußstapfen seines Vaters, dem Anführer der Miliz, doch sieht sich bald mit einer nicht endend wollenden Spirale aus Gewalt und Terror konfrontiert. Wird er sich für seine Freunde oder für die Miliz entscheiden?

Die 15jährige Ludmilla wächst indes wohlbehütet in der Oberstadt auf. Als ihr Vater, der eine mächtige Position innehat und kaum zu Hause ist, ihr geliebtes Kindermädchen zurück in die Unterstadt und damit in den sicheren Tod schickt, wächst Ludmillas Widerstand gegen das politische System. Sie will Martha um jeden Preis retten, doch dafür braucht sie die Hilfe eines Menschen aus der Unterstadt - Lucen.

Meine Meinung:
Mit "NOX" hat Yves Grevet ein sehr bedrückendes Weltbild erschaffen. Die Schilderungen, wie die Armen in der Unterstadt leben, sind sehr beklemmend, und man kann sich kaum vorstellen, dass es Menschen gelingen kann, sich mit solchen Lebensbedingungen arrangieren zu können.

In der Unterstadt gibt es kein natürliches Licht, doch auch künstliche Lichtquellen sind so kostbar, dass jeder spezielle Schuhe tragen muss, die durch die Laufbewegungen Lichtquellen speisen und Batterien aufladen. Die Menschen leben auf unterschiedlichen Höhen - je niedriger, desto ärmer. Am Schlimmsten ergeht es den "Unterhundert", die niedrige Dienste verrichten müssen. So müssen Unterhundert-Kinder z. B. in den Wänden reicherer Unterstädter mittels Pedalen Licht erzeugen oder bei Tierwettkämpfen die Kadaver beseitigen.

Die Wolke ist undurchdringlich, so dass man sich ohne künstliches Licht nur blind vorwärts bewegen kann. Deshalb sind die anderen Sinne der Unterstädter extrem gut ausgeprägt, man erkennt sich z. B. am Geruch und kann auch im Dunkeln komplizierte Handgriffe erledigen.

Aufgrund der kurzen Lebenserwartung muss die Fortpflanzung so früh wie möglich geschehen. Bereits mit 15 Jahren müssen sich die Mädchen der Unterstadt auf ihre Rolle als Mutter vorbereiten. Um keine Zeit zu verschwenden, werden bei Paaren "Kompatibilitätstests" durchgeführt (ein anderes Wort für vorehelichen Geschlechtsverkehr). Zu einer Heirat kommt es nur, wenn diese erfolgreich waren, also das Mädchen schwanger ist.

Die Menschen unterhalb der Wolke sind im Vergleich zu den Bewohnern der Oberstadt minderwertig, was sich vor allem in den Namen und Begrifflichkeiten widerspiegelt. Jeder Name ist eine Verstümmelung der Namen, die in der Oberstadt getragen werden, z. B. Lucen (Lucien), Jea (Jean) oder Katine (Katrine), das Gleiche gilt für Produkte wie Lebensmittel (Mich statt Milch, Bro statt Brot). 

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und recht einfach gehalten. Der Autor skizziert die Welt von NOX sehr detailliert und anschaulich, so dass man sich alles sehr gut vorstellen kann. Auch seine Protagonisten sind ausgefeilte Charaktere. Der Leser lernt sie von Seite zu Seite besser kennen, erhält Einblicke in ihr Innenleben und kann so ihre Handlungsweisen nachvollziehen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Lucens, Gerges' und Ludmillas Sicht erzählt. Entgegen des Klappentextes, der ihn als "Feind seines einst besten Freundes Lucen" beschreibt, war mir auch Gerges anfänglich noch ziemlich sympathisch. Bei ihm wird besonders deutlich, wie stark das kranke politische System einen eigentlich friedliebenden Menschen verändern kann. Auch Ludmilla wird im Laufe der Geschichte viel reifer, verlässt ihre Komfortzone, hinterfragt vieles und wird letztendlich selbst aktiv, obwohl sie von ihrem Vater streng überwacht wird. Lucen wirkt auf mich etwas naiver als die anderen beiden Protagonisten, er ist einfach ein gutmütiger Kerl, tut jedoch alles, um sich, Firmie und seine Familie zu schützen. Auch Firmies Blickweise auf die Geschichte hätte mir gut gefallen, denn sie hat eine starke Persönlichkeit. Das Cover der Fortsetzung lässt jedoch erahnen, dass ihr im zweiten Teil eine größere Rolle zukommen könnte.

