Montag, 30. November 2015

Neuzugänge

Die letzten Wochen habe ich mich echt gut zurückgehalten. LOBT MICH, LOBT MICH!!!

Rezensionsexemplare


- David Safier, "Mieses Karma hoch 2": Da ich Safiers Bücher liebe und "Mieses Karma" saulustig fand, wollte ich dieses Buch supergerne lesen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich bei der Leserunde auf "Was liest du?" gewonnen habe.

- Achim Linhardt, "Besser bauen, besser wohnen. Das 100 Ideen-Buch": Da mein Freund schon seit Jahren mit einem eigenen Haus liebäugelt und sich viel mit Häuserbau beschäftigt, habe ich diesen Ratgeber über das Bloggerportal von Randomhouse angefordert. Premiere: Ich werde es zusammen mit meinem Freund rezensieren, der hier seine Expertise anbringen wird und noch nie zuvor ein Buch rezensiert hat. :-)

- Larry Tremblay, "Der Name meines Bruders": Dieses Buch fiel mir in der Buchmesse beim Verlagsstand ins Auge. Eine freundliche Mitarbeiterin hat mir ein Formular gegeben, mit dem ich ein Rezensionsexemplar anfordern konnte. Ich dachte erst, dass das untergegangen ist, aber heute lag es im Briefkasten.


Ertauscht


- Bettina Musall & Eva-Maria Schnurr (Hrsg.), "England Krone. Die britische Monarchie im Wandel der Zeit": Geschichtlich interessiert bin ich ja sowieso, und Monarchien finde ich eigentlich auch ziemlich faszinierend. Zur Weiterbildung fand ich dieses Buch ziemlich passend. ;-) Für 3 Tickets noch eingeschweißt ertauscht.

- Jonathan Stroud, "Lockwood & Co. Die raunende Maske": Ich muss zugeben, dass ich noch nichtmal den 1. Band gelesen, aber die ersten beiden schon hier liegen habe. Deshalb musste ich sofort zugreifen, als der 3. Teil noch verschweißt für nur 3 Tickets angeboten wurde.

- Katrin Zipse, "Glücksdrachenzeit": Dieses Buch wollte ich schon länger haben, da habe ich bei 3 Tickets für ein eingeschweißtes Exemplar gleich zugeschnappt.


Gekauft


- Justin Halpern, "Kein Scheiß. Die Ansichten meines Vaters": Zu diesem Buch habe ich mal einen kleinen Bericht gelesen, und es klang echt lustig. Im 1-Euro-Shop habe ich es dann ganz spontan mitgenommen.



Ansonsten hatte ich letzte Woche Geburtstag, aber leider kein Buch erhalten, dafür aber einen Hugendubel-Gutschein! Ich warte aber noch ab, was ich zu Weihnachten kriege, bevor ich mir von dem Gutschein zwei, drei Wunschlistenbücher hole. :-) Im Moment habe ich ja noch genug zu lesen.

Sonntag, 29. November 2015

Rezension: "Thalam. Die Hüter der Erde" von Gabriele Ennemann

Daten zum Buch:
erschienen am: 28. September 2015
Verlag: Riverfield
ISBN: 9783952452325
336 Seiten
Preis: 19,90 € (HC)
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Zum Inhalt:
Der 15jährige Gidion lebt in Thalam und lässt sich auf der Schule für Schwertkampf ausbilden. Eines Nachts beobachtet er, wie die Lebensachse gestohlen wird, die seit Anbeginn der Zeit das Gleichgewicht des Planeten und der Menschheit aufrechterhält. Dies bedeutet nicht nur den Untergang der Menschheit, sondern auch die Zerstörung Thalams!

Als Gidion und sein Vater dem König Bericht erstatten, erfährt der 15jährige Junge, dass er zu der Avantgarde gehört. Diese vier Auserwählten sind dazu bestimmt, die Welten zu retten. Zusammen mit seinen neuen Gefährten Leona, Levinor und Dawn reist Gidion in die gefährliche Unten-Welt, um die Lebensachse aus den Händen des grausamen Jechube zu entreißen und somit die Erde und seine Heimat zu retten.

Meine Meinung:
"Thalam" ist der Debütroman von Gabriele Ennemann, der schon im Grundschulzeugnis zu viel Fantasie attestiert wurde. Mit Thalam hat sie eine ganz eigene Welt mit vielen neuen Wesen erschaffen.

Hauptfigur ist der 15jährige Gidion, der von seinem Pflegevater erfährt, dass er zu der vierköpfigen Avantgarde gehört, die die Lebensachse beschützen soll. Die Geschichte wird teilweise aus Gidions Sicht (Ich-Perspektive) erzählt, teilweise aus der Sicht anderer Figuren.

Durch die verschiedenen Charaktere in unterschiedlichen Altersklassen findet vielleicht jeder Leser eine Figur, mit der er sich verbunden fühlen kann. Neben Gidion besteht die Avantgarde aus der hitzköpfigen 14jährige Leona, dem Prinzen Levinor und der mütterlichen Dawn (beide Anfang/Mitte 20). Daneben gibt es natürlich noch zahlreiche weitere Charaktere wie Gidions liebevollen Vater Mundus, den bösen Gegenspieler Jechube oder die listige Schlangenfrau Rajah. 

Der Mittelteil war etwas langatmig und hätte für meinen Geschmack etwas mehr Action vertragen können. Die Avantgarde reiten durch die Unten-Welt, während Jechube und Rajah ebenfalls irgendwo in der Unten-Welt herumirren. Es passiert nicht wirklich viel, und man hätte den Auserwählten vielleicht mehr Steine in den Weg legen können. Während die vier Hüter absolut harmonisch miteinander agieren, wird bei Jechube und Rajah viel gekeift und gezankt. Der Showdown ist dann wiederum etwas schnell und kurz. Dazu kann ich aber kaum etwas verraten, ohne zu spoilern. Auf jeden Fall denke ich, man hätte mehr Gefahren und Kämpfe einbauen können.

Hier muss man allerdings zu Gute halten, dass das Buch ab 10 Jahren empfohlen wird. Dies kann ich auf jeden Fall bedenkenlos unterstreichen. Dieser Fantasyroman kommt mit sehr wenig Gewalt und Blut aus. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten mit eher kurzen Sätzen. Dadurch ist das Buch flott zu lesen und für die Zielgruppe bestens geeignet. Auch sind die Charaktere ziemlich schwarz-weiß gezeichnet. Es gibt die Guten und die Bösen, aber kaum umstrittene Persönlichkeiten (evtl. noch der Wichtel, der für Jechube spioniert, an sich aber nicht bösartig ist).

