Freitag, 7. Oktober 2016

Blogtour: "Glimmernächte" von Beatrix Gurian - Schloss Ravensholm


Willkommen zur Blogtour zu Beatrix Gurians neuestem Jugendroman "Glimmernächte", die heute bei mir Station macht.

Der aufmerksame Leser weiß, dass das Buch (größtenteils) in Dänemark auf einem Schloss spielt. Dorthin zieht die Protagonistin Pippa mit ihrer Mutter Anna und ihrem kleinen Bruder Matteo, nachdem Anna den deutschstämmigen Grafen Frederik von Raben geheiratet hat.

Schloss Ravensholm


Schloss Ravensholm ist - leider - ein fiktives Gebäude, aber wir wollen einfach mal versuchen, es zum Leben zu erwecken. :-)

Auf Seite 14 erfahren wir, dass das Schloss im siebzehnten Jahrhundert erbaut wurde, aber später bis auf die Grundmauern abgebrannt ist. Die Familie von Raben hat es daraufhin vor 200 Jahren wieder aufgebaut.

Als Pippa das Schloss zum ersten Mal sieht, ist sie tief beeindruckt.
"Eine Allee aus weiß blühenden Ebereschen begrenzte die mit hellem Kies bestreute Straße. In weiten Serpentinen führte sie hoch zu einem bewaldeten Hügel und endete vor einem Palast, wie ihn Pippa bisher nur aus Märchenfilmen und amerikanischen Serien kannte. Es war ein lang gestreckter mächtiger zweistöckiger Bau mit Fenstern im Erdgeschoss, die so hoch waren wie in Berlin drei Etagen. In der Mitte und symmetrisch davon je rechts und links ragten die Dachgiebel wie große verzierte Dreiecke bis weit in den Himmel und die Eingänge waren mit säulenverzierten Vorbauten geschmückt. Das Schloss war nicht aus rotem Ziegelstein erbaut wie die Häuser, die Pippa in Aalborg und auf dem Weg hierher gesehen hatte, sondern aus weißem Stein, der im Licht des späten Nachmittags schimmerte, als wäre er aus rotem Gold. Zu dem Haupteingang in der Mitte führte eine breite Treppe mit niedrigen Stufen..." (S. 24)
Hier muss ein bisschen Fantasie vorhanden sein, um sich das Schloss richtig vorzustellen. Ich habe leider nichts Vergleichbares gefunden und weiß auch nicht, ob die Autorin ein bestimmtes Schloss als Vorbild hatte. Wenn man sich nicht an Details aufhängt, könnte ich mir vorstellen, dass Ravensholm ungefähr so aussehen könnte wie diese beiden dänischen Schlösser:

Schloss Kokkedal in Horsholm
(c) http://www.visitdenmark.co.uk

Schloss Marselisborg in Aarhus
(c) http://www.visitdenmark.de

Der Irrgarten mit Freimaurerturm


Eine Rolle spielt auch der Irrgarten. Von Pippas Stiefschwester Kirsten erfahren wir, dass der prächtige Schlossgarten von Ravensholm nach dem Vorbild von Louisenlund in Schleswig, genauer gesagt in der kleinen, von Schleswig acht Kilometer entfernten Gemeinde Güby, angelegt wurde. 

Schloss Louisenlund wurde von dem Landgrafen und Statthalter Carl von Hessen ab 1770 als Sommerresidenz errichtet. Er war mit einer dänischen Prinzessin namens Louise verheiratet, die für das Schloss namensgebend war und das Gut als Geschenk des dänischen Königs mit in die Ehe brachte. Seit 1949 wird Schloss Louisenlund als Internat und Ganztagsgymnasium genutzt, ist aber weiterhin für Besucher zugänglich.

Luftaufnahme von Schloss Louisenlund
(c) http://www.louisenlund.de

Carl von Hessen war Mitglied der dänischen Freimaurerloge und ein führender Logenbruder. Dieser Aspekt ist in Verbindung mit dem Park besonders interessant, da die Freimaurer ja auch eine große Rolle in dem Buch spielen. Von Hessen ließ den Schlossgarten im englischen Stil und außerdem nach freimaurerischen Vorstellungen anlegen. So gab es dort z. B. einen symbolischen „Weg der Erleuchtung“. Der Louisengarten ist einer von wenigen Freimaurergärten, die noch heute erhalten und zugänglich sind, und er ist Gegenstand einer Publikation des Archäologen Alf Herrmann, der ihn als "Europas bedeutendsten Freimaurerpark" bezeichnet.

Ich habe ehrlich gesagt in keinem Bericht über den Garten von einem Labyrinth gelesen, deshalb bezweifle ich, dass es ein solches wirklich gab. Sollte das aber tatsächlich der Fall gewesen sein, dann gibt es den Irrgarten zumindest heute nicht mehr und ich habe auch keine Fotos gefunden. Deshalb hier einfach mal zwei Fotos von anderen Irrgärten, die ich mir gut als Vorbilder für den Irrgarten in Ravensholm vorstellen könnte:

Labyrinth südlich von Chichester, West Sussex
(c) http://www.mazegarden.co.uk

Leider keine Infos vorhanden.


