Freitag, 30. Oktober 2015

Neuzugänge

Und wieder hab ich fast 4 Wochen verstreichen lassen, um jede Menge Bücher anzusammeln. Diesmal ist die Buchmesse ganz klar schuld, dass es so viele geworden sind! Ja gut, und die Rezensionsexemplare... Und halt allgemein meine Büchersucht... *seufz*

Here they are, meine neuen Bücher:

Rezensionsexemplare


- Susanne Rehlein, "Die erstaunliche Wirkung von Glück": Die Geschichte um Dorle hört sich sehr charmant an, da habe ich mich gleich mal bei "Blogg dein Buch" beworben.

- Astrida Wallat, "Pikkolo und Panettone": Dieser lustige Roman um eine deutsch-italienische Familie hat mich als Halbitalienerin natürlich total angesprochen! Bereits für eine Leserunde auf LovelyBooks gelesen, Rezension folgt.

- Nicola Yoon, "Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt": Also ich bin ja kein Mensch, der nach dem Cover entscheidet, aber hier hätte ich es fast getan. Aber die Geschichte um die kranke Maddie hat mich auch ohne tolles Cover sehr angesprochen. Diesmal erstaunlicherweise Glück gehabt bei einer Leserunde auf "Was liest du?".

- Gabriele Ennemann, "Thalam": Als die nette Anfrage der Autorin kam, ob ich ihren Fantasyroman rezensieren möchte, ist mir erstmal aufgefallen, dass ich total wenig Fantasy lese. Warum eigentlich? Bislang haben mir alle Fantasybücher gut gefallen. Also habe ich ja gesagt und bin schon gespannt!

- Karim El-Gawhary & Mathilde Schwabeneder, "Auf der Flucht": Brandaktuelles Thema, und von dem von mir sehr geschätzten Herrn El-Gawhary lese ich sowieso immer gerne! Leider ging das Buch in der Post verloren und ich habe erst 4 Wochen später als der Rest in die LB-Leserunde einsteigen können. Die Diskussion ist quasi vorbei, was ich sehr schade finde grad bei diesem Thema.

- Frank Gerbert, "Die Kriege der Viktoria Savs": Eine Frontsoldatin aus dem 1. Weltkrieg - das klingt für mich alte Sachbüchertante ja total spannend! Leider das gleiche Spiel wie mit dem Flucht-Buch: Kann jetzt erst 4 Wochen später einsteigen, was halt schade ist bezüglich der Diskussion. Aber ich bin ja froh, dass der Verlag so nett war, die Bücher nochmal zu schicken. 

- Shlomo Graber, "Denn Liebe ist stärker als Hass": Wieder ein Zeitzeugenbericht über den Holocaust. Ja, ich gebe zu, dieses Thema ist gerade stark bei mir vertreten, ich finde es aber auch furchtbar (und) interessant. Mich hat der kleine, aber feine Riverfield-Verlag aus der Schweiz angemailt und gefragt, ob ich etwas aus dem Programm rezensieren möchte, und da habe ich mich für dieses Buch entschieden. Die anderen bisher verlegten Bücher sind übrigens nur Fantasy, eines davon das oben vorgestellte "Thalam". 


Buchmesse


- Brigitte Jacobi, "Schwiegermutter all'arrabbiata": Dieser lustige Roman war in der Vorablesen-Goodie Bag meiner Freundin, die das Buch schon hatte und es mit mir gegen einen Thriller getauscht hat. 

- Corina Bomann, "Eine wundersame Weihnachtsreise": Ebenfalls in der Vorablesen-Goodie Bag - ich finde das Cover ja schon sehr schön, und ich glaube, Corina Bomanns Bücher sind tatsächlich was für mich. Konnte ich gleich von der Autorin vor Ort signieren lassen.

- "100 Menschen, die inspirieren und ohne die unsere Welt nicht unsere wäre": Das Mandela-Cover hat mich natürlich gleich angesprochen, und der marix Verlag hatte an den Fachbesuchertagen eine ganz tolle Aktion: Buch gegen Visitenkarte. Und so habe ich wieder einen neuen, tollen Verlag kennenlernen können. 

- David Arnold, "Auf und davon": Dieses Buch war in der LovelyBooks-Goodie Bag. Eigenlich hatte ich die neue Astrid Lindgren-Biographie, aber weil meine Freundin total auf Lindgren steht, haben wir unsere Bücher getauscht, da ich dieses Jugendbuch eh gerne mal lesen wollte.

- Ellen Berg, "Alles Tofu, oder was?": Ich finde die Ellen Berg-Bücher ja echt lustig, und dieses Buch durfte ich mir beim Blogger-Aufbaufrühstück auswählen. 

- Hanni Münzer, "Das Mädchen hinter der Maske": Beim Bloggerkaffeeklatsch der Selfpublisher konnte man zahlreiche Autoren kennenlernen, und als ich mir Hanni Münzers Buch angeschaut habe, war sie so lieb und hat es mir einfach geschenkt! Nochmal vielen Dank, liebe Hanni!

- Rainbow Rowell, "Zwei Worte vor und eins zurück": Dieses Buch war in meiner LovelyBooks-Goodie Bag, und es klingt wirklich nach meinem Geschmack. :-)

Ich hatte noch ein paar Bücher mehr in den Goodie Bags von LB und Vorablesen, aber da nicht alle meinen Lesegeschmack getroffen haben bzw. ich eins schon selbst hatte, habe ich sie weiterverschenkt. 


Gekauft

 

- Günter Huth, "Der Schoppenfetzer und das Maulaff-Mysterium": Der gute alter Kommissar Rottmann ermittelt wieder in Würzburg. Für mich einfach ein Muss, die jährlich erscheinenden Fortsetzungen zu kaufen. :-)


Ertauscht


- Salla Simukka, "So weiß wie Schnee": Den 1. Band zu dieser Jugendthriller-Trilogie habe ich ja im Rahmen des Arena-Bloggerworkshops 2014 gelesen. Jetzt habe ich festgestellt, dass schon der letzte Band rausgekommen ist, und ich hatte noch nichtmal den zweiten! Den habe ich mir jetzt mal bei Tauschticket für 2 Tickets geholt. 


So, das war's. Wäre ja eigentlich übersichtlich gewesen, wenn ich nicht auf der Buchmesse so viel mitgenommen hätte. ;-)

Sonntag, 25. Oktober 2015

Frankfurter Buchmesse 2015 - Impressionen

Wie ihr ja wisst, war auch ich - zusammen mit meiner Freundin Agnes von "Lesemaus im Schafspelz" - auf der Buchmesse. Diesmal war ich als Bloggerin akkreditiert und konnte mir so endlich mal unter der Woche alles in Ruhe anschauen, auf mehrere Tage verteilt und nicht (immer) durch Menschenmassen quetschend.

Da ihr ja momentan von Buchmesse-Berichten überflutet werdet, fasse ich mich kurz und mache eine Bilderstrecke. Diese zeigt in erster Linie die Begegnungen mit lieben Autoren, aber auch den ein oder anderen Schnappschuss mit einem Promi. :-) Leider habe ich nicht alles auf Fotos verewigt, aber hier mal ein paar meiner persönlichen Highlights.

Mittwoch, 14.10.