Generell ist die Handlung recht spannend, wenngleich ich doch manche Passagen etwas langatmig fand. Durch die drei Sichtweisen werden Szenen - aus unterschiedlichen Blickwinkeln - teils dreifach geschildert. Nicht immer war dies nötig und deshalb etwas langweilig, da die Geschichte so nur langsam vorwärtsschreitet.
 
"NOX. Unten" ist der Auftakt einer Buchreihe. Der nächste Band mit dem Titel "NOX. Anderswo" erscheint im September 2015. Der vorliegende Band endet leider mit einem großen Cliffhanger rund um Lucen, Gerges und Ludmilla, der durch einen kurzen Epilog abgemildert wird, in dem man knapp erfährt, wie es den dreien in den folgenden Monaten ergehen wird.

Ich fühlte mich durch "NOX. Unten" gut unterhalten und bin gespannt auf die Fortsetzung, die mehr Action verspricht als der erste Teil.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an dtv für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 28. März 2015

Rezension: "Adnan für Anfänger. Mein Deutschland heißt Almanya" von Adnan Maral

Daten zum Buch:
erschienen am: 22. September 2014
Verlag: blanvalet
ISBN: 9783764505196
255 Seiten
Preis: 14,99 €
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Zum Inhalt:
1968 in Ostanatolien geboren, kommt Adnan Maral mit zwei Jahren als Sohn türkischer Gastarbeiter nach Deutschland. Zusammen mit seinen beiden Brüdern wächst er in Frankfurt auf und ist ein leuchtendes Beispiel für gelungene Integration.

Trotzdem sieht sich Adnan stets mit Vorurteilen konfrontiert. Als Schauspieler wird ihm stets nur die Rolle des Türken angeboten. Wäre das Leben einfacher, wenn Adnan Maral Adrian Müller hieße? Wieso muss er seinen türkischen Pass abgeben, wenn er die deutsche Staatsangehörigkeit haben möchte? Dabei ist es doch ganz einfach: In seiner Brust schlagen nunmal ein türkisches UND ein deutsches Herz. Wählen? Wozu?!

Meine Meinung:
Adnan Maral ist mir zum ersten Mal als Metin Öztürk in der deutschen Comedyserie „Türkisch für Anfänger“ aufgefallen, wo er einen spießigen, türkischstämmigen Vater von zwei Teenagern spielt und zusammen mit seiner Frau Doris verzweifelt versucht, seine neue Patchwork-Familie davon abzuhalten, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Seitdem ist er mir auch in vielen anderen deutschen Filmen begegnet (z. B. „Einmal Hans mit scharfer Soße“), in denen er eigentlich immer einen Türken spielt.

In „Adnan für Anfänger“ erzählt der Autor von seinem Leben als Sohn türkischer Gastarbeiter, von seiner Schauspielkarriere, seinen Reisen in die Türkei zur geliebten Oma und seiner Tätigkeit als Kulturbotschafter für die deutsch-türkische Verständigung. Neben vielen kleinen Geschichten, meist komisch, teilweise aber auch tragisch, will der Autor mit den gängigen Klischees und Vorurteilen über Türken aufräumen und eine Brücke zwischen Deutschen und Türken schlagen.

Als Rahmenhandlung dient hier ein Besuch in der Arztpraxis, der am Anfang jedes Kapitels aufgegriffen wird und als Überleitung zum nächsten Thema dient. Der Arzt ist gerade bei einem Notfall, und während die Patienten ungeduldig auf ihre Behandlung warten, entspinnt sich ein mitunter skurriler Dialog zwischen dem Schauspieler, den Mitwartenden und der Arzthelferin.

Marals Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Wie ich es von einem Schauspieler mit solch komödiantischem Talent erwartete, ist das Buch sehr humorvoll geschrieben. Der Autor tut hier ohne Blatt vor dem Mund seine Meinung kund, doch er wirkt dabei niemals belehrend oder missionierend. Das machte ihn besonders sympathisch. Er gewährt dem Leser intime Einblicke in sein Leben. Auch wenn die meisten Szenen eher lustig sind, hat mich dann das vorletzte Kapitel mit seiner Ernsthaftigkeit und Traurigkeit sehr überrascht und tief berührt. (Mehr will ich nicht verraten, ich möchte nicht spoilern, aber ich hab doch einige Tränen vergossen.)