Im Garten befand sich auch ein Freimaurerturm, von dem heute nur noch Reste übrig sind. Dieser Holzturm wurde damals für regelmäßige Sitzungen der Logenbrüder verwendet. Kenner des Buches werden hier natürlich ebenfalls hellhörig, denn auch in der Geschichte gibt es einen geheimnisvollen Turm.

Alte Aufnahme des damals noch intakten Freimaurerturms in Louisenlund
(c) http://st-germain.de

Die Bibliothek


Wer von uns wünscht sich nicht seine eigene Bibliothek? Und ich glaube, die meisten von uns denken irgendwie automatisch immer gleich an diese hier, stimmt's? ;-)

Bibliothek aus Disney's "Die Schöne und das Biest"

Pippa hat jedenfalls diesbezüglich mit dem Umzug nach Dänemark echt den Jackpot geknackt, denn das Schloss verfügt über eine riesige Bibliothek, zu der sie Tag und Nacht Zugang hat!
"Der Raum war sicher fünf Meter hoch und so groß wie ein halbes Fußballfeld. Der Boden aus schwarzem Granit glänzte wie lackiert, sodass sich die Wände voller Holzregale darin spiegelten. Auf etwa drei Metern Höhe verlief eine Galerie mit einer geschwungenen Holzbrüstung. Pippa betrachtete staunend Bücherrücken, die teilweise aussahen, als wären sie schon Hunderte von Jahren alt. Dazwischen gab es auch Regale mit neuen Büchern, in denen Titel standen, die sie kannte, wie eine englische Prachtausgabe von Harry Potter. In der Mitte des Raumes befanden sich Holztische mit matt schimmernden grünen Lampen und Armlehnstühle wie in amerikanischen Bibliotheken, die Pippa bisher nur in Hollywodfillmen gesehen hatte. Rechts an einer Wand voller Karteikäten standen ausladende Chesterfieldsofas aus kastanienbraunem Leder." (S. 125f.)
Nach langer Suche habe ich mich für diese Bibliothek als denkbares Vorbild entschlossen:

Bibliothek des Keszthelyer-Festetics-Schlosses in Ungarn
(c) http://helikonkastely.hu


Und falls es hier noch andere Leute gibt, die wie ich nicht wissen, wie ein Chesterfield-Sofa aussieht - wir wollen ja nicht dumm sterben. ;-)

Chesterfield-Sofa
(c) chesterfieldsofacompany.com

So, das war mein bescheidener Versuch, euch Schloss Ravensholm auch visuell näherzubringen. Was meint ihr, habt ihr euch das auch so ähnlich vorgestellt?

Kommentare:

  1. Guten Morgen!

    Kennst du schon unsere Gruppe für Blogtouren auf Facebook? Vielleicht magst du ja mal vorbeischauen? :)
    Wir halten da alles aktuell und verlinken die Beiträge, damit man immer alles im Blick hat und nichts verpasst - bei den vielen Touren verliert man ja leicht den Überblick ;)
    https://www.facebook.com/groups/981737925190683/

    Liebste Grüße, Aleshanee

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  2. Morgen schön und whahhhhhhhhhhh mega geil dein beitrag und einfach genial die bilder mal zu sehen dazu ;-)

    Bin ja echt beeindruckt und weis gar nicht was ich sagen soll- außer das man sich das jetzt eben besser vorstellen kann und das schloss echt ein traum ist und ich selber sofort dahin würde wollen um einfach nur das Feeling zu bekommen wie es dort ist und die Gänge erkunden :-D
    Die Bilder veranschaulichen es einfach echt gut und lassen einen weiter träumen :-)
    VLG Jenny

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  3. Huhu :)
    Wirklich schöner Beitrag. Das Schloss habe ich mir auch ungefähr so vorgestellt wie auf deinen Fotos.

    Liebe Grüße
    Yvonne

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  4. Welch schöne Erkundungstour und wow, ich bleib wohl in der Bibliothek hängen oder wähle unendliche Bücher und verirr mich im Irrgarten und muss dann durch den Turm wieder ausfindig gemacht werden *lol

    Schlösser haben doch immer wieder etwas geheimnisvolles, magisches und faszinierendes an sich! Und lassen selbst bei Existens noch genug Platz zum Fantasieren und Träumen! :)

    Liebe Grüße
    Elchi

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  5. Wow... was für ein schöner Beitrag. ♥
    Das hast du ganz toll gemacht.
    Der Turm und die Bibliothek gefallen mir ganz besonders :-)

    Liebe Grüße
    Wildpony Sonja

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