Donnerstag, 27. Oktober 2016

Rezension: "Jaspers letzter Flirt" von Ulrike Busch

Daten zum Buch:
erschienen am: 16. August 2016
Verlag: Edition M (Amazon Media)
ISBN: 9781503938175
299 Seiten
Preis: 9,99 €
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Zum Inhalt:
Jasper Erikson lässt nichts anbrennen. Seine Surfschule auf Amrum ist der beste Ort, um mit attraktiven Urlauberinnen in Kontakt zu kommen. Dass er eigentlich verheiratet ist, stört ihn dabei nicht weiter. Zudem lebt seit Kurzem Bele, Jaspers Geliebte, auf Amrum. Sie träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit ihrem Traummann und will dafür ihren langweiligen Ehemann verlassen.

Doch dann versucht jemand, Jasper mit einer Autobombe zu töten. Nur knapp entgeht er dem Tod. Bei ihren Ermittlungen stoßen Hauptkommissar Kuno Knudsen und sein Partner Arne Zander auf Schweigen und viele Ungereimtheiten. Jasper scheint den Anschlag nicht ernst zu nehmen, doch Kommissar Knudsen ist sich sicher, dass es der Täter erneut versuchen wird.

Meine Meinung:
In „Jaspers letzter Flirt“ ermitteln die Kommissare Knudsen und Zander bereits zum zweiten Mal auf den nordfriesischen Inseln. Nachdem in „Pfauenfedernmord“ auf Sylt gemordet wurde, lernt der Leser diesmal die Insel Amrum besser kennen.

Kommissar Knudsen wohnt selbst auf Amrum und kennt alle Inselbewohner persönlich. Dies ist natürlich von Vorteil, da er genau weiß, welche Informationsquellen er anzapfen kann. Durch die persönliche Bindung geht Kuno recht emotional an die Ermittlungsarbeit heran, was ihn nur noch menschlicher und sympathischer macht. Wobei er sowieso ein Ermittler ist, den man von Anfang an mag. Ebenso wie seinen jüngeren Kollegen Arne Zander. Die beiden ergänzen sich gut und sind ein klasse Team.

Die Haupthandlung spielt innerhalb einer Woche von dem Sonntag des gescheiterten Bombenanschlags auf Jasper, bis zum nächsten Samstag, dem „Showdown“. In dieser Zeit begleitet man nicht nur die Kommissare bei ihrer Arbeit, sonst schaut auch in die Wohnzimmer der verschiedenen Charaktere. Hierbei werden nach und nach Geheimnisse der vielen agierenden Personen und nicht geahnte Verbindungen aufgedeckt. Dadurch bleibt die Handlung spannend.

Erst so nach und nach entwirrt sich das Wollknäuel von Liebeleien und Familienzwisten. In der Zwischenzeit kann man rätseln, wer nun der Täter sein könnte, denn ein Motiv haben so einige Menschen auf der Insel und auf dem Festland. Zwar tritt der Auftraggeber am Anfang namentlich auf, es zeigt sich aber schnell, dass hier ein Deckname verwendet wird. Ich habe ständig meine Meinung gewechselt, und letztendlich bin ich bis zum Schluss im Dunkeln getappt.

Neben Knudsen und Zander wird hier auch manchmal Kommissar Zufall tätig. Öfter gab es doch die ein oder andere zufällige Entdeckung oder Begegnung, die neue Erkenntnisse brachte. Aber das ist ja oft bei Krimis der Fall, dass manchmal ein Zufall die Geschichte in die richtige Richtung stupst, von daher war es für mich in dem Maße noch ok. Mehr hätte es dann aber nicht mehr werden dürfen mit den Zufällen.

Dies ist mein drittes Buch von Ulrike Busch, und ich wusste schon vorher, dass mich ihr Schreibstil auch diesmal nicht enttäuschen wird. Er ist locker, mit einem gewissen humorvollen Unterton, aber auch negative Emotionen werden gut wiedergegeben. Zahlreiche Dialoge und Interaktionen zwischen den Agierenden verleihen der Geschichte Dynamik, und die Beschreibungen der Handlungsorte geben das Flair der nordfriesischen Inseln und die Liebe der Autorin zu Norddeutschland gut wieder. Ich bekomme jedes Mal bei ihr Lust, auch endlich mal Urlaub im Norden zu machen.

Wer Regionalkrimis aus dem hohen Norden mag und Spannung nicht dadurch definiert, wie viel Blut fließt, sondern wie komplex die Beziehungen der Figuren zueinander sind, trifft mit „Jaspers letzter Flirt“ ganz bestimmt die richtige Wahl. Mich hat der Krimi wirklich sehr gut unterhalten.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Ulrike Busch für dieses Rezensionsexemplar!
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Hier geht's zu meiner Rezension von "Pfauenfedernmord", dem 1. Teil der Reihe um Kommissar Knudsen!

Dienstag, 18. Oktober 2016

Buchpräsentation: "Bombennacht" von Roman Rausch

Am 29. September stellte der Autor Roman Rausch im Hugendubel Würzburg seinen neuen Roman vor. In "Bombennacht" erzählt von den letzten 24 Stunden in Würzburg, bevor die wunderschöne Altstadt am 16. März 1945 durch Bomber der britischen Royal Air Force zu 90% zerstört wurde und circa 5.000 Menschen durch den Angriff und seine Folgen starben.

Wie ihr wisst, wohne und arbeite ich in dieser Stadt, bin 25 km entfernt von hier im Landkreis aufgewachsen und habe deshalb einen engen Bezug zu Würzburg. Und an Geschichte bin ich sowieso immer interessiert.

