Montag, 20. März 2017

Rezension: "Dicke Beine trotz Diät. Mein Leben mit Lipödem" von Madlen Kaniuth

Daten zum Buch:
erschienen am: 11. Mai 2015
Verlag: mvg
ISBN: 9783868825671
192 Seiten
Preis: 17,99 € (TB)
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Zum Inhalt:
Viele Frauen kennen das: Man müht sich mit Sport und Diäten ab, um ein paar Kilo zu verlieren, aber die Beine werden einfach nicht wirklich dünner – egal, wie schmal man im Gesicht und am Oberkörper geworden ist. Es bleibt das ungute Gefühl, dass man nicht diszipliniert genug ist, nicht hart genug trainiert, und oft wird das auch durch die Reaktionen des Umfelds bestärkt. »Dann nimm halt mal ein bisschen mehr ab!«, »Du musst auch Sport machen, sonst passiert da nichts!« – das sind Sätze, die Madlen Kaniuth oft gehört hat und die auch viele andere Frauen kennen.

Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Beine deshalb nicht dünner werden, weil es sich um das Krankheitsbild »Lipödem« handelt. Dies ist eine hormonell bedingte Fettverteilungsstörung, durch die Fettgewebe unproportional stark in den Beinen und auch Armen eingelagert wird, wodurch wiederum die Lymphflüssigkeit schlechter abtransportiert wird. Das Resultat sind übermäßig dicke Beine (oder auch Arme), die schmerzempfindlich sind, leicht blaue Flecken bekommen und gegen die weder Diät noch Sport, sondern nur eine Operation hilft. Jede 10. Frau ist davon betroffen.

Madlen Kaniuth leidet seit ihrer Jugend am Lipödem – aber erst Anfang 2014 bekam sie die entsprechende Diagnose. Sie hatte denselben Leidensweg hinter sich wie viele Frauen, konnte jedoch mit den entsprechenden Operationen gegensteuern. In diesem Buch beschreibt sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen, gibt Rat und Hilfe für alle Betroffenen und macht Mut, gegen die Krankheit zu kämpfen und nicht mehr an sich selbst zu zweifeln.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Vielen ist die deutsche Schauspielerin Madlen Kaniuth aus der Seifenoper "Alles was zählt" bekannt. Ich persönlich kannte sie noch nicht, als ich auf dieses Buch stieß. Auch bei mir steht die Diagnose Lipödem im Raum, weshalb ich mich nun intensiver mit dieser Krankheit beschäftige.

Wer sich, so wie ich, bereits mit der Thematik beschäftigt hat, wird hier bezüglich dieser Krankheit nichts Neues finden. Lediglich die OP-Erfahrungen waren ganz spannend zu lesen. Diagnose und OPs beginnen aber erst ab Seite 130, nehmen also einen recht kleinen Teil des Buches ein. Zuvor schreibt die Autorin vor allem über ihr Hadern mit den dicken Beinen, ihr erfolgloser Kampf gegen das "Fett" durch radikale Ernährung und Sport sowie die psychische Belastung. Daneben erfährt man einiges über ihren Werdegang als Künstlerin.

Ich bin auf mehrere negative Rezensionen gestoßen, die den fehlenden Ratgeber-Charakter des Buches kritisieren. Ich hatte jedoch nach Lesen des Klappentextes nicht den Eindruck, dass es sich hier um einen Ratgeber handeln soll. Dieses Buch ist lediglich der Erfahrungsbericht einer Lipödem-Patientin. Er ist nicht sonderlich hilfreich, wenn man sich aus medizinischer Sicht mit dem Thema beschäftigen oder die verschiedenen Behandlungsmethoden genauer kennenlernen will. Hierfür ist das Buch nicht gedacht und auch nicht geeignet. Es ist eher so, als würde man sich eben mit einer Leidgeplagten unterhalten, die erzählt, wie sie die Krankheit empfand und was ihr speziell geholfen hat. Manchen Menschen hilft solch ein Gespräch, andere wollen lieber Fakten und konkrete Hilfe. Letztere Personengruppe wird mit diesem Buch nicht glücklich und sollte es gar nicht erst kaufen.

Frau Kaniuth hat die konservative Therapie in Form von Manuellen Lympdrainagen (MLD) und dem Tragen von Kompressionswäsche nie ausprobiert. Sie hat sich sofort nach der Diagnose OP-Termine geben lassen, da sie nach 40 Jahren körperlichem und psychischem Leid die endgültigere Behandlungsmöglichkeit wollte. Ein Argument war, dass sie als Schauspielerin die zeitintensive Therapie (empfohlen wird die MLD zwei- bis dreimal wöchentlich) nicht ausüben und auch keine Kompressionswäsche während TV-Drehs tragen könne. Zudem liegt der Vorteil der OP, der bei Erfolg eine sofortige spürbare Linderung verspricht, gegenüber einer lebenslangen konservativen Behandlung, die die Symptome nicht beseitigt, sondern nur ein schnelles Fortschreiten der Krankheit verhindert, nunmal klar auf der Hand. Lediglich die hohen OP-Kosten von - in Frau Kaniuths Fall - 16.000,00 €, die im Gegensatz zur konservativen Therapie nicht von der Krankenkasse übernommen werden, halten die meisten Lipödem-Patientinnen ab. Die Autorin war nunmal in der glücklichen Lage, diese auftreiben zu können, auch wenn es ein starker finanzieller Einschnitt für sie war.

Frau Kaniuth stellt im Nachwort klar, dass sie Schauspielerin und nicht Autorin ist. Wer hier sprachlich also eine Glanzleistung erwartet, ist selbst schuld. Die Sprache ist einfach gehalten, aber ich fand den Stil durchaus angenehm und keineswegs hölzern oder holprig.

Ich hätte mir Fotos gewünscht, z. B. von ihren Beinen vor der OP. Wer Bilder von Frau Kaniuth googelt, wird vor allem welche nach der OP finden. Es kann natürlich sein, dass sich die Autorin nicht so "nackig" machen wollte vor den Lesern. Aber bei so einer Krankheit fände ich ein bisschen "Anschauungsmaterial" durchaus gut. Auch hätte das Buch durch einen kurzen Anhang mit Literaturtipps oder hilfreichen Links aufgewertet werden können.

Alles in Allem ist das Buch ganz unterhaltsam, bietet aber für Leute, die sich schonmit dieser Erkrankung beschäftigt haben, nichts Neues. Es ist eben eben der Erfahrungsbericht einer Betroffenen, der ein Happy End hat. Wen das interessiert, der kann hier bedenkenlos zugreifen, zumal durch das großzügige Layout das Buch schnell gelesen ist. Allen Anderen empfehle ich medizinische Ratgeber und Fachartikel. 

3,5 von 5 Schreiberpaletten

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