Dienstag, 26. Juli 2016

Rezension: "Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums" von Sarvenaz Tash

Daten zum Buch:
erschienen am: 25. Juli 2016
Verlag: Magellan
ISBN: 9783734850271
303 Seiten
Preis: 16,95 € (HC)
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Zum Inhalt:
Die Teenager Graham und Roxy sind nicht nur seit Kindertagen allerbeste Freunde, sondern auch die größten Comic-Fans der Welt. Gemeinsam haben sie sogar selbst eine Comic-Reihe "Die Freaks von der Magus High" erfunden. Ihr größtes Idol ist Robert Zinc, Erfinder der legendären "Chroniken von Althena". Als sie erfahren, dass der schon seit 20 Jahren die Öffentlichkeit meidende Zinc auf der Comic Con in New York auftreten wird, ist glasklar: Um nichts auf der Welt wollen sie das verpassen!

Graham lässt nichts unversucht, um an Bändchen für das Zinc-Panel zu kommen, und das aus mehreren Gründen. Denn er hegt schon seit einiger Zeit nicht mehr nur freundschaftliche Gefühle für seine beste Freundin, sondern ist unsterblich in sie verliebt. Er ist sich sicher: Wenn er ihr ein Treffen mit Robert Zinc verschafft, wird sie ihn mit anderen Augen sehen. Und er kann ihr endlich seine Liebe gestehen.

Wird es Graham und Roxy gelingen, ihr großes Idol zu treffen? Wird Graham Roxy endlich seine Liebe gestehen und gibt es für die beiden ein Happy End? Und wieso muss Roxy ausgerechnet jetzt ein gutaussehender, comic-begeisterter Brite über den Weg laufen?!

Meine Meinung:
Die Geschichte wird aus Grahams Perspektive geschildert. Dadurch ist die Sprache sehr jugendlich und locker. Ich mochte Graham von Anfang an. Er ist ein netter Junge mit viel Fantasie, der Roxy wirklich anbetet. Seine Leidenschaft für Comics ist beeindruckend, und ich mochte seinen Humor sehr, da er die Dinge recht ironisch sieht.

Roxy fand ich anfänglich ebenfalls sympathisch, im Laufe der Geschichte lässt dies etwas nach, aber eigentlich ist sie schon durchwegs nett. Die weiteren Nebenfiguren wie Grahams Dad, der "Ur-Geek", Grahams bester Freund Casey und Roxys Freundin Felicia mochte ich ebenfalls. Devin und Amelia lernt die Gruppe auf der Comic Con kennen. Grahams Eifersucht auf Devin führte bei mir zu vielen Lachern. Im Endeffekt ist Devin echt korrekt und nett, was es Graham noch schwerer macht, auf das "Gurkensandwich" (Sein Spitzname für den hübschen Briten.) ungehindert sauer sein zu können.

Man erhält hier nicht nur Einsichten in das Innenleben eines Jugendlichen, sondern auch in den Ablauf einer Comic Con. Ich habe schon einiges darüber gehört und gelesen, aber war noch nie auf einer. Ich bin kein großer Comic-Fan, schaue mir aber z. B. sehr gerne die Marvel-Verfilmungen an und kenne natürlich auch Harry Potter, Herr der Ringe oder Game of Thrones. Die meisten Anspielungen habe ich deshalb verstanden, wenngleich mir vor allem irgendwelche Zeichner oder Regisseure nichts sagten - aber man muss wirklich kein Nerd oder Geek sein, um sich auf die Geschichte einlassen zu können. Tatsächlich fand ich die Erlebnisse der Jugendlichen auf der Con total spannend und interessant. Ich mochte es, dass die Figuren sich so sehr für etwas begeistern können, und diese Begeisterung steckt an. So war ich auch total enttäuscht, als Graham keine Karten für Robert Zinc bekam oder Caseys Autogramm versaut wurde.

Der Roman spielt in einem kurzen Zeitraum von vier Tagen, drei davon erlebt man auf der Comic Con. Man hat das Gefühl, dass sich vor allem Graham in dieser Zeit recht stark entwickelt. Von daher würde ich schon sagen, dass es sich hier um einen Coming-of-Age-Roman handelt.

