Samstag, 24. Juni 2017

Rezension: "Der Agent, meine Tochter & Ich" von Jana Herbst

Daten zum Buch:
erschienen am: 2. März 2017
Verlag: Feelings
ISBN: 9783426216217
374 Seiten
Preis: 12,99 € (TB)
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Zum Inhalt:
Eigentlich ist Sarah Wagner ganz zufrieden mit ihrem Leben. Sie arbeitet in ihrem Traumjob als Kuratorin und hat eine entzückende Tochter, die siebenjährige Lilly. Dass sie schon seit Lillys Geburt alleinerziehend ist und ein Mann in ihrem Leben fehlt, fällt eigentlich kaum ins Gewicht.

Doch dann lernt Sarah in einer Bar den attraktiven Lars kennen. Es funkt sofort zwischen den beiden, und sie verbringen eine leidenschaftliche Nacht miteinander. Am nächsten Tag ist Sarah verschwunden, denn auch wenn sie sich ungewöhnlich stark zu ihm hingezogen fühlt, eignet sich ein Junggeselle wie Lars nicht als Vaterfigur, findet sie.

Doch Lars hat sich schon längst in Sarah verliebt und sucht sie. Als die beiden endlich aufeinander treffen, ist das Chaos vorprogrammiert, denn der Geheimagent tritt ihr unfreiwillig als Kabelverleger Kai entgegen - seine neue Rolle für einen gefährlichen Auftrag. Und plötzlich hat Sarah neben ihren Achterbahn fahrenden Gefühlen auch noch einen echten Krimifall am Hals.

Meine Meinung:
Es handelt sich um den zweiten Teil von Jana Herbsts "Agenten"-Reihe, der aber völlig unabhängig zu lesen ist, da er zwei neue Protagonisten hat. Ich kenne den ersten Teil noch nicht, aber es taucht der männliche Protagonist daraus wieder hier als Nebenfigur auf, was ein witziger Einfall ist.

Ich mochte den Schreibstil auf Anhieb. Er ist lebendig, frech und voller (Selbst-)Ironie. Dabei bleibt der Humor nicht immer subtil, aber wirkt auch nicht plump. Die Sprache ist direkt und auch mal etwas derber. Es war einfach genau meine Art von Humor.

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt, meist abwechselnd aus denen von Sarah und Lars, aber auch mal zwischendurch aus der Perspektive von Nebenfiguren. So lernt man gut das Innenleben von Sarah und Lars kennen und wie die beiden jeweils eine Situation bewerten, und es laufen Handlungsstränge nach und nach zusammen.

Auch wenn ich Sarah und Lars mochte, waren die beiden für meinen Geschmack zu perfekt. Allein optisch scheinen sie so attraktiv zu sein, dass ihr Anblick förmlich schmerzt. Sarahs einziger "Makel" ist der Umstand, dass sie alleinerziehend ist. Dafür übt sie aber ihren absoluten Traumjob aus, hat ein großes Haus, eine perfekte Tochter und viele (supererfolgreiche) Freundinnen. Sie ist sowohl optisch als auch charakterlich die absolute Traumfrau. Trotzdem mochte ich sie auf Anhieb, da sie nicht arrogant, sondern sehr selbstkritisch ist. Und immerhin ist sie als Agentin die absolute Oberpfeife, das wäre sonst auch unfair gewesen. Im Übrigen finde ich ihren Beruf, Museumskuratorin, toll. Hier findet sich die Leidenschaft der Autorin wieder, die - so wie ich - Archäologie studiert hat. Mich hat das Umfeld (die Museumsinsel in Berlin) total angesprochen.

Lars ist natürlich ebenfalls ein optischer Kracher (Aber wer hat auch schonmal unattraktive Agenten gesehen? Gut, lassen wir mal Johnny English hier aus dem Spiel...). Und er ist natürlich der Beste seines Faches. Diese ständigen Angebereien, was er schon alles erlebt hat, sind unterhaltsam. Für ihn ist es kein Problem, mit zwei Fingern über einer Gletscherspalte zu hängen und mit der anderen Hand 20 schwer bewaffnete Ninjas auszuschalten - so lange er nicht einer Siebenjährigen einen Pferdeschwanz binden muss!

Für beide ist es Liebe auf den ersten Fi... äh, Blick. Bei Lars allerdings ist der Grat zwischen leidenschaftlichem Romantiker und krankhaft fixiertem Stalker extrem schmal... Die körperliche Anziehungskraft spielt hier eine starke Rolle. Dieses ständige "Oh Gott, ich will mit ihr/ihm sofort f***."-Getue fand ich persönlich irgendwann nervig. aber ich denke mal, die meisten Leserinnen werden das eher anregend und wild-romantisch finden. Immerhin muss ich zugeben, dass die anzüglichen Gedanken der Protagonisten meist recht amüsant zu lesen sind.

Nach ungefähr 100 Seiten kommt dann auch Tochter Lilly ins Spiel. Sie ist sieben Jahre alt, wohlerzogen und selbstverständlich hochbegabt. Was sie unglaublich nervtötend macht, weil sie alles (besser) weiß. Sie kann sich sogar an den hypermegabesten Agenten Berlins unbemerkt ranschleichen, ihm sein Handy klauen und sonstiges machen, was ihn ärgert. Sie ist einfach wie ihre Mutter: Perfekt. Aber dass sie sich gleich mit Haut und Haaren in Lars "verliebt", weil sie einen Papa sucht, ist schon wieder so süß, dass man auch sie nicht wirklich blöd finden kann.

Die Hauptcharaktere sind tief gezeichnet und entwickeln sich im Laufe der Geschichte. Im Mittelpunkt steht natürlich die Beziehung zwischen Sarah und Lars, aber dazu wird man noch mit einem echten Kriminalfall beglückt. Hier stand ich lange Zeit auf der Leitung, wer der Drahtzieher ist, und die Story war recht gut durchdacht.

Meine Kritikpunkte sind eben, dass mir die Charaktere zu perfekt und zu notgeil sind. Und dass sich die Beziehung trotz endlos langer Gefühlsdebatten im Schweinsgalopp entwickelte und für mich dennoch irgendwie oberflächlich blieb. Aber das ist bei heiteren Liebesromanen ja eigentlich oft so. 

"Der Agent, meine Tochter & Ich" hat mich sehr gut unterhalten. Ich finde den Schreibstil und den Humor super, und die Liebesgeschichte erhält auch dank des Kriminalfalles eine gute Portion Spannung. Ich verrate wohl nicht zu viel damit, dass Lars und Sarah natürlich ihr Happy End kriegen. Aber das ist vermutlich eh jedem klar. Der Weg ist das Ziel. Und es macht Spaß, diesen Weg mit Sarah, Lars und Lilly gemeinsam zu gehen.

Ich hatte trotz meiner o.g. Kritikpunkte viel Spaß beim Lesen, bin richtig durch die Seiten geflogen und werde liebend gerne wieder zu einem Buch dieser Autorin greifen, denn selten traf jemand mit seinem Schreibstil so exakt meinen Humor. Das nächste Mal dürfen die Figuren aber auch gerne mehr Ecken und Kanten haben.

4,5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an die Autorin für dieses Lesexemplar!

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