Die Geschichte ist abgeschlossen, lässt aber durchaus Luft für eine Fortsetzung. Vielleicht verschlägt es Gidion ja dann auf die Erde, und wir erfahren etwas mehr über seine Familie, Thalam und die anderen Welten.

Alles in allem ist "Thalam" ein schöner Fantasyroman für junge Leser und ein gelungenes Debüt einer Autorin, von der man in Zukunft hoffentlich noch mehr lesen wird.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Gabriele Ennemann und den Riverfield-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Samstag, 28. November 2015

Rezension: "Die Kriege der Viktoria Savs. Von der Frontsoldatin 1917 zu Hitlers Gehilfin" von Frank Gerbert

Daten zum Buch:
erschienen am: 1. September 2015
Verlag: Kremayr & Scheriau
ISBN: 9783218009911
190 Seiten
Preis: 22,00 € (HC)
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Zum Inhalt:
Sie wäre ja lieber ein Mann gewesen: 16-jährig will Viktoria Savs in den Krieg ziehen. Die k.u.k.-Propaganda nutzt ihren Ehrgeiz aus, lässt sie an der Hochgebirgsfront bei den Drei Zinnen Dienst tun und baut sie zum "Heldenmädchen" auf. Doch im Frühjahr 1917 wird sie schwer verwundet und verliert einen Fuß.
 
Als Invalidin schleppt sie sich durch die Nachkriegsjahre. 1933 tritt sie in die verbotene österreichische NSDAP ein und agiert gegen die Wiener Regierung. Mit der Wehrmacht kommt sie 1942 ins besetzte Belgrad und zu den unbarmherzigsten Männern von allen: den Herrenmenschen von der SS.
 
Es ist eine schockierende Geschichte, die zeigt, wie aus naivem Patriotismus Hass, Verblendung und Radikalisierung entstehen können.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Ich habe ja schon viele Bücher über den Zweiten Weltkrieg und die Nazizeit gelesen, aber über den Ersten Weltkrieg weiß ich ehrlich gesagt nicht sonderlich viel. Dass es damals auch so genannte "Heldenmädchen" gab, also Frauen, die als große Ausnahmen im Militärdienst dienten, obwohl dies nicht vorgesehen war, fand ich sehr spannend. Deshalb wollte ich die Geschichte von Viktoria Savs unbedingt lesen.

Es gibt zahlreiche (historische) Zeitungsberichte über diese Frau, die damals zur Heldin hochstilisiert wurde, letztendlich aber eine umstrittene Figur auch unter Militärangehörigen blieb. Sowohl im Ersten als auch Zweiten Weltkrieg war sie aktiv und wurde dort für Propagandazwecke "missbraucht" - oder auch nicht, denn so wie es aussieht, hat die kampfbegeisterte Viktoria selbst all die Heldengeschichten um ihre Person nur zu gerne in Umlauf gebracht bzw. bestätigt.

Nun ist also der Journalist Frank Gerbert auf Viktoria Savs Spuren gewandelt. Gleich im Vorwort kam für mich das überraschende Eingeständnis, dass Gerbert lediglich den Versuch vornehmen kann, ein Bild von Viktoria Savs zu zeichnen. Ich hatte eigentlich vermutet, dass er mehr gesicherte Informationen über diese Frau zu bieten hätte und hier mit einer fundierten Biographie aufwartet. Dem ist jedoch nicht so, und so sind die meisten Geschichten rund um die Savs mit Vorsicht zu genießen, in einigen Teilen gibt es auch widersprüchliche Überlieferungen. Es muss also meist bei Mutmaßungen bleiben, was ich sehr schade fand. Immerhin ist der Autor aber diesbezüglich ehrlich, so dass man gleich zu Beginn weiß, worauf man sich beim Lesen einlässt.

Gerber rekonstruiert also anhand von Zeitungsberichten, erhaltenen Dokumenten, bereits vorhandenen Recherchearbeiten und Gesprächen mit Zeitzeugen Viktoria Savs Leben und ihren Charakter. Viele Überlieferungen bleiben hierbei umstritten und gehören in den Augen des Journalisten eher in das Reich der Mythen. So ist es zum Beispiel fraglich, ob Viktoria Savs wirklich als Soldatin an der Front gekämpft hat oder lediglich niedrige Aufgaben übernahm, für die durchaus auch Frauen eingesetzt werden konnten. So gibt es gar einen Leserbrief von anderen Soldaten, denen die Heroisierung ihrer "Kameradin" in den Zeitungen so sauer aufstößt, dass sie behaupten, ihr wurde der Fuß völlig unprätentiös bei einer Sprengung von Felsgestein abgerissen, als die Dame gerade auf dem Lokus weilte...

Die Frau, die der Leser kennenlernt, ist doch eher unsympathischer Natur. Viktoria war ein "Tomboy", verhielt sich Zeit ihres Lebens wie ein Mann, hatte vermutlich auch eine lesbische Beziehung mit einer jüngeren Frau, die sie offiziell nach dem Zweiten Weltkrieg adoptierte. Ihre Halbschwester, mit der sie jedoch kaum etwas zu tun hat, beschreibt Viktoria als herrisch, egozentrisch und wenig liebenswert. Dem Vater folgt sie begeistert in den Krieg, sie möchte unbedingt gegen die Italiener kämpfen. Auch nach dem Unfall, bei dem Viktoria einen Fuß verlor, wollte sie sofort wieder zurück an die Front. Später dann ließ sie sich nur allzu gern von den Nationalsozialisten einspannen und arbeitete u. a. als Spionin gegen ihre eigene Heimat. Ein Bild zeigt sie mit hohen Funktionären der gefürchteten Waffen-SS. Spätestens hier werden wohl alle Sympathien für sie verpuffen. So bezeichnet Gerber sie denn auch im seinem Schlusswort als "ebenso faszinierendes wie abstoßendes politisch-psychologisches Unikum".