 

Der Messewufti am Stand des Westend Verlages

Britta Sabbag & Maite Kelly präsentieren ihren Roman "Herzfischen"

Mehr Fotografen als "Fußvolk" ;-)

Mutter Beimer & ihr Erich stellen ihre beiden Bücher vor

Ich mit Bill Mockridge - Seine ganze Familie ist ja im Showbiz tätig. Sohn Luke Mockridge ist als Comedian unterwegs, Frau Margie Kinsky ebenfalls und hat das von mir geschätzte "Ich bin so wild nach deinem Erdbeerpudding" geschrieben.

Ich mit Marie-Luise Marjan - In ihrem neuesten Buch erzählt sie darüber, dass sie adoptiert ist und als Erwachsene ihre leibliche Familie kennenlernte. Ihr Vater stammt aus Würzburg, und deshalb witzelte ich, dass wir ja vielleicht auch verwandt sein könnten. ;-)

Der Guido Cantz ist auch grad vorbeigeflitzt und wurde von mir schnell mal belästigt.

Angelika Kallwass - was habe ich damals ihre Sendung "Zwei bei Kallwass" geliebt! Psychologie fand ich schon immer interessant, auch wenn ihre Fälle oft so an den Haaren herbeigezogen waren, dass es wehtat. Jetzt hat sie ein Buch über den Tod geschrieben, ein Thema, das ja gerade in Ländern wie Deutschland gerne ignoriert wird, weil es unangenehm ist.

Empfang des Harper Collins-Verlages, einem der größten Publikumsverlage weltweit, hierzulande aber noch ziemlich neu: Geschäftsführer Thomas Beckmann begrüßt den eigens für die Messe aus den USA eingeflogenen CEO Brian Murray.

Ex-Eiskunstläuferin Katharina Witt präsentiert ihre Biographie.
 

Donnerstag, 15.10.


Sehr fatal: Das Zelt von "Werther's Echte". Habt ihr es auch besucht? Zuerst dachte ich, dass da halt was verkauft wird. Aber dann kamen wir rein, und die jungen freundlichen Damen dort erklärten uns, dass man sich gerne bedienen, durchprobieren und selbst von jeder Sorte Bonbons mit nach Hause nehmen dürfe. Zudem gab es zu jeder vollen Stunde sündhaft kalorienhaltige Cake Pops. Himmel und Hölle zugleich für ein Schleckermaul wie mich!

Reinhold Messner auf dem Blauen Sofa des ZDF

Charlotte Roche auf dem Blauen Sofa
Helge Schneider am Stand der SZ: Ich bin da ja eigentlich nur hin, weil mein Freund so ein Helge Schneider-Fan ist, und ich wollte mir den Mann mal live ansehen, der so für Diskrepanzen in unserer Beziehung sorgt. Ich finde den nämlich gar nicht witzig. Nur blöderweise musste ich dann während des Interviews doch öfter lachen. Ich habe mich selbst verraten...


Freitag, 16.10.


Eenie van de Meiklokjes präsentiert ihr neues Buch "Handmade".

Kai Meyer im Signierzelt - vorher hat er im Lesezelt aus dem 2. Band  von "Die Seiten der Welt" gelesen. Mein Exemplar lag daheim, ich hätte es ehrlich gesagt auch nicht mitschleppen wollen. Da er leider keine Autogrammkarten hatte, hab ich ihn kurzerhand auf irgendeiner Raben-Postkarte unterschreiben lassen. ;-)

Autorin Ulrike Busch und ich am Stand des Selfpublisher-Verlags. Von Ulrike habe ich bereits "Himmelhochjauchendhellblau" rezensiert, ihr neuer Krimi "Pfauenfedernmord" wird folgen. :-)

Michael Richter, Marina Naprishkina und Karim El-Gawhary
bei der "Blauen Stunde" zum Thema "Flüchtlinge"

Ich mit dem von mir sehr geschätzen Journalisten Karim El-Gawhary,
von dem ich "Frauenpower auf Arabisch" rezensiert habe
und dessen "Auf der Flucht" ich gerade lese.

Ich mit Tatjana Kruse, deren "Bei Zugabe Mord!" ich saulustig fand. Ich habe mir natürlich ihr Buch signieren
lassen und mit ihr ein sehr lustiges Gespräch geführt. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung! Wundertoll übrigens ihre selbstbedruckten T-Shirts - auf diesem hier steht: "Achtung: Krimiautorin! Seien Sie nett zu mir, sonst schreibe ich Sie in mein Buch...".

Samstag, 17.10.

 

Bloggerfrühstück des Aufbauverlags und Dotbooks: Im Vergleich zu manch anderen Veranstaltungen (Stichwort: "LovelyBooks" und "Vorablesen") ziemlich gut organisiert. Der launige Moderator stellte auch alle anwesenden Autoren vor, was mir z. B. beim Bloggerkaffeeklatsch am Freitag in der Selfpublishing-Area total gefehlt hat.

Instagramm-Fotoaktion von Dotbooks. Na, findet ihr mich? :-)

Lesung von Corina Bomann aus ihrem im März 2016 erscheinenden Roman "Das Mohnblütenjahr"
bei der Veranstaltung von "Vorablesen". Bilder vom LovelyBooks-Treffen habe ich hingegen leider
keine, da ich von den Menschenmassen so perplex war, dass ich daran gar nicht gedacht habe.

Agnes und ich mit dem Schauspieler Adnan Maral, dessen Buch "Adnan für Anfänger"
ich wirklich klasse fand. Ich hab ihm auch ganz frech einen Ausdruck meiner Rezi in die Hand
gedrückt, falls er die mal lesen will. :-D Er hat zumindest so getan, als würde er sich freuen.

Ja, das waren so meine kleinen Highlights der Frankfurter Buchmesse 2015. Wie gesagt habe ich leider nicht alles fotografiert, aber es gibt vielleicht einen guten Einblick, was ich an den vier Tagen so getrieben habe. 
 
Übrigens war es bereits ab Donnerstag deutlich voller als am Mittwoch, dabei hatte ich naives Ding gedacht, dass es bei den Fachbesuchertagen eher ruhig ist. Natürlich war vor allem in Halle 3 am meisten los. Und den Samstag habe ich nur mitgemacht, weil an dem Tag das Programm einfach so viele Highlights zu bieten hatte, denn eigentlich wollte ich ja den Menschenmassen entgehen. Da ich aber schon an den Tagen vorher das Gelände erkundet hatte, konnte ich mich am Samstag wenigstens auf die Veranstaltungen konzentrieren.

Mein Fazit: Wenn man als Blogger schon dank der Großzügigkeit der Organisatoren unter der Woche und kostenlos reindarf, sollte man das mal mitmachen! Ich habe mich schon das ganze Jahr drauf gefreut und habe mir sogar eine gut durchdachte Übersicht gemacht, was ich wann wo machen will. Da aber das Gelände sehr weitläufig ist, sich viele Sachen überschneiden oder knapp hintereinander stattfinden, musste ich auch vieles auslassen. Viele Bloggerveranstaltungen habe ich ja nicht mitgemacht, da ich das meiste gar nicht vorab mitbekam, dafür bin ich vermutlich noch nicht gut genug vernetzt mit Verlagen und anderen Bloggern. Die wenigen Sachen, die ich mitgemacht habe, waren teilweise gut, teilweise sehr schlecht organisiert. Nicht bei jedem Stand fühlte ich mich als Blogger bzw. Endverbraucher willkommen. Die Messe zielt halt doch gerade unter der Woche auf Geschäftspartner ab und nicht auf die Leute, die die Bücher letztenendlich lesen. Das wusste ich vorher nicht, da ich ja bislang nur am Wochenende dort war.

