Mittwoch, 16. November 2016

Rezension: "Glimmernächte" von Beatrix Gurian

Daten zum Buch:
erschienen am: 1. Juli 2016
Verlag: Arena
ISBN: 9783401602165
382 Seiten
Preis: 16,99 € (HC)
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Zum Inhalt:
Pippas Begeisterung hält sich in Grenzen, als ihre Mutter Anna den reichen Grafen Frederik von Raben heiraten will, denn sie muss ihre Heimat Berlin verlassen und mit Anna und Frederik fortan auf Schloss Ravensholm in Dänemark leben.

Doch dort angekommen, wird Pippa sofort von ihrer Stiefschwester Kirsten mit offenen Armen empfangen. Und das Leben in einem herrschaftlichen Schloss scheint gar nicht sooo übel zu sein. Abgesehen von den vielen Gästen, die während der tagelangen Feierlichkeiten ebenfalls auf Ravensholm residieren. Einige von ihnen sind Pippa regelrecht unheimlich. Und was hat es mit ihrem mysteriösen Stiefbruder Niels auf sich, der in einer psychiatrischen Klinik weggesperrt ist und angeblich gefährlich ist?

Als sie dann unverhofft auf Niels trifft, fällt es ihr schwer, auf Distanz zu bleiben. Er warnt sie vor seiner Familie, und tatsächlich geschehen mit Pippa seltsame Dinge. Sie hat Halluzinationen, schläft mitten am Tag einfach stundenlang ein und kann sich danach an nichts mehr erinnern. So langsam versteht Pippa, dass ihre Familie in großer Gefahr ist und der Schlüssel zu ihrer Rettung Niels ist...

Meine Meinung:
Pippa ist eine sympathische junge Dame, die ich von Anfang an mochte. Sie ist eigentlich recht vernünftig und gescheit. Nur bei Niels wirft sie ständig jegliche Vorsicht über Bord. Bei ihm war ich dann auch etwas zwiegespalten. Vielleicht lag es daran, dass er einerseits angeblich psychisch krank und gefährlich sein soll, auf Pippa wiederum einfach nur sexy-mysteriös wirkt. Bei mir kam gar nichts davon an, und ich konnte Pippas Faszination für ihn leider nicht nachvollziehen. 

Überhaupt: Die Liebesgeschichte zwischen Pippa und Niels geschah im Hau-Ruck-Verfahren. Hier gibt es die berühmte Liebe auf den ersten Blick, und das L-Wort fällt für meinen Geschmack viel zu schnell. Am meisten nervte mich Niels' unerträgliches Süßholzgeraspel, sobald er mit seiner Pippa zusammen war. Ich versuche dies aber durch die Augen der eigentlichen Zielgruppe zu sehen: Ich denke, dass die Geschichte zwischen den beiden Protagonisten bei so mancher jugendlichen Leserin durchaus einen „Hach, wie schön!“-Effekt erzielt. Ich bin mit Mitte 30 nunmal nicht die angesprochene Altersgruppe, was ich bei dieser Kritik auch berücksichtigen möchte.

Weitere Personen wie Pippas Familie, die Familie des Grafen, die Gäste auf dem Schloss und das Personal werden gut skizziert. Irgendwie sind alle etwas seltsam bzw. haben scheinbar Dreck am Stecken (außer Pippas Familie natürlich). Allerdings lernt man keinen der Charaktere wirklich gut kennen und sie bleiben lediglich Nebenfiguren. Nur Kirsten spielt eine größere Rolle. Bei ihr hat man erst ein gutes Gefühl, doch auch hier fängt man bald an zu zweifeln, ob sie wirklich so lieb und nett ist, wie sie tut. Ich fand sie lange Zeit undurchschaubar, und für mich war sie der interessanteste Charakter in dieser Geschichte.

Pippas kleiner Bruder – ebenfalls nur eine Nebenfigur – sorgte mit seinem frechen Welpen für ein paar Lichtblicke und erheiternde Momente in der ansonsten eher düsteren Stimmung. Ich fragte mich jedoch, wieso ein Kind im Vorschulalter, dessen Mutter für einige Zeit außer Haus ist, in einem großen Schloss herumläuft, ohne dass sich jemand kümmert? Er geht scheinbar nicht in die Schule/KiTa. Auch Pippa sieht ihren Bruder nur phasenweise. Und von einer Gouvernante o.ä. ist nie die Rede. Eine weitere Sache, über die ich gestolpert bin, ist, dass Pippa alles versteht, was die Dänen sagen. Zwar beherrschen die meisten von ihnen Deutsch, aber wenn sie unter sich sind, sprechen sie doch sicherlich Dänisch miteinander - eine Sprache, die Pippa nicht beherrscht.

Der lebendige Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen, und ich flog förmlich durch die Seiten. Sie schafft es, die Spannung kontinuierlich aufrecht zu erhalten. Es passieren viele seltsame Dinge, Zusammenhänge werden erst nach und nach deutlicher, man wird ständig mit neuen Informationen gefüttert, und so ist man als Leser unaufhörlich dabei, zusammen mit Pippa die Knoten zu entwirren.

Das Setting mit einem Schloss an einem abgelegenen Ort in Dänemark war sehr passend, da es viel zur Mystik der Geschichte beiträgt. Überhaupt fließen in die Geschichte viele geheimnisumwitterte und spannende Themen ein, so werden z. B. die nordische Mythologie und Runen erwähnt. Auch ein tatsächlich existierender Geheimbund sowie ein weiteres interessantes Thema spielen hier eine große Rolle, aber diesbezüglich werde ich mich bedeckt halten, da ich sonst zu viel verrate.

Das Ende ist zwar an sich stimmig, aber ging mir dann doch nach all dem Hin und Her zu schnell. Nachdem im Buch haufenweise Spannung aufgebaut wurde, löst sich dann, wenn man glaubt, die Protagonisten seien nun wirklich in allerhöchster Gefahr, alles doch recht schnell auf. Hier hätte ich persönlich den „Showdown“ etwas länger herausgezögert und stattdessen vorher ein paar Passagen gekürzt. Außerdem fehlten mir am Schluss noch ein paar Zusammenhänge und Aufklärungen.

Die Story enthält Thriller-, Fantasy- und romantische Elemente. Ich habe das Buch trotz meiner Kritikpunkte ganz gerne gelesen und denke, dass es vor allem für die jugendliche Zielgruppe eine unterhaltsame, spannende Lektüre ist.

3,5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Arena-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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