Es hat mir viel Spaß gemacht, "Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums" zu lesen, und mir wurde dabei nie langweilig. Der Humor war ganz nach meinem Geschmack, und nebenbei habe ich noch so einiges über die Welt der Comics und High Fantasy gelernt. Ein bisschen schade fand ich das einigermaßen offene Ende, denn es lässt viel Raum für Spekulationen, ist aber an und für sich stimmig. Und wer weiß, vielleicht bietet sich hier ja noch eine Fortsetzung an? Ich würde mich jedenfalls über ein Wiedersehen mit Graham sehr freuen!

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den Magellan-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 24. Juli 2016

Neuzugänge

Wird mal wieder Zeit für meine Neuzugänge. Irgendwie habe ich's in den letzten Wochen ziemlich krachen lassen. Ups... ;-) Aber schaut doch nur, wie schön sie sind! Außerdem hab ich jetzt endlich alle Prüfungen hinter mir und gleich mal 2 Regale mit Ordnern freigeschaufelt. Hehe...

Rezensionsexemplare


- Jenny Han, "To all the boys I've loved before": Dieses Jugendbuch über ein Mädchen, das jedem ihrer Schwärme einen Liebesbrief geschrieben hat, die dann versehentlich an die Empfänger gelangen, habe ich über Vorablesen erhalten.

- Sarvenaz Tash, "Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universum": Dieses wirklich süße Jugendbuch habe ich für eine Leserunde auf LovelyBooks gewonnen. Die Magellan-Bücher haben ja immer wunderschöne Cover, und dieses Buch habe ich bereits gelesen und kann sagen, dass auch der Inhalt bezaubern konnte. Rezension kommt demnächst.

- Didier van Cauwelaert, "Jules": Ein Hund auf dem Cover ist ja wohl immer gut. ;-) Und auch der Inhalt klingt spannend: Ein desillusionierter Erfinder, der auf dem Flughafen Gebäck verkauft und sich in eine Blinde verliebt, die sich die Augen operieren lässt, woraufhin ihr Blindenhund nicht mehr gebraucht und depressiv wird. Angefordert über das Bloggerportal von Randomhouse.

- Anette Judersleben, "Plötzlich auf Liebe programmiert": Diese Liebesgeschichte um einen verwitweten Informatiker, der nach Köln versetzt wird und sich in seine Nachbarin verliebt, wurde mir von der Autorin persönlich zum Rezensieren angeboten. Da konnte ich nicht Nein sagen. :-)

- Tatjana Kruse, "Glitzer Glamour Wasserleiche": Ich habe bereits "Bei Zugabe Mord!" geliebt, da musste ich natürlich auch diesen Band lesen! Auf LB wurden wahnsinnige 50 Reziexemplare vom Verlag vergeben, da hatte ich dann auch Glück. Meine aktuelle Lektüre.

- Sophie Kinsella, "Shopaholic & Family": Der bereits 8. Band der "Shopaholic"-Reihe hat mir um einiges besser gefallen als die letzten Bände, und meine Rezension könnt ihr hier nachlesen.


Gekauft


- Beate Wedekind, "Nagaya heißt Frieden": Dieses schöne Buch über Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe habe ich im Sozialkaufhaus für 2,50 € gekauft.

- Grace Dent, "Total royal": Eine jugendliche Adelige, die keinen Plan vom richtigen Leben hat - schon beim Klappentext musste ich lachen, deshalb habe ich das Buch spontan im 1-Euro-Shop mitgenommen.

- Ani Choying Drolma, "Ich singe für die Freiheit": Diese Geschichte einer buddhistischen Nonne steht schon länger auf meiner Wunschliste, deshalb habe ich das Buch im Sozialkaufhaus natürlich sofort für 2,00 € mitgenommen.

- Tom Angleberger, "Yoda ich bin! Alles ich weiß!": Ich habe ja schon öfter gehört, dass diese Star Wars-Bücher lustig sein sollen. Mein Neffe steht total auf Star Wars, deshalb habe ich es beim Hugendubel für 1,00 € spontan mitgenommen, um dann zuhause festzustellen, dass er noch viel zu jung dafür ist. Muss ich wohl also erstmal selbst lesen. :-D

- Marie-Sabine Roger, "Heute beginnt der Rest des Lebens": Da ich "Das Leben ist ein listiger Kater" der Autorin bereits mochte, habe ich dieses Büchlein spontan für 1,50 € - ebenfalls im Sozialkaufhaus - mitgenommen.

- Grégoire Delacourt, "Alle meine Wünsche": Ich hatte diesen dünnen Roman schon damals, als er herauskam, in der Hand und mir mal gemerkt. Als ich ihn dann für 50 Cent im Sozialkaufhaus gesehen habe, musste ich natürlich zuschlagen.