Das Buch ist einerseits eine Autobiographie, will aber auch erklären, aufklären, wachrütteln und für mehr Toleranz werben. Deshalb ist „Adnan für Anfänger“ nicht nur interessant für Fans des Schauspielers, sondern auch für alle, die sich für Integration, die türkische Kultur und das Miteinander von Türken und Deutschen interessieren. Besonders empfehlenswert ist es aber auch für diejenigen, die noch immer mit Vorurteilen kämpfen. Mich hat dieses Buch nicht nur gut unterhalten, sondern auch zum Nachdenken gebracht. Und es hat im Endeffekt eine simple, aber eindringliche Botschaft: Egal, ob Türke oder Deutscher – wir sind alle einfach nur Menschen!

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 26. März 2015

"Einschließen und genießen" - Ein Abend in der Buchhandlung

Welcher Büchernarr fände es nicht toll, eine Nacht oder zumindest einen Abend lang in einer Buchhandlung eingesperrt zu werden und sich dort hemmungslos durchschmökern zu können? Mittlerweile bieten schon einige Buchläden solche Aktionen an, und ich dachte mir, das ist doch eigentlich eine coole Sache, aber natürlich gab es sowas in meiner beschaulichen Heimatstadt nicht.

Vor Kurzem habe ich dann aber zufällig gelesen, dass es dieses Angebot nun auch endlich in Würzburg gibt, und zwar bei der Buchhandlung KNODT. Für einen Unkostenbeitrag von 7,50 € kann man sich von 19-22 Uhr einsperren lassen – Verpflegung inklusive. Deshalb heißt das Ganze auch „Einschließen und genießen“. Das wollte ich unbedingt ausprobieren!

Für die 1. Nacht am 24.03. habe ich mich dann auch spontan mit meiner Freundin Agnes angemeldet. Wir waren echt gespannt, was da auf uns zukommt. Um 19 Uhr stiefelten wir also zur Buchhandlung,...


... wo uns schon die Inhaberin, Frau Stein-Salomon, erwartete. Nach einer kurzen Erklärung, wie das Ganze ablaufen soll, bot sie uns Wein (bzw. Apfelsaft) sowie Häppchen an. 

Baguette mit lecker Dips und Zuckerschock-Himbeer-Schoko-Sahne-Dessert

Neben Agnes und mir war noch eine weitere Dame dabei. Zu dritt hatten wir jede Menge Platz!


Vor einiger Zeit gab's die Aktion schonmal, damals aber ohne Essen und
übers komplette Wochenende. Ging leider ein bisschen schief...

Die Buchhandlung KNODT ist eine akademische Buchhandlung. Im Erdgeschoss findet sich Unterhaltungsliteratur jedes Genres, während das Untergeschoss Fachbücher aus dem medizinischen Bereich feilbietet. (Deshalb auch die Skelette - für alle, die sich gerade über diese "Deko" gewundert haben.) Die Fachbücher waren recht uninteressant für uns, so dass wir uns die ganze Zeit im Erdgeschoss aufhielten. Ok, nicht die ganze Zeit... ;-)

Sein oder Nicht-Sein!
Passendes Buch zum vorherigen Bild...

Zuerst machten wir uns über die Häppchen her, dann über die Bücher (und dann wieder über die Häppchen...). Zwischendurch plauderten wir mit unserer „Mitgefangenen“, einer netten 75jährigen Büchernärrin. 

Ich wusste gar nicht, dass Griechenlands Finanzminister
ein Buch veröffentlicht hat...

Um 21.15 Uhr kam Frau Stein-Salomon zurück, unterhielt sich noch mit uns ein bisschen, und gegen 22 Uhr sind wir dann nach Hause gegangen.

Mein Fazit: Es war wirklich sehr liebevoll organisiert mit den leckeren Häppchen und der sehr freundlichen Betreuung. Allein dafür hat es sich schon gelohnt. ;-) Es hat auf jeden Fall seinen Reiz, sich völlig ungehemmt und ungestört in einer Buchhandlung durchzuschmökern. Die drei Stunden waren aber wirklich ausreichend, da wir ja nur ein Geschoss zum Entdecken hatten (Für Mediziner ist sicherlich auch noch das Untergeschoss spannend, für den Rest eher nicht.). Falls ich das nochmal mache, dann mal in einer größeren, mehrgeschossigen Buchhandlung, wo man richtige Erkundungstouren machen kann. Für den Einstieg war das aber wirklich nett.

