Sonntag, 27. März 2016

Rezension: "Uebel unterwegs. Skurriles und Bemerkenswertes vom Landweg Hamburg-Shanghai" von Tina Uebel

Daten zum Buch:
erschienen am: 7. März 2016
Verlag: Delius Klasing
ISBN: 9783667104724
256 Seiten
Preis: 19,90 € (HC)
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Zum Inhalt:
Auf der Achse der Schlümpfe in Teheran und allein unter Springbrunnen in Ashgabat, mit Mission Plov in Usbekistan und, in kompakte Yogastellung "Der Maxibrief" gefaltet, per Nachtzug nach Kasachstan: Die Schriftstellerin Tina Uebel reiste in zwei Monaten auf dem Landweg von Hamburg nach Shanghai, durch Balkan, Türkei, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan und China.

"Uebel unterwegs" erzählt von bewegenden und berückenden Begegnungen, von tangotanzenden Türken, Subversion und Seitenscheiteln in Teheran, Maschader Schreckschrauben, chinesischen Poeten und den Wundern der turkmenischen Post, allerlei Weltkulturerbe und davon, wie es ist, ein beliebteres Fotomotiv als ebendieses zu sein. Und nicht zuletzt von der stets an der Autorin gestellten Frage, ob die Deutschen glücklich wären... Was zumindest auf die Leser dieses ebenso mitreißenden wie hintergründigen Reiseberichts zutreffen wird.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Tina Uebel ist ein richtiges Allround-Talent. Sie schreibt nicht nur Romane und Reisebücher und bloggt, sondern ist auch noch unter anderem Clubbesitzerin auf St. Pauli und Poetry-Slam-Organisatorin.

Ihr Repertoire an Expeditionen ist beeindruckend und weit entfernt vom üblichen Pauschaltourismus. Kein noch so exotisches Land ist vor ihr sicher, egal, wie anstrengend und abenteuerlich der Reiseweg auch sein mag. Als sie ein Schriftsteller-Stipendium in Shanghai erhält, setzt sich Tina Uebel deshalb auch nicht einfach in ein Flugzeug und fliegt direkt nach China - nein, sie will die komplette Strecke auf dem Landweg zurücklegen. Und das tut sie auch trotz aller Widrigkeiten!

Uebels Reiseerlebnisse wurde damals im Jahr 2010 online in Blogform veröffentlicht. Wieso es fast 6 Jahre gedauert hat, bis er nun auch in Buchform vorliegt, weiß ich nicht. Manche der Gegebenheiten, die die Autorin vor Ort vorgefunden hat, mögen sich in manchen Ländern wohl mittlerweile geändert haben (Infrastruktur, Politik,...), aber das muss den Lesespaß ja nicht trüben.

Uebels Schreibstil ist eloquent und mit viel Humor gespickt. Er bietet teilweise eine regelrechte Sprachexplosion ganz im Stil des Poetry Slams und ist sehr bildhaft.
"Mir ist zu heiß, ich bin zu durstig, alles ist zu unbequem und ich bin happy. Wie ich hier sitze, kurz vor der letzten Kontrolle, die mich nach Usbekistan bringen wird. Seht mich auf Google Earth, zoomt immer näher ran von der Gesamtansicht unseres runden Planeten, da, das Kreatürchen auf dem Kantstein zwischen Turkmenistan und Usbekistan, das bin ich, trotz starker Verstaubung und detailschwacher Auflösung sollte man erkennen, wie gut es mir geht. Einen Moment wie diesen will ich mir in Gießharz gießen. Als Briefbeschwerer für lausige Tage." (S. 116)
In Tagebucheinträgen bereist man mit der Autorin also sieben Länder von Bulgarien nach China, und hier gilt: Der Weg ist das Ziel. Uebel ist mutig und geht unbekümmert und vorurteilsfrei auf fremde Kulturen und Menschen zu. Ihr vorrangiges Interesse gilt nicht den Landschaften und Sehenswürdigkeiten, sondern den Leuten, die ihre Wege kreuzen. Und tatsächlich sind vor allem die Gespräche mit Mitreisenden und Einheimischen oft das Spannendste an ihren Reiseepisoden.

Mit der Autorin reist der Leser entspannt durch die noch so irrwitzigsten Situationen. Sie versprüht auch in Situationen, in denen ich bereits heulend und fauchend die Reise abbrechen würde, einen bewundernswerten "Hakuna Matata"-Charme. Hilfreich ist sicherlich nicht nur ihre unbändige Lust auf Neues, sondern auch eine gehörige Portion Humor. Trotz der frechen Art, in der sie von ihrer Reise berichtet, ist sie voller Respekt und Ehrfurcht vor den Ländern, Menschen und Kulturen, die sie kennenlernen darf. Bereits im Vorwort blieb ich an folgenden weisen Worten hängen:
"Ich denke, Freiheit ist, wahrscheinlich, wie Licht. Man bemerkt sie erst in ihrer Abwesenheit. Ich denke, wüssten wir, wie glücklich wir sind, wir ertaubten unter dem permanenten ohrenbetäubenden Jubelgeschrei, das durchs Land gellte. Aber was weiß ich schon, ich denke, ich weiß nicht viel, deshalb reise ich, in der Hoffnung, vielleicht ein klein bisschen weniger dumm zurückzukehren. Ich kann reisen, ich habe den Pass, es zu tun, und gedenke davon ausgiebig Gebrauch zu machen, in Demut und Dankbarkeit, in einer unermesslich großen Welt, die sich in bloß sieben Wochen per Bahn schon halb durchqueren lässt."
Dank Tina Uebel durfte ich neue, teilweise mir bislang unbekannte Länder bereisen und interessante Menschen kennenlernen. Ich kann ihre lebendigen, bildreichen und witzigen Reiseberichte wärmstens empfehlen.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Vorablesen.de für dieses Rezensionsexemplar!

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