- Tom Angleberger, "Papp Jabba greift an": Da es das neben dem "Yoda"-Band ebenfalls für 1,00 € auf dem Wühltisch gab, habe ich es auch noch mitgenommen. ;-)


Ertauscht


- Frauke Scheunemann, "Winston - Im Auftrag der Ölsardine": Die ersten beiden Winston-Bände mochte ich total gerne, deshalb will ich die Reihe auf jeden Fall weiterlesen. Den 4. Band konnte ich mir auf Tauschticket für 2 Tickets ergattern.

- Claudia M. Frank, "Francis, der fette Fee": Ich fand den Klappentext schon damals lustig, als es eine Leserunde zu dem Buch gab. Da ich damals kein Glück hatte, hab ich mich umso mehr gefreut, dass ich das Buch auf Tauschticket für 1 Ticket entdecken konnte.

- Uta Eisenhardt, "Vier Zimmer, Küche, Boot": Da mein Freund total auf Hausboote steht und mir manchmal androht, dass er auf eines ziehen will, muss ich mich mal ein bisschen mehr damit beschäftigen. ;-) (3 Tickets bei TT)

- Jónína Leósdóttir, "Meine Familie und andere Katastrophen": Von isländischen Autoren habe ich bislang noch nichts gelesen, und der Klappentext klang ganz vielversprechend.(1 Ticket auf TT)

- Rachel McIntyre, "Sternschnuppenstunden": Das Buch ist schon länger auf meinem Wunschzettel, da mich das Thema Mobbing immer sehr interessiert. (2 Tickets auf TT)

- Elizabeth Horn, "Ziemlich schwerwiegend": Bücher über Moppelchen sprechen mich natürlich immer an. ;-) Dieses Buch gab es zudem noch für 2 Tickets signiert.


Joah, da habe ich mal wieder richtig zugeschlagen. Aber hey, ich muss nicht mehr lernen und hab jetzt viel mehr Zeit, um abends und an den Wochenenden ausgiebig zu schmökern. :-) Außerdem habe ich am Wochenende beim Magellan-Geburtstag Damen kennengelernt, die zwischen 700 und 1.200 ungelesene Bücher haben! Dagegen bin ich ja wohl ein Unschuldslamm.^^

Dienstag, 19. Juli 2016

Rezension: "Shopaholic & Family" von Sophie Kinsella

Daten zum Buch:
erschienen am: 13. Juni 2016
Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442484829
384 Seiten
Preis: 9,99 € (TB)
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Zum Inhalt:
Nachdem Beckys Vater Graham mit Suzes Ehemann Tarkie und dem zwielichtigen Bryce einfach abgehauen ist, reist ihnen Becky kurzerhand hinterher. Mit im Schlepptau bzw. Wohnmobil sind nicht nur Mann Luke und Tochter Minnie, sondern auch Beckys Mum, Nachbarin Janice, Modedesigner Danny, (ehemals?) beste Freundin Suze und leider auch Beckys Erzfeindin Alicia.

Doch blöderweise verrät Graham nicht, was sein eigentliches Ziel ist, und so bleibt es an Becky & Co., das Geheimnis aus der Vergangenheit zu lüften, welches ihn Richtung Las Vegas treibt, wo er ein Unrecht wieder gut machen will. Eine wilde Reise von Kalifornien nach Nevada beginnt und hält viele Überraschungen für Becky und ihre Lieben bereit.

Meine Meinung:
"Shopaholic & Family" ist der 8. Band der Shopaholic-Reihe und setzt direkt da an, wo der Vorgänger "Shopaholic in Hollywood" mit einem bösen Cliffhanger endete. Da ich diesen Band erst vor Kurzem gelesen hatte, fiel es mir leicht, wieder in die Geschichte zu kommen. Generell würde ich jedoch davon abraten, diesen Roman ohne Kenntnis des Vorgängers zu lesen. Ebenfalls würde ich davon abraten, ihn zu lesen, wenn man gar keine anderen Shopaholic-Bände kennt. Auch wenn vorherige Ereignisse nochmal kurz umrissen werden, hat man einfach mehr Freude an Beckys Abenteuern, wenn man die Vorgeschichten und auch die agierenden Personen kennt, und teilweise versteht man manche Zusammenhänge nicht (sofort).
 