Roman Rausch ist gebürtig aus Gerolzhofen (ca. 40 km von Würzburg) und lebte viele Jahre in Würzburg.  Mit seinen Werken kam ich zum ersten Mal vor circa 17 Jahren in Berührung, als er seinen ersten Regionalkrimi "Tiepolos Fehler" veröffentlichte, in dem die beiden Kommissare Kilian und Heinlein im beschaulichen Würzburg ermittelten. Leider wurde die Serie nach sieben Bänden eingestellt, aber Roman Rausch veröffentliche unermüdlich weiter, z. B. Thriller wie "Code Freebird" und historische Romane wie "Das Caffeehaus". Leider lese ich weder Thriller noch historische Romane gerne, deshalb habe ich mich gefreut, dass Roman Rausch mal wieder etwas veröffentlicht, das voll meinen Geschmack trifft. Und noch mehr habe ich mich gefreut, als ich gefragt wurde, ob ich als Würzburger Bloggerin das Buch gerne rezensieren würde. Klar will ich! :-)

Hier erstmal der Klappentext:
16. März 1945: Ein friedlicher und sonniger Frühlingstag bricht in Würzburg an. Tausende Flüchtlinge haben in der Stadt am Main Zuflucht gefunden, unter ihnen Eugen, ein deutsch-russischer Junge, der sich vor der SS hüten muss. In der Nervenheilanstalt in der Füchsleinstraße kümmert sich Professor Werner um die vielen Kriegsverletzten. Da taucht ein totgeglaubtes Mädchen auf, das seine menschenverachtenden Praktiken offenlegen kann. Krankenschwester Fanny erkennt in ihr eine ehemalige Patientin und geht der Sache nach.

Unterdessen bereitet man in der Villa des Nervenarztes ein Geburtstagsfest vor. Der Jude Paul soll eine berühmte NS-Sängerin am Klavier begleiten, während er mit einem Zwangsarbeiter seine Flucht plant.

Und Pfarrer Titus liest seine Morgenmesse. Wird es eine Totenmesse für die Stadt sein? Denn während die Würzburger darauf hoffen, dass der Krieg bald vorbei sein möge, bereitet sich an der Küste Englands eine Bomberstaffel auf einen ihrer zahlreichen Einsätze vor. Am Ende des Tages werden deren Flugzeuge den Himmel über Würzburg verdunkeln und einen tödlichen Feuersturm entfachen.
Roman Rausch hat sich mit Zeitzeugen, u. a. seinem eigenen Großvater, unterhalten und sich an historischen Daten und Fakten orientiert, um seinen Roman so realitätsnah wie möglich schreiben zu können.


Die Buchpräsentation fand im Hugendubel Würzburg statt und wurde von Roland Flade moderiert. Roland Flade ist ein Würzburger Historiker und beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte Würzburgs und Unterfrankens. Zusammen mit Roman Rausch hat er eine Facebook-Seite zu "Bombennacht" erstellt, auf der er dem Autor Fragen stellt und historische Hintergründe zum Buch liefert.


Roman Rauschs Ausführungen zu seinem Werk und die anschließende Lesung machten mich nur noch neugieriger auf das Buch, und ich freue mich schon auf die Lektüre, auch wenn es sicherlich keine leichte Kost sein wird.


Hier findet ihr weiterführende Informationen zu "Bombennacht" und der Zerstörung Würzburgs:

Seite von Roman Rausch
Seite von Roland Flade
Facebook-Seite zu dem Roman
Seite des Echter-Verlags
Bericht der Main Post

Montag, 17. Oktober 2016

Rezension: "Plötzlich auf Liebe programmiert..." von Anette Judersleben

Daten zum Buch:
erschienen am: 15. Oktober 2015
Verlag: tredition
ISBN: 9783732364688
188 Seiten
Preis: 9,99 € (TB)
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Zum Inhalt:
Für Garett bricht die Welt zusammen, als seine Frau Rebecca bei einem Unfall ums Leben kommt. Mit ihr stirbt nicht nur die Liebe seines Lebens, sondern auch das gemeinsame ungeborene Kind. Nur schwer findet der Amerikaner zurück ins Leben, doch auch noch vier Jahre nach dieser Tragödie kann Garett die Schatten der Vergangenheit nicht abschütteln.

Deshalb entscheidet er sich, das Angebot seiner Firma anzunehmen und Teamleiter in der deutschen Dependance in Köln zu werden. Auf Anhieb fühlt er sich wohl in dieser schönen Stadt und bei den freundlichen Kollegen. Einziger Wertmutstropfen: Neben ihm zieht die äußerst unsympathische Constanze ein, die ihn von Anfang an völlig grundlos ätzend findet.

Doch so nach und nach können die beiden ihre gegenseitige Abneigung aus dem Weg räumen. Und irgendwann merkt Garett, dass er sich vielleicht doch wieder für eine neue Liebe öffnen kann. Aber hat er bei der verschlossenen Constanze, die scheinbar auch ein Beziehungstrauma verarbeitet, überhaupt eine Chance?

Meine Meinung:
Die Geschichte wird aus Sicht des Amerikaners Garett erzählt. Mit 34 Jahren ist er noch ein sehr junger Witwer, und der Schmerz über den Verlust seiner Frau wird sehr gut wiedergegeben, so dass man als Leser auch richtig mitfühlt. Umso mehr muss man schmunzeln, wenn er langsam anfängt, sich für Constanze zu interessieren und plötzlich wie ein liebestoller Teenager alles, was sie tut und sagt, analysiert und sich von seiner Mutter und deren Partner Liebestipps holen muss, da er "aus der Übung" ist.

Constanze kommt anfänglich als Zicke daher, aber dies hat einen Grund, der so nach und nach enthüllt wird. Während man von Garett von Anfang an weiß, warum er sich gegen eine neue Liebe sperrt, erfährt man Constanzes Geheimnis bzw. Trauma erst recht spät. Auch dies ist emotional und obwohl ich jetzt nicht sagen würde, dass mich die Liebesgeschichte total gefesselt hat, ist doch zumindest ab und an ein Tränchen gekullert.

Die Protagonisten sind sympathische Menschen, denen beide auf unterschiedliche Art und Weise das Herz gebrochen wurde und die wieder lernen müssen, sich auf einen anderen Menschen einzulassen. Man kann durchaus sagen, dass die beiden sich gegenseitigheilen.

"Plötzlich auf Liebe programmiert..." ist ganz klar ein Liebesroman, der einerseits durch die früheren Erlebnisse der beiden Protagonisten einen ernsten Hintergrund, aber auch amüsante Momente hat und trotz allem sehr unterhaltsam ist. Die Geschichte hat keinen absoluten Höhepunkt und die Annäherung zwischen Garett und Constanze geschieht langsam, aber dadurch auch realistisch. An manchen Stellen war es mir ein bisschen zu kitschig, gerade gegen Ende, aber da man die Figuren so lieb gewonnen hat, gönnt man ihnen auch diesen Kitsch.