Die ersten Kapitel fand ich noch etwas holprig, ich kam nicht so recht in den Schreibstil hinein. Das mag aber auch daran liegen, dass ich erstmal dem Buch gegenüber negativ eingestellt war, nachdem ich gelesen hatte, dass es lediglich auf Rekonstruktionen und Mutmaßungen basiert. Im Laufe des Buches fand ich jedoch immer mehr hinein, und dann ließ es sich auch flüssig und durchaus unterhaltsam lesen. Gerber hat keinen nüchtern-sachlichen Stil, sondern einen lockeren, ja mitunter humorigen Erzählstil, der das Buch recht kurzweilig gestaltete.

Alles in allem wird dem Leser hier eine interessante, wenn auch nicht gerade sympathische Persönlichkeit vorgestellt, von der leider noch zu viele Fakten im Dunkeln liegen, so dass man sich zusammen mit dem Autor oft mit Spekulationen zufrieden geben muss.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Kremayr & Scheriau-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Samstag, 21. November 2015

Buchpräsentation: "Mainleid" von und mit Anja Mäderer

Am letzten Donnerstag (19.11.) stellte Anja Mäderer ihren Regionalkrimi "Mainleid" im Würzburger Hugendubel vor. Da ich das Buch im Rahmen einer von ihr intensiv betreuten Leserunde bereits kannte, wollte ich mir natürlich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, Anja mal live und in Farbe zu sehen und mir mein Exemplar signieren zu lassen.

Zuerst einmal allgemein zu "Mainleid": Dieser Krimi spielt in meiner Stadt Würzburg, wo eine beliebte Studentin tot im Ringpark aufgefunden wird. Das Nürnberger Kommissaren-Duo Nadja und Peter, das sich gerade erst auf Wunsch in die wunderschöne Mainmetropole Würzburg hat versetzen lassen, ist gleich am ersten Arbeitstag voll gefordert. Mehr Details zu der Geschichte und meine Meinung findet ihr in meiner Rezension.

Bevor Anja ein bisschen über sich und ihr Buch erzählte, gab es ein paar einleitende Worte von Hugendubel-Filialleiter Kai Uwe Hampel. Der aufmerksame Leser meines Blogs kennt ihn mittlerweile schon vom Arena-Bloggerworkshop oder von der Buchpräsentation von Julia Hanel. (Ich möchte fast sagen, er hat Potential zum Blog-Maskottchen.^^) Herr Hampel hat natürlich "Mainleid" vorab gelesen und fand es sehr toll.

Der Regionalkrimi, der im Emons-Verlag erschienen ist, ist Anjas Erstlingswerk. Eigentlich ist die 24-Jährige angehende Lehrerin für Deutsch und Geschichte, hat gerade ihr Staatsexamen an der Uni Würzburg abgelegt und vertreibt sich die Wartezeit auf die Ergebnisse damit, an ihrem nächsten Buch zu schreiben und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen Deutsch-Unterricht zu geben.

Wieso ein Krimi, Frau Mäderer?


Anja hat dank der "lesefreundlichen Atmosphäre" zu Hause schon als Kind sehr gerne und viel gelesen. Doch noch interessanter als die altersgerechten Bücher, die sich im Haus fanden oder stapelweise aus der Bücherei ausgeliehen wurden, fand die kleine Anja die ausgelagerte Erwachsenenliteratur im Keller. Dort verbrachte sie dann auch so manche Stunden bei der heimlichen Lektüre von Krimis. Die Autorin erinnert sich, dass sie in der 3. Klasse bei einer Lesenacht in der Schule ihre Lieblingsbücher vorstellen durften. Und während ihre Mitschüler Sachen wie "Leo Leselöwe" mitbrachten, erzählte Anja über ihre Agatha Christie-Lektüren - was nur von der Lehrerin begeistert aufgenommen wurde. ;-)

Sie liest gerne aktuelle Beststeller von z. B. Sebastian Fitzek und Nele Neuhaus, ihre Lieblingskrimiautorin ist jedoch ganz klar Martha Grimes. 

So war Anja also Krimifan der ersten Stunde, und es war einfach klar für sie, dass ihr eigenes Werk selbst ein Krimi sein musste. Außerdem ist es besonders reizvoll, dass man bei Krimis und Thrillern so tief in die Seele der Charaktere eintauchen kann, was z. B. bei Jugendbüchern nicht erwünscht ist.

Ein Zuhörer wollte dann auch wissen, ob die bekennende Tatort-Guckerin sich eine Verfilmung ihres Krimis z. B. als "Tatort" vorstellen könnte. Ja, natürlich könne sie das! Das Buch sei ja ohnehin schon mit vielen Dialogen versehen und könnte so eigentlich ganz gut als Drehbuch dienen.

Das heißt allerdings nicht, dass sie sich nur für Krimis begeistern kann. Auch einen historischen Roman könnte sie sich vorstellen. Und einige ihrer Lieblingsautoren kommen aus dem Jugendbuchbereich, wie z. B. J.K. Rowling.
  

Wie kam Anja Mäderer eigentlich vom Lesen zum Schreiben?


Schon mit 16 oder 17 erstellte Anja eine "Löffelliste" - eine To Do-Liste mit all den Dingen, die man noch machen möchte, bevor man den Löffel abgibt. Ein Punkt darauf war: ein Buch schreiben. Also musste das ja mal in Angriff genommen werden, ne? ;-)

Zuerst fing die Autorin mit Kurzgeschichten an, die sie bei Wettbewerben einreichte - meist erfolgreich. Als sie dann im Rahmen eines solchen Wettbewerbes einmal den 1. Platz und damit ein Preisgeld von 500,- € gewann, nahm sie sich vor, dieses Geld in ihre zukünftige Autorenkarriere zu investieren. Sie machte ein sechswöchiges Praktikum im AvivA-Verlag Berlin, der v. a. Literatur von Autorinnen der 1920er Jahre verlegt. Dort wurde ihr erst klar, wie hart das Handwerk eines Autors ist. Die vielen Manuskripte, die aus Zeitmangel ungelesen in die Ablage wanderten, taten ihr besonders leid.

Wertvoll waren diese Erlebnisse und die Tipps ihrer Chefin bezüglich der Suche nach einem Verlag, der ihr Manuskript nicht einfach unbesehen in die Ablage legen würde. So suchte sie sich also gezielt Verlage aus, die Regionalkrimis veröffentlichen. Schließlich landete sie nach einem halben Jahr Suchen und Warten beim Emons-Verlag einen Treffer.

Und wie war die Zusammenarbeit mit dem Verlag so?