Ich hoffe, dass sich viele Leute zu "Einschließen und genießen" anmelden und auch, dass diese Aktion viele Nachahmer findet.

Hier geht's übrigens zu Agnes' Bericht auf ihrem Blog "Lesemaus im Schafspelz"!


Sonntag, 22. März 2015

Rezension: "Ich war das Jadekind. Meine Kindheit in China bis 1938" von Marion Schiffler

Daten zum Buch:
erschienen im: September 2012
Verlag: Edition Raetia
ISBN: 9788872834329
256 Seiten
Preis: 15,90 €
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Zum Inhalt:
Marion Schiffler wird 1924 in Kanton geboren, wo ihr Vater für den deutschen Großkonzern I.G. Farben (BASF) die Geschäfte in China betreut. Inmitten der Kolonialkultur wächst sie wohlbehütet in einer Villa mit Hausangestellten auf, sucht jedoch auch dank ihrer weltoffenen Eltern stets den Kontakt zu den Einheimischen. Sie freundet sich mit ihnen an und entwickelt eine unbändige Liebe zu ihrem Geburtsland, seinen Bräuchen und Traditionen.

Nach Ausbruch des japanisch-chinesischen Konflikts kehrt die Familie 1938 Hals über Kopf nach Europa zurück, wo Marion Schiffler den zweiten Weltkrieg erlebt und später in Meran als Lehrerin sesshaft wird.

Meine Meinung:
„Ich war das Jadekind. Meine Kindheit in China bis 1938“ ist ein weiterer Band aus der faszinierenden Buchreihe Memoria – Erinnerungen an das 20. Jahrhundert“.

Die Autorin Marion Schiffler war Lehrerin und später Direktorin an Oberschulen, und ihre hohe Bildung merkt man bei jedem Wort. Sie schreibt sehr anspruchsvoll und schmückt ständig mit zahlreichen Metaphern und bildlichen Umschreibungen aus. (Z. B. „Aus den schweigenden Gegenden tauchten beredte nackte Berghänge auf von einer Färbung wie alte Bronze.“ oder „Ein wirkliches und wahrhaftiges Pandämonium entfesselte der mörderische Taifun, der Monstersturm, welcher im Spätsommer mit einer Elementargewalt und einem Furor über die Meere raste...“,).

Anfänglich trug dies noch zur Anschaulichkeit des Landes und der Menschen bei, doch irgendwann fing ich an, diesen Schreibstil zu fürchten. Diese permanente Demonstration der Eloquenz empfand ich als sehr ermüdend. Die Erzählungen, die mich wirklich interessierten (Persönliche Begebenheiten, Erlebnisse mit der chinesischen Bevölkerung u. Ä.) waren so in diese Ausschweifungen eingebettet, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste sie suchen und rauspicken. Dies führte dazu, dass ich das Buch ständig weglegte und zwischendurch andere Bücher las. Selten habe ich für ein Buch mit knapp 250 Seiten so lange gebraucht

Auch fehlte mir ein roter Faden. Die Kapitel sind teilweise recht kurz und erzählen irgendeine Begebenheit oder bestehen aus ausschweifenden Beschreibungen. Doch meist wusste ich nicht, in welchem Jahr wir uns nun befinden, so dass das ganze Buch durcheinandergewürfelt wirkte. Dies besserte sich später etwas, als Marion Schiffler nach Europa zurückkehrte.

Auf der einen Seite finde ich ihre große Liebe zu China ja sehr rührend, aber irgendwann nervte mich die Autorin dann doch mit ihrem ewigen „China ist das Maß aller Dinge, Europa und v. a. Deutschland sind so barbarisch.“-Getue. Überhaupt blieb sie mir sowieso die ganze Zeit fremd, teilweise sogar unsympathisch. Sie ist nicht direkt arrogant, behandelt die Hausangestellten und einfachen Einheimischen auch sehr respektvoll, aber man merkt einfach, dass sie sehr privilegiert war.