Die Autorin hat sich getraut, einen Liebesroman aus Sicht eines Mannes zu schreiben, was meines Wissens doch eher selten ist. Ich denke, das ist ihr aber auch ganz gut gelungen. Dadurch ist das Buch meiner Meinung nach für Leser beider Geschlechter interessant, natürlich vorausgesetzt, dass man Liebesromane mag.

Alles in Allem ist "Plötzlich auf Liebe programmiert..." solide Unterhaltung mit zwei liebenswerten Protagonisten und viel Gefühl.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Anette Judersleben und den tredition-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 16. Oktober 2016

Neuzugänge

Ab morgen habe ich Uuuuurlaub! Und wohin soll es gehen? Ich würde ja sagen, nach Balkonien. Aber leider haben wir hier keinen Balkon. *schnief* Deshalb bleibe ich daheim und werde mal so nach und nach an den Blogeinträgen basteln, die ich schon seit Wochen plane. Außerdem geht es am Mittwoch und Samstag auf jeden Fall zur Buchmesse. :-) Und vielleicht auch noch an einem anderen Tag, mal gucken.

Aber jetzt stelle ich euch erstmal meine Neuzugänge vor, bevor noch mehr dazukommen. Das geht ja schnell bei mir. *hust*

Rezensionsexemplare


- Angela Mohr, "Ada": Dieses Jugendbuch über das Mädchen Ada, das in einer Sekte lebt, habe ich im Rahmen des diesjährigen Arena-Bloggerworkshops erhalten. Nachdem ich die ersten 40 Seiten angelesen und die Autorin kennengelernt habe, bin ich schon sehr gespannt auf die Lektüre.

- Angela Mohr, "Zwei Tage, zwei Nächte und die Wahrheit über Seifenblasen": Und diesen Jugendroman über ein ungleiches Paar habe ich ebenfalls für den Bloggerworkshop erhalten.

- Caroline Messingfeld, "Pfote fürs Leben": Die Autorin hat mich selbst angeschrieben und gefragt, ob ich ihren Katzenroman gerne lesen möchte. Jepp, möchte ich. :-) Bin schon gespannt auf die Lektüre. Und das Buch ist signiert, juhu! :-)

- Beatrix Gurian, "Glimmernächte": Diesen Jugendroman habe ich im Rahmen der Glimmernächte-Blogtour erhalten. Meinen Blogtourbeitrag findet ihr hier. Ich habe es gerne gelesen und werde es demnächst rezensieren.

- Roman Rausch, "Bombennacht": Der Autor ist ursprünglich aus der Nähe von Würzburg und hat nun einen Roman über die Nacht vom 16. März 1945 geschrieben, in der Würzburg zu großen Teilen bei Luftangriffen durch britische Bomber zerstört wurde. Da ich schon seine Würzburger Krimireihe sehr gerne mochte und er speziell Blogger aus dem Würzburger Raum suchte, habe ich mich sehr gerne bereit erklärt, das Buch zu rezensieren. Über eine Lesung von ihm werde ich noch gesondert berichten.

- Stefan Bonner & Anne Weiss, "Wir Kassettenkinder. Eine Liebeserklärung an die Achtziger": Wir feiern die Achtziger! :-) Da ich Jahrgang 1981 bin, konnte ich nicht Nein sagen, als eine Anfrage kam, ob ich dieses Buch gerne lesen möchte. Hier findet ihr meinen "Auspackbericht" über das schöne 80er-Jahre-Päckchen, das ich von bilandia erhalten habe.

- Christoph Rehage, "Neuschweinstein. Mit zwölf Chinesen durch Europa": In diesem Buch erzählt der Autor von seinem ehrgeizigen Projekt, mit einer chinesischen Reisegruppe durch Europa zu reisen. Die Leseprobe fand ich schon recht lustig, deshalb habe ich es mir als Prämienbuch bei Vorablesen angefordert. Prämienbuch heißt, dass man bei dem Buch auf jeden Fall ausgelost wird, sich aber trotzdem verpflichtet, es auch zu rezensieren. Freu mich schon auf die Lektüre.

- Manfred Mai, "Wunderbare Möglichkeiten": Diesen schönen Kinderroman habe ich ebenfalls über Vorablesen erhalten und bereits hier rezensiert.


Dankeschön vom Crowdfunding-Projekt "Around the world in 100 bookshops"

  
- Torsten Woywood, "In 60 Buchhandlungen durch Europa": Torsten kennen vielleicht einige von euch als Redakteur bei "Was liest du?". Vor einiger Zeit hat er beschlossen, eine Weltreise zu machen und die schönsten Buchhandlungen der Welt zu bereisen. Hierfür hat er finanzielle Unterstützung benötigt, die er sich in Form von einem Crowdfunding-Projekt gesichert hat. Ich habe auch mitgemacht und mich für das signierte Buch als Dankeschön entschieden. Torsten ist mittlerweile zurück und letzte Woche kam das Buch bei mir an. :-)


Gekauft


- Marianne Schnittger, "Hatschepsut. Eine Frau als König von Ägypten": Ich liebe die Bildbände des Zabern-Verlags, da sie Archäologie auf anschauliche Weise einem breiten Publikum näherbringen. Diesen Bildband über Hatschepsut hatte ich schon lange im Visier, da die Autorin eine mir bekannte Würzburger Ägyptologin ist. Ich fand 24,90 € dafür aber immer zu teuer. Jetzt gab es das Buch für 6,00 € bei Hugendubel, da musste ich natürlich sofort zugreifen. :-)

- Julia Hanel, "Liebe, Zimt und Zucker": Diesen Liebesroman einer Würzburger Autorin habe ich mir signiert gekauft. Zur Buchpräsentation im Hugendubel konnte ich zwar nicht kommen, aber danach gab es noch signierte Exemplare zu kaufen. :-)


Ertauscht


- Mario Fesler, "Lizzy Carbon und der Club der Verlierer": Auf dieses hübsche Jugendbuch wurde ich beim Magellan-Walgeburtstag aufmerksam. Es geht hier um Mobbing, und das Thema interessiert mich einfach. Deshalb habe ich es mir für 3 Tickets auf Tauschticket geholt.