Eigentlich hat die Arbeit mit Emons ja ganz gut geklappt. Aber durch das Lektorat hat sich dann doch einiges am ursprünglichen Manuskript geändert. U. a. wurden die Kommissare nach Würzburg versetzt, statt wie ursprünglich angedacht in Nürnberg zu bleiben und nur einen Ausflug nach Würzburg zu unternehmen. Denn eigentlich wollte Anja die beiden in jedem Buch an einem anderen Ort in Franken ermitteln lassen.
Außerdem wurde mehr Lokalkolorit gewünscht, so dass die Autorin sich noch ein bisschen intensiver mit den Lokalitäten hier auseinander setzen musste. So erzählte sie auch, dass sie sich aus Neugierde vor dem Gebäude der Kripo Würzburg herumtrieb und dann spontan eine Führung von Polizisten durch das Gebäude erhielt, da der Pförtner fälschlicherweise annahm, sie wäre für eine Führung angemeldet. Später konnte sie noch über eine befreundete Medizinstudentin den Kontakt zur Pathologie herstellen.

Schmunzeln musste ich darüber, dass die Lektorin mehr Dialektstellen im Buch einforderte. Anja hat deshalb extra einer Nebenfigur den unterfränkischen Dialekt verpasst, was sie als ziemliche Herausforderung sah - in der Leserunde wurde jedoch von einigen Leuten (u. a. von mir ;-)) bemängelt, dass gerade mal eine Person Dialekt reden darf, die dann auch nicht oft vorkommt. Das ist aber wohl Geschmackssache, denn wenn man den Dialekt nicht versteht, ist man vielleicht froh, wenn alle Hochdeutsch reden.

Es gab auch noch andere Streitpunkte zwischen Autorin und Lektorin, aber zum Glück hat die Lektorin nicht immer gewonnen. ;-)

Wieviel Anja Mäderer steckt in den Figuren?


Nur eine Figur in "Mainleid" wurde von einer real existierenden Person in Anjas Umfeld inspiriert. Wer genau das ist, hat sie allerdings nicht verraten. Generell ist es natürlich reizvoll, eigene Charaktereigenschaften in eine Figur reinzuschreiben, aber Anja hat sich dies absichtlich verkniffen, denn es würde sie viel angreifbarer machen und sie könnte wohl schlechter mit Kritik umgehen. Denn wenn man das Verhalten dieser Figur kritisiert, würde man ja letztendlich ihr eigenes Verhalten damit kritisieren.

Wie arbeitet die Autorin eigentlich an ihren Romanen?


Anja ist keine Schreibtischautorin, sondern geht zum Schreiben gerne in ein Café oder in die Unibibliothek. Zuhause wäre sie zu sehr abgelenkt vom Internet oder von der fixen Idee, mal wieder die Bude durchputzen zu müssen. Diese Art von Ablenkung kenne ich ja auch, wenn ich eigentlich lernen sollte. Ich z. B. schreibe dann völlig ausufernde Blogberichte. Aber das nur am Rande... ;-)

Deshalb braucht sie auch Druck seitens ihrer Testleser. Erst ein kontinuierliches "Wann kommt endlich das nächste Kapitel?!" bringt sie so richtig in Schwung.

Sie geht auch nicht systematisch vor, sondern schreibt einfach frei von der Leber und bezeichnet sich als Spontanschreiberin. So meint sie: "Es passiert einfach irgendwas.", und dann muss sie eben schauen, wie sie Charaktere und Handlungen um diese Geschehens herumbastelt.

Für "Mainleid" hatte sie erst das Geschehen rund um Opfer und Täter im Kopf, danach erst kamen die Kommissare dazu. Nadja hat sich im Laufe des Schreibprozesses dann sehr behauptet und rückte so immer mehr in den Vordergrund. Wer das Buch noch nicht kennt: Es geht in "Mainleid" auch neben dem eigentlichen Mordfall viel um Nadjas Privatleben.

Und wie geht's nun weiter?


An einem 2. Band wird bereits geschrieben, und wenn alles klappt, wird dieser im Herbst 2016 erscheinen. Nadja und Peter dürfen wieder in Würzburg ermitteln, diesmal inkognito in einer Tanzschule.

Ich denke, nicht nur Herr Hampel freut sich sehr auf eine Fortsetzung. Und da Anja ja nun schon mit ihrem erstem Band gezeigt hat, dass sie zur Autorin taugt, muss dieses Mal ihr Vater vielleicht nicht mehr seine Kollegen dazu nötigen, ihr Buch zu kaufen. :-D


Huch, jetzt ist dieser Bericht ja seeeehr lange geworden. Seid ihr noch bei mir??? 


Nach dem wirklich sehr unterhaltsamen Interview, bei dem Anja mit viel Humor und Lockerheit die Zuhörer begeistern konnte, las sie kurz aus ihrem Buch. In dieser Szene befindet sich gerade der Mörder in der WG seines Opfers, wohl um etwas zu suchen, was der Polizei besser nicht in die Hände fallen sollte. Allerdings ist gerade die Mitbewohnerin des Opfers zu Hause...


Zum Abschluss signierte Anja natürlich noch für ihre Leser. Lustigerweise stand in der Warteschlange direkt vor mir Julia, ein weiteres LovelyBooks-Mitglied, das mit mir zusammen in der Leserunde war. Ich bin doch immer wieder erstaunt, wie viele LovelyBooks-Mitglieder (oder auch Blogger) aus meiner Region kommen. Eigentlich sollten wir mal einen Stammtisch machen! :-)

Sonntag, 15. November 2015

Rezension: "Die erstaunliche Wirkung von Glück" von Susann Rehlein

Daten zum Buch:
erschienen am: 15. Oktober 2015
Verlag: Dumont
ISBN: 9783832198060
318 Seiten
Preis: 18,00 € (HC)
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Zum Inhalt:
Die 24jährige Dorle lebt im Souterrain in der ehemaligen Hausmeisterwohnung einer alten Villa und setzt in Heimarbeit Kristalle für eine Kronleuchtermanufaktur zusammen. Von den Bewohnern des Hauses, allesamt Rentner, wird sie als Concierge und ohne Bezahlung zu den niedersten Botendiensten missbraucht. Aber Dorle ist genügsam und lässt sich alles gefallen.

Der einzige Mensch, der nett zu Dorle ist, ist der hyperaktive Joe, der ihr die Kristalle liefert. Joe ist in Dorle verliebt, aber für Dorles Geschmack ist er zu hektisch, plappert zu viel und bringt viel zu viel Unruhe in Dorles ruhiges Leben.