Es folgt noch im Anhang eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Autobiographie durch Thoralf Klein, in der u. a. historische Ereignisse noch einmal etwas genauer ausgeführt wurden. Bis dahin war mir die Puste schon längst ausgegangen, so dass ich auch daran keine Freude hatte.

Es gibt über 80 Fußnoten, die erwähnte Personen, historische Ereignissen o. Ä. im Anhang weiter ausführen. Generell begrüße ich solche Ausführungen, die nicht den Schreibfluss stören und deshalb als Fußnote vermerkt werden. Aber hier hat es mich gestört, dass ich jedes Mal erst nach hinten blättern musste. Ich bin ein Freund von Fußnoten unter dem Text. Aber das ist halt Geschmackssache. Ob allerdings ältere Leser mit der winzig-kleinen Schriftgröße der Fußnoten ihre Freude haben, daran zweifle ich.

Eine Autobiographie, die mich leider nicht fesseln konnte. Es tut mir auch wirklich leid, dass ich mit Marion Schifflers Biographie nicht so richtig warm wurde, denn sie bietet hier durchaus spannende Einblicke in das China vor dem Kommunismus. Und es mag vielleicht Leute geben, die den Sprachstil toll finden, weil er sehr ausschmückend ist. Man muss das aber mögen, und ich mochte es einfach nicht. Das ist natürlich schade, da mir so die Lust am Lesen verging und ich vielleicht die ein oder andere interessante Stelle eher lustlos heruntergelesen habe, statt mich auf die Erzählungen voll und ganz einzulassen.

Schön anzusehen sind aber auf jeden Fall die zahlreichen s/w-Fotos, die Marion Schifflers Erzählungen anschaulicher machen und das Buch auf jeden Fall nochmal aufwerten.

„Ich war das Jadekind“ kann ich ungeachtet des gewöhnungsbedürftigen Schreibstils aber auf jeden Fall all denen ans Herz legen, die sich für dieses Land interessieren und wissen möchten, wie deutsche Expats in den 1930er Jahren in China lebten, arbeiteten und reisten.

2,5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Edition Raetia für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 21. März 2015

Jetzt auch auf Facebook!

Das Leben hat mich wieder! Nach vielen Wochen erschöpfender Lernerei und 6 Tagen Klausuren, die mir den letzten Nerv geraubt und mir eine sehr frustvolle Zeit beschert haben, bin ich wieder aus dem Tal der Schmerzen gekrochen und kann mich wieder mit mehr Herzblut meinem Blögchen widmen.

Die nächsten Tage werde ich fleißig Rezensionen schreiben und auch endlich mal meine Geburtstagsverlosung in Angriff nehmen!

Und endlich habe ich meinen langgehegten Plan in die Tat umgesetzt und eine Facebook-Seite zu meinem Blog erstellt. Dann können diejenigen, die kein GFC haben, mir ja vielleicht darüber folgen (Ich weiß, ich weiß, auch nicht jeder hat Facebook.). Man muss ja den Horizont erweitern!

Facebook treibt mich zwar in den Wahnsinn, weil ich z. B. das Coverfoto nicht anpassen kann und alles grad irgendwie etwas doof aussieht. Aber vielleicht krieg ich das ja auch noch irgendwann raus.

Also meine Lieben, schaut doch mal vorbei, ich freue mich über jedes Like, jeden Kommentar, jedes Share!!!

https://www.facebook.com/pages/Schatz-ich-will-ein-Buch-von-dir-Der-B%C3%BCcherblog/478728812283519?fref=photo

Freitag, 13. März 2015

Rezension: "Ich will doch bloß sterben, Papa. Leben mit einer schizophrenen Tochter" von Michael Schofield

Daten zum Buch:
erschienen am: 31. März 2014
Verlag: Kösel-Verlag
ISBN: 9783466309948
331 Seiten
Preis: 19,99 €
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Zum Inhalt:
Jani war schon immer ein besonderes Kind. Herausragend intelligent, aber auch extrem anstrengend. Ihre ständigen Wut- und Gewaltausbrüche machen Familie Schofield das Leben schwer. Jani lebt in ihrer eigenen Welt Calilini und spielt lieber mit ihren unsichtbaren Freunden als mit echten Kindern. Als ihr kleiner Bruder Bodhi auf die Welt kommt, leben die Eltern Michael und Susan in ständiger Gefahr, dass Jani das Baby verletzt oder tötet. Langsam reift die Erkenntnis, dass Jani an Schizophrenie leiden könnte, und so beginnt für die Schofields eine schwere Odyssee durch Arztpraxen und Krankenhäuser, die alle an ihre Grenzen bringt.