- Marcus Stephan Meyer, "Ein Reise in die Vergangenheit. Geschichte und Leben der Highlander": Dieses dünne Büchlein ist eigentlich ein Begleitband zu einem schottischen Roman. Ich habe beides zusammen in einem Tauschregal hier um die Ecke gefunden. Da ich aber historische Romane nicht mag, habe ich nur den Begleitband mitgenommen. Ich überlege nämlich, mit Freunden nach Schottland zu fahren, und da kann man sich ja mal mit den Highlandern beschäftigen. :-)

- Adnan Maral, "Super unkühl, Alter!": Ich mag Adnan Maral ja sowohl als Schauspieler als auch als Autor. Letztes Jahr auf der Buchmesse habe ich mir eine Lesung aus diesem Buch angeguckt und fand es echt witzig. Für 2 Tickets habe ich es mir spontan gekrallt.

- Sven Lorig, "Lässig laufen. Warum Fitness keine Folter braucht": Ich bin ja so ein richtiger Sportmuffel. Und ob Laufen das Richtige für mich ist, daran zweifle ich eigentlich. Aber da ich eine Freundin habe, die richtig lauf-verrückt ist, wollte ich mich mal ein bisschen damit befassen. Vielleicht lasse ich mich ja bekehren. ;-) (1 Ticket) 

- Latifa Nabizada, "Greif nach den Sternen, Schwester! Mein Kampf gegen die Taliban": Zusammen mit ihrer Schwester hat sich die Autorin als erste Frau Afghanistans zur Pilotin ausbilden lassen. Solche Autobiographien finde ich natürlich sehr interessant. (1 Ticket)


So, das waren meine neuen Schätzchen. Ist mal wieder einiges zusammengekommen, was? Na ja, das sage ich jedes Mal, ich weiß. Ich bin einfach unverbesserlich! 

Sonntag, 9. Oktober 2016

Rezension: "Wunderbare Möglichkeiten" von Manfred Mai

Daten zum Buch:
erschienen am: 22. August 2016
Verlag: Fabulus-Verlag
ISBN: 9783944788401
127 Seiten
Preis: 14,95 € (HC)
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Zum Inhalt:
Der elfjährige Maximilian ist für sein Alter sehr aufgeweckt und intelligent. Er liest lieber ein gutes Buch, als Fußball zu spielen, und er drückt sich gerne mal aus, als wäre er ein paar Jahrhunderte früher geboren worden. Mit seiner ungewöhnlichen Art eckt er sowohl bei Gleichaltrigen als auch Erwachsenen an. Er denkt über Gott und die Welt nach, ist äußerst wissbegierig, doch das stößt bei den Erwachsenen nicht immer auf positive Reaktionen, halten sie ihn doch für viele Themen noch zu jung. Gott, wie Max das nervt!

Zum Glück gibt es Max' ältere Schwester Leonie, seinen besten Freund Yasin und seinen Onkel Andreas, die ihn ernst nehmen. Und dann gibt es noch Anna, die genauso gerne liest wie Max und für ein komisches Gefühl in seinem Bauch sorgt.

Meine Meinung:
Die Geschichte wird aus Max' Sicht erzählt, wobei die personale Erzählperspektive mit Gedankengängen von Max in Ich-Form ergänzt wird. Die Sprache ist einfach und altersgrecht gehalten.

Von der ersten Seite an war Max mir sehr sympathisch. Er ist nicht nur klug und pfiffig, er besitzt auch emotionale Intelligenz und einen für sein Alter erstaunlichen Eigensinn. Sein Umgang mit dem geistig behinderten Lilliput zeugt von hoher Empathie. Ich persönlich empfand Max als viel reifer als elf Jahre, aber da ich keine Jungs in dem Alter kenne, kann ich das nicht so richtig beurteilen.

Max stellt sich und seiner Umwelt viele Fragen, er ist unglaublich wissbegierig und kritisch. Nicht bei allen stößt dies auf positive Reaktionen. Seine Mitschüler finden ihn seltsam, sein Vater findet ihn für die meisten Themen zu jung, die Lehrer mögen seine schwierigen, teils unangenehmen Fragen nicht und möchten lieber stur bei ihrem Lehrstoff bleiben. Nur Max' Mutter, seine Schwester Leonie, sein bester Freund Yasin und sein Künstler-Onkel Andreas akzeptieren Max so, wie er ist, und ermutigen ihn.

Natürlich hat Max die gleichen Probleme wie viele andere Kinder in seinem Alter. Der Vater hat viel Stress auf der Arbeit und dadurch kommt es öfter mal zu Knatsch in der Familie. Manche Lehrer sind richtig doof und Max' Noten könnten besser sein. Es gibt Mitschüler, die dumm sind und Max gerne verprügeln wollen. Yasin versteht nicht, wieso Max viel lieber ein Buch liest, als Fußball zu spielen. Und dann ist Max auch noch zum ersten Mal richtig verknallt.

Ich musste zwangsläufig an "Sophies Welt" denken, das ich aber für Kinder und junge Teenager etwas kompliziert finde. (Kommt natürlich auf den Leser an.) Tatsächlich unterhalten sich Anna und Max über Jostein Gaarders Bücher, Anna erwähnt sogar, dass sie "Sophies Welt" an manchen Stellen zu kompliziert fand, aber beide Kinder lesen seine Bücher gerne. Von daher lag ich wohl mit meiner Assoziation gar nicht so falsch. Ich würde so weit gehen zu behaupten, dass dieses Buch mit seinen durchaus philosophischen Ansätzen eine vereinfachte und viel dünnere Variante ist, Kinder an eigenständiges Denken und Philosophie heranzuführen, wobei hier keine Philosophen und Theorien erwähnt werden. Dies kann dann ja bei Interesse im nächsten Schritt mit anderen Büchern wie denen von Jostein Gaarder fortgesetzt werden.