Sonst war das altbewährte Shopaholic-Konzept so, dass Becky sich irgendein (meist eher irrwitziges) Ziel setzt, die Scheuklappen aufsetzt und dann voranprescht. Meist verheddert sie sich noch in 100 Notlügen, die alles schlimmer machen, am Ende sitzt sie im größten Chaos und irgendjemand (meist Luke) haut sie da wieder raus und alles ist gut. Natürlich hat Becky hier immer nur die besten Absichten gehabt und es nie böse gemeint, und sie blieb ja schon irgendwie auch immer liebenswert, wenn sie sich selbst in die Sch... geritten hat. Aber dieses Konzept hat mich nach einigen Bänden dann schon langsam genervt. Und auch den letzten Band, als sie unbedingt als Promi-Stylistin rauskommen wollte, fand ich eher mittelmäßig. Der vorliegende Band bricht nun mit diesem Muster, und Rebecca Brandon, geb. Bloomwood, wird endlich erwachsen.

Zuerst einmal verliert Becky die Lust am Shoppen. Keine Sorge, die kommt irgendwann auch wieder, aber wie es scheint, wird jetzt nicht mehr kopflos jeder überteuerte Mist auf Pump gekauft. Ich habe mich schon gefragt, wann dieses ernst zu nehmende Suchtproblem auch mal in Angriff genommen wird. Danke, Mrs. Kinsella!

Außerdem nimmt sich Becky viel mehr zurück. Gut, teilweise hat sie sich schon zu viel aufgeopfert, hat sich zu vieles gefallen lassen. Aber sie wird einfach erwachsener, hinterfragt mehr und macht sich Gedanken. Auch ihre Rolle als Mutter nimmt sie viel ernster. Sie kümmert sich nun viel mehr und sehr liebevoll um Minnie, die ich in den früheren Bänden immer nur als Accessoire wahrgenommen habe, das dieses und jenes haben will und seinen Willen lauthals durchgesetzt hat.

Jetzt mag es sein, dass manche genau das so an Becky mochten: Das Chaotische und Kopflose. Aber ich bin froh, dass sich die Figur weiterentwickeln darf. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Shopaholic-Bände alle recht zeitnah nach ihrer Veröffentlichung gelesen habe und dementsprechend zusammen mit Becky gealtert bin. Und nun ja, man verändert sich nunmal mit den Jahren.

Dass Becky während der gesamten Geschichte in einer Gruppe agiert, verleiht dem Ganzen mehr Dynamik, als wenn sie alleine ihre Ziele verfolgt. Hier hat jeder seine Rolle. Jane und Janice sind die verrückten Hühner, die für Schmunzler sorgen. Tarkie, Luke und auch Graham sind die vernünftigen Macher. Danny ist... tja, weiß ich auch nicht... ich mag die Figur ehrlich gesagt nicht sonderlich. Er ist schrill und hat selbst als beschäftigter, egozentrischer Designer immer Zeit, Becky hinterherzureisen und ihr zu helfen, was aber oft bei ihm nach hinten losgeht. Suze ist Beckys beste Freundin seit dem 1. Band - diese tiefe Freundschaft wird diesmal auf eine harte Probe gestellt, wobei ich hier den Grund, weshalb Suze so abweisend ist, nicht nachvollziehen konnte und mir ihr übertriebenes Gezicke wirklich sehr auf den Zeiger ging. Ebenfalls war ich von dem großen Geheimnis eher enttäuscht, und ich habe mich schon gefragt, ob der ganze Aufwand es wert war und wieso Graham so etwas unbedingt vor seiner Familie verheimlichen musste.

Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage: Am Ende gibt es wieder Friede, Freude, Eierkuchen. (Und zwar ohne Cliffhanger!) Aber das ist gar nicht negativ gemeint, im Gegenteil - man erwartet doch so etwas bei den Shopaholic-Bänden und wäre enttäuscht, wenn dem nicht so wäre. Auch wenn Kinsella-Bücher in der Regel eher seicht sind und ein bekanntes Konzept haben, sind ihre Bücher kurzweilig und amüsant. Da ich alle Shopaholic-Bände kenne, fühle ich mich mit Becky & Co. auch eigentlich ganz wohl. Nur manchmal hat man das Gefühl, dass Handlungsstränge unnötig in die Länge gezogen werden.
 
