Sonntag, 27. November 2016

Rezension: "Mainschatten" von Anja Mäderer

Das Cover zeigt die Alte Mainbrücke in Würzburg,
über die ich natürlich schon unzählige Male
geschlendert bin. :-)
Daten zum Buch:
erschienen am: 22. September 2016
Verlag: emons
ISBN: 9783954519774
288 Seiten
Preis: 11,90 € (TB)
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Zum Inhalt:
In einer renommierten Würzburger Tanzschule wird Sebastian Dreher, Tanzlehrer und Sohn der Besitzer, tot aufgefunden. Geht man anfänglich noch von einem Unfall aus, stellt sich bald heraus, dass es Mord war. Die Kommissare Nadja Gontscharowa und Peter Steiner tappen im Dunkeln, und auch die Mutter des Opfers scheint an einer Aufklärung des Falls nicht interessiert zu sein.

Da Staatsanwalt de Mancini sich in den Fall verbissen hat, soll Nadja undercover in einem Tanzkurs Freunde und Kollegen des Toten auf den Zahn fühlen. In der Tanzschule trifft sie auf Sebastians Clique, in der Eifersucht und Geheimnisse eine große Rolle spielen. Wem kann Nadja trauen und vor wem muss sie sich in Acht nehmen? Und was hat der mysteriöse Todesfall einer Tanzschülerin von vor einem Jahr mit dem Fall zu tun?

Meine Meinung:
"Mainschatten" ist Anja Mäderers zweiter Würzburg-Krimi rund um die Kommissare Gontscharowa und Steiner und ihr sympathisches Ermittlerteam. Bereits der erste Band konnte mich überzeugen, und so hatte ich mich schon sehr auf eine Fortsetzung gefreut.

Da ich selbst in Würzburg lebe, macht es mir immer viel Freude, in einem Regionalkrimi bekannte Schauplätze in Gedanken mitzulaufen, und auch hier wurde ich nicht enttäuscht und folgte den Ermittlern kreuz und quer durch meine schöne Stadt. Auch der fränkische Dialekt durfte zwar selten, aber immerhin ein paar Male zur Geltung kommen, wenngleich er sicherlich für Nicht-Franken etwas anstrengend - und amüsant! - zu lesen ist.

Die Figuren werden sehr detailliert gezeichnet. Das Würzburger Team kennt man schon aus dem ersten Teil, wobei Nadja und Peter sehr im Fokus stehen. War Nadja in "Mainleid" noch recht introvertiert und litt unter einem gebrochenen Herzen, so ist sie nun viel gelöster und zugänglicher, wodurch ich sie viel sympathischer fand. Ihr Kollege Peter hingegen ist diesmal etwas ernster. Die beiden sind durch eine enge Freundschaft verbunden, was einen Synergieeffekt erzeugt, aber in diesem Band auch zu Konfrontationen führt. Schön finde ich, dass Nadja und Peter ihre Gefühle nicht einfach ausblenden können, sondern auch mit den Opfern und ihren Familien mitleiden und sich emotional an den Fall binden. Das mag vielleicht auf den ersten Blick unprofessionell wirken, ist aber einfach menschlich und macht sie dem Leser nur noch sympathischer.

Mehr zur Geltung kommt im zweiten Band auch der Rechtsmediziner Lars Nauke, der schon in "Mainleid" gut bei den Lesern ankam und deshalb nun in der Fortsetzung präsenter ist. Ich mag Nauke sehr, denn er ist ein ungewöhnlicher und skurriler Charakter, der für viele witzige Momente sorgt.

Auch die anderen Personen, die hier auftreten - Familie und Freunde des Opfers, Verdächtige u.a. - werden gut skizziert. Durch die wechselnden Erzählperspektiven lernt man die Figuren, Verhältnisse, Verwicklungen und Geheimnisse langsam immer besser kennen und erschließt sich so gemeinsam mit den Ermittlern die Zusammenhänge.

Die Story ist dynamisch und hält bis zum Schluss die Spannung aufrecht. Ich tappte bis zum Finale im Dunkeln, hatte zwar mehrere mögliche Täter und Motive im Kopf, lag aber letztendlich doch daneben. Was ich persönlich gut fand, denn so kam zusätzlich zur Spannung noch der Überraschungseffekt dazu. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass der Kreis der Verdächtigen nicht gerade klein war. Zusätzlich zu der Hauptstory gibt es noch Nebenhandlungsstränge: Man lernt den Staatsanwalt Mancini etwas besser kennen, und es wird von einer Person erzählt, deren Identität sich erst recht spät erschließt. Erst am Ende fügen sich alle Erzählstränge stimmig zusammen.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, er ist lebendig, mit vielen Dialogen und lässt sich flüssig lesen. Man merkt einfach, dass die Autorin Germanistin ist - nicht zuletzt auch daran, dass ich hier erfreulicherweise über (fast) gar keine Fehler gestolpert bin, was meiner Meinung nach tatsächlich nicht selbstverständlich ist, selbst wenn ein Buch in einem großen Verlag erschienen ist.

"Mainschatten" hat mich äußerst gut unterhalten. Neben einer komplexen und spannenden Handlung trifft man hier auf liebevoll und detailliert gezeichnete Charaktere und Ermittler mit Herz und Verstand. Ich freue mich schon auf den dritten Band!

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den emons-Verlag für das Rezensionsexemplar und an Anja Mäderer für die intensive Betreuung der Leserunde auf LovelyBooks!

>>> Hier geht es zu meiner Rezension von "Mainleid".

>>> Hier findet ihr meinen Bericht über die Buchpräsentation von "Mainleid" im Hugendubel am 19.11.2015.

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