Donnerstag, 5. Mai 2016

Rezension: "Aron und der König der Kinder" von Jim Shepard

Daten zum Buch:
erschienen am: 21. Januar 2016
Verlag: C.H. Beck
ISBN: 9783406689598
270 Seiten
Preis: 19,95 € (HC)
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Zum Inhalt:
Aron ist eine Katastrophe auf zwei Beinen. Nichts will ihm so recht glücken und alles macht er kaputt. Doch halb Tom Sawyer, halb Simplicius - er ist ein guter Kerl.

Um ein vernünftiger Erwachsener zu werden bleibt ihm kaum Zeit. Denn seine jüdische Familie zieht nach Warschau, die Deutschen überfallen Polen und die Juden werden ins Ghetto gepfercht. Er freundet sich mit einer Gruppe Jugendlicher an, die für sich und ihre Familien ums Überleben kämpfen, schmuggeln und stehlen. Verrat und Tod lauern jederzeit.

Als der berühmte Arzt und Pädagoge Janusz Korczak Aron in sein Waisenhaus aufnimmt, beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft, die den Jungen verändert und beide über sich hinauswachsen lässt.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Der Roman wird aus Sicht des jungen Aron erzählt. Er ist ein kleiner Taugenichts, da er viel Blödsinn anstellt und seinen Eltern mehr Kummer als Freude bereitet. Im Ghetto wird er ein echter Überlebenskünstler und schließt sich mit Lutek, Boris, Adina und Zofia zu einer Schmugglerbande zusammen. Das Leben zwingt die Jugendlichen dazu, kriminell zu werden, jedoch hatte ich vor allem bei Boris und Lutek das Gefühl, dass hier bereits schon vor dem Einmarsch der Deutschen viel kriminelle Energie vorhanden war. Die beiden hatten kein Mitleid für irgendwen und hätten genauso gut auf die andere Seite, die der Täter, gepasst. Die Bande war mir deshalb auch von Anfang an umsympathisch. 

Aron mochte ich anfänglich nicht. Er ist zwar nicht so herzlos wie Boris und Lutek, aber auch nicht wirklich sympathisch. Hierzu trug sicherlich auch der nüchterne Erzählstil bei, in dem er das entbehrungsreiche Leben und später auch die von ihm beobachteten Gräuel wie Erschießungen relativ emotionslos schildert. Dadurch werden die Agierenden und auch der Protagonist auf Distanz zum Leser gehalten. Erst als Aron ganz alleine ist und auf Korczak trifft, wirkt er viel verletzlicher und unschuldig wie das Kind, das er noch immer ist. Erst hier konnte mich die Geschichte abholen, vorher habe ich sie recht emotionslos heruntergelesen.

Die Geschichte gewinnt viel durch den Auftritt des Waisenhausleiters Korczak. Dieser ist eine faszinierende Persönlichkeit, die auch wirklich damals gelebt hat und nicht vom Autor erfunden wurde. Korczaks Hingabe für seine Waisenkinder war beeindruckend und rührend. So ging er mit den Kindern freiwillig ins Vernichtungslager und somit in den Tod, statt das Angebot anzunehmen und sich selbst zu retten.

Das Leben im Ghetto und die menschenunwürdigen Lebensumstände werden eindringlich und realistisch wiedergegeben und lösen beim Lesen Beklemmungen aus. Jegliche Menschlichkeit geht unter den Ghettobewohnern nach und nach verloren, Opfer werden Täter, es zählt das nackte Überleben, das Recht des Stärkeren. Man bekommt ein gutes Gefühl dafür, wie schlimm das Leben dort war, wie gefährlich, entbehrungsreich und menschenunwürdig.

Ich habe ja schon viele Bücher über den Holocaust gelesen, in der Regel Zeitzeugenberichte und Sachbücher, so dass die Erlebnisse von Aron und den jüdischen Bewohnern des Ghettos mich nicht mehr erschrecken konnten. Dennoch ist diese mehr oder weniger fiktive Geschichte beklemmend und erschütternd und ließ mich traurig zurück.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Verlag C.H. Beck für dieses Rezensionsexemplar!

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