Auch wenn dieser Band mal wieder im Vergleich zu den letzten Vorgängern mehr Charme und Schmiss hatte, sollte die Shopaholic-Reihe meiner Meinung nach bald auslaufen. Es wurde doch langsam schon alles erzählt, und man sollte aufhören, wenn es am Schönsten ist, bevor die Leser von Becky - wie es ja bei den letzten Bänden bereits vermehrt der Fall war - nur noch genervt sind. Ich bin mir aber sicher, dass noch mindestens ein, wenn nicht mehrere Bände folgen werden. Dafür sprechen mindestens zwei Dinge: 1. Alicia ist nach ihrem Abgang nicht mehr in der Geschichte aufgetaucht, ich denke aber, dass sie uns noch einiges zu bieten hat. 2. Becky äußert einen innigen Herzenswunsch, der sicherlich noch erfüllt und für weiteren Wirbel sorgen wird. Von daher dürfen sich echte Shopaholic-Fans auf weitere Abenteuer rund um Becky Bloomwood & Co. freuen. Auch ich werde weiterlesen, aber eher aus Gewohnheit und weniger, weil mich Beckys Erlebnisse noch groß vom Hocker reißen könnten.

3,5 von 5 Sternen

Donnerstag, 7. Juli 2016

Rezension: "Meinen Hass bekommt ihr nicht" von Antoine Leiris

Daten zum Buch:
erschienen am: 9. Mai 2016
Verlag: blanvalet
ISBN: 9783764506025
141 Seiten
Preis: 12,00 € (HC)
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Zum Inhalt:
Am 13. November 2015 kommt es an mehreren Orten in Paris zu Anschlägen durch die Terror-Miliz IS. Die meisten Todesopfer sind während eines Konzertes im Club „Bataclan“ zu beklagen.

Antoine Leiris verliert an diesem Abend seine geliebte Frau Hélène, die unter den Konzertbesuchern war. Verzweifelt bleibt er mit seinem 17 Monate alten Sohn Melvil zurück und veröffentlicht auf seinem Facebook-Profil einen Text, der sich in den sozialen Medien rasend schnell verbreitet und dessen zentrale Aussage zum Manifest gegen den Terror wird: „Vous n’aurez pas ma haine“.

Meine Meinung:
Sicherlich erinnern wir uns alle an die schreckliche Nachricht über die Attentatswelle in Paris. Ungläubig saßen wir vor dem Fernseher und dachten uns: „Jetzt also ist der Terror auch bei uns im Westen endgültig angekommen.“ Die Geschichte der Familie Leiris gibt den Opfern dieses feigen Terroranschlags ein Gesicht. Und sie zeigt, dass nicht nur die Toten und Verletzten Opfer solcher Anschläge sind, sondern auch die Angehörigen, die für den Rest ihres Lebens mit dem Schmerz des Verlustes einer geliebten Person umgehen müssen.

Antoine Leiris ist Journalist und macht nach dem tragischen Tod seiner Frau das, was er am Besten kann: Er schreibt. Und er tut dies öffentlich – eigentlich als Facebook-Nachricht an die Freunde seiner Frau, doch seine Worte verbreiten sich rasend schnell und werden zu einer wichtigen Botschaft des Westens an die Terroristen. Dies bewegt den Autor dazu, seine Gefühle und Erlebnisse nach dem Attentat niederzuschreiben und zu veröffentlichen. „Ich hätte mir gewünscht, dass mein erstes Buch eine Geschichte wäre – aber auf keinen Fall meine. Ich hätte die Wörter gern geliebt, ohne sie fürchten zu müssen.“ (S. 130)

Das Buch umfasst nur die kurze Zeitspanne von 14 Tagen, vom Attentat am 13.11. bis einen Tag nach Hélènes Beerdigung. In dieser Zeit lebt Antoine Leiris mit seinem Sohn in einer kleinen Blase. Er selbst bezeichnet sich und Melvil als kleine Armee. Es gibt Angehörige, Freunde und – nachdem Leiris bekannt wird – Fremde, die ihre Hilfe anbieten. Meist bleibt er jedoch (bewusst) alleine mit Melvil. Es braucht sicherlich seine Zeit, bis Vater und Sohn alles neu strukturieren ohne die geliebte Frau und Mutter an ihrer Seite. Sie fehlt bei jedem Ritual, bei jedem Handgriff. Und diesen Prozess möchte der Autor bewusst und ungestört mit seinem Sohn durch-/erleben. Das kann ich auch nachvollziehen, aber es hat bei mir bewirkt, dass mich das Buch emotional nur schwer erreichen konnte. Natürlich tun mir die Beteiligten, vor allem der kleine Melvil, der das Ganze noch nicht richtig versteht, aber den Verlust der Mutter und den Schmerz des Vaters dennoch spürt, unendlich leid. Aber ich konnte keine Bindung zu dem Autor aufbauen.