"Wunderbare Möglichkeiten" ist ein schönes Buch für Kinder, das ihnen helfen soll, Dinge zu hinterfragen und ihren eigenen Kopf zu entwickeln, sich von Erwachsenen nicht einreden zu lassen, dass sie für etwas zu jung sind, oder sich in ihrer Fantasie und Entwicklung einschränken zu lassen, nur weil etwas den Erwachsenen unlogisch oder kindlich erscheint.

Die Altersempfehlung von acht Jahren halte ich persönlich für zu niedrig, aber ich kann es nicht so richtig einschätzen, da jedes Kind anders ist. Es ist aber nicht nur für Kinder und Jugendliche empfehlenswert, sondern auch für Erwachsene, die sich danach vielleicht etwas besser in die Gedankenwelt von Kindern einfinden können. Außerdem machen die Fragen, die Max sich und Anderen stellt, durchaus nachdenklich und lassen den Leser über sich selbst und das Leben reflektieren.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Vorablesen.de für dieses Rezensionsexemplar!

Freitag, 7. Oktober 2016

Blogtour: "Glimmernächte" von Beatrix Gurian - Schloss Ravensholm


Willkommen zur Blogtour zu Beatrix Gurians neuestem Jugendroman "Glimmernächte", die heute bei mir Station macht.

Der aufmerksame Leser weiß, dass das Buch (größtenteils) in Dänemark auf einem Schloss spielt. Dorthin zieht die Protagonistin Pippa mit ihrer Mutter Anna und ihrem kleinen Bruder Matteo, nachdem Anna den deutschstämmigen Grafen Frederik von Raben geheiratet hat.

Schloss Ravensholm


Schloss Ravensholm ist - leider - ein fiktives Gebäude, aber wir wollen einfach mal versuchen, es zum Leben zu erwecken. :-)

Auf Seite 14 erfahren wir, dass das Schloss im siebzehnten Jahrhundert erbaut wurde, aber später bis auf die Grundmauern abgebrannt ist. Die Familie von Raben hat es daraufhin vor 200 Jahren wieder aufgebaut.

Als Pippa das Schloss zum ersten Mal sieht, ist sie tief beeindruckt.
"Eine Allee aus weiß blühenden Ebereschen begrenzte die mit hellem Kies bestreute Straße. In weiten Serpentinen führte sie hoch zu einem bewaldeten Hügel und endete vor einem Palast, wie ihn Pippa bisher nur aus Märchenfilmen und amerikanischen Serien kannte. Es war ein lang gestreckter mächtiger zweistöckiger Bau mit Fenstern im Erdgeschoss, die so hoch waren wie in Berlin drei Etagen. In der Mitte und symmetrisch davon je rechts und links ragten die Dachgiebel wie große verzierte Dreiecke bis weit in den Himmel und die Eingänge waren mit säulenverzierten Vorbauten geschmückt. Das Schloss war nicht aus rotem Ziegelstein erbaut wie die Häuser, die Pippa in Aalborg und auf dem Weg hierher gesehen hatte, sondern aus weißem Stein, der im Licht des späten Nachmittags schimmerte, als wäre er aus rotem Gold. Zu dem Haupteingang in der Mitte führte eine breite Treppe mit niedrigen Stufen..." (S. 24)
Hier muss ein bisschen Fantasie vorhanden sein, um sich das Schloss richtig vorzustellen. Ich habe leider nichts Vergleichbares gefunden und weiß auch nicht, ob die Autorin ein bestimmtes Schloss als Vorbild hatte. Wenn man sich nicht an Details aufhängt, könnte ich mir vorstellen, dass Ravensholm ungefähr so aussehen könnte wie diese beiden dänischen Schlösser:

Schloss Kokkedal in Horsholm
(c) http://www.visitdenmark.co.uk

Schloss Marselisborg in Aarhus
(c) http://www.visitdenmark.de

Der Irrgarten mit Freimaurerturm


Eine Rolle spielt auch der Irrgarten. Von Pippas Stiefschwester Kirsten erfahren wir, dass der prächtige Schlossgarten von Ravensholm nach dem Vorbild von Louisenlund in Schleswig, genauer gesagt in der kleinen, von Schleswig acht Kilometer entfernten Gemeinde Güby, angelegt wurde. 

Schloss Louisenlund wurde von dem Landgrafen und Statthalter Carl von Hessen ab 1770 als Sommerresidenz errichtet. Er war mit einer dänischen Prinzessin namens Louise verheiratet, die für das Schloss namensgebend war und das Gut als Geschenk des dänischen Königs mit in die Ehe brachte. Seit 1949 wird Schloss Louisenlund als Internat und Ganztagsgymnasium genutzt, ist aber weiterhin für Besucher zugänglich.

Luftaufnahme von Schloss Louisenlund
(c) http://www.louisenlund.de

Carl von Hessen war Mitglied der dänischen Freimaurerloge und ein führender Logenbruder. Dieser Aspekt ist in Verbindung mit dem Park besonders interessant, da die Freimaurer ja auch eine große Rolle in dem Buch spielen. Von Hessen ließ den Schlossgarten im englischen Stil und außerdem nach freimaurerischen Vorstellungen anlegen. So gab es dort z. B. einen symbolischen „Weg der Erleuchtung“. Der Louisengarten ist einer von wenigen Freimaurergärten, die noch heute erhalten und zugänglich sind, und er ist Gegenstand einer Publikation des Archäologen Alf Herrmann, der ihn als "Europas bedeutendsten Freimaurerpark" bezeichnet.

Ich habe ehrlich gesagt in keinem Bericht über den Garten von einem Labyrinth gelesen, deshalb bezweifle ich, dass es ein solches wirklich gab. Sollte das aber tatsächlich der Fall gewesen sein, dann gibt es den Irrgarten zumindest heute nicht mehr und ich habe auch keine Fotos gefunden. Deshalb hier einfach mal zwei Fotos von anderen Irrgärten, die ich mir gut als Vorbilder für den Irrgarten in Ravensholm vorstellen könnte:

Labyrinth südlich von Chichester, West Sussex
(c) http://www.mazegarden.co.uk

Leider keine Infos vorhanden.


Im Garten befand sich auch ein Freimaurerturm, von dem heute nur noch Reste übrig sind. Dieser Holzturm wurde damals für regelmäßige Sitzungen der Logenbrüder verwendet. Kenner des Buches werden hier natürlich ebenfalls hellhörig, denn auch in der Geschichte gibt es einen geheimnisvollen Turm.