Meine Meinung:
Eins vorweg: Es fällt mir wirklich schwer, dieses Buch zu bewerten. Und ich entschuldige mich schonmal für die ermüdende Länge dieser Rezension, aber bei diesem Buch kann ich mich leider nicht kurz fassen.

Janis Verhalten ist einfach nur – wow... Mit Schizophrenie kenne ich mich nicht wirklich aus, und wie es letztendlich Jani dabei ergeht, die an Halluzinationen und Gefühlsausbrüchen leidet, wird nicht ganz klar, da die Geschichte ja nicht von ihr erzählt wird, sondern vom Vater. Aber auch die Erlebnisse der betroffenen Eltern sind schon sehr beklemmend.

Auf über 200 Seiten wird permanent erzählt, wie Jani ausflippt, kreischt, kratzt, beißt, schlägt. Und das alles in so einem Ausmaß, dass nichtmal die Eltern das kleine Mädchen davon abhalten können. Wie lange ich es mit diesem Kind ausgehalten hätte, weiß ich nicht, denn allein beim Lesen ist man regelrecht erschöpft von den nicht endend wollenden Ausbrüchen. Wie die Eltern das jahrelang aushalten, ist mir ein Rätsel, sie werden von ihrer eigenen Tochter regelrecht kaputt gemacht und funktionieren nur noch als Blitzableiter, haben kein eigenständiges Leben mehr. Ab einem bestimmten Punkt verstehe ich dann auch nicht mehr, dass sie das so lange mitgemacht haben, ohne in Erwägung zu ziehen, das Kind in eine psychiatrische Klinik zu geben.

Denn Jani geht nicht nur mehrmals täglich auf ihr Eltern los und verletzt diese teilweise richtig, sie versucht auch die ganze Zeit, ihren Baby-Bruder Bodhi zu verletzen. Diese hochaggressiven Ausbrüche finden täglich ca. 10 Mal statt. Das geht so weit, dass die Kinder nicht in einem Raum sein können, wenn nicht beide Elternteile anwesend sind, und dass die eigene Mutter Angst vor ihrer Tochter hat. Während der Vater Jani festhält und sich verprügeln lässt, versucht die Mutter, das Baby zu beschützen. Ich war wirklich baff, dass zwei Erwachsene sich von einem (Klein-)Kind auch physisch so fertig machen lassen. Die psychische Belastung ist natürlich nochmal was ganz Anderes. Aber manchmal war ich so gemein und habe mich gefragt, inwieweit manche Verhaltensmuster auch vielleicht hausgemacht waren?

Vater Michael, Autor des Buches, leidet selbst an Depressionen und nimmt Medikamente. Er kam mir oft sehr suspekt vor. Er ist College-Dozent und hat hohe Ansprüche an seine Tochter, die schon als Baby herausragend intelligent ist und z. B. mit zwei Jahren schon lesen und schreiben kann. Lange Zeit sieht er in Janis Krankheitsbild vor allem das Genie, das dahinter steckt.

>>> Ich träume davon, dass Jani noch vor ihrem zehnten Geburtstag nach Harvard oder Yale oder aufs Massachussets Institute of Technology (MIT) geht. Mein größter Traum, wenn ich nachts die Augen schließe, ist, dass Jani den Nobelpreis gewinnt. Wofür, weiß ich nicht und es ist mir auch egal. Aber wenn sie mit zwei Jahren zu solchen Leistungen fähig ist, dann muss sie sich ganz einfach als Segen für die Menschheit erweisen. Und dafür kann man ihr schon mal die eine oder andere Unhöflichkeit durchgehen lassen. (S. 19) <<<

An ihrem 4. Geburtstag führt der Vater mit der Tochter Gespräche über Dinge wie „Weißt du noch, wie hoch der Luftdruck auf der Venus ist?“ gefolgt von einem Vortrag, wie sich das Gewicht auf diesem und jenem Planeten verteilt und welche Temperaturen dort herrschen. Da frage ich mich schon, ob das immense Wissen von Jani wirklich von ihr selbst gewollt ist oder ob es nicht auch vom gebildeten Vater regelrecht eingeprügelt wird, damit das Kind auch ja ein Genie wird und – wie an späterer Stelle nochmal von ihm forciert wird – für ihn mal den Nobelpreis gewinnt.