„Die Welt“ prophezeite in einem Artikel, dass Leiris Buch bestimmt ein „Bestseller in Sachen Menschlichkeit“ wird. Nun ja, seine Botschaft „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ ist klar. Er will sich den Terroristen nicht unterordnen, will kein Leben in Angst führen und ihnen so Genugtuung verschaffen. Das Buch ist aber in meinen Augen weder ein politisches Statement noch ein Plädoyer für ein friedliches Miteinander oder gar für das Verzeihen. Das muss es für mich auch gar nicht sein. Aber vielleicht hat so mancher Leser diese Erwartungshaltung, nachdem der Satz „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ in den sozialen Medien solch emotionale Begeisterungsstürme ausgelöst hat.

Aber hier wird vor allem die große Liebe Antoines zu Hélène ausgedrückt, die zärtliche Fürsorge um den Sohn, auch natürlich die Verzweiflung eines jungen Witwers. Für mich ist es ein reiner Erlebnisbericht. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass die Attentate in Paris zwar natürlich Erwähnung finden, aber der wesentliche Kern des Buches auch z. B. bei einem Unfalltod der gleiche gewesen wäre. In erster Linie ist „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ ein Buch über den Schmerz eines Mannes, der die Liebe seines Lebens verloren hat, und eines Kindes, das seine Mutter nie wiedersehen wird.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 3. Juli 2016

Rezension: "Seit ich dich gefunden habe" von Kat French

Daten zum Buch:
erschienen am: 10. Juni 2016
Verlag: Mira Taschenbuch
ISBN: 9783956495755
348 Seiten
Preis: 9,99 € (TB)
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Zum Inhalt:
Honey ist eine fröhliche junge Frau, die mit ihrem Leben eigentlich ganz zufrieden ist. Ihre Freundinnen Tash und Nell sind sich jedoch sicher: Zu Honeys Glück fehlt noch der passende Mann. Und da Honey noch nie einen echten Orgasmus hatte, sollte es am besten einer mit geschickten Fingern sein.

Hal ist Honeys neuer Nachbar. Er ist nicht nur blind, sondern vor allem ein echter Stinkstiefel mit einem unübersehbaren Alkoholproblem. Trotzdem findet Honey ihn unwiderstehlich. Eine seltsame Freundschaft entsteht, in der regelmäßig die Fetzen, aber auch Funken fliegen. Doch Hal hat ein Geheimnis, denn er war vor dem Unfall, der sein Leben verändert hat, ein ganz anderer Mensch.

Meine Meinung:
"Seit ich dich gefunden habe" ist einer dieser Liebesromane, bei denen ich nicht sicher bin, wie ich sie bewerten soll. An und für sich hat mich der Roman gut unterhalten, andererseits habe ich zahlreiche Kritikpunkte.

Erst vor kurzem habe ich Jo Platts "Die Bücherfreundinnen" gelesen und einige Parallelen gefunden. So gibt es auch hier die gutaussehende Single-Frau, die eigentlich total happy mit ihrem Leben ist, aber halt bislang Pech in der Liebe hatte. Deshalb wird sie gegen ihren Willen von ihren Freundinnen zu verschiedenen Blind Dates genötigt. Das Aufeinandertreffen der Mädels geht niemals ohne die obligatorische Pulle Wein von Statten, und am Wochenende gibt man sich auch schonmal mittags die Kante. Ist das eigentlich so ein englisches Ding, sich permanent einen hinter die Binde zu kippen?

Kein Wunder, dass Honey - wenn auch zähneknirschend und teilweise mit schlechtem Gewissen - brav für Hals Alkoholnachschub sorgt, obwohl der Gute ein ganz klares Suchtproblem hat...

Honey heißt übrigens eigentlich Honeysuckle. Ich muss zugeben, dass mich dieser Name total genervt hat. Honeysuckle ist das englische Wort für "Geißblatt" oder "Heckenkirsche". In meinen (deutschen) Ohren klingt der Name aber eher wie der Künstlername einer Stripperin oder Prostituierten...