Als die glamouröse Frau Sonne aus der oberen Etage verreist, soll Dorle gegen eine üppige Bezahlung deren Wohnung hüten. Tag für Tag rattern nun per Fax Anweisungen ein, die sie befolgen soll. Yogakurse, Klangschalentherapie für die Topfpflanzen, ein Rendezvous mit zwei rüstigen Gigolos. Erst ist Dorle total überfordert, doch dann merkt sie langsam, was sie in ihrem traurigen Dasein alles bislang verpasst hat, und beginnt endlich zu leben.

Meine Meinung:
"Die erstaunliche Wirkung des Glücks" ist ein Buch, das mich ehrlich gesagt etwas ratlos zurücklässt. Aufgrund begeisterter Rezensionen von Lesern, die durch Dorles Geschichte selbst ein ungeheuerliches Glücksgefühl verspürten, habe ich mich bei der Lektüre zwangsläufig gefragt, was eigentlich mit mir nicht stimmt? 

Ich mochte Dorle nicht sonderlich, egal, wie bemitleidenswert sie eigentlich ist. Sie wirkte anfänglich auf mich wie eine Autistin, doch wird aufgrund ihrer Entwicklung schnell klar, dass sich ihre merkwürdige Persönlichkeit unter anderem aus einer traurigen Kindheit als Waise entwickelt haben dürfte. Auf dieses Trauma wird allerdings nicht weiter eingegangen, was ich schade fand, denn so fiel es mir umso schwerer, Dorles Verhalten und Einstellung zum Leben irgendwie nachvollziehen zu können. Ich finde sie die meiste Zeit naiv (gutmütig wäre bereits untertrieben) und auch nervig.

Joe ist eigentlich ein liebenswerter Charakter, aber wie auch alle anderen Figuren wird er nicht sonderlich tief gezeichnet. Er plappert viel, verehrt Dorle, erträgt ihre Zurückweisungen und Launen. Dieser Mann muss unfassbar viel Geduld und Verständnis aufbringen.

Dann sind da Frau Sonne und ihre schräge Assistentin Henriette Schräubchen, die beide einfach nur seltsam sind. Frau Sonnes Motiv, Dorle zu mehr Glück zu verhelfen, ist dann auch eher egoistischer Natur. Teilweise muten manche Dinge, die in der Wohnung geschehen, schon regelrecht übersinnlich an, aber wirklich zauberhaft wirkte das auf mich nicht, eher verstörend.

Die Senioren in der Villa sind teilweise nett, teilweise einfach nur ätzend. Dass Dorle sich so herumschubsen und sogar massivst beleidigen lässt, hat mich eigentlich am meisten aufgeregt. Dann gibt es noch weitere Nebenfiguren wie den (irgendwie total nervigen) kleinen Kasimir, die beiden Rentner-Gigolos, den Bioladenverkäufer, das Metzgerehepaar und den Café-Besitzer.

Den totalen Sympathieträger gab es für mich in dieser Geschichte nicht, was nicht unbedingt heißen muss, dass keiner das Zeug dazu hätte. Ich fand jedoch die Charaktere zu oberflächlich belassen, sie blieben mir bis zum Schluss fremd.

Das Ende ist weitestgehend absehbar. Natürlich macht Dorle im Lauf der Geschichte eine starke Entwicklung durch. Das war aber eigentlich von Vornherein klar und nicht die große Überraschung an diesem Buch. Wie sie aber Schritt für Schritt von Frau Sonne und ihren Gehilfen zu ihrem neuen Lebensgefühl gezwungen wird, hat sich stellenweise ganz schön in die Länge gezogen. Dorle ist lethargisch ohne Ende, und irgendwann hat es mich gelangweilt, wenn sie zum gefühlt 100. Mal nach irgendeinem "Abenteuer" ins Bett gestolpert ist und den halben Tag verpennt hat. Auch das Hin und Her mit Joe, den sie so sehr auf Abstand halten möchte, den sie dann aber ja doch liebt und vermisst (bis er dann vor ihr steht und sie wieder voll annervt), hat mich ziemlich angeödet.

Alles in allem ist dieses Buch ganz nett zu lesen, hat aber einige Längen und Charaktere, die sich mir nicht erschlossen. Es fehlte mir einfach dieses "Sich-Wohlfühlen" in einer Geschichte, und ich hatte einfach mehr erwartet.

Meiner Meinung nach geht es hier eher um die unorthodoxe Therapie eines psychisch geschädigten Menschen, der endlich anfangen soll zu leben. Wenn man sich vielleicht gerne philosophisch betätigt und die Mühe macht, zwischen den Zeilen zu lesen und alles zu analysieren, dann gibt einem dieses Buch vielleicht mehr, als es mir gegeben hat. Ich kann leider nur sagen, dass mich die Geschichte nicht berühren konnte. Der "Glücksfunke" ist bei mir überhaupt nicht übergesprungen.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an "Blogg dein Buch" und den Dumont-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Samstag, 14. November 2015

Rezension: "Auf der Flucht. Reportagen von beiden Seiten des Mittelmeers" von Karim El-Gawhary und Mathilde Schwabeneder

Daten zum Buch:
erschienen am: September 2015
Verlag: Kremayr & Scheriau
ISBN: 9783218009898
192 Seiten
Preis: 22,00 € (HC)
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Zum Inhalt:
Sie fliehen vor Krieg und Terror aus Syrien und dem Irak und vor der Armut in Afrika. Viele Millionen sind es. Allein in der libanesischen Bekaa-Ebene leben über 200.000 Menschen in notdürftig mit Planen abgedeckten Verschlägen. „Ich habe mein Baby bei Schnee und Eis zur Welt gebracht und in der Kälte ist es dann gestorben“, erzählt etwa Fatma.