Es gab auf jeden Fall viel zu entdecken, und es hat mich sehr gefreut, einige Autoren endlich mal persönlich zu sehen. Aber ich muss auch zugeben: Das tägliche Pendeln auf einer permanent überfüllten A3, das viele Laufen und auch die vielen Menschen waren auf Dauer echt anstrengend, und nächstes Jahr werde ich aussetzen. ;-)

Samstag, 24. Oktober 2015

Rezension: "Good Morning, Mr. Mandela. Nelson Mandels persönliche Assistentin erzählt" von Zelda la Grange

Daten zum Buch:
erschienen am: 27. April 2015
Verlag: btb
ISBN: 9783442756070
478 Seiten
Preis: 22,99 € (HC)
Hier geht's zur Verlagsseite!

Zum Inhalt:
Als weiße Afrikaanerin wächst Zelda la Grange unter dem Apartheid-Regime in Südafrika auf. Für sie ist es selbstverständlich, dass Weiße und Schwarze unterschiedliche Stellenwerte in der Gesellschaft haben. Der inhaftierte und später freigelassene Nelson Mandela gilt in ihrer Familie als Terrorist.

Doch dann wird Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt, und Zelda, die mittlerweile als Sekretärin für die Regierung arbeitet, kommt mit diesem faszinierenden Mann erstmals in Berührung. Anfänglich noch voller Scheu und Scham, lernt sie ihren Präsidenten zu schätzen und zu lieben. Allmählich wird sie zu einer seiner engsten Vertrauten und weicht fortan als persönliche Assistentin bis zu Mandelas Tod 2013 nicht mehr von seiner Seite.

Meine Meinung:
In ihrer Autobiographie erzählt Zelda la Grange nicht nur ihre Geschichte, sondern auch die des berühmten und auf aller Welt verehrten Nelson Mandela, dessen Präsenz ihr eigenes Leben so stark geprägt hat. Liebevoll nennt sie ihn Madiba (sein Clanname), Khulu ("Großvater") oder Tata ("Vater"), wie es auch Millionen andere Afrikaner tun. La Grange ist noch sehr jung, als sie den Präsidenten kennenlernt, und der Großteil ihres Lebens wird von ihrer Arbeit für ihn bestimmt. Ihr Lebenssinn ist es, für ihn da zu sein, sie ist fast ständig auf Reisen und stellt die Belange des Präsidenten über ihre eigene. Mr. Mandela fordert Zeldas Dienste Tag und Nacht, doch für die Autorin ist dies in Ordnung, denn ihre Liebe für diesen Mann ist wirklich grenzenlos und wird mit jedem Wort deutlich, das sie niedergeschrieben hat. 
"Ganz egal, wie schwierig die Dinge auch wurden, unter wie viel Druck wir standen oder wie müde ich war, der Anblick seines Gesichts und seines Lächelns, die den Raum zum Strahlen brachten, war ein Höhepunkt an jedem Tag meines Lebens. Später konnte ich nicht anders, sondern lächelte einfach, wann immer ich ihn erblickte. Wenn man eng mit jemandem zusammenarbeitet, beginnt man zwangsläufig, die Gefühle und Stimmungen des anderen zu deuten. Doch selbst während der schwierigsten Zeiten war das Lächeln nie weit von meinem Gesicht, manchmal auf mein Herz beschränkt." (S. 133)
Im Mittelpunkt dieses Buches steht ganz klar Nelson Mandela, eine der größten Persönlichkeiten unserer Zeit, die auch noch nach ihrem Tod von vielen Menschen - nicht nur Afrikanern - verehrt wird. Die Autorin nimmt sich selbst zurück, wie sie es auch zu Lebzeiten Mandelas getan hat. Da ich vorher kaum etwas über Nelson Mandela als Politiker und Privatmensch wusste, waren la Granges Erzählungen für mich sehr interessant, und ich habe viel über Südafrika gelernt, wenngleich "Good Morning, Mr. Mandela" kein Geschichtsbuch ist und man sich viele Hintergrundinformationen zu Geschichte und Politik dieses Landes anderweitig anlesen sollte.

Das Buch ist in vier Zeitabschnitte eingeteilt: 1970-1994 (Zeldas Kindheit und beruflicher Werdegang), 1994-1999 (Präsidentschaft Mandelas), 1999-2008 (persönliche Assistenz von Ex-Präsident Mandela) und 2009-2013 (Krankheit und Tod Mandelas). Dennoch fehlte mir ein roter Faden, denn innerhalb dieser Kapitel waren la Granges Erzählungen doch ziemlich ungeordnet und sprangen hin und her. Mir kam es eher vor wie eine sehr lange Aneinanderreihung von kurzen Anekdoten. Sie beginnt z. B. von einer Reise zu erzählen, macht dann aber plötzlich mit einer anderen Reise wieder weiter, die ihr in diesem Zusammenhang einfällt. Die Zeitsprünge innerhalb der Kapiteleinteilungen waren deshalb für mich etwas unübersichtlich. Ich glaube ehrlich gesagt, mit etwas mehr Struktur hätte man das fast 500 Seiten starke Buch etwas straffen können, ohne dass etwas gefehlt hätte.

Neben Mandelas politischer Tätigkeit werden auch viele Anekdoten von Reisen und Treffen mit Prominenten erzählt. Auch die Fehler Nelson Mandelas werden nicht verschwiegen. Er war stur, vereinnahmte Zelda ohne Rücksicht auf ihr Privatleben und hatte verschiedene Ticks (z. B. weigerte er sich, Zeitungen zu lesen, die schon einmal aufgeschlagen waren). Dennoch bestätigt die Autorin das positive Bild, das die Welt von Mandela hat, und es bleibt als Leser nichts Anderes übrig, als ihren Respekt und ihre Liebe zu diesem faszinierenden Menschen zu teilen.

"Good Morning, Mr. Mandela" ist eine liebe- und respektvolle Hommage an Nelson Mandela von einer Frau, die den Großteil ihres Lebens in dessen Diensten stand und sein Vermächtnis auch weiterhin fortbestehen lassen möchte. Ich kann dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen, egal, ob er bereits ein Anhänger Mandelas ist oder noch nicht viel über ihn weiß.

4,5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Interview auf "Leserkanone"

Ich bin ja ganz stolz, denn die lieben Menschen von "Leserkanone" stellen jeden Tag einen neuen Bücherblog vor, und heute war meiner dran! :)

10 Fragen habe ich für sie bzw. euch beantwortet. U. a. gebe ich meinen Senf zu Selfpublishern ab, empfehle ein paar Bücher, die mir in den letzten Jahren besonders positiv in Erinnerung geblieben sind und verrate euch, welche Bücher ich ganz furchtbar fand.

Wen das Interview interessiert, der möge hier reinschauen:

http://www.leserkanone.de/index.php?befehl=blogs&blog=69

Vielen Dank an das Team von Leserkanone für die schöne Blogvorstellung! :-)

Dienstag, 13. Oktober 2015

Rezension: "Happy End. Die stillen Örtchen der Welt" von Nina Sedano

Daten zum Buch:
erschienen am: 14. April 2015
Verlag: Edel Books
ISBN: 9783944296944
368 Seiten
Preis: 14,95 € (SC)
Hier geht's zur Verlagsseite!

