Sonntag, 15. Januar 2017

Rezension: "Nujeen - Flucht in die Freiheit. Im Rollstuhl von Aleppo nach Deutschland" von Nujeen Mustafa

Daten zum Buch:
erschienen am: 10. Oktober 2016
Verlag: HarperCollins
ISBN: 9783959670753
299 Seiten
Preis: 18,00 € (SC)
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Zum Inhalt:
Was bedeutet es wirklich, ein Flüchtling zu sein, durch den Krieg frühzeitig erwachsen werden zu müssen, die geliebte Heimat hinter sich zu lassen und vom Wohlwollen anderer abhängig zu sein?

Die sechzehnjährige Nujeen erzählt, wie der syrische Krieg eine stolze Nation zerstört, Familien auseinander reißt und Menschen zur Flucht zwingt. In Nujeens Fall zu einer Reise durch neun Länder, in einem Rollstuhl. Doch es ist auch die Geschichte einer willensstarken jungen Frau, die in Aleppo durch eine Krankheit ans Haus gefesselt ist und sich mit amerikanischen Seifenopern Englisch beibringt, weil sie die starke Hoffnung auf ein besseres Leben hat. Eine Hoffnung, die sich nun vielleicht fern der Heimat in Deutschland erfüllen kann.

Es ist die Geschichte von Flucht, dem Verlust der Heimat, die Geschichte unserer Zeit – erzählt von einer bemerkenswert tapferen Syrerin, die nie aufgehört hat, zu lächeln.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Als im Jahr 2015 der Flüchtlingsstrom seinen (vorläufigen?) Höhepunkt erreichte, war auch die 16jährige Nujeen mit ihrer Familie unter den Flüchtenden. Das Besondere und auch Beschwerliche an Nujeens Flucht ist, dass sie seit ihrer Geburt an Kinderlähmung leidet und die beschwerliche Flucht nach Europa im Rollstuhl mit Hilfe von Familie und hilfsbereiten Menschen schaffte. Wichtigste Bezugsperson ist stets Nujeens ältere Schwester Nasrine, die ihre behinderte Schwester niemals alleine lässt und sie auch durch die unwegsamstem Gelände schiebt. Ich persönlich finde, dass dieser Frau ganz besonders viel Respekt gezollt werden muss, auch wenn stets ihre kleine Schwester Nujeen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.

Nujeens Geschichte beginnt 1999 in Syrien, als die Konflikte beginnen, die die Familie zu einem Umzug von Aleppo nach Manbidsch zwingen. Dann 2015 die Flucht in die Türkei und anschließend der lange Weg nach und durch Europa. Seit September 2015 lebt Nujeen mit ihren Geschwistern in Deutschland und versucht, ein ganz normales Leben in einem Land zu führen, in dem sie sich manchmal wie ein Alien vorkommt. 

Das Buch ist in drei große Abschnitte eingeteilt: "Syrien 1999-2014", "Europa August - September 2015" und "Deutschland 2015". Nujeens Leben in Syrien und alle Etappen ihrer Flucht werden detailreich, lebendig und anschaulich erzählt, so dass man das Gefühl hat, man wäre selbst dabei.

Die junge Frau hat Sinn für Humor und ein positives Naturell. Stets versucht sie, das Gute in allem zu sehen. Auch während der Flucht empfindet sie vieles anders als ihre Weggefährten. Sie betrachtet die lebensgefährliche Überfahrt nach Griechenland in einem Schlauchboot sogar als Abenteuer, und sie genießt es anfänglich, so viel Neues zu erleben, da sie in ihrer Heimat aufgrund ihrer Behinderung bislang nur im Haus bleiben musste. Nur wenige Male ist auch sie kurz vor der Verzweiflung.

In dieser Biographie erfährt der Leser viel Neues, nicht nur über Syrien oder die Flüchtlingspolitik in Europa. Nujeen lässt den Leser auch an ihrem umfangreichen Wissen aus allen möglichen Bereichen teilhaben. Denn sie ist trotz fehlender Schulbildung sehr intelligent und gebildet. Sie eignete sich ihr Wissen aus Büchern und dem Fernsehen an, entdeckte ihr Sprachtalent beim Schauen von Seifenopfern und kann sich äußerst gut Details wie Namen und Jahreszahlen merken.

Nujeens Geschichte steht stellvertretend für so viele Schicksale von Flüchtlingen, die sich nur eines mit ihrer meist lebensgefährlichen Reise nach Europa erhoffen: Endlich in Frieden leben zu können. Für alle Hetzer sollte diese Biographie Pflichtlektüre sein.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den HarperCollins-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!
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Hier noch das Interview bei Markus Lanz (ab 1:00:00):

1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Das Buch liegt bei mir im Regal und wartet nur darauf, dass ich es zur Hand nehme. Sobald ich nach Hause komme, werde ich es befreien. Dann wird es noch diesen Monat gelesen. Und daran bis du schuld!! Danke dafür!

    Schöne Grüße, Sara (Tastenklecks #mainwunderbuchblogger)

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