Alte Aufnahme des damals noch intakten Freimaurerturms in Louisenlund
(c) http://st-germain.de

Die Bibliothek


Wer von uns wünscht sich nicht seine eigene Bibliothek? Und ich glaube, die meisten von uns denken irgendwie automatisch immer gleich an diese hier, stimmt's? ;-)

Bibliothek aus Disney's "Die Schöne und das Biest"

Pippa hat jedenfalls diesbezüglich mit dem Umzug nach Dänemark echt den Jackpot geknackt, denn das Schloss verfügt über eine riesige Bibliothek, zu der sie Tag und Nacht Zugang hat!
"Der Raum war sicher fünf Meter hoch und so groß wie ein halbes Fußballfeld. Der Boden aus schwarzem Granit glänzte wie lackiert, sodass sich die Wände voller Holzregale darin spiegelten. Auf etwa drei Metern Höhe verlief eine Galerie mit einer geschwungenen Holzbrüstung. Pippa betrachtete staunend Bücherrücken, die teilweise aussahen, als wären sie schon Hunderte von Jahren alt. Dazwischen gab es auch Regale mit neuen Büchern, in denen Titel standen, die sie kannte, wie eine englische Prachtausgabe von Harry Potter. In der Mitte des Raumes befanden sich Holztische mit matt schimmernden grünen Lampen und Armlehnstühle wie in amerikanischen Bibliotheken, die Pippa bisher nur in Hollywodfillmen gesehen hatte. Rechts an einer Wand voller Karteikäten standen ausladende Chesterfieldsofas aus kastanienbraunem Leder." (S. 125f.)
Nach langer Suche habe ich mich für diese Bibliothek als denkbares Vorbild entschlossen:

Bibliothek des Keszthelyer-Festetics-Schlosses in Ungarn
(c) http://helikonkastely.hu


Und falls es hier noch andere Leute gibt, die wie ich nicht wissen, wie ein Chesterfield-Sofa aussieht - wir wollen ja nicht dumm sterben. ;-)

Chesterfield-Sofa
(c) chesterfieldsofacompany.com

So, das war mein bescheidener Versuch, euch Schloss Ravensholm auch visuell näherzubringen. Was meint ihr, habt ihr euch das auch so ähnlich vorgestellt?

Dienstag, 4. Oktober 2016

"Wir Kassettenkinder" - Eine Liebeserklärung an die Achtziger

Heute erscheint „Wir Kassettenkinder“, das neue Buch von Stefan Bonner und Anne Weiss. Wie der Untertitel schon verrät, ist dieses Werk „Eine Liebeserklärung an die Achtziger“. Die beiden Autoren sind Mitte der 1970er Jahre geboren und haben deshalb ihre Pubertät voll und ganz in den 80ern ausgelebt.
Klappentext:
Heute sind sie legendär: die Achtziger. Es war das Jahrzehnt, als wir mit dem Kassettenrekorder Mix-Tapes aus dem Radio aufnahmen und Dallas-Frisuren und Hawaiihemden trugen. Wer in dieser Zeit zwischen Bandsalat und Neuer Deutscher Welle, Indiana Jones und YPS-Heft, Atomwaffen und Ententanz aufwuchs, erlebte ein epochales, seltsam unbekümmertes, oft albernes Jahrzehnt, in dem alle trotz des drohenden Weltuntergangs durch sauren Regen und Kalten Krieg den Eindruck einer lustig-bunten Zeit hatten. Und: irgendwie fing irgendwann in jener Zeit die Zukunft an! Mit einem Augenzwinkern schauen Stefan Bonner und Anne Weiss, selbst Kinder der Achtziger, zurück auf das Jahrzehnt, das uns prägte wie kein anderes.
Als die Anfrage von bilandia kam, ob ich Lust hätte, zusammen mit den Autoren die längste 80er-Party auf Facebook zu feiern, musste ich nicht lange überlegen! Und seht nur, was ich für ein tolles Päckchen erhalten habe – das „ultimative Kassettenkinder-Paket“ mit dem Buch und Süßigkeiten aus den 80ern. Genial!



Ich bin selbst Jahrgang 1981, und die Erinnerungen kommen in letzter Zeit wieder öfter hoch, denn ich habe ja meine Ausbildung mit teils Sechzehnjährigen gemacht, und da lässt man als ü30-er zwangsläufig mal Sachen fallen wie „Ihr kennt das ja gar nicht mehr heutzutage!“ oder „Wisst ihr eigentlich, was ein Walkman ist?“ :-D

Jaja, die guten alten Zeiten. Als man noch mit dem Kassettenrekorder vor dem Radio lauerte und genau in dem Moment, in dem das Lieblingslied anfing, auf die Aufnahmetaste drückte. Und jedes Mal wieder zurückspulen und die richtige Stelle erwischen musste, wenn man es wieder und wieder anhören wollte. Als man sich mühselig in stundenlanger Arbeit Mixtapes zusammengestellt hat. Und umso ehrgeiziger mit dem Bleistift den Bandsalat wieder geduldig eingedreht hat, wenn das Mixtape plötzlich zu leiern anfing. Als man total stolz war auf seinen neuen Walkman, den man mit diesen schrottigen Plüschkopfhörern wie ein Heiligtum vor sich hertrug. Als man sich nichts dabei dachte, wenn sexy Männer wie Tom Selleck einen riesigen Schnauzer und Hawaii-Hemden trugen. Als man nicht negativ auffiel, weil man Leggings anhatte.

Sieht man sich heute Fotos aus dieser Zeit an, schlägt man die Hände über den Kopf zusammen und ruft: „Du meine Güte, SOWAS habe ich getragen?!“ Klamotten und Frisur – diesbezüglich hat sich so einiges geändert seitdem. :-D Aber es war eine coole Zeit, an die wir „alten Säcke“ uns gerne zurückerinnern.

Wer also ebenfalls in Erinnerungen schwelgen möchte oder – als Mitglied der jüngeren Generation – wissen möchte, wie man damals so lebte in den wilden Achtzigern, der sollte zu diesem Buch greifen, das es ab heute im Buchhandel gibt.