Als Michael und Susan dann bei einem Intelligenztest erfahren, dass Jani mit 4 Jahren einen IQ von 146 hat, verfallen sie in Schockstarre... denn 146 erscheint ihnen viel zu wenig! Und dieses Herumgehacke der Eltern auf dem ach so hohen IQ der Tochter ging mir irgendwann total auf den Senkel. So schreit die Mutter ständig irgendwelche Ärzte oder Lehrer, die Jani kritisieren, an: „Sie hat einen Intelligenzquotienten von 146!“ Ja doch... Später wird dann nochmal von mehreren Seiten bestätigt, dass Jani außergewöhnlich klug ist. Nur bei ihrem schlimmen Verhalten nützt dies wenig, da sie sich nicht anpassen, nicht benehmen oder in eine Klassengemeinschaft einfügen kann.

Und dann Bodhi, der arme kleine Kerl. Der im Endeffekt nur geboren wird, weil die Mutter ihre biologische Uhr ticken hört und der Vater sich seine Anwesenheit als Allheilmittel für Jani erhofft.

>>> Doch das war nicht der Grund, weshalb ich einem zweiten Kind schließlich zustimmte. Ich wollte Bodhi aus einem und nur einem Grund: weil Jani sich ein Geschwisterchen wünschte. Bodhi ist das größte Wagnis, das ich in meinem Leben je einging. Seit fünf Jahren fahnden wir nach einem Kind, das Janis Fantasie zu teilen vermag. Vergeblich. Dies ist mein letzter, verzweifelter Versuch. Wenn ich schon kein Kind finden kann, mit dem Jani etwas anzufangen weiß, vielleicht kann ich ja eines erschaffen?
Ich finde es unfassbar, was ich jetzt sage“, flüstere ich im Dunkeln, „aber ich hoffe wirklich, dass Bodhi genau so wird wie Jani.“ (S. 39) <<<

Wie bereits erwähnt geht der Plan mit dem Geschwisterchen böse nach hinten los. Michael kann auch keine Beziehung zu Bodhi aufbauen, da er ja nur damit beschäftigt ist, Jani davon abzuhalten, den kleinen Kerl zu töten. So verbringt er eigentlich kaum Zeit mit seinem Sohn.

Der Vater ist wirklich auf Extremste auf seine Tochter fixiert, dass es fast schon krankhaft wirkt. Er brüstet sich damit, dass er der Einzige in Janis Leben ist, der genauso viel Fantasie wie sie hat und sich auf ihre eingebildeten Freunde einlassen kann, wenngleich auch er irgendwann an seine Grenzen stößt. Und so ist er auch oft Susan gegenüber sehr unfair, der er meist wütend die Fähigkeit abspricht, sich um ihre Tochter kümmern zu können, wie er es tut. Nur er kann es, nur er versteht Jani, nur er kann auf sie eingehen, nur er erkennt und fördert ihr grenzenloses Genie.

Susan ist dann auch diejenige, die Jani zum 1. Mal ins Krankenhaus einweisen lässt, weil sie nicht mehr mit ihr klarkommt. Und von da an ist Jani immer abwechselnd zu Hause oder in psychiatrischen Anstalten. Viele können, manche wollen nicht helfen. Jani ist regelrecht resistent gegen die stärksten Medikamente. Ein Krankheitsbild wie ihres hat noch niemand an einem Kind diesen Alters gesehen, und es dauert lange, bis endlich mal jemand die mögliche Diagnose „Schizophrenie“ ausspricht.

Der Leser begleitet also die Familie Schofield ab Janis 4. Geburtstag im August 2006 drei Jahre lang, verzweifelt mit den Eltern und begleitet sie bei ihrer verzweifelten Suche nach einer Heilung. Am Ende erst steht die endgültige Diagnose „Schizophrenie“ im Raum, eine unheilbare Krankheit, deren Symptome lediglich abgemildert werden können.

Das Buch ist faszinierend, ich habe es ungern weggelegt, vom Schreibstil her liest es sich sehr flüssig und schnell. Auch wenn ich Janis Ausbrüche unglaublich anstrengend fand und das Verhalten der Eltern nicht immer gutheißen konnte, somit wenig Sympathie für die Familie hervorbringen konnte, so hab ich doch viel aus diesem Buch gelernt und fand die Geschichte der Schofields auf jeden Fall berührend.