An und für sich war mir Honey ansonsten wirklich sympathisch. Sie ist eine vernünftige, hilfsbereite und fürsorgliche Person, die sich selbst zurücknimmt. Obwohl Hal nicht garstiger zu ihr sein könnte, hilft sie ihm immer wieder aus. Zentral und rührend war ihre enge Freundschaft zu Mimi und Lucille, zwei über 80jährigen Einwohnerinnen des Seniorenheims, in dessen angegliedertem Wohlfahrtsladen sie arbeitet.

Die Bewohner des Heims sorgen für einen weiteren Handlungsstrang, der meines Erachtens in die ansonsten etwas zähe Liebesgeschichte mehr Schwung gebracht und für Abwechslung gesorgt hat. Die lange Szene mit der Demo vor dem Seniorenheim, als die Schließung droht, brachte noch rechtzeitig frischen Wind in die Geschichte, als ich gerade ein bisschen genervt von Hal und Honey war.

Zur Beziehung zwischen Hal und Honey: Natürlich ist bereits beim Klappentext klar, dass die anfängliche Antipathie nicht lange anhält. Aber das ständige Herumgefummel zwischen den beiden, nur damit Hal Honey im nächsten Moment wieder von sich stößt, war irgendwann nichts Neues mehr.

Dann die Jagd nach dem ersten Orgasmus. Vielleicht klinge ich spießig, aber in diesem Roman hätte ich mir weniger Getue umd das Thema "Sex" gewünscht, ich fand es unpassend, und die Liebesgeschichte hätte meiner Meinung nach auch ohne diesen Teil gut funktioniert. Honeys Freundinnen sind immer für sie da und solche Menschen wünscht sich wohl jeder in seinem Leben. Aber sie sind auch der Meinung, ihr ständig irgendwelche Typen anschleppen zu müssen, die nichts bieten müssen, außer dass sie Klavier spielen können, da das ja vermutlich reicht, um Honey endlich ihren ersten Orgasmus zu bescheren, obwohl diese gar nicht der Typ dafür ist, mit Fremden gleich in die Kiste zu springen. Zudem entwickelt sich die prüde Nell plötzlich zusammen mit ihrem biederen Ehegatten zum sextollen Paar, das sich in jeder freien Minuten mit seinen Sexspielzeugen beschäftigt, während die oberflächliche Tash, die ihre Bettgefährten nach dem Kontostand aussucht, mal so nebenbei monogam wird. Also irgendwie war mir das ja ein bisschen zu blöd... Und auch die intimen Szenen zwischen Hal und Honey wirkten auf mich etwas gewollt und angestrengt erotisch.

Zu guter Letzt noch die kurze Anmerkung, dass das Buch viele Fehler enthält, die zwar nicht so gravierend sind, dass sie den Lesefluss stören, aber hier könnte man doch nochmal einen Lektor drüberschauen lassen.

Alles in Allem ist "Seit ich dich gefunden habe" leichte Unterhaltung, die sich gut weglesen lässt. Die Geschichte um Honey und Hal war ganz nett, und es war auch schön mitzuerleben, wie sich vor allem Honey positiv entwickelt hat. Aber für mich haben es vor allem die älteren Akteure in dem Buch herausgerissen. Ansonsten hinterlässt "Seit ich dich gefunden habe" leider keinen bleibenden Eindruck bei mir.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an und den mtb-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Freitag, 1. Juli 2016

Rezension: "Hausbesuche. Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte" von Stephanie Quitterer

Daten zum Buch:
erschienen am: 21. März 2016
Verlag: Knaus
ISBN: 9783813506853
240 Seiten
Preis: 16,99 € (SC)
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Zum Inhalt:
Als Stephanie Quitterer 2011 zum ersten Mal Mutter wird und ein Jahr von ihrem Job als Regieassistentin pausiert, ist ihr doch ein bisschen langweilig. Deshalb beschließt sie, ein Projekt in Angriff zu nehmen, welches sie schon länger im Auge hatte: Ab sofort will sie jeden Tag bei einem ihrer Nachbarn klingeln und sich selbst zum Kaffeekränzchen einladen.

Fortan zieht sie wie Rotkäppchen mit ihrem Korb durch ihr Berliner Wohnviertel und lernt endlich nach Jahren der Anonymität einen Teil ihrer riesigen Nachbarschaft kennen. Hierbei benötigt sie viel Geduld, Durchhaltevermögen, Toleranz - erhält aber auch wahnsinnig viel zurück.