Und wie ist es bei euch so? Habt ihr auch eure Kindheit/Jugend in den Achtzigern verbracht? Was gefiel euch daran besonders, was vielleicht nicht so sehr? 

Wie ihr sehen könnt, wurden mir sogar zwei Bücher zugeschickt. Mein zweites Exemplar geht übrigens an ein anderes Kassettenkind, meine Freundin Tanja. Als Jahrgang 1978 wurde sie sofort hellhörig, als ich ihr von dem Buch erzählte, denn sie ist auch so jemand, der gerne von dieser Zeit schwärmt. ;-) Und deshalb habe ich beschlossen, dass das zweite Buch bei ihr zuhause einen würdigen Platz finden wird. 

Montag, 3. Oktober 2016

Rezension: "Das schwarze Loch in mir" von Anders Johansen

Daten zum Buch:
erschienen am: 11. Juli 2016
Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 9783407821720
295 Seiten
Preis: 14,95 € (HC)
Hier geht's zur Verlagsseite!

Zum Inhalt:
David lebt mit seinen Eltern und seinem großen Bruder Peter in dem beschaulichen Dorf Fjeldvig auf der Insel Tango. Durch das Storfjeld-Bergmassiv sind die Bewohner vom Rest des Landes getrennt, ein Besuch auf dem Festland ist mit einem mehrstündigen Marsch über den Berg verbunden. Schiffe oder Hubschrauber können Fjeldvig aufgrund der schwierigen Witterungsverhältnisse oft tagelang nicht erreichen.

In diesem Idyll ist die Welt noch in Ordnung. Davids Vater betreibt den kleinen Dorfladen, die Kinder von Fjeldvig gehen alle in die kleine Dorfschule, wo sie von Lehrer Joensen in einer Klasse unterrichtet werden. Sein Lieblingsschüler ist David, der bei den anderen Kindern und Dorfbewohnern jedoch nicht immer auf Freundlichkeit stößt. Denn David ist anders. Er ist begabt im Umgang mit Zahlen und Buchstaben und ein wandelndes Lexikon. Aber er versteht nicht, was Ironie ist, und er mag es nicht, berührt zu werden. Nur sein Bruder Peter hat einen besonderen Zugang zu ihm, ist sein Freund und Beschützer.

Als die Regierung plant, einen Tunnel durch das Storfjeld zu sprengen und Fjeldvig mit dem Rest des Landes zu verbinden, ändert sich für die Dorfgemeinde und Davids Familie alles.

Meine Meinung:
"Das schwarze Loch in mir" ist so ein Buch, das mich eher emotionslos zurücklässt. Kernthema ist der Bau des Tunnels und die Veränderungen, die in dem (fiktiven) Dorf Fjeldvig vor sich gehen. Anfangs trifft man eine harmonische Dorfgemeinde, die mich vom Lebensstandard an ein Amish-Dorf erinnert, wenn man mal moderne Dinge wie Telefone oder die zwei Computer in der Schule ausblendet. Doch man merkt schnell, dass hier viele Reibereien bestehen. Der Streit um die allen Dorfbewohnern gehörenden Schafe, das Alkoholproblem mancher Einwohner, die fehlende Toleranz gegenüber Davids Autismus. Als sich dann noch durch den Tunnelbau das Dorf mit der modernen Welt konfrontiert sieht, läuft einiges aus dem Ruder.

Die Geschichte wird aus Davids Sicht geschildert. Ich denke, dass es dem Autor durchaus gelungen ist, die Sicht eines Autisten realistisch wiederzugeben. David hat Probleme mit Ironie und Metaphern, er sieht Dinge natürlich anders als "normale" Menschen und ist oft mit einfachen Situationen überfordert. Obwohl er bereits 14 Jahre alt ist, hat er noch ein kindliches, unschuldiges Gemüt. Um sich selbst zu beruhigen, zählt er gerne Wetterrekorde und Vogelnamen auf, was zuweilen für die Anderen - und auch für den Leser - etwas anstrengend sein kann.

Die diesem Buch zugrunde liegende Idee ist eigentlich gut. Aber mich hat die Geschichte ehrlich gesagt ziemlich gelangweilt. Sie plätscherte so vor sich hin. Zu keiner Zeit konnte ich für die Figuren in der Geschichte irgendwelche Gefühle entwickeln. David tat mir leid, da er von allen gehänselt wird und keine Freunde hat. Dennoch konnte ich keine Bindung zu ihm aufbauen. Den Vater empfand ich als sehr anstrengende Person. Er ist über alle Maßen bigott und könnte mit seinen Ansichten genauso gut ins Mittelalter passen. Ständig zitiert er Bibelverse. Von seinem Gehabe her könnte er einer dieser schrägen Wanderprediger sein. Davids Mutter ist sehr liebevoll, und Peter ist wirklich ein toller großer Bruder.

Die anderen Dorfbewohner fand ich sehr unangenehm. Es gibt ein paar neutrale Leute, die ganz nett sind und zumindest nicht negativ auffallen. Aber der Rest ist einfach unsympathisch, und es ist frustrierend, dass fast niemand im Dorf mit David umgehen kann und auch nur ansatzweise versucht, ihn zu akzeptieren. Stattdessen wird er als Trottel beschimpft und ausgelacht. Wirklich positiv blieben mir nur der Lehrer und der Pastor im Gedächtnis.

Durch die vielen Landschaftsbeschreibungen kann man sich Fjeldvig ganz gut vorstellen. Ich persönlich war noch nie auf einer solchen Insel und fand die vielen Beschreibungen irgendwann ermüdend, ich bin aber generell kein Freund davon. Ich habe vermutlich einfach nicht genug für die Schönheit der mir völlig fremden Färöer-Inseln übrig und empfand vieles eher negativ: Das schlimme Wetter, die Abgeschiedenheit, der Rückschritt auf Fjeldvig nicht nur technisch, sondern auch in den Köpfen der Einwohner.