Manche wagen den lebensgefährlichen Weg durch die Wüste und über das Meer. „Das Schlimmste“, sagt Dembo aus Gambia, „war die Fahrt durch die Sahara.“ Eine Flasche Wasser musste für eine Woche reichen. Hinzu kam die peinigende Angst, auf dem vollgepferchten Pick-up zu sterben. Für Schlepper sind Flüchtlinge ein gutes Geschäft. Sie bringen „mehr Geld als Drogen“, brüstet sich ein Drahtzieher der römischen „Mafia-Capitale“. Nur wenige schaffen es in sichere Staaten – wie die menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen gelingen kann, zeigt das letzte Kapitel des Buches.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Kein Thema ist wohl momentan so aktuell und von enormer Wichtigkeit wie die Flüchtlingskrise. Sie beherrscht seit Monaten die Medien, und mittlerweile wird wohl jeder in einer Stadt oder einem Dorf leben, in der/dem bereits Geflüchtete untergebracht sind. Wir sind schier ohnmächtig angesichts der Massen, die ihre Heimat verlassen und den beschwerlichen, oft tödlichen Weg nach Europa auf sich nehmen. In der Flüchtlingskrise läuft vieles schief. Und ja, auch ich habe Zweifel und Ängste, dass wir irgendwann überrannt werden und nicht mehr wissen, wie wir die vielen traumatisierten Menschen, die hier mit der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft ankommen, so versorgen können, damit man sagen kann: „Ja, jetzt führen sie ein würdevolles Leben.“ Es muss noch vieles getan werden.

Doch damit beschäftigt sich dieses Buch hier und heute nicht, das sollte man vielleicht wissen. Es werden keine Lösungen oder Vorschläge, wie man besser mit der Flüchtlingskrise umgehen kann, präsentiert. Im Mittelpunkt stehen hier die menschlichen Schicksale. 

Die beiden Autoren sind mit Leib und Seele Journalisten und selbst an die Orte gereist, an denen es brennt: Zum Beispiel in die großen Flüchtlingslager der Nachbarstaaten Syriens, wo diejenigen in Slums leben, die nicht die Mittel und die Kraft haben, es bis nach Europa zu schaffen; nach Lampedusa, wo Freiwillige tagtäglich um das Leben von verunglückten Flüchtlingen kämpfen; in das österreichische Dorf Großraming als gelungenes Beispiel für das friedliche Zusammenleben zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Sie berichten von der Arbeit der Schlepper und der römischen "Mafia Capitale", die mit dem Elend der Flüchtlinge Milliarden verdient.

Zahlen sind nunmal Zahlen, und es ist mittlerweile auch egal, wer da eigentlich gegen wen kämpft. Letztendlich geht es um Menschen, was viele vergessen (wollen). Der Flüchtlingskrise Gesichter geben, das tun El-Gawhary und Schwabeneder hier, und das trifft den Nerv der Leser. Dieses Buch macht nicht nur betroffen, es laugt einen regelrecht aus, und El-Gawhary fragt auf Seite 73 zu Recht, ob der Leser nicht irgendwann aussteigt, weil er die furchtbaren Geschichten nicht mehr aushält. Ja, die Geschichten SIND furchtbar - aber aussteigen? Nein. Wie kann man die Augen vor etwas verschließen, das gerade jetzt passiert? Wie kann man kapitulieren vor etwas, das man „nur“ liest, während Andere es durchleben mussten?

Ich habe schon viele Sachbücher mit grauenhaftem Inhalt gelesen, die meisten davon über den Holocaust. Man ist immer wieder schockiert und vergießt auch die ein oder andere Träne. Doch dann klappt man das Buch zu und sagt: „Aber das ist alles 70 Jahre her. Wir haben aus der Geschichte gelernt, so etwas wird nicht mehr passieren.“

Nur das, was im Irak, in Syrien, in Afghanistan, in Eritreia und anderen Ländern weit weit weg von uns passiert, passiert JETZT. In der Zeit, in der ich diese Rezension verfasse, wird vielleicht einem weiteren Baby der Kopf weggeschossen, muss wieder eine Mutter hilflos mitansehen, wie ihre entkräfteten Kinder eines nach dem anderen von ihr wegtreiben und im Mittelmeer ertrinken, wird eine weitere junge Frau entführt und auf dem Sklavenmarkt für 12 € verkauft, nachdem sie mitansehen musste, wie ihr Mann, ihr Vater und ihr Bruder hingerichtet wurden. 

Zu viel für jemanden, der in einem friedlichen, wohlhabenden Land aufgewachsen ist? Ja, vielleicht. Sich vorzustellen, das Gleiche durchleben zu müssen wie die hier Interviewten, ist ehrlich gesagt zu viel für meinen Verstand und vor allem mein Herz. Aber manche von uns müssen mit dem Vorschlaghammer lernen, warum seit Monaten 100.000e Menschen nach Europa strömen. Wenngleich ich zu behaupten wage, dass ja gerade die ignorantesten Menschen mit den größten Vorurteilen nicht zu diesem Buch greifen werden... 

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Verlag Kremayr & Scheriau für dieses Rezensionsexemplar!

Montag, 9. November 2015

Überraschungspost: Die LovelyBox

Am Freitag bekam ich die Mitteilung, dass ein Paket in der Packstation für mich bereit liegt. Ein Paket? Ich erwarte doch gar nichts? Auch die Paketnummer machte mich nicht schlauer, da in der Sendungsverfolgung kein Absendeort eingetragen war.

Blöderweise kam ich vor Sonntag nicht an besagter Packstation vorbei, so dass ich zwei Tage Zeit hatte, darüber zu grübeln, was das nur sein könnte. Vielleicht ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk? Aber meine Freunde haben meine Packstationsadresse doch gar nicht... (Und normalerweise schickt mir auch niemand ein Geschenk per Post. *Wink mit dem Zaunpfahl*hust*)

Am Sonntag war es dann also so weit: Ich öffnete das Fach der Packstation und erblickte ein schönes mittelgroßes Paket. Der Absender: LovelyBooks!


Hm, hatte ich an irgendeiner Verlosung oder Leserunde teilgenommen und verpennt, dass ich was gewonnen habe? Nee, kann eigentlich nicht sein.

Also blieb mir nichts Anderes übrig, als das Paket zu öffnen. ;-) Und mir lachte eine schöne Box entgegen.


Und unter dem Deckel der Box kam Folgendes zum Vorschein:


Drei Bücher, drei LB-Lesezeichen und ein Brief, den ich natürlich ganz neugierig zuerst öffnete und las, denn ich konnte mir wirklich keinen Reim darauf machen, wieso man gerade mir einfach so eine tolle Box schicken sollte. Und so erfuhr ich von einer neuen Idee, die das Team von LB gerne ab nächstem Jahr umsetzen möchte:

Die LovelyBox


Der Einfachheit halber habe ich euch mal den Brief abgedruckt, damit ihr selbst lesen könnt, was sich das Team so ausgedacht hat.



Ich muss ehrlich sagen, ich habe davon vorher noch nie gelesen (Wurde sie denn schonmal erwähnt auf LovelyBooks???). Mir sind bislang auch nur die Infos aus diesem Brief bekannt. Ich finde das Konzept sehr interessant! Natürlich kenne ich diese Kosmetikboxen von Drogeriemärkten (Glossybox und wie sie alle heißen), wäre wohl aber nie selbst darauf gekommen, das auch mit Büchern zu machen.

Manche grübeln nun, ob man die LovelyBoxen dann zu einem vergünstigten Preis erhält. Ich wiederum hätte beim Durchlesen eher darauf getippt, dass diese verlost werden. Aber eigentlich wird ja auf LB soooo viel schon verlost, dass das ja schon der Hammer wäre. Vielleicht also doch eine Aktion, um günstiger an Bücher ranzukommen?

Dass man sie thematisch herausgibt, halte ich für sehr vernünftig. Denn in einer gemischten Box wird es wohl immer ein, zwei Bücher geben, die den Geschmack des Adressaten nicht treffen. Vielleicht ist es ja auch so gedacht, dass nur das Thema vorgegeben wird und man quasi die Katze im Sack kauft für einen Einheitspreis? Z. B. 20 € für eine Box mit drei Neuerscheinungen zu diesem und jenem Thema. Sowas könnte ich mir gut vorstellen.

Ach ja, ich hatte gar nicht erwähnt, welche Bücher drinwaren: Bei dem ersten Buch, das mir ins Auge stach, hab ich gleich losgekiekst, denn "Einen Scheiß muss ich" von Sean Brummel alias Tommy Jaud wollte ich soooo gerne lesen, hatte aber bei der Leserunde kein Glück! Auch "Auf Zehenspitzen berühre ich den Himmel" von Amanda Prowse hatte ich schon entdeckt und vorgemerkt, denn die Geschichte klingt sehr schön. Der neue Thriller "Das Joshua-Profil" von Sebastian Fitzek ist Neugebiet für mich, da ich ja bislang keine Thriller gelesen habe. Aber wenn es mir schon so lieb ins Haus flattert, sollte ich mich vielleicht doch mal an Fitzek wagen, oder?


Wie gesagt war diese Box die totale Überraschung, scheinbar wurden wirklich rein nach dem Zufallsprinzip LB-Mitglieder (evtl. vornehmlich Blogger?) ausgewählt, die diese Box erhielten. Ich habe mich jedenfalls riesig gefreut, denn einfach mal so Überraschungs-Buchpost kriege ich normalerweise nicht. :-) Also an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an LovelyBooks - oh ja, die Überraschung ist euch tatsächlich gelungen, liebe Marina! :-)

Und nun seid ihr gefragt: Was meint ihr zu dieser Idee? Wie stellt ihr euch das Ganze vor? Fändet ihr die LovelyBox attraktiv, auch wenn sie Geld kosten würde? Falls ja, wieviel Ersparnis würdet ihr euch wünschen? Oder vielleicht zum normalen Preis, aber dafür mit ein paar schönen Goodies verfeinert? Oder so wie von mir vorgeschlagen als Überraschung, welche Bücher letztendlich drin sind? Oder wäre sie nur als Gewinn interessant? Aber was wäre dann der Unterschied zu den normalen Buchpaketen, die man ab und zu gewinnen kann? Hach ja, Fragen über Fragen. :-) Ich freue mich auf eure Meinungen!

Sonntag, 8. November 2015

Rezension: "Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt" von Nicola Yoon

Daten zum Buch:
erschienen am: 17. September 2015
Verlag: Dressler
ISBN: 9783791525402
336 Seiten
Preis: 16,99 € (HC)
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Zum Inhalt:
Die 18jährige Maddy leidet an SCID, einem seltenen Immundefekt, durch den sie schon bei der kleinsten Berührung mit Keimen sterben kann. Deshalb hat sie ihr Leben lang nicht das Haus verlassen und fristet ihr Dasein zwischen Fernunterricht und Spieleabenden mit ihrer Mutter, einer alleinerziehenden Ärztin. Nur wenige Menschen dürfen Maddy unter strengen hygienischen Auflagen besuchen.

Maddy hat sich in ihr "SCID-Gefängnis" eingefügt und ist trotzdem ein lebensbejahender Mensch geblieben, wenngleich ihr etwas fehlt. Als dann im Haus gegenüber der geheimnisvolle Olly einzieht, entwickelt sich aus anfänglichen Chats eine tiefe Verbundenheit. Dank Maddys Krankenschwester Carla können sich die Teenager regelmäßig sehen, wenngleich sie sich nicht berühren dürfen. Doch als diese heimlichen Treffen auffliegen und Maddys Mutter den Kontakt zu Olly komplett unterbindet, merkt Maddy, dass sie mehr will, als ihr ganzes Leben zwischen weißen Wänden zu verbringen...

Meine Meinung:
Als ich dieses Buch erhielt, gab es bereits viele lobende Stimmen, die sich beinahe überschlugen, wie toll und berührend die Geschichte ist. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Und ja, sie wurden erfüllt, aber mit Einschränkungen.

Das Buch liest sich sehr schnell durch die kurzen Kapitel. Die verschiedenen "Arten" der Erzählung (Chats, Mails, Lexikoneinträge etc.) machen das Ganze abwechslungsreich und noch lebendiger.

Die Geschichte wird aus Maddys Sicht erzählt. Obwohl sie nicht das Haus verlassen darf und die Welt draußen nur über das Internet und aus ihrem Zimmerfenster beobachten kann, macht sie wirklich das Beste aus ihrer Situation. Eine große Hilfe sind ihr hierbei auch ihre Pflegerin Carla und ihre Mutter, mit der Maddy ein sehr inniges Verhältnis hat.

Maddy war mir von Anfang an sympathisch, und man wünscht sich für sie, dass ein Wunder geschehen möge und sie endlich ein normales Leben führen darf. Auch Olly ist ein liebenswerter Junge, der trotz Maddys "Handicap" alles tut, um ihr Herz zu erobern und mit ihr zusammen sein zu können. Die aufkeimende und dann intensive Liebe zwischen den beiden ist wirklich etwas Besonderes und regelrecht beneidenswert.

Mit der Wendung im letzten Teil ist der Autorin eine Überraschung gelungen, denn ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass sich die Geschichte so entwickelt, wenngleich es schon vorher ein paar Hinweise gab.

Alles in allem war es ein kurzweiliges Buch, das ich gerne gelesen habe. Aber wenn ich an die sich überschlagenden Rezensionen anderer Leser denke, muss ich ehrlich sagen, dass mich "Du neben mir" nicht in meinem tiefsten Inneren berührt hat und ich nicht total überwältigt bin von der Geschichte und den Emotionen darin. Eine gewisse Distanz blieb einfach zwischen mir und Maddy, die ihre Gefühle manchmal richtig nüchtern formulierte. Und auch Olly wäre kein Junge, in den ich persönlich mich verlieben könnte. Ich denke, dass die Charaktere und ihre Gefühlswelt die eigentliche Zielgruppe, also Jugendliche, noch einen Ticken mehr ansprechen als mich als Erwachsene. Es ist aber auf alle Fälle ein schönes Buch mit einer interessanten Story und zwei liebenswerten Protagonisten.

4 von 5 Schreiberpaletten




Vielen Dank an "Was liest du?" für dieses Rezensionsexemplar!

Montag, 2. November 2015

Rezension: "Pikkolo und Panettone. Famiglia Maiotti tischt auf" von Astrida Wallat

Daten zum Buch:
erschienen am: 12. Oktober 2015
Verlag: Atlantik
ISBN: 9783455650662
288 Seiten
Preis: 14,99 € (SC)
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Zum Inhalt:
Familie – Fluch und Segen zugleich. Das denkt sich auch Dauersingle Anna Maiotti. Die ruhige, 23jährige Zahnarzthelferin lebt zusammen mit ihren Eltern, ihrer launischen Schwester Maura und den italienischen Großeltern unter einem Dach. Hier ist immer was los, und ganz besonders zur Weihnachtszeit, wenn auch der Rest der Verwandtschaft eintrudelt! Denn nicht alle in der italienisch-fränkischen Familie sind sich wohlgesonnen.

Während daheim in der Küche das Chaos und die Frauen der Familie um die Vorherrschaft am Herd toben, leidet Maura an Liebeskummer. Auf dem Weihnachtsmarkt geht Nonna verloren, dafür trifft Anna den sympathischen Peter, der zukünftig noch öfter ihre Wege kreuzen wird. Nebenbei soll sie noch ihren 8jährigen Patensohn Ugolino bespaßen und deckt zufällig ein Familiengeheimnis auf – mit ungeahnten Folgen... 

Meine Meinung:
Eins ist schonmal klar: Bei Familie Maiotti wird es sicherlich nie langweilig! Genauso turbulent wie das Familienleben der italo-fränkischen Meute ist auch Astrida Wallats Schreibstil: Sehr lebendig, spritzig und lustig, dabei aber auch immer eloquent und nicht ins Klamaukige abdriftend. Dementsprechend liest sich das Buch angenehm und flott.

Die Geschichte wird aus Annas Sicht erzählt, die mir auf Anhieb sympathisch war. Im Gegensatz zu den anderen Frauen in der Familie – allen voran Maura und Nonna – ist sie eher ruhig und wirkt sehr vernünftig. Nur manchmal dachte ich mir, dass sie öfter mal ganz schön lange auf dem Schlauch steht. Die restlichen Familienmitglieder haben alle ihre eigenen Charaktere und sind meist liebenswürdig bis skurril. Echte Bad Boys gibt es hier nicht, nur ein paar spießige Deutsche wie Oma Lieselotte und die schwäbischen Nachbarn mit ihrer Kehrwoche. Aber selbst diesen Spielverderbern kann man noch Gutes abgewinnen.

Ein paar Klischees müssen einfach sein, sie kommen ja nicht von ungefähr. Hier gibt es sowohl die typischen Italiener als auch die typischen Deutschen. Es gab aber auch ein paar erfreuliche Details, die sich für mich von anderen, oft in Romanen mit weiblicher Protagonistin zu findenden Stereotypen abhoben. So fand ich es erfrischend, dass Anna einen stinknormalen Beruf ausübt und nicht Journalistin/PR-Frau/Innenarchitektin etc. ist. Und dass Schwester Maura die in Liebesdingen erfolgreichere Schwester ist, obwohl sie übergewichtig ist und Anna schlank. Oder dass der schweigsame Nonno Tarotkarten legt, was ich eher der Großmutter zugetraut hätte.

Wer Italienisch lernen will, ist hier gut bedient, denn die bilinguale Familie Maiotti lässt viele italienische Wörter und Redewendungen fallen. Keine Sorge, diese werden auch immer noch in deutscher Übersetzung wiedergegeben, entweder wortwörtlich oder sinngemäß, so dass es kein Nachteil für den Leser ist, der des Italienischen nicht mächtig ist. Man muss sich für die Lektüre also nicht mit dem Wörterbuch bewaffnen.

Dafür sollte man aber kein Problem mit haarsträubenden Zufällen haben, denn gerade im letzten Drittel wird es sehr turbulent, und hier entwickelt die Geschichte dann eine kuriose Eigendynamik, man möchte fast sagen, hier sind mit der Autorin nochmal die Gäule durchgegangen. Dafür ist es dann aber auch saukomisch.

Übrigens darf man nicht auf Diät sein, wenn man dieses Buch liest, denn vor allem Nonna wartet hier mit köstlichen italienischen Spezialitäten auf. Hier wird viel gekocht und verspeist, so dass es schwerfällt, beim Lesen keinen Hunger zu bekommen.

„Pikkolo und Panettone“ ist eine herrlich komische Familienkomödie mit viel italienischem Charme, die von ihren liebenswürdigen Charakteren und vielen Verwicklungen und Zufällen lebt. Die Liebesgeschichte um Anna und Peter rückt hier eindeutig in den Hintergrund, hier geht es ganz klar um la famiglia. Es macht richtig Spaß, sich unter die Maiottis zu mischen, und ja, man wird auch etwas neidisch, dass man selbst nicht mit solch einer Familie gesegnet bzw. verflucht ist. Ich könnte mir dieses Buch auch gut als turbulente Familienkomödie im Fernsehen vorstellen.

Und wer nicht genug von Anna und ihrer Sippe bekommen kann: Eine Fortsetzung ist laut Autorin bereits in Planung.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Atlantik-Verlag für dieses Rezensionsexemplar und an die Autorin für die intensive Betreuung der Leserunde!