P.S.: Wer wissen möchte, wie es Jani und ihrer Familie mittlerweile ergeht, der kann sich im Internet eine Doku aus dem Jahr 2014 anschauen mit dem Titel „Born Schizophrenic: Jani and Bodhi's Journey“. Mittlerweile hat sich leider Michaels Wunsch erfüllt, denn Bodhi zeigt die gleichen Verhaltensmuster wie seine große Schwester. 

3,5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 8. März 2015

2. Bloggeburtstag - Happy Birthday to me! ;-)

Huch, jetzt hab ich ihn doch glatt selbst verpennt um einen Tag - meinen 2. Bloggeburtstag! Am 7. März 2013 habe ich hier meinen ersten Post veröffentlicht. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht, oder?!

Da ich gerade voll im Klausurenstress stecke, belasse ich es bei diesen warmen Worten - vorerst! Denn Ende März melde ich mich dann noch mit einer Nach-Bloggeburtstags-Verlosung! :-) Was es dann zu gewinnen gibt, wird noch nicht verraten, aber es könnte was mit Büchern zu tun haben. ;-)

Also haltet ruhig die Augen offen ab dem 20. März (Da ist meine letzte Klausur für diesen Lehrgangsabschnitt.), es könnte sich lohnen!

Sonntag, 1. März 2015

Und mal wieder Rebuy...

Ich konnte nicht widerstehen. Da sich ein Freund von mir zum Geburtstag Bücher wünschte, die es nur noch gebraucht gibt, verschlug es mich mal wieder zu Rebuy. Und die hatten nicht nur die gewünschten Geburtstagsbücher, sondern noch viel viel mehr... Ich meine, wenn man schon da bestellt und Versandkosten zahlt, muss sich das ja auch rentieren, ne? ;-)


Jedes Buch hat weniger als 1 € gekostet. Eins war zwar total zerfleddert, aber die 79 Cent habe ich auf meinem Konto anstandslos wieder gutgeschrieben bekommen. Und die meisten der restlichen Bücher sahen für ihren Preis wirklich super aus, teilweise sogar Hardcover im (Fast-)Neuzustand!

Regine Pernoud, "Herrscherin in bewegter Zeit": Die Geschichte der heiligen Blanca als Roman. Muss mich ja mal mit meiner Namensgenossin auseinandersetzen. ;-)

Ewan McGregor & Charley Boorman, "Long Way Round": Hach, ich mag Ewan McGregor einfach. Und ich mag Reiseberichte, da hat mich diese Road-Trip-Bericht spontan angesprochen.

Michael Niavarani, "Vater Morgana": Hört sich echt lustig an, da kann man wohl nix verkehrt machen.

Jamie Zeppa, "Mein Leben in Bhutan": Nachdem es ja heißt, dass in Bhutan die glücklichsten Menschen leben, wollte ich gerne mal mehr über dieses Land erfahren.

Sigrid Zeevaert, "Ein Meer voller Sterne": Neulich bin ich zufällig über eine Rezension zu diesem Buch gestolpert, die mich so angesprochen hat, dass ich dieses Buch gleich mal mitbestellt habe.

Tilmann Birr, "On se left you see se Siegessäule": Steht schon länger auf meiner Wunschliste, klingt ganz lustig.

"Fatimas Träume": Eine Geschichtensammlung über die arabische Frau. Klingt sehr interessant!

Nourig Apfeld, "Ich bin Zeugin des Ehrenmords an meiner Schwester": Auch so eine furchtbar spannend klingende Autobiographie.

Kate Pullinger, "Eine Liebe in Luxor": Ein Roman über die Engländerin Lady Duff Gordon, die 1862 auf Grund gesundheitlicher Probleme nach Ägypten gezogen ist, begleitet von ihrem treuen Dienstmädchen. Die beiden Frauen gab es wirklich, deshalb hat mich dieses Buch sehr gereizt.

Karim El-Gawhary. "Alltag auf Arabisch": Dieses Buch wollte ich schon seit Ewigkeiten, dass ich es für nichtmal einen Euro nun ergattern konnte, begeistert mich restlos!


Na, auch wäre da auch was für euch dabei?