Die Altersempfehlung liegt bei 12 Jahren, aber ich zweifle etwas daran, dass das Buch junge Leser begeistert. Auch wenn es aus Sicht eines 14jährigen ist, fällt nicht nur die Identifizierung mit dem Protagonisten schwer. Auch die Handlung ist meiner Meinung nach nichts, was Teenager begeistert und fesselt. Der im Klappentext versprochene Höhepunkt in Form eines Unfalls kommt erst am Ende der Geschichte, so dass lange Zeit einfach keine Spannung aufkam und die Geschichte so vor sich hindümpelte.

"Das schwarze Loch in mir" ist ganz nette Unterhaltung, und wer einen Bezug zu den Färöer-Inseln hat, hat bestimmt seine Freude an dem Handlungsort. Ansonsten stehe ich dem Buch recht emotionslos gegenüber.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an  und Beltz & Gelberg für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 2. Oktober 2016

5. Arena-Bloggerworkshop am 24. September 2016 mit Kim Kestner und Angela Mohr

Jedes Jahr im Herbst findet beim Arena-Verlag in Würzburg ein Bloggerworkshop statt, bei dem in der Regel ein Autor/eine Autorin zu Gast ist und die Teilnehmer über ein bestimmtes Buch und/oder Thema diskutieren.

Ich bin seit dem zweite Mal dabei und wollte natürlich auch dieses Jahr nicht fehlen, wenngleich es logistisch diesmal eine kleine Herausforderung war. Am Tag vorher fand nämlich meine Abschlussfeier statt. Ich habe meine Ausbildung ja erfolgreich beendet und darf mich nun "Verwaltungswirtin" schimpfen, und am 23. September gab es in Lauingen an der Donau, wo die Bayerische Verwaltungsschule ein großes Schulungszentrum hat, eine offizielle Feier. Da Lauingen zwei Stunden von hier ist und die Feier natürlich erst abends stattfand, habe ich dort auch übernachtet. Meine drei (Mit-)Fahrerinnen waren aber so lieb und haben sich trotz wenig Schlaf bereit erklärt, am Samstagmorgen zeitig loszufahren, damit ich noch zum Workshop gehen kann, der offiziell um 11.30 Uhr begann. Und so kam es, dass die Teilnehmerin mit dem kürzesten Weg (Meine Wohnung ist vom Verlag circa drei Gehminuten entfernt.^^) als Letzte kam. ;-)

Ich kam dann auch erst um 12.30 Uhr, passend zur Pause, hinzu und war erstmal total baff, wie viele Teilnehmer es dieses Jahr waren. 14 weitere Bloggerinnen und ein Blogger hatten sich mit mir im schönen Würzburg eingefunden! Dazu noch zwei Autorinnen und drei Verlagsmitarbeiterinnen, da war die Bude natürlich voll. Ach ja, und der Bücherbär, den darf ich auch nicht vergessen! ;-)

Worum ging es also dieses Jahr?

 

Angela Mohr
Zu Gast waren die beiden Autorinnen Kim Kestner und Angela Mohr. Vorab erhielten wir die drei Bücher, die bislang von den beiden im Arena-Verlag erschienen sind. (Wow, gleich drei Bücher, ihr seid doch wahnsinnig!!!) Von Kim Kestner ist das der Reihen-Auftakt "Anima - Schwarze Seele weißes Herz", den ich bereits zu Hause hatte. (Also doch nur zwei Bücher, mimimi. ;-)) Und von Angela Mohr "Ada - Im Anfang war die Finsternis" und "Zwei Tage, zwei Nächte und die Wahrheit über Seifenblasen". Leider war der Workshop dieses Jahr recht kurzfristig angekündig, so dass ich - wie die meisten der Teilnehmer - es leider nicht vorher schaffte, eines der drei Bücher vorab komplett zu lesen. Echt schade. Ich habe zwar alle drei angelesen, aber selbst nach 40, 50 Seiten konnte ich die Bücher noch nicht so wirklich einschätzen, so dass ich mich in dem Teil, wo man sagen konnte, was einem gut und schlecht gefiel, total raushielt.

Kim Kestner
Thematisch ging es einerseits um die Bücher von Angela und Kim, andererseits sind wir der Frage nachgegangen:

"Unterhaltung vs. Literatur: Schließt sich das aus?" 


Einerseits eine schwierige Frage, andererseits dann doch für mich ganz einfach zu beantworten, denn ich habe noch nie auch nur eine Sekunde gedacht, dass sich die beiden ausschließen!

Dann haben wir uns noch überlegt, welche Genres es gibt, und haben versucht, diverse Arena-Titel in diese Genres nur aufgrund ihrer Klappentexte einzuordnen.

Ansonsten wurde relativ frei Schnauze geplaudert und diskutiert, und als krönenden Abschluss haben die beiden sehr sympathischen Autorinnen noch aus ihren Büchern vorgelesen.

Mit mehr Details will ich euch gar nicht langweilen, deshalb folgen jetzt nur noch ein paar Fotos von diesem Tag. Eine Liste aller teilnehmenden Blogger gibt es diesmal (vorerst?) nicht, da ich bei der Vorstellungsrunde gefehlt hatte und mir keine Liste vorliegt. Zwar gab es viele bekannte Gesichter, aber es waren auch neue Leute da, und ich möchte hier keine unvollständige Liste bieten. Ich werde aber die mir bekannten Blogberichte der Anderen verlinken, soweit sie mir bekannt sind.

Übrigens: Da ich schon ein paar Male unter meinen Blogberichten Kommentare anderer Blogger fand, die auch gerne dabei gewesen wären, kann ich nur nochmal betonen: Meldet euch bei Daniela vom Verlag, die freut sich sehr über neue Gesichter und wird euch sicherlich auf die Mailingliste setzen, damit ihr zukünftig ebenfalls rechtzeitig eine Einladung erhaltet! :-)

Angela Mohr und Kim Kestner
Workshop Interaktiv - Welche Genres kennen wir und wie würden wir die an uns ausgeteilten Bücher anhand des Klappentextes einordnen?
Bei so vielen hübschen Damen fallen dem Bücherbär fast die Augen aus dem Kopf!
Aber meine Kuschelattacke, die ich jedes Jahr aufs Neue starte, fand er dann doch nicht so toll...

Alle Teilnehmer mit den Autorinnen
Foto: Stefanie Haase

Weitere Berichte über den Bloggerworkshop:
Agnes, "Lesemaus im Schafspelz"