Zum Inhalt:
Seit vierzig Jahren erkundet Nina Sedano mit viel Abenteuerlust und Neugier den Globus. Auf ihren Reisen hat "die Ländersammlerin" nicht nur jede Menge Länder und Kulturen kennengelernt, sondern auch immer wieder Jagd auf Toiletten gemacht – denn jeder muss schließlich mal. Mit "Happy End" liefert die sympathische Vielreiserin eine spannende und kurzweilige Kulturgeschichte des stillen Örtchens und erzählt mit viel Humor von ihren eigenen Erfahrungen mit den Toiletten dieser Welt.

Von der Er­findung der Klospülung über die Toilettenkultur im alten Rom bis hin zu den obskursten Todesfällen auf dem WC – "Happy End" wartet mit einem bunten Mix aus wissenswerten Fakten und lustigen Anekdoten auf und ist die perfekte Lektüre für zwischendurch. 
(Klappentext)

Meine Meinung:
Mich hat es wirklich gefreut, dass Nina Sedano ein Buch zu dieser Thematik veröffentlicht hat, denn es wurde ja schon über vieles geschrieben, aber die wunderbare Welt des Klos wird bislang doch recht stiefmütterlich behandelt - wir Deutschen mögen halt einfach keine Tabuthemen, dabei ist das, was wir auf der Toilette tagtäglich mehrmals tun, das Natürlichste der Welt.

Irgendwie habe ich ja einen besonderen Bezug zu dieser Thematik. Als Besitzerin einer - wie meine Mutter so schön sagt - "Konfirmandenblase" bin ich auf ewig dazu verdammt, gefühlt alle fünf Nanosekunden ein stilles Örtchen aufzusuchen und kann also ziemlich gute Tipps geben, wo ihr in San Francisco, Luxor oder Athen kostenlos aufs Töpfchen gehen könnt.

Und nun hat es sich also die Autorin, bekannt als "Ländersammlerin", zum Ziel gemacht, auf ihren vielen Reisen auch die wunderbare Welt der Sitzkeramik zu erforschen. Kleine Anekdoten von Frau Sedanos Reisen wechseln sich ab mit Faktensammlungen. Letztere waren mir aber manchmal wirklich zu ausschweifend.

Bereits mit dem ersten, über 30 Seiten langen historischen Überblick über die Entwicklung der Toilette hat es die Autorin geschafft, mir zum Einstieg gleich mal wieder die Begeisterung für dieses Buch zu vergrätzen. Ich bin ja generell ein geschichtlich interessierter Mensch, aber dieses Kapitel war einfach nur schrecklich langweilig. Daten an Daten wurden da unaufgeregt heruntergeleiert, und als ich durch das Kapitel durch war, habe ich erstmal erschöpft aufgeatmet.

Ein paar Sachen aus den Faktensammlungen waren aber ganz nett, z. B. Tipps zu "abortigen" Sehenswürdigkeiten oder das kleine ABC zum Thema "Umwelt, Hygiene etc.". Bei manchen Sachen konte ich noch etwas lernen. Manche waren vielleicht nicht ganz so informativ, dafür aber unterhaltsam wie z. B. Todesfälle auf der Toilette. Dann gab es aber leider auch so einige Kapitel, die ich weder witzig noch informativ, sondern einfach nur langweilig und/oder überflüssig fand. Da wären z. B. die Klowitze, die einfach nur schlecht waren. Es war sogar ein Klein Erna-Witz dabei, was mir echt weh getan hat. Auch die Klosprüche waren wenig prickelnd. Hat die Autorin ernsthaft Klowände gesehen, an denen Dinge wie "Von Flower-Power zum flauen Bauer!" oder "Lieber Anneliese als Angina! Lieber Ute statt Plastik!" standen?!

Die Erlebnisse der Autorin dagegen hatten für mich viel mehr Charme und Reiz, wenn auch nicht jede Geschichte so wirklich 100%ig den Lokus im Fokus hatte. (Sorry, Frau Sedano hat mich mit ihren Wortwitzen angesteckt.) Diese Anekdoten haben es für mich wieder rausgerissen, sie waren aber leider immer recht kurz (ca. 2-4 Seiten).

Ein erhebliches Manko sind für mich die fehlenden Bilder. In diesem Buch findet sich kein einziges Foto, was sich bei diesem Thema doch wirklich angeboten hätte. Da wird von irgendwelchen besonders tollen oder ekligen WCs in aller Herren Länder erzählt, aber auf ein Bild wartet man leider vergeblich.

Mein persönliches Fazit: Eine mutige Themenwahl, die leider nur mittelmäßig umgesetzt wurde. „Happy End“ eignet sich hervorragend als Klolektüre für zwischendurch, denn die Reiseberichte sind passenderweise circa eine Sitzung lang, und die Faktenkapitel können gut häppchenweise gelesen werden. Ich mag Nina Sedanos Schreibstil und kann mir gut vorstellen, weitere Bücher von ihr zu lesen - dann aber lieber Reiseberichte von der Ländersammlerin und keine Auflistungen der Faktensammlerin.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Sandra von "Büchernische" für die Überlassung dieses Rezensionsexemplares!

Montag, 12. Oktober 2015

Buchmesse 2015 - Achtung, ich kommeeeeeeeeeee!!!

Ich erinnere mich noch gut an die letzten Jahre, in denen ich wehmütig winselnd vor dem Computer saß und all die "Juhu, ich gehe auf die Buchmesse und freue mich schon riesig!!!"-Posts zahlreicher Blogger las.

Voller Neid selbstloser Freude für meine Bloggerkollegen beschloss ich, irgendwann auch mal zu den Fachbesuchertagen zu fahren - bis ich dann die Preise der Tageskarten sah und mir die Ohren schlackerten. So ließ ich den Plan wieder fallen.

Also blieb mir nichts Anderes übrig, als am Wochenende als gewöhnlicher Otto Normalverbraucher die Messe zu stürmen. Aber irgendwie war das nicht das Wahre: Viel zu viel zu sehen, viel zu wenig Zeit, viel zu viele Menschen. Latent aggressiv mähte ich mir meinen Weg durch die Massen und habe so ziemlich nichts gesehen, was ich sehen wollte. So beschloss ich: Buchmesse ja, aber nie wieder am Wochenende!

Dann erfuhr ich, dass Blogger sich akkreditieren lassen können. Eine Möglichkeit, für die ich den Veranstaltern wirklich sehr sehr dankbar bin! Und so plane ich schon seit gut einem Jahr, dass ich wenigstens einmal im Leben als akkreditierte Bloggerin die Messe schon unter der Woche unsicher mache und auf mehrere Tage verteilt das Messegelände ganz gechillt und absolut zen-gleich durchschreite, anstatt in wenigen Stunden wie eine rasende Furie wenigstens durch die Highlights zu rennen.

Und jetzt isses so weit! Urlaub ist genehmigt, Akkreditierung ist durch, das Programm steht auch schon grob in einer liebevoll zusammengestellten Tabelle mit Zeitstrahl. Zwar überschneiden sich irgendwie 100 Sachen auf einmal, aber was soll's, das wird dann wohl einfach spontan vor Ort entschieden, wo's letztendlich hingeht.

Gah, ich bin schon echt aufgeregt! Mein erster richtiger Messebesuch als Bloggerin! Ich bin ja ganz schockiert, wenn ich sehe, wie sich andere Blogger auf dieses Event vorbereiten. Da werden T-Shirts bedruckt, Termine mit Autoren und Verlagen koordiniert etc.pp. Ich komme mir vor wie ein Hobbyjogger unter professionellen Marathonläufern... Also mein Plan ist: Hingehen und halt mal gucken. Zu ein paar Events habe ich mich schon angemeldet, z. B. zum Bloggerfrühstück des Aufbauverlags oder zum Bloggerkaffeeklatsch "Lieblingsautoren & Friends". Aber ansonsten lasse ich irgendwie alles auf mich zukommen.

