Montag, 25. Januar 2016

Rezension: "Der Pfau" von Isabel Bogdan

Daten zum Buch:
erschienen am: 18. Februar 2016
Verlag: KiWi
ISBN: 9783462048001
256 Seiten
Preis: 18,99 € (HC)
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Zum Inhalt:
Lord und Lady McIntosh betreiben in den schottischen Highlands ein rustikales Anwesen, das seinen Pensionsgästen viel Natur, aber eher wenig Komfort bietet. Neben den beiden treuen Angestellten Aileen und Ryszard treibt sich auf dem weitläufigen Gelände noch jede Menge wildes Geflügel herum. Einer der männlichen Pfaue geht plötzlich aus unerklärlichen Gründen auf alles los, was blau ist.

Zur gleichen Zeit hat sich eine Gruppe Londoner Banker zu einem Teambuildingseminar über das Wochenende einquartiert. Während Lord und Lady versuchen, die vom verrückt gewordenen Pfau verursachten Schäden am blauen Wagen der Chefin zu vertuschen, arbeitet eine junge Psychologin unermüdlich daran, die inhomogene Gruppe einander näher zu bringen. Doch dies ist leichter gesagt als getan. Und dass plötzlich der Winter hereinbricht und alle auf dem Anwesen eingeschneit werden, ist für die Harmonie auch nicht unbedingt förderlich.

Meine Meinung:
Der Schreibstil ist eloquent und flüssig zu lesen. Anfangs fand ich es recht ungewohnt, dass in dem Buch keine wörtliche Rede vorkommt; es gibt tatsächlich nur die indirekte Rede. Entgegen meinen Erwartungen fand ich das aber nicht störend.

Der Humor dieses feinen Büchleins ist recht subtil. Ob es der typisch britische Humor ist, kann ich nicht beurteilen, da ich mit diesem eher selten in Berührung komme. Aber mir hat er gut gefallen, da er weder albern noch angestrengt wirkt.

Neben den liebenswürdigen Lord und Lady McIntosh mit den beiden ebenfalls sympathischen Hausangestellten Ryszard und Aileen sowie ihrem wilden Geflügel geht es hier vorrangig um die Gruppe Londoner Banker unter Leitung der toughen  Liz. Die verschiedenen Charaktere  werden gut skizziert, und es ist für jeden Liebhaber von Stereotypen was dabei. Zum Beispiel der Spaßvogel, der alles toll findet und die Teamaufgaben mit Elan angeht; der ewige Nörgler, der sich den Gruppenübungen verweigert; oder der freundliche, zurückhaltende, eher unscheinbare junge Kollege. Neben den Bankern gibt es noch die patente Köchin, die kulinarische Meisterwerke kreiert und bei Problemen zupackt, statt zaudert sowie die junge Psychologin, die bald feststellen muss, dass bei dieser inhomogenen Gruppe  ein Teambuildingseminar nach Schema F nicht funktionieren wird. Gerade dieser Handlungsstrang ist am Amüsantesten zu lesen, vor allem wohl für Leute, die bereits selbst an solchen Seminaren teilnehmen mussten. Auch ich kam schon zweimal in den zweifelhaften Genuss und kannte die eine oder andere Szene, wenn auch in abgewandelter Form.

Im Endeffekt spielt der titelgebende Pfau eine untergeordnete Rolle, zumal er leider nicht bis zum Ende des Buches mitspielen darf. Er ist aber sozusagen Bindeglied zwischen den verschiedenen Gruppen (Besitzer, Angestellte, Gäste) und sorgt als roter Faden durch die Geschichte für viel Wirbel. Es gibt viele Missverständnisse, doch sind diese an und für sich nicht so schwerwiegend, dass sie eine Katastrophe heraufbeschwören könnten. So geht es eher um lustige, harmlose Irrungen und Wirrungen. Der große Knall oder das große Drama bleiben hier ebenso sehr aus wie große Emotionen. Eben very british unaufgeregt, was aber einen gewissen Charme hatte.

Alles in Allem ist „Der Pfau“ ein kurzweiliges, amüsantes Lesevergnügen, das nicht nur Großbritannien-Fans ansprechen dürfte. Isabel Bogdans Debüt als Romanautorin ist auf jeden Fall geglückt – und das, wo Pfauenfedern doch eigentlich Unglück bringen sollen!

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Vorablesen.de für dieses Rezensionsexemplar!

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