Meine Meinung:
In 200 Tagen 200 Nachbarn mit 200 Kuchen zu beglücken ist ein sportliches Ziel und klingt nach einer sehr schönen Idee. Allerdings dachte ich mir beim Lesen des Klappentextes, dass Stephanie Quitterer bestimmt eine dieser hochambitionierten Hausfrauen ist, die den ganzen Tag wunderschöne Desserts und Kuchen zaubern und furchtbar gesellig einen riesigen Freundes- und Bekanntenkreis bedienen. Solch einer Frau dürfte es ja nicht allzu schwer fallen, in ihrer bestimmt besser betuchten ländlichen Nachbarschaft zu klingeln und sich in Vorstadtvillen zum Kaffee im gepflegten Garten einzuladen.

Wie angenehm überrascht wurde ich, dass ich völlig falsch lag. Die Autorin ist nämlich ganz furchtbar schüchtern und hat regelrecht Angst vor dem Kontakt mit Fremden. Bei ihren zahlreichen ihr unbekannten, teils griesgrämigen Berliner Nachbarn zu klingeln kostet sie viel Überwindung, weshalb sie das Projekt auch erst monatelang vor sich herschiebt. Dass ihr Mann sie auch noch mit ihrem Projekt aufzieht, statt sie zu motivieren, tut natürlich sein Übriges.

Zudem wohnt sie in der anonymen Großstadt Berlin in einem "Problemviertel" mit mehreren 100 Nachbarn und klingelt sich sowohl durch Luxus-Penthousewohnungen als auch durch windschiefe Altbauten. Zu guter Letzt kommt noch erschwerend hinzu, dass Stephanie Quitterer eigentlich gar nicht so richtig backen kann. Was da den Nachbarn manchmal angeboten wird, ist nicht immer uneingeschränkt genießbar - aber immer mit viel Liebe hergestellt (oder auch mal gekauft).

Das Buch enthält zahlreiche Episoden über die verschiedenen Besuche bei ganz verschiedenen Menschen. Singles, Familien, Einheimische, Zugereiste, Arme, Reiche,... Die Autorin trifft wirklich Gott und die Welt. Manche Begegnungen sind ganz lustig, manche herzerwärmend oder auch mal ein wenig verstörend. Aber die anfängliche Angst, in unangenehme oder gar gefährliche Situationen zu kommen, stellt sich zum Glück als unbegründet heraus. Im Gegenteil: Mit jedem Besuch scheint das Viertel einen Farbtupfer mehr zu erhalten, der aus der grauen anonymen Masse auftaucht.

Jedem Kapitel ist ein Backrezept vorangestellt - ob ich davon mal etwas nachbacken werde, weiß ich nicht. Gerade am Anfang ist es eher ein "Gemansche", bei dem das Ergebnis dem Zufallsprinzip überlassen wird, aber die Autorin steigert ihre Backfähigkeiten mit der Anzahl ihrer Besuche. Die Beschreibungen ihrer oft missglückten Backaktionen sind wirklich zum Schmunzeln und machen sie gleich nochmal sympathischer.

Das Projekt wurde damals "live" in Quitterers Blog vorgestellt und hatte bald zahlreiche Fans. So wurde sie nach einiger Zeit sogar aktiv in Haushalte - nicht nur in ihrer direkten Nachbarschaft - eingeladen. Was natürlich nicht heißt, dass sie nicht trotzdem noch weiterhin versuchte, die Nachbarn zu knacken, die ihr nur widerwillig oder gar nicht die Türe öffnen wollten.

Quitterers Buch ist unterhaltsam und erfrischend. Sie schreibt sehr bildlich mit vielen Metaphern und Vergleichen, mal humorvoll, mal nachdenklich. Die verschiedenen Episoden sind mal mehr, mal weniger interessant, aber auf jeden Fall abwechslungsreich. Es ist auch schön zu sehen, wie die Autorin, die anfänglich ja noch sehr schüchtern ist und eine regelrechte Sozialphobie hat, immer mutiger wird, sich von Klischees verabschiedet und immer mehr Menschen in ihr Leben lässt. Nebenbei beschäfigt sie sich noch mit ihrer Rolle als frischgebackene Mutter, was vielleicht für Gleichgesinnte ebenfalls interessant sein dürfte.

Am Ende besteht Quitterers Nachbarschaft nicht mehr aus anonym hinter Gardinen lebenden Schatten, sondern aus einem kunterbunten Haufen liebenswerter Menschen, die auf der Straße stets für ein spontantes Pläuschchen innehalten.

Ein unterhaltsames und amüsantes Plädoyer für das Einreißen von Mauern und das Beenden des Schubladendenkens.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!