Alleine muss ich übrigens nicht hinfahren, denn meine liebe real life-Freundin und Bloggerkollegin Agnes wird mir beistehen (oder ich ihr, je nachdem). Für sie ist es auch eine Premiere, an den Fachbesuchertagen auf der Messe zu sein, und wir machen uns schon seit Wochen gegenseitig verrückt. Wir werden übrigens von Mittwoch bis Samstag täglich dort sein, zum Glück wohnen wir ja nicht so arg weit von Frankfurt und können pendeln. :-)

Na das war jetzt mal eine kurze und bündige Ankündigung, ne? *seufz* Falls irgendjemand überhaupt bis hierher gelesen hat: Wenn ihr mich seht und erkennt, sprecht mich gerne an! Ich bin klein, pummelig und hab einen Pagenschnitt - na gut, die Beschreibung hilft wohl nicht weiter... schaut halt mal auf meinen Presseausweis, da steht der Blogname drauf. ;-) Ich muss zugeben, ich kenne die wenigsten Gesichter zu den vielen Blogs, die ich kenne, wenn wir uns nicht gerade schonmal irgendwo in diesem Leben leibhaftig begegnet sind. Also nicht böse sein, wenn ich an euch vorbeilatsche - einfach sagen: "Hey, wir kennen uns doch, bleib mal stehen!" ;-)

Sonntag, 11. Oktober 2015

Rezension: "Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks" von Cynthia Hand

Daten zum Buch:
erschienen am: 10. September 2015
Verlag: Harper Collins
ISBN: 9783959679817
320 Seiten
Preis: 16,90 € (HC)
Hier geht's zur Verlagsseite!

Zum Inhalt:
Die 18jährige Lexie ist ein überdurchschnittlich intelligentes Highschool-Mädchen, das Mathematik über alles liebt und klassische Musik hört. Ihr größter Wunsch ist die Aufnahme am berühmten Massachussets Institute of Technoloy (MIT) in Boston.

Doch seit einigen  Monaten steht ihre Welt kopf, denn ihr 16jähriger Bruder Ty erschoss sich kurz vor Weihnachten in der Garage des Elternhauses, ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen. Während der von der Familie getrennt lebende Vater das Thema ausschweigt und die Mutter am Schmerz zerbricht, schottet sich die rational denkende Lexie mehr und mehr von ihren Freunden ab und beschäftigt sich nur noch mit einer Frage: "Warum hast du das getan?" Und dann ist da dieser furchtbare Schmerz und der Vorwurf, Lexie hätte Ty retten können...

Meine Meinung:
"Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks" ist aus Sicht der Protagonistin geschrieben in einem Mix aus Erzählungen, Notizbucheinträgen und Briefen. In vielen Rückblenden erfährt man mehr über Tyler und dessen enges Verhältnis zu seiner großen Schwester. Man spürt, dass die beiden eine liebevolle Verbindung zueinander hatten, und ahnt, wie groß Lexies Schmerz sein muss. Ich empfand Tyler als sehr liebenswürdigen Menschen, dessen Schicksal mich berührte. Zusammen mit Lexie habe ich mir gewünscht, dass sein Selbstmord nur ein böser Albtraum ist, sie endlich aufwacht und Ty am Frühstückstisch sitzt und sie aufzieht wie immer. 

Lange Zeit konnte ich zu Lexie keine Beziehung aufbauen. Ich fand sie schon sympathisch, aber es fehlte irgendwie eine Verbindung zu ihr. Sie ist ein rational denkender Mensch, und es dauerte einfach, bis ich mit ihr warm wurde, auch wenn die Geschichte aus ihrer Sicht geschrieben ist und man in ihr Innerstes schauen darf. Manchmal wollte ich sie einfach nur schütteln, z. B. als sie so eisern Tys Brief an seine Ex-Freundin unter Verschluss hielt oder ihrem Therapeuten nicht davon erzählte, dass sie manchmal ihren Bruder sieht und Angst hat, sie werde verrückt. Erst so nach und nach brach das Eis zwischen Lexie und mir. Als Leser verfolgt man den Prozess, wie sie Tys Tod aufarbeitet, lernt, mit dem Schmerz umzugehen und ihr Leben weiterzuleben. Sie wird wieder empfänglich für ihre Freunde und ihre Liebe zu Steven.

In dieser Geschichte gibt es eigentlich keine unsympathischen Figuren. Am Anfang hatte ich gewisse Ressentiments dem Vater gegenüber, der die Familie verlassen hat und die Trauer über Tys Tod einfach nicht zeigen kann. Aber im Endeffekt ist er auch ein armes Würstchen. Lexies Mutter tat mir unendlich leid, auch wenn ich manchmal zusammen mit Lexie an ihr fast verzweifelte, denn sie hat ja noch ein zweites Kind, um das sie sich kümmern sollte, und doch ist es anderherum. So sehr sich Lexie bemüht, bekommt sie doch von der Mutter nur zu hören, dass es zu spät und auch ihr Leben nun zu Ende sei. Lexies Freunde, allen voran ihr Ex-Freund Steven, sind alle verständnisvoll und liebenswert und auch dann für sie da, wenn Lexie das gar nicht will. 

So schwermütig die Geschichte ist, so hat es doch ungefähr 270 Seiten gedauert, bis ich endlich auch gefühlstechnisch absolut in das Buch hineingezogen wurde, und am Ende flossen dann doch Tränen - zeitgleich mit Lexie, wenn ich das so sagen darf, ist bei mir der Damm gebrochen. Falls das die Intention der Autorin war, dass man als Leser quasi Lexies Prozess mitmacht, dann ist es ihr bei mir gelungen! Ansonsten hat sie es einfach nur vorher lange Zeit nicht geschafft, mich emotional zu packen. Man kann das jetzt sehen, wie man will. ;-)

"Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks" ist ein Young Adult-Roman über Trauer und Loslassen, und auch ein bisschen über die erste große Liebe. Durch ein paar Längen und einem schwierigen Zugang zur Protagonistin hat es ein bisschen gedauert, bis ich mit der Geschichte warm wurde, aber dann hat sie mich doch noch packen können.

Anmerkung am Rande: Ich hatte ein unkorrigiertes Leseexemplar und hoffe sehr, dass das Lektorat die massig vorhandenen Fehler noch ausgebessert hat, denn sie kamen wirklich auf jeder Seite vor und haben mich erheblich beim Lesefluss gestört.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an "Blogg das Buch" und den Harper Collins-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Dienstag, 6. Oktober 2015

ARENA-Bloggerworkshop [3]: Von der Druckerei in den Buchhandel

Hier kommt der dritte Bericht über den Bloggerworkshop. Nachdem uns Autorin Beatrix Gurian erzählt hat, wie sie ein Buch schreibt, haben wir uns damit beschäftigt, was dann mit dem fertigen Roman eigentlich passiert.

Vom Manuskript zum gedruckten Buch

 

Wenn das Buch also fertig geschrieben ist und vom Verlag abgesegnet wurde, kann es endlich in den Druck gegeben werden, damit es ganz schnell in den Buchladen gelangen kann. Wie das funktioniert, zeigten uns Daniela und Anna vom Verlag.

Dies geschieht in vielen Schritten. Zuerst gehen die Seiten auf eine Druckplatte, die man nicht nur zum Drucken, sondern auch zum Krachmachen nutzen kann - das klingt nämlich wie ein Gewitter, wenn man sie schüttelt. ;-)


In der Regel werden damit 16 Seiten gedruckt, um den Platz auf der Druckplatte auch wirklich auszunutzen. Der entstandene Druckbogen wird dann gefaltet und zugeschnitten. 


Dann wird das Buch gebunden. Die verschiedenen Bindungen kennt ihr sicherlich aus eurer Lesepraxis, vielleicht habt ihr ja sogar schon selbst ein Buch oder eure Abschlussarbeit binden lassen. Es gibt Taschenbücher, Hardcover, Softcover,... na, ihr wisst schon. ;-)

Die meisten Verlage kleben die Bücher nur, manche Verlage binden aber auch mit Faden - diese Technik ist zwar teurer, aber auch hochwertiger, da stabiler. Der Arena-Verlag näht alle seine Hardcover-Bücher, und einige Teilnehmerinnen mussten bei der Gelegenheit mal ein Lob aussprechen für die hohe Qualität der Arena-Bücher.

Vom Verlag in den Laden

 

Nach den technischen Details erzählten uns Kai Uwe Hampel (Hugendubel Würzburg) und Britta Schneider (Buchhandlung "Dreizehneinhalb") etwas aus ihrem aufregenden Leben als Buchhändler.  Hier zeigten sich auch die Unterschiede zwischen einer großen Buchhandelskette und einem kleinen, inhabergeführten Buchladen.

 

Wie entscheidet man, welches Buch im Laden angeboten wird? 

 

Tja, ein Punkt, um den ich die Buchhändler nicht beneide, ist die schwierige Auswahl der Titel, die man letztendlich im Laden anbieten möchte.

In der "Dreizehneinhalb" kommen noch ganz klassisch Vertreter vorbei, die dann ausführlich die neuen Programme der Verlage vorstellen. Während Fr. Schneider die Kataloge wälzt, hat sie oft schon ganz bestimmte Stammkunden im Hinterkopf, denen dieses oder jenes Buch gut gefallen könnte. Sie betonte, dass jede Buchhandlung in jedem Ort andere Kunden mit anderen Vorlieben hat. Fr. Schneider kennt ihre Vertreter und vertraut oft auf ihre Empfehlungen.

Bei Hugendubel gibt es ebenfalls Vertreter, nur heißen die ganz hip "Key Accounter" und sind zuständig für Großkunden. Die Key Accounter für Hugendubel betreuen alle Ketten in ganz Deutschland.

Während Fr. Schneider direkt beim Vertreter ihr Sortiment bestellt, tritt der Key Accounter nur beratend auf, die Bestellung erfolgt dann unabhängig von ihm in aller Ruhe am Computer durch einen Einkäufer. Die Buchhändler können diesem gerne Bücher empfehlen, aber die letzte Entscheidung liegt bei ihm. Konditionen sind übrigens auf Grund der Buchpreisbindung nicht verhandelbar und für jeden gleich, es gibt also keine Rabatte.

Natürlich lesen alle Buchhändler sehr viel. Fr. Schneider liest sogar in den drei Minuten, in denen sie Zähne putzt. ;-) Da man aber natürlich nicht so viele Bücher lesen kann, wie man anbietet, muss man auch mal etwas strenger sein. Herr Hampel gibt einem Buch 50, max. 100 Seiten lang Zeit, ihn zu überzeugen, ansonsten wird es gnadenlos abgebrochen. Fr. Schneider bedauert an dieser Stelle, dass man ja immer up to date bleiben und deshalb immer die neuesten Bücher lesen muss. So bleibt es oft nur ein frommer Wunsch, auch mal ein älteres Buch zum zweiten Mal lesen zu können, da dafür einfach die Zeit fehlt.

Wie ein Buchhändler entscheidet, welches Buch er direkt in seinem Laden anbietet, hängt aber nicht nur von seinen oder den Vorlieben seiner (Stamm-)Kundschaft ab, sondern auch u. a. von der Größe des Ladens. Während Fr. Schneider von jedem ausgewählten Buch maximal 1-3 Exemplare bestellt, kann Hugendubel da schon etwas mehr ranklotzen und 100e Exemplare bestellen. Deshalb wählen kleine Buchläden ihr Sortiment gezielter aus. Fr. Schneider meinte außerdem, dass sie auch öfter Bücher von kleinen Verlagen anbieten, da diese in großen Läden untergehen und man ihnen eine Plattform bieten möchte.

Die Lager 

 

Natürlich kann aber kein Buchladen alle Bücher anbieten, die es auf dem Markt gibt, egal wie groß die Verkaufsfläche auch sein mag. Deshalb gibt es für Kunden auch die Möglichkeit, nicht vorrätige Bücher zu bestellen. Diese werden dann in der Regel über Nacht geliefert - ob man sie dann im Laden abholen oder portofrei nach Hause schicken lassen möchte, bleibt einem selbst überlassen. Fr. Schneider wies dabei nochmal darauf hin, dass man mittlerweile auch bei so ziemlich allen regionalen Buchhändlern online bestellen kann. In Würzburg gibt es z. B. die Initiative "Lass den Klick in deiner Stadt", bei der sich verschiedene Buchhandlungen zusammengetan haben, um zu erreichen, dass Leser ihre Bücher nicht beim großen A, sondern regional beziehen. Durch die Buchpreisbindung sind die Konditionen bei deutschen Büchern sowieso normalerweise überall gleich. Leider zahlen die kleinen Läden manchmal ganz schön drauf, z. B. wenn man ein großes, schweres Buch für wenige Euro bestellt und dieses portofrei nach Hause liefern lässt. Aber das Angebot ist nunmal notwendig, um mit den großen Onlinehändlern mithalten zu können.

Hugendubel hat hier Bezugsquellen für Bücher, die nicht im Laden vorrätig sind.

Im so genannten Barsortiment (hier: Libri und KNV) sind meist über 100.000 Titel vorrätig, die über Nacht aus Lagern von Zwischenhändlern geliefert werden können. Diese Möglichkeit wird aber laut Herrn Hampel eher wenig genutzt.
Dann gibt es noch die Zwischenlager, in denen Bücher gelagert werden, die Hugendubel schon gehören. Das sind ca. um die 7.000 Titel, die auch bei Libri in Bad Hersfeld gelagert werden, aber eben schon als Besitz von Hugendubel verbucht sind.
Als dritte Möglichkeit wird ein Titel einfach direkt beim Verlag bestellt.

Was sind die Aufgaben eines Buchhändlers?

 

Na, mit Büchern handeln natürlich - sagt ja schon der Name!

Na gut, so leicht ist es dann auch wieder nicht. Als Filialleiter ist Herr Hampel Mädchen für alles und ein richtiges Allround-Talent. Er berät Kunden, kassiert an der Kasse ab, organisiert Marketingaktionen, koordiniert und moderiert Lesungen oder steht auch mal ganz profan an der Einpackstation und macht Bücher & Co. geschenktauglich.

Vorteilhaft ist natürlich, dass es in einer großen Handlung viele verschiedene Angestellte gibt, die sich dann auch auf ein bestimmtes Genre spezialisieren können. In einem kleinen Laden muss man da schon etwas breiter aufgestellt sein und sich in allen Gebieten ein bisschen auskennen.

Was passiert eigentlich mit den Büchern, die keiner kaufen will?

 

Ja, es tut weh, das zu hören, aber manchmal gibt es einfach Bücher, die partout keiner haben möchte. Während "Dreizehneinhalb" auch mal ab und an Bücher in Kommission nimmt, die natürlich wieder problemlos zurückgegeben werden können, kauft Hugendubel die Bücher ausnahmlos an und nimmt nichts in Kommission.

Mit Ladenhütern kann unterschiedlich verfahren werden. Viele Verlage nehmen Rückläufer problemlos wieder an. Oft werden diese Bücher dann als Mängelexemplare markiert und wieder an die Läden zurückgeschickt, damit diese sie verramschen dürfen. Wenn ich das richtig verstanden habe, dürfen die Buchhandlungen das wegen der Buchpreisbindung nicht selbst machen, deshalb das Hin- und Hergeschicke.

Leider werden nicht gerade wenige Bücher verramscht. Glück für den Leser, der hier ein tolles Schnäppchen machen kann. Pech allerdings für den Autor des Buches, denn - wie Beatrix Gurian an dieser Stelle anmerkte - für ein verramschtes Buch erhält der Autor kein Geld.


Sooo, das war das Buchhändlergespräch mit Britta Schneider und Kai Uwe Hampel, das ich persönlich sehr interessant fand. Vielleicht habt ihr ja was Neues dazugelernt?

Hier nochmal eine hübsche Aufbereitung des Themas vom Arena-Verlag:



Das war's jetzt erstmal vom Bloggerworkshop. Obwohl, ich hab da noch so eine Idee für eine "Spezialfolge". Wartet's ab... ;-)

Sonntag, 4. Oktober 2015

Neuzugänge

Mit Schrecken musste ich gerade feststellen, dass mein letzter Neuzugänge-Thread schon im August war! Wird also mal echt wieder Zeit, hier meine neuen Bücher zu präsentieren.

Rezensionsexemplare


- Susanne Beyer & Martin Doerry, "Mich hat Auschwitz nie verlassen": Ein sehr tolles Buch über Auschwitz-Überlebende, das ich über das Bloggerportal von Randomhouse angefordert habe. Meine Rezension dazu könnt ihr hier lesen.

- Dr. med. Thomas Weiss, "Lipödem": Da ich in meinem Verwandtschafts- und Freundeskreis leider nicht wenige Damen kenne, die an einem Lip- oder Lymphödem leiden, wollte ich mich gerne genauer darüber informieren, denn ein hoher Prozentsatz von Frauen ist davon betroffen. Erhalten über das Bloggerportal von Randomhouse.

- Cynthia Hand, "Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks": Ein Jugendroman des neuen Verlags Harper Collins, den ich über "Blogg dein Buch" erhalten habe. Leider ein unkorrigiertes Leseexemplar, bei dem mich momentan tatsächlich die vielen Fehler etwas stören. Mir fällt es ja immer schwer, sowas einfach zu überlesen.

Außerdem hatte ich für zwei Leserunden auf LovelyBooks die beiden Sachbücher "Auf der Flucht" und "Die Kriege der Viktoria Savs" vom Verlag Kremayr&Scheriau gewonnen, auf die ich mich sehr gefreut habe. Nachdem die ersten Teilnehmer schon vor 3 Wochen ihre Bücher erhielten und bald alle fertig rezensiert haben, bei mir aber immer noch nichts ankam und ich auch auf Nachfrage keine Reaktion vom Verlag erhalte, muss ich diese beiden Bücher wohl schweren Herzens abschreiben. :-( Vielleicht kann ich sie mir ja mal ausleihen. Aber ich bin schon echt enttäuscht.


Ertauscht


- Franziska Moll, "Egal wohin": Der Klappentext hat mich hier einfach gereizt - was auch sonst? ;-) Diese Liebesgeschichte um ein junges Mädchen habe ich für 1 Ticket auf Tauschticket ergattert.

- Robert Galbraith, "Der Ruf des Kuckucks": Eigentlich bin ich ja kein Krimifan, aber ich muss ja mal gucken, wie sich J. K. Rowling so in dem Genre macht. ;-) Dieses schöne Hardcover habe ich am Stand der Kulturtafel Würzburg gegen das Ausfüllen eines Fragebogens erhalten. 

- Uticha Marmon, "Als Opapi das Denken vergaß": Dieses süße Buch über das schwierige Thema Alzheimer habe ich für 2 Tickets bei TT ertauscht.

- Katherine Hannigan, "Die Wahrheit, wie Delly sie sieht": Dieses Jugendbuch über ein außergewöhnliches Mädchen und eine außergewöhnliche Freundschaft habe ich mir für 2 Tickets auf TT geholt.

- Petra Hülsmann, "Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen": Da ich bereits "Hummeln im Herzen" von der gleichen Autorin sehr unterhaltsam fand, wollte ich auch unbedingt dieses Buch lesen. Für 1 Ticket bei TT.

- Helen Fielding, "Bridget Jones - Verrückt nach ihm": Ich hab das Buch ja damals bei der LovelyBooks-Aktion auf Englisch gelesen. Ich hatte allerdings so meine Probleme mit der laxen Umgangssprache, da ich aus purer Bequemlichkeit eigentlich nie auf Englisch lese, deshalb wollte ich mal schauen, ob ich auf Deutsch besser klarkomme. Fand es ja damals nicht so prickelnd... Für 1 Ticket bei TT.

- Marc-Uwe Kling, "Die Känguru-Chroniken": Davon schwärmen ja alle so, und als es bei uns auf Arbeit in so einer kleinen "Tauschecke" herumlag, habe ich es spontan mitgenommen.

- Juliane Zimmermann, "Der Teufel steckt im ICE": Ich mag ja solche Erlebnisberichte, also habe ich mir das Buch einfach mal für 1 Ticket ertauscht.


Gekauft


- Reiner Engelmann, "Der Fotograf von Auschwitz": Auschwitz und der Holocaust sind ja ganz mein Interessensgebiet, deshalb kam ich an diesem Buch nicht vorbei. Als Mängelexemplar für 4 € mitgenommen.

- Sonya Kraus, "Baustelle Baby!": Ich glaube, das könnte ganz lustig sein, also habe ich gar nicht lange gezögert, als ich es im 1-Euro-Shop gesehen habe - natürlich für 1 €.

Ich habe auch ein paar neue Bücher gekauft, aber das waren alles Buchgeschenke an Dritte, deshalb stelle ich sie hier nicht vor. ;-)


Puh, das ist schon wieder ein ganz schöner Haufen. Ich muss zugeben, dass ich bei Weitem nicht so viel weglesen kann, wie neu hinzukommt. Das Platzproblem wird immer schlimmer, aber ich kann mich einfach nicht zusammenreißen. Es gibt so viele tolle Bücher, die ich unbedingt lesen möchte. :-/

Samstag, 3. Oktober 2015

4. Blogger-Kommentiertag


https://www.facebook.com/events/837827752999864/

Die liebe Carla Maria Hoppe hat bereits zum vierten Mal einen Blogger-Kommentiertag über Facebook organisiert.

Ich sage immer: "Von der Wiege bis zur Bahre - Kommentare, Kommentare!"

Ich freue mich immer, wenn jemand ein kleines Feedback zu meinen Beiträgen gibt. Leider kommt das eher selten vor. Woran es liegt, weiß ich nicht. Entweder werde ich trotz 167 GFC-Followern und 249 Likes auf Facebook doch nicht gelesen, oder die meisten kommentieren einfach nicht gerne.

Natürlich ist mir auch klar, dass man oft etwas liest, aber keinen schlauen Kommentar dazu hat, der in den eigenen Augen einen Mehrwert für den Blogger bedeutet. Ich lese auch vieles und kommentiere nicht immer, da fasse ich mir auch an die eigene Nase.

Aber für mich als Blogger ist es immer ein schönes Gefühl, wenn ich Feedback erhalte. Und wenn es "nur" ist, dass man schreibt, dass meine Rezension für einen selbst ganz interessant war oder so. Es muss wirklich kein eloquenter Essay sein, der im Kommentarfeld hinterlassen wird.

Deshalb mache ich gerne am 4. Blogger-Kommentiertag mit und hoffe, dass sich mal ein paar Leute an die Tasten schwingen. Natürlich werde ich heute auch fleißig kommentieren, so lange es meine blöden Halsschmerzen zulassen, die mich gerade ganz schön matt machen. :-(

Und jetzt freue ich mich einfach, wenn der/die Ein oder Andere hierher findet und mir ein paar Worte hinterlässt. :-)

Und natürlich auch vielen lieben Dank an diejenigen, die auch außerhalb des Kommentiertags bei mir nette Worte hinterlassen! :)

Hier findet ihr übrigens die Teilnehmerliste:

Veranstaltung auf Facebook

Teilnehmerliste als doc-Dokument (Hat ja nicht jeder ein FB-Account.)

Freitag, 2. Oktober 2015

Rezension: "'Mich hat Auschwitz nie verlassen' Überlebende des Konzentrationslagers berichten" von Susanne Beyer und Martin Doerry (Hrg.)

Daten zum Buch:
erschienen am: 21. September 2015
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
ISBN: 9783421047144
284 Seiten
Preis: 29,99 € (HC)
Hier geht's zur Verlagsseite!

Zum Inhalt:
Als im Januar 1945 sowjetische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz befreiten, bot sich ihnen ein Bild des Grauens. Über eine Million Menschen wurden hier ermordet, und diejenigen, die nicht noch kurz vor der Befreiung auf einen der Todesmärsche geschickt wurden, waren halb verhungert, krank und hausten in menschenunwürdigen Umständen in den Baracken.

Viele der ehemaligen KZ-Häftlinge konnten oder wollten nicht über ihre Zeit im Lager sprechen. Andere wiederum machten es sich zur Lebensaufgabe, das Geschehene nicht vergessen zu lassen.

Anlässlich der 70jährigen Befreiung des KZ Auschwitz haben sich SPIEGEL-Redakteure mit 20 Überlebenden in Europa, Amerika und Israel getroffen, die ihnen stellvertretend für all die vielen Anderen, die Auschwitz nicht überlebt haben, ihre Geschichten erzählten.

Meine Meinung:
Ziel dieses Buches war es, 70 Jahre nach Kriegsende noch einmal möglichst viele Zeitzeugen erzählen zu lassen, die den Holocaust miterlebt und überlebt haben. Alle Porträtierten sind mittlerweile in einem hohen Alter, und bald wird es keinen mehr geben, der noch berichten kann. Deshalb ist es wichtig, diese Stimmen zu hören und die Erinnerungen zu dokumentieren.

Nach einem Vorwort über das KZ Auschwitz und das SPIEGEL-Projekt folgen die Porträts der elf Frauen und neun Männer, die einst in Auschwitz die schlimmste Zeit ihres Lebens verbringen mussten. Auschwitz gilt als das schlimmste aller Konzentrationslager. Hier kam man nur "durch den Schornstein" wieder hinaus, wie es die Nazis den Insassen oft genug erklärten. Tatsächlich wurde wohl in keinem anderen KZ so systematisch und in hoher Anzahl getötet wie hier. Außerdem war hier der "Schlächter" Mengele tätig, der an den Häftlingen grauenhafte Experimente vornahm.

Die Redakteure lassen die Zeitzeugen für sich sprechen und geben nur das Erzählte wieder ohne Ergänzungen oder Erklärungen. Das finde ich gut, so steht jede Geschichte für sich da, authentisch und lebendig erzählt. Vieles wiederholt sich in fast jedem Porträt, die Erinnerungen und Erlebnisse decken sich oft: Der menschenunwürdige Transport im Viehwaggon, der bereits zahlreiche Menschenleben forderte; die Selektion an der Rampe direkt nach der Ankunft; die katastrophalen Zustände im Lager, die Zwangsarbeit, die Todesmärsche. Dieses ohnmächtige Gefühl, ständig umgeben zu sein vom Tod, diese Angst, dass man jederzeit getötet werden konnte.
"In jedem KZ haben mich Häftlinge umringt, weil sie wissen wollten: "Wie ist es in Auschwitz?" Und fast immer haben sie dann gesagt: "Du bist verrückt." Wissen Sie, ich habe in meinem Leben so viele Situationen gesehen, die man unmenschlich nennt. Aber nirgends hat man die Bestien so wenig in Schach gehalten wie in Auschwitz."
Marko Feineis
Und doch sind die Einzelschicksale individuell und jedes für sich interessant. Da ist z. B. Erna de Vries, die als junge Frau freiwillig ihrer Mutter nach Auschwitz folgte, um sie nicht alleine zu lassen. Die Liebe zur Mutter war stärker als die Angst vor dem Ungewissen. Oder Coco Schumann, der dank seiner Musik überleben konnte und später ein erfolgreicher Musiker wurde. Oder Anna und Izzy Arbeiter, die beide als junge Menschen in Auschwitz einsaßen, sich gegenseitig das Leben retteten und seit dieser Zeit unzertrennlich sind.

Wer starb und wer lebte, darüber entschied oft der Zufall. Manche waren schon auf der Todesliste, standen bereits in der Schlange für die Gaskammer. Und doch geschahen manchmal noch kleine Wunder.

Einige Überlebende sind nochmal nach Auschwitz zurückgekehrt, um sich der Vergangenheit zu stellen. Andere schwiegen jahrzehntelang und versuchten zu vergessen. Während einige die auf dem Unterarm tätowierte Häftlingsnummer entfernen ließen, tragen andere sie mit Stolz.

Ich habe schon viele Bücher über den 2. Weltkrieg und den Holocaust gelesen, ich habe schon von vielen Gräueln gehört, aber es ist immer wieder von Neuem erschütternd, wenn Zeitzeugen berichten. Diese Tötungsmaschinerie der Nazis war so grauenhaft, dass ich es mir auch nach dem x.-ten Zeitzeugenbericht immer noch nicht richtig vorstellen kann, wie Menschen zu so etwas fähig waren. Und wie Menschen so etwas überleben konnten! Ich bewundere den Überlebenswillen der Porträtierten, die manchmal nur durch Zufall überlebten, manchmal aber auch, weil sie einen eisernen Willen hatten, gewieft waren und um ihr Leben kämpften.

"Ich weiß nicht, wie ich Auschwitz überlebt habe. Ich weiß nicht, wie irgendwer das überlebt haben kann."
Marta Wise
Zu den Erzählungen gibt es schöne Porträtfotos der Interviewten. Im Anhang finden sich Kurzbiographien der Zeitzeugen und Autoren bzw. Fotografen, außerdem noch ein Literaturverzeichnis. Generell macht das Buch einen sehr hochwertigen Eindruck.

Trotz der schweren Thematik habe ich "Mich hat Auschwitz nie verlassen" in einem Rutsch verschlungen. Natürlich gibt es mittlerweile viele Bücher und Berichte von Zeitzeugen, aber können es zu viele sein? Ich denke nicht. Deshalb mein ganz klares Fazit: Unbedingt lesen!

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!