Sonntag, 3. Juli 2016

Rezension: "Seit ich dich gefunden habe" von Kat French

Daten zum Buch:
erschienen am: 10. Juni 2016
Verlag: Mira Taschenbuch
ISBN: 9783956495755
348 Seiten
Preis: 9,99 € (TB)
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Zum Inhalt:
Honey ist eine fröhliche junge Frau, die mit ihrem Leben eigentlich ganz zufrieden ist. Ihre Freundinnen Tash und Nell sind sich jedoch sicher: Zu Honeys Glück fehlt noch der passende Mann. Und da Honey noch nie einen echten Orgasmus hatte, sollte es am besten einer mit geschickten Fingern sein.

Hal ist Honeys neuer Nachbar. Er ist nicht nur blind, sondern vor allem ein echter Stinkstiefel mit einem unübersehbaren Alkoholproblem. Trotzdem findet Honey ihn unwiderstehlich. Eine seltsame Freundschaft entsteht, in der regelmäßig die Fetzen, aber auch Funken fliegen. Doch Hal hat ein Geheimnis, denn er war vor dem Unfall, der sein Leben verändert hat, ein ganz anderer Mensch.

Meine Meinung:
"Seit ich dich gefunden habe" ist einer dieser Liebesromane, bei denen ich nicht sicher bin, wie ich sie bewerten soll. An und für sich hat mich der Roman gut unterhalten, andererseits habe ich zahlreiche Kritikpunkte.

Erst vor kurzem habe ich Jo Platts "Die Bücherfreundinnen" gelesen und einige Parallelen gefunden. So gibt es auch hier die gutaussehende Single-Frau, die eigentlich total happy mit ihrem Leben ist, aber halt bislang Pech in der Liebe hatte. Deshalb wird sie gegen ihren Willen von ihren Freundinnen zu verschiedenen Blind Dates genötigt. Das Aufeinandertreffen der Mädels geht niemals ohne die obligatorische Pulle Wein von Statten, und am Wochenende gibt man sich auch schonmal mittags die Kante. Ist das eigentlich so ein englisches Ding, sich permanent einen hinter die Binde zu kippen?

Kein Wunder, dass Honey - wenn auch zähneknirschend und teilweise mit schlechtem Gewissen - brav für Hals Alkoholnachschub sorgt, obwohl der Gute ein ganz klares Suchtproblem hat...

Honey heißt übrigens eigentlich Honeysuckle. Ich muss zugeben, dass mich dieser Name total genervt hat. Honeysuckle ist das englische Wort für "Geißblatt" oder "Heckenkirsche". In meinen (deutschen) Ohren klingt der Name aber eher wie der Künstlername einer Stripperin oder Prostituierten...

An und für sich war mir Honey ansonsten wirklich sympathisch. Sie ist eine vernünftige, hilfsbereite und fürsorgliche Person, die sich selbst zurücknimmt. Obwohl Hal nicht garstiger zu ihr sein könnte, hilft sie ihm immer wieder aus. Zentral und rührend war ihre enge Freundschaft zu Mimi und Lucille, zwei über 80jährigen Einwohnerinnen des Seniorenheims, in dessen angegliedertem Wohlfahrtsladen sie arbeitet.

Die Bewohner des Heims sorgen für einen weiteren Handlungsstrang, der meines Erachtens in die ansonsten etwas zähe Liebesgeschichte mehr Schwung gebracht und für Abwechslung gesorgt hat. Die lange Szene mit der Demo vor dem Seniorenheim, als die Schließung droht, brachte noch rechtzeitig frischen Wind in die Geschichte, als ich gerade ein bisschen genervt von Hal und Honey war.

Zur Beziehung zwischen Hal und Honey: Natürlich ist bereits beim Klappentext klar, dass die anfängliche Antipathie nicht lange anhält. Aber das ständige Herumgefummel zwischen den beiden, nur damit Hal Honey im nächsten Moment wieder von sich stößt, war irgendwann nichts Neues mehr.

Dann die Jagd nach dem ersten Orgasmus. Vielleicht klinge ich spießig, aber in diesem Roman hätte ich mir weniger Getue umd das Thema "Sex" gewünscht, ich fand es unpassend, und die Liebesgeschichte hätte meiner Meinung nach auch ohne diesen Teil gut funktioniert. Honeys Freundinnen sind immer für sie da und solche Menschen wünscht sich wohl jeder in seinem Leben. Aber sie sind auch der Meinung, ihr ständig irgendwelche Typen anschleppen zu müssen, die nichts bieten müssen, außer dass sie Klavier spielen können, da das ja vermutlich reicht, um Honey endlich ihren ersten Orgasmus zu bescheren, obwohl diese gar nicht der Typ dafür ist, mit Fremden gleich in die Kiste zu springen. Zudem entwickelt sich die prüde Nell plötzlich zusammen mit ihrem biederen Ehegatten zum sextollen Paar, das sich in jeder freien Minuten mit seinen Sexspielzeugen beschäftigt, während die oberflächliche Tash, die ihre Bettgefährten nach dem Kontostand aussucht, mal so nebenbei monogam wird. Also irgendwie war mir das ja ein bisschen zu blöd... Und auch die intimen Szenen zwischen Hal und Honey wirkten auf mich etwas gewollt und angestrengt erotisch.

Zu guter Letzt noch die kurze Anmerkung, dass das Buch viele Fehler enthält, die zwar nicht so gravierend sind, dass sie den Lesefluss stören, aber hier könnte man doch nochmal einen Lektor drüberschauen lassen.

Alles in Allem ist "Seit ich dich gefunden habe" leichte Unterhaltung, die sich gut weglesen lässt. Die Geschichte um Honey und Hal war ganz nett, und es war auch schön mitzuerleben, wie sich vor allem Honey positiv entwickelt hat. Aber für mich haben es vor allem die älteren Akteure in dem Buch herausgerissen. Ansonsten hinterlässt "Seit ich dich gefunden habe" leider keinen bleibenden Eindruck bei mir.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an und den mtb-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

1 Kommentar:

  1. Ich kann deine Kritik sehr nachvollziehen, ich fand es insgesamt auch schön, hatte aber einiges, was mich gewurmt hat. Mit Hal wurde ich nicht so recht warm, sein Verhalten war meist einfach